Robert Kraft

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Robert Kraft

Emil Robert Kraft (* 3. Oktober 1869 in Leipzig; † 10. Mai 1916 in Haffkrug) war ein deutscher Schriftsteller.

Seine Kriminal-, Abenteuer- und Phantastischen Romane spielen in verschiedenen Teilen der Erde. Im Gegensatz zu Karl May, mit dem er oft verglichen wurde, kannte er die meisten Schauplätze aus persönlicher Anschauung, da er, vor seinem Erfolg als Schriftsteller, als Schiffsjunge, Matrose und Koch auf großen Handelsschiffen gearbeitet hatte. Seine Bücher erschienen sowohl (als Mays Nachfolger) im Münchmeyer-Verlag als auch später im Haupt & Hammon- bzw. Karl-May-Verlag.

Biografie[Bearbeiten]

Reisen[Bearbeiten]

Geburtshaus von Robert Kraft (Eingang Große Fleischergasse)

Robert Krafts Vater, Hermann Emil Kraft, war Weinhändler und betrieb in der Hainstraße 23 (nach 1888 Hainstraße 21) eine Weinhandlung. Seine Eltern wurden früh geschieden und er wuchs bei seinem Vater, allerdings sehr einsam, auf. Er besuchte die Thomasschule, ein Gymnasium. 1883 versuchte er zum ersten Mal auszureißen, wurde aber schnell wieder aufgegriffen. Nach seinem zweiten Fluchtversuch, der ebenfalls scheiterte, wurde er von seinem Vater 1885 gezwungen, eine Schlosserlehre zu beginnen. 1887 begann er auf der Technischen Staatslehranstalt in Chemnitz zu studieren. 1889 machte er seinen dritten Versuch, dem verhassten Elternhaus zu entfliehen und diesmal gelang es. Er kam von Hamburg aus zunächst nach London und dann, wenn man seinen eigenen Angaben folgen will, nach New York, von da nach Grönland, wo das Schiff unterging und er knapp gerettet wurde. Seine weiteren Stationen waren dann Kanada, San Francisco, Samoa, Australien, Kalkutta, Bombay, Afrika, der Golf von Aden und der Suezkanal. Im Juli 1890 war er in Suez. Er bekam Heuer auf einem englischen Dampfer, der von Bombay kommend nach Dschidda fuhr, um dort Mekka-Pilger aufzunehmen. An Bord brach die Cholera aus, das Schiff lag zwei Monate vor Suez unter Quarantäne und kam im Oktober 1890 in Konstantinopel an. Kraft hatte sich am Ende auch angesteckt und kam in Konstantinopel in ein deutsches Krankenhaus. Das deutsche Konsulat erfuhr von ihm und beorderte ihn zur Ableistung seines Wehrdienstes nach Wilhelmshaven. Den größten Teil seiner dreijährigen Dienstzeit verbrachte er in einem Lager für ausgemusterte Bücher aus den Schiffsbibliotheken und hatte Zeit zum Lesen.

1894 machte er einen neuen Versuch, seine Träume wahr werden zu lassen, und ging nach der Oase Fayum am Birket el Kerun am Rande der Libyschen Wüste, um ein einsames Leben als Wüstenjäger zu führen. Aber nach einem halben Jahr hielt er es nicht mehr aus. Er sah nun endgültig ein, dass seine Vorstellungen vom Leben in der Realität nicht zu verwirklichen waren, dass er nur in einer Traumwelt überleben konnte. Er beschloss, Schriftsteller zu werden, ging nach Leipzig, um sich mit seinem Vater auszusöhnen und, als dies scheiterte, nach London, wo er zu schreiben begann.

Schriftsteller[Bearbeiten]

Johanna und Robert Kraft

1895 heiratete er die Weinhändlerstochter Johanna Matilde Rehbein. Noch in London wurde 1896 seine erste Tochter Emilie geboren. Nachdem er Arbeiten bei Zeitschriften untergebracht hatte und beim Münchmeyer-Verlag angenommen wurde, kam er 1896 nach Leipzig zurück. Jetzt gelang auch die Verständigung mit seinem Vater. 1899 wurde die zweite Tochter Charlotte geboren. Er versuchte unaufhörlich, von der Kolportage-Schreiberei loszukommen und ging 1900 nach London, um neu anzufangen. Wieder versuchte er der Realität zu entkommen, ließ 1901 seine Familie zurück und kam bis an die französische Riviera, kehrte aber bald zurück. Nachdem er seinen Vater beerbt hatte, zog er mit seiner Familie 1902 nach Monte Carlo, kehrte 1903 nach London zurück, übersiedelte 1904 nach Deutschland, zuerst nach Klein-Zschachwitz bei Dresden, dann 1905 nach Berlin-Friedrichshagen, dann nach Bad Schandau, dann 1910 nach Dresden, 1913 wieder nach Klein-Zschachwitz und endlich 1915 nach Hamburg.

Er starb bei einem Erholungsaufenthalt überraschend an einem Magenleiden. Seine Ehefrau und seine beiden Töchter blieben mittellos zurück.

Robert Kraft und Karl May[Bearbeiten]

Karl May und Robert Kraft lernten sich möglicherweise 1896 durch Adalbert Fischer kennen. Im selben Jahr erschien Mays (pseudo-)autobiografische Skizze Freuden und Leiden eines Vielgelesenen, in der ein Mann namens "Kraft" auf Mays Balkon klettert und ihn von Sir David Lindsay grüßt. Man vermutet, May habe hier seinem Konkurrenten eins auswischen wollen.

Wahrscheinlich ist ein Kontakt aber erst ab 1904. Laut Auskunft von Krafts Tochter Charlotte war May ungehalten, weil Fischer ihn trotz eines Termins warten ließ, um ein Gespräch mit Kraft zu beenden.[1] Angeblich besuchte May später mehrfach Kraft daheim. Allerdings sind die Erinnerungen der Kraft-Tocher zweifelhaft.

May war empört, als er 1907 erfuhr, dass sein Haus-Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld bereits 1904 den Kraft-Roman Ein moderner Lederstrumpf in seinem Verlag veröffentlich hatte.

Der spätere May-Verleger Euchar Albrecht Schmid nahm vermutlich im Sommer 1910 Kontakt zu Robert Kraft auf. Als er als Geschäftsführer des Karl-May-Verlags 1913 nach Radebeul umzog, wurde die Freundschaft enger.[2] Schmid erwarb den Haupt & Hammon-Verlag (1908 in Leipzig gegründet), in dem ab 1918 (postum) Krafts Werke erschienen.

Franz Sättler, ein begeisterter May-Verehrer, griff Kraft in Besprechungen u.ä. heftig an.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

Einige seiner Bücher wurden 50 Jahre nach Krafts Tod im Rahmen der Buchreihe Welt der Abenteuer und ab 1996 in der Edition Ustad erneut veröffentlicht.

In der Edition Braatz & Mayrhofer wird von Thomas Braatz und Walter Mayrhofer seit 2001 eine Reihe mit Werken Krafts herausgegeben.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl-May-Chronik III, S. 301 f.
  2. Peter Richter: Robert Kraft und Karl May, S. 44
  3. Peter Richter: Robert Kraft und Karl May, S. 42 f.

Werk[Bearbeiten]

Bibliografie von Thomas Braatz

zu Lebzeiten veröffentlichte Texte[Bearbeiten]

zu Lebzeiten unveröffentlichte Texte[Bearbeiten]

möglicherweise von Kraft stammende Texte[Bearbeiten]

Texte von Robert Kraft als Vorlage bzw. Ideengeber[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charlotte Bühler: Zur Psychologie der Volksliteratur. Karl May, Robert Kraft, Friedrich Gerstäcker, Aleander Dumas. In: Karl-May-Jahrbuch 1919. Breslau: Verlag S. Schottlaender, 1918.
  • Bernd Steinbrink: "Ich heiße Kraft". In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 50/1981.
  • Siegfried Augustin/Alexander Mittelstaedt (Hrsg.): Vom Lederstrumpf zum Winnetou. Autoren und Werke der Volksliteratur. München: Ronacher-Verlag, 1981.
    • Siegfried Augustin: Pro und contra Robert Kraft – Urteile seiner Zeitgenossen.
    • Walter Henle: Robert Kraft und sein Werk. Versuch einer Bibliographie.
  • Hainer Plaul: Illustrierte Geschichte der Trivial-Literatur. Olms Presse, 1983.
  • Manfred Backhausen: Der einstige Erfolgsautor Robert Kraft und der Leser von heute. In: Magazin für Abenteuer-, Reise- und Unterhaltungsliteratur. 15. Jg., Heft 60, IV. Quartal 1988.
  • Friedrich Schegk (Hrsg.): Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur. Corian-Verlag, 1988 ff.
    • Walter Henke: Robert Kraft. Biographie.
    • Peter Richter: Robert Kraft. Biographie.
    • Peter Wanjek: Robert Kraft. Bibliographie (1996).
  • Christoph F. Lorenz: Nachwort zum Autor. In: Die Nihilit-Expedition. Bamberg: Edition Ustad im Karl-May-Verlag, 1996.
  • Thomas Braatz: Emil Robert Kraft. Eine illustrierte Bibliographie. Leipzig, 1998.
  • Peter Richter: Robert Kraft und Karl May. In: Karl-May-Welten I. Karl-May-Verlag, 2005.
  • Walter Henle/Peter Richter: Unter den Augen der Sphinx. Leben und Werk Robert Krafts zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Leipzig und Wien: Edition Braatz & Mayrhofer, 2005.

Weblinks[Bearbeiten]