Venedig

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Venedig (ital. Venezia, venezianisch Venexia oder Venezsia) ist eine Stadt im Nordosten Italiens an der adriatischen Küste. Sie ist die Hauptstadt der Region Venetien und der Provinz Venedig.

Geschichte

Venedig entwickelte sich seit der späten Antike aus verstreuten Siedlungen auf den Inseln der Lagune. Die geographische Lage der Stadt erwies sich als sehr günstig für den Handel zwischen Ost und West. Venedig nutzte diesen Umstand und wurde über Jahrhunderte zum führenden Zwischenhändler Europas. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 musste Venedig seine Posten im östlichen Mittelmeer nach und nach den Osmanen überlassen, seine Bedeutung nahm auch wegen der Verlagerung des Weltverkehrs auf den Atlantik immer mehr ab. In der Folge übernahm die Luxusindustrie (vor allem die Glasherstellung auf Murano) die Rolle des Levantehandels, ebenso der Tourismus.

1797 verlor die Republik Venedig durch Napoléon Bonaparte ihre Selbstständigkeit und wurde an Österreich angegliedert. Nachdem es 1805 bis 1815 Teil des napoleonischen Königreichs Italien war, kam es in Folge des Wiener Kongresses 1815 als Teil des Lombardo-Venezianischen Königreiches wiederum zu Österreich. Im Revolutionsjahr 1848 wurde am 23. März erneut eine Republik in Venedig ausgerufen, die über ein Jahr ihre Unabhängigkeit von Österreich behaupten konnte. Am 24. August 1849 wurde die Stadtrepublik von österreichischen Truppen blutig erobert. In Folge der Niederlage Österreichs gegen Preußen im Deutschen Krieg von 1866, in dem das 1861 neu gegründete Königreich Italien Verbündeter Preußens war, kam Venedig gemäß dem Wiener Friedensvertrag vom 3. Oktober 1866 wieder an Italien.

bei Karl May

im Leben

Grand Hotel Britannia in Venedig
Venedig
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Geographische Predigten
Aqua benedetta
Ein Fürst des Schwindels
Himmelsgedanken
Reisetagebücher

Während der Rückkehr von seiner großen Orientreise 1899/1900 kam Karl May am 21. Juli 1900 von Bolgna mit der Bahn nach Venedig und logierte im mondänen Grand Hotel Britannia. In sein Reisetagebuch trug er ein:

21. Juli 1900. Heute nach Venedig. Grand Hôtel Britannia, vis-à-vis der Maria della Salute. Sehr gut. Diesmual nur 4 Tage. Bald hoffe ich wieder hier zu sein.
Die Wohnung Wagners aufgesucht. Ich stand auf der Stelle, wo er starb. Tiefbewegt. Künstlerwallen. - - - Markuskirche hat mir zu viel Gold und Mosaiken, sie machen auf mich den Eindruck von Geduldsspielen. Der Dogenpalast imponierte mir. Nicht seiner Kunstwerke wegen, sondern als Denkmal, und zwar als ein mahnendes und warnendes. Diesen Menschen war eine große Aufgabe anvertraut, doch sie lösten sie nicht. Sie beherrschten ihre Welt und wollten sie richten. Sie herrschten ohne Liebe und richteten ohne Gerechtigkeit. Nun sind sie selbst gerichtet. Wer die ihm gewordene öffentliche Macht zum heimlichen Terrorismus zwingt, dem wird sie genommen. Gott ist Licht, er will auch von denen, die ihn vertreten, Licht. Umgeben sie sich aber mit Finsterniß, so gehen sie in ihr unter. Was ist von ihnen geblieben? Der Besucher ihrer Paläste freut sich über die Werke ihrer Künstler, er nennt die Namen derselben mit Ehrerbietung; das Andere ist Schweigen. Wagners Sterbezimmer wird mit Pietät betreten und betrachtet. Der Name der Aristokraten, denen der Palast gehört, ist uns vollständig schnuppe! Venedig, die einstige »Königin der Meere«, ist zum alten Weib geworden, welche sich von den Überresten ihrer einstigen Schönheit nährt. Das ist der Eindruck, den sie im allgemeinen auf mich macht, wenn ich auch im besonderen viel würdige.
Die »Straßen« der Stadt sind in Wahrheit »Adern«, in denen das Leben pulsirt. Aber das Blut ist nicht rein und der Puls träge. Dieser einst so schöne Leib muß mit fremden Säften ernährt werden.
22. Juli 1900. Venedig. Die St. Maria della Salute zum Hochamt besucht. Dann nach der Frari. Mir scheint sie nicht hell genug. Für mich waren nur die Grabmonumente Canovas und Tizians vorhanden. Das Erstere, eine Pyramide, wirkt grad durch die Einfachheit groß. Wenig Figuren. Aber warum immuer wieder diese Trauer um den Leib? Wo ist die Freude darüber, daß die Seele frei geworden ist? Die Trennung beider ist ja nur dann zu beklagen, wenn die irdische Vereinigung beider nicht zu dem Ziel geführt hat, welches sie zu erreichen hatte. Das Letztere ist auch schön, aber die Menge der Figuren zerstreut. Ein Monument soll nicht ein Katalog der Werke des betreffenden Künstlers sein, sondern so kurz, aber auch so schön wie möglich sagen, was er denen, die es errichteten, hat sein wollen und geworden ist.
Auch den Dogenpalast seh ich wieder. Diesmal ließ er mich noch kälter. Die heimlichen Gänge und Gefängnisse suchte ich gar nicht auf.
24. Juli 1900. Venedig

als Zettelnotiz ist erhalten:

23. Juli 1900. Venedig. Kennst du die rollenden Spiralen der Chiesa Santa Maria della Salute in Venedig? Sie streben, Propheten tragend, nach allen Richtungen hinaus, doch fest verbunden mit der Kuppel bleibend. Der Körper lastet; der Geist ist es, der wirkt. Das ist ein monumentaler Ruf zur ächten christlichen Mission. Gehet mit Eurer Kraft hinaus in alle Welt, doch Alles, was da lastet, bleibe daheim!


Karl May verließ die Stadt am 25. Juli wieder und reiste mit der Bahn über Verona nach Bozen.

Vom Venedig-Besuch sind drei ergänzende Zeugnisse erhalten: eine Architekturzeichnung, eine Klappkarte des Hotel Sandwirth sowie eine Postkarte von Klara Plöhn an ihre Mutter, Wilhelmine Beibler.

Hans Grunert spekulierte 2012 über einen möglichen zweiten (Kurz-)Aufenthalt in Venedig, z.B. 28./29. September 1901.[1]

im Werk

Im Werk wird Venedig nur erwähnt. Es ist kein Handlungsschauplatz.

Karl May komponierte aber für den Gesangsverein Lyra zu Ernstthal ein Ave Maria der Gondolieri am Traghetto della Salute (nach einem Gedicht von Ida von Düringsfeld).

Anmerkungen

  1. Hans Grunert: Viele herzliche Grüße von Haus zu Haus. Klara May als Sekretärin. In: Karl-May-Handschriften aus der Sammlung des Karl-May-Museums Radebeul; S. 102 f.

Literatur

Weblinks

  • Der ausführliche Artikel in der großen Wikipedia.