Karl-May-Verlag

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Im Karl-May-Verlag (KMV) wurden und werden hauptsächlich Bücher von und um Karl May veröffentlicht. Angefangen mit der Reihe Karl May's Gesammelte Werke im bekannten grün-goldenen Einband über Reprints der Erstausgaben bis hin zu Bibliografien, Biografien und weiterer Sekundärliteratur zum Autor und dessen Werk.

Radebeuler Zeit[Bearbeiten]

Anzeige zur Gründung

Nach dem Tod Karl Mays im März 1912 standen seine Erben vor einem Trümmerfeld: Mays Ruf schien dauerhaft ruiniert, seine Texte waren bestenfalls umstritten, die Absatzzahlen im Keller.

Der bisherige May-Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld resignierte. Bereits drei Monate nach dem Tode Mays kündigte dessen Witwe Klara May den Verlagsvertrag und sah sich nach einem neuen Verleger um. Aber das schien schwierig. Interesse seitens der Verlage bestand nur in Hinsicht auf die "Rosinen" im Werk – aber das war Klara May zu wenig.

Sie wandte sich Hilfe suchend an Euchar Albrecht Schmid, einen jungen May-Verehrer und Juristen, der in den Jahren 1907 bis 1912 eine lebhafte Korrespondenz mit May geführt und darin mit ihm gemeinsam einen "Neustart" konzipiert hatte. Am 1. Juli 1913 gründeten Klara May als Erbin der Urheberrechte, Friedrich Ernst Fehsenfeld als erfahrener Buchverleger mit dem nötigen Equipment und den existierenden Restbeständen und Dr. Euchar Albrecht Schmid als Geschäftsführer den Verlag der Karl-May-Stiftung Fehsenfeld & Co., den späteren Karl-May-Verlag.

Von Anfang an war nicht beabsichtigt, weitere Autoren neben Karl May zu verlegen. Jeder der Gesellschafter hatte andere Gründe für diese Entscheidung. Klara May hielt das Andenken Karl Mays hoch, als Erbin der Honoraransprüche ging es ihr hauptsächlich um berechtigte eigene finanzielle Interessen; E. A. Schmid fühlte sich ebenfalls Karl May verpflichtet. Er war Jurist, kein Verleger und hatte bis dahin keinerlei Affinität zum Buchmarkt. Friedrich Ernst Fehsenfeld seinerseits hatte einen erfolgreichen Verlag, in dem bereits Abenteuerautoren verlegt wurden (Rudyard Kipling, Robert L. Stevenson, Jack London u. a.), damit hatte er kein Interesse an einer selbst geschaffenen Konkurrenz. Somit war der neue Verlag von vornherein als Ein-Autoren-Verlag konzipiert und das ganze Engagement der drei Gesellschafter konzentrierte sich auf May.

Der wichtigste Punkt erschien 1913 die Wiederherstellung der Reputation Karl Mays. E. A. Schmid sorgte dafür, dass in den folgenden Monaten sämtliche offene Rechtsstreitigkeiten möglichst unauffällig beendeten wurden (oft durch Vergleiche) und dass die so genannten "Schundromane" (Mays frühe Kolportageromane), die immer wieder von Kritikern attackiert wurden, vom Markt verschwanden.

Zudem kaufte Schmid mit Hilfe Klara Mays die Rechte weiterer May-Texte zurück, die bei anderen Verlagen lagen. Darunter befanden sich auch die Rechte an den berühmten Jugenderzählungen Der Schatz im Silbersee oder Der Sohn des Bärenjägers. Ohne die Jugenderzählungen belief sich die Gesamtauflage auf etwa 1,5 Millionen Bände. Bereits Weihnachten 1913 erschienen die ersten beiden Ergänzungen zu der bis dahin 33-bändigen Reihe. Die neu aufgenommen Titel wurden inhaltlich und sprachlich umfassend bearbeitet. Dennoch hielt der KMV an der Bezeichnung Originalausgaben fest.

1914 erwarb der KMV die Rechte an den umstrittenen Kolportageromanen und verhinderte so, dass sie weiter in der von May abgelehnten Fassung erschienen. Die Reiseerzählungen wurden bereits nachgedruckt (und bei dieser Gelegenheit auch bearbeitet) und weitere Jugenderzählungen der Reihe angefügt.

Das Verlagshaus in Radebeul

Der Verlag musste zum 1. Januar 1915 umfirmieren, um aus steuerrechtlichen und juristischen Gründen eine klare Trennung zwischen der unabhängigen Stiftung und dem Verlag herzustellen. Er nannte sich ab da Karl-May-Verlag Fehsenfeld & Co. Diese erzwungene Umbenennung war verbunden mit einem kostspieligen Austausch von Deck- und Vorsatzblättern und der Änderung auf sämtlichen Werbedrucken.

1916 wurde Carl Lindeberg, ein schwedischer Gebrauchsgrafiker, zum Hausillustrator des KMV. Seine Deckelbilder prägten nachhaltig das Bild des Verlags und trugen zweifellos zum Erfolg bei.

Als im Mai 1916 der damals ebenfalls sehr populäre Abenteuerschriftsteller Robert Kraft starb, kaufte E. A. Schmid den Verlag Haupt & Hammon, um dort die Werke Robert Krafts, deren Rechte er erworben hatte, zu verlegen. Eine Veröffentlichung im Karl-May-Verlag lehnte Klara May kategorisch ab. So kam es zu dem ersten Schwesterverlag. Mit dem Retcliffe-Verlag sollte später noch ein weiterer folgen.

Im Jahr 1917 wurde Mays Selbstbiografie Mein Leben und Streben im Rahmen eines Nachlassbandes veröffentlicht. Mit Band 38 (Halbblut – ehemals Der schwarze Mustang) wurde die Integration der Union-Bände abgeschlossen.

Im Band 18 der Schriftenreihe Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog des de Gruyter-Verlags erschien ein Beitrag von Alfred Kleinberg voller Polemik und Unwahrheiten (inspiriert von Rudolf Lebius) gegen May. Schmid protestierte erfolgreich: Der Artikel wurde ausgetauscht und der Autor sowie der Herausgeber des Jahrbuchs, Anton Bettelheim, kündigten zornig ihre Mitarbeit mit Walter de Gruyter auf. In rascher Folge erschienen daraufhin zahlreiche Pro- und Contra-Schriften, die aber letztlich zur Stärkung von Mays Ansehen beitrugen.

Palmenlogo

1918 überstieg die Nachfrage erstmals deutlich die Lieferkapazität – obwohl nahezu alle Bände in diesem Jahr Neuauflagen erlebten. Der Verlag beschloss, sich auf die grün-goldene Standardedition zu konzentrieren. Die Parallelausgaben (Illustrierte Reiseerzählungen und eine Halbfranz-Ausgabe) sollten auslaufen.

1919 erschien auch das erste Karl-May-Jahrbuch im KMV (davor waren zwei Bände im Verlag S. Schottlaender, Breslau erschienen). Die enthaltenen Beiträge zu May waren vor allem wissenschaftlich wenig relevante "Würdigungen"; mit Ausnahme der sporadischen Veröffentlichung von Nachlasstexten und den Werkbetrachtungen von Franz Kandolf, Max Finke und Otto Eicke gab es wenig, das heute noch bedeutsam ist. Bis 1935 wurde etwa jährlich eins der Jahrbücher herausgegeben.

1920 erreichte die Gesamtauflage 2,7 Millionen Bände. Einen Produktionsschub gab es durch die Stummfilmprojekte der Ustad-Film, von denen sich der KMV eine verstärkte Nachfrage erhoffte. Obwohl 1920 und 1921 insgesamt drei Stummfilme nach Motiven Mays produziert und gezeigt wurden, blieb den Filmen selbst der Erfolg versagt.

E. A. Schmid trug weiterhin Nachlasstexte und Zeitschriftenveröffentlichungen zusammen. So gab es 1921 trotz beginnender Inflation weitere Neuerscheinungen.

Am 31. Dezember 1921 schied Friedrich Ernst Fehsenfeld vertragsgemäß aus dem Verlag aus.

Die Reihe der Gesammelten Werke wuchs auf 65 Bände an.

Bamberger Zeit[Bearbeiten]

Die ersten Jahre nach Kriegsende waren für den in Radebeul ansässigen Karl-May-Verlag in mehrfacher Hinsicht schwierig. Besonders nachteilig wirkte sich aus, dass es in der sowjetischen Besatzungszone nicht möglich war, Druckgenehmigungen zu erhalten und Neuauflagen auf den Markt zu bringen. Eine Verbesserung brachte 1947 die Gründung einer Vertretung des Radebeuler Verlags in Bamberg; nun konnten zumindest für die westlichen Besatzungszonen und das Ausland Lizenzen vergeben werden.

Bernhard Schmid, Karl-May-Verleger in dritter Generation

1950 wurde dann in Bamberg der Verlag Joachim Schmid gegründet, dem der Karl-May-Verlag sämtliche Urheber- und Verlagsrechte übertrug. Zehn Jahre später siedelte der Karl-May-Verlag schließlich, nach erfolgter Trennung von der Karl-May-Stiftung, offiziell nach Bamberg über. Trotz der Schwierigkeiten, die sich durch die Kulturpolitik in der DDR ergaben, stieg die Gesamtauflage der Gesammelten Werke unaufhaltsam. Lag sie bei Ende des Zweiten Weltkrieges bei annähernd 9,4 Millionen, war sie zehn Jahre später bereits auf 12,3 Millionen angewachsen. Auch das Auslaufen der Urheberschutzfrist Ende 1962 konnte diesen Trend nicht bremsen. Obwohl nun auch andere Verlage mit Karl-May-Editionen auf den Markt kamen, blieben die "grünen Bände" marktbeherrschend. So stieg denn auch die Gesamtauflage der Gesammelten Werke – nicht zuletzt auch dank der Karl-May-Filme, die ab 1962 zu einem Ansturm auf die deutschen Kinos führten – von 25,1 Millionen im Jahr 1963 auf rund 56 Millionen bis 1978 bzw. 70 Millionen bis 1987 und liegt nunmehr bei rund 80 Millionen Stück verkaufter Exemplare. Rechnet man zu dieser Summe, die sich lediglich auf die Auflagen der grünen Gesammelten Werke sowie der daraus abgeleiteten Lizenzausgaben bezieht, noch die seit 1963 bei anderen Verlagen heraus gegebenen Konkurrenzausgaben dazu, kann man davon ausgehen, dass die deutschsprachige Karl-May-Gesamtauflage bei 100 Millionen liegt.

Versuche, andere Abenteuerautoren dauerhaft in das Verlagsprogramm zu integrieren (Werner Legère, Robert Kraft) misslangen. Dafür wuchs der Bereich der Sekundärliteratur stark an.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Datum Firmenname Sitz Gesellschafter
01.07.1913 Verlag der Karl-May-Stiftung, Fehsenfeld & Co. Radebeul Klara May, Dr. Euchar Albrecht Schmid, Friedrich Ernst Fehsenfeld
05.01.1915 Karl-May-Verlag, Fehsenfeld & Co. Radebeul Klara May, Dr. Euchar Albrecht Schmid, Friedrich Ernst Fehsenfeld
30.12.1921 Karl-May-Verlag, Fehsenfeld & Co. Radebeul Klara May, Dr. Euchar Albrecht Schmid
11.12.1945 Karl-May-Verlag, Fehsenfeld & Co. Radebeul Karl-May-Stiftung, Dr. Euchar Albrecht Schmid, Joachim Schmid
28.09.1951 Karl-May-Verlag, Fehsenfeld & Co. Radebeul Karl-May-Stiftung, Joachim Schmid, Katharina Schmid
01.08.1959 Karl-May-Verlag Joachim Schmid & Co. Bamberg Joachim Schmid, Roland Schmid, Lothar Schmid
17.02.1993 Karl-May-Verlag Joachim Schmid GmbH & Co.KG Bamberg Lothar Schmid
15.06.1994 Karl-May-Verlag Lothar Schmid GmbH & Co.KG Bamberg Lothar Schmid
22.06.1995 Karl-May-Verlag Lothar Schmid GmbH & Co.KG Bamberg Lothar Schmid, Bernhard Schmid
01.01.1997 Karl-May-Verlag Lothar Schmid GmbH Bamberg Lothar Schmid, Bernhard Schmid
2007 Karl-May-Verlag GmbH Bamberg Bernhard Schmid

Reihen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]