Friedrich Ernst Fehsenfeld

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Friedrich Ernst Fehsenfeld

Friedrich Ernst Fehsenfeld (* 16. Dezember 1853 in Großlengden; † 16. September 1933) war Karl Mays wichtigster Verleger und Mitbegründer des Karl-May-Verlags.

Biographie

1853 wurde Fehsenfeld als Sohn eines Pastors geboren. Nach buchhändlerischen Lehr- und Gesellenjahren erwarb er 1879 die Heinemannsche Universitätsbuchhandlung in Gießen, verkaufte diese jedoch nach sechs Jahren und erwarb 1885 eine Buchhandlung in Freiburg i. Br. Auch diese verkaufte er wieder und eröffnete dann einen Verlag. Er heiratete 1880 Pauline Rheinboldt, die Tochter eines Rechtsanwalts und Notars aus Baden-Baden. Dieser war zunächst in staatlicher Stellung gewesen, hatte aber während der Revolution von 1848/49 weiter seinen Dienst versehen und sich nicht gegen die provisorische demokratische Regierung gestellt, weshalb er nach der Unterdrückung der Demokratie sein Amt aufgeben musste und sich als Rechtsanwalt niederließ. Pauline und Friedrich Ernst Fehsenfeld hatten drei Kinder: zwei Töchter namens Eva (18831972) und Dora (18891966) sowie einen Sohn Hans, der 1891 im Alter von 11 Jahren starb.

Fehsenfeld war ein ausgezeichneter Sportsmann, Schlittschuhläufer, Schwimmer und einer der ersten Schneeschuhläufer auf dem südschwarzwälder Feldberg, als man noch mit einem langen Bergstock Ski fuhr, auf den man sich zum Bremsen setzte. Er fuhr mit dem Hochrad über den St. Gotthard-Pass nach Italien, und als es abwärts ging, wurden hinten am Rad lange Zweige zum Bremsen angebunden. Später, als es ihm finanziell gut ging, besaß er ein Auto, zu einer Zeit, als auf den Dörfern gegen dieses "Teufelsbeförderungsmittel" noch Nägel gestreut wurden. Viele Jahre war er ein begeisterter Jäger, und er sagte einmal, man solle ihm aufs Grab schreiben: "Hier ruht ein Jäger."

1890 gründet Fehsenfeld einen eigenen Verlag und stellt 1891 den Kontakt zu Karl May her. Nach dem Tod Mays wird er Gesellschafter des am 1. Juli 1913 neugegründeten Karl-May-Verlags, in den er neben seinem Wissen auch sämtliche Rechte und Lagerbestände einbringt. Aus dem KMV schied er dann 1921 vertragsgemäß aus, führte seinen eigenen Verlag aber bis zu seinem Tod weiter.

Fehsenfeld starb 1933 und wurde in Ehrenstetten bei Freiburg beigesetzt. Sein eigener Verlag wurde durch seine Witwe Pauline an den Paul-List-Verlag in Leipzig verkauft.

F. E. Fehsenfeld als Jäger
Fehsenfeld mit seinen Töchtern

Friedrich Ernst Fehsenfeld und Karl May

Im Frühjahr 1891 las Fehsenfeld als junger Buchhändler, er hatte kurz vorher sein Sortiment in Freiburg verkauft und einen Verlag eröffnet, im Deutschen Hausschatz des Verlages Pustet, Regensburg, die Erzählung Giölgeda padishanün ("Im Schatten des Großherrn") von Karl May. Dabei erging es ihm so, wie er es im Vorwort von Durch die Wüste schildert: Die Spannung, mit der man die Reiseerzählungen liest, liegt begründet einesteils in den hochinteressanten Sujets, welche der Autor wählt, und andernteils in der originellen und meisterhaften Weise, in welcher er sie beherrscht und behandelt. "Bei ihm ist keine Zeile ohne Leben, ohne innere und äußere Bewegung. Er empfindet, denkt und berechnet auf seinen Reisen wie wenige Seinesgleichen und zwingt den Leser, mit ihm zu fühlen, mit ihm zu denken und zu berechnen. Man lebt sich so in ihn hinein, daß man ganz und vollständig sein Eigen wird. Dazu kommt der hohe sittliche Gehalt, den alle seine Werke besitzen. Er ist, vielleicht ohne es zu beabsichtigen, ein Missionar, ein Prediger der Gottes- und der Nächstenliebe, doch besteht seine Predigt nicht in Worten, sondern in Thaten."

In dem für Fehsenfeld typischen raschen und impulsiven Handeln schrieb er sofort an Karl May. Man sollte doch die Erzählungen aus ihrer Zerstückelung in den Zeitschriften herausholen, sie in Bücher fassen und sie so der Jugend und dem ganzen deutschen Volke schenken. Im Spätherbst desselben Jahres kam aus Kötzschenbroda die Antwort Mays: Von einer meiner größeren Reisen zurück bitte ich Sie, mich zu besuchen, damit wir alles mündlich besprechen können. Fehsenfeld reiste nach Dresden und soll von Karl May mit "So muss mein Verleger aussehen!" begrüßt worden sein. Die Herren sind sich symphatisch und werden sich bald einig.

1893 besuchen Mays Familie Fehsenfeld in Freiburg und reisen dann mit ihnen zu einem gemeinsamen Urlaub in die Schweiz. Dabei kommen bei Fehsenfelds erste (?) Zweifel an der Old-Shatterhand-Legende auf, als May offensichtlich nicht rudern kann und F. E. Fehsenfeld eingreifen muss, um das gemeinsame Boot wieder sicher ans Ufer zu bekommen.[1]

Die Fehsenfelds besuchten die Mays öfters in Radebeul und wurden sehr gastfreundlich in der Villa "Shatterhand." empfangen und bewirtet. Zuletzt war F. E. Fehsenfeld an Karl Mays 70. Geburtstag am 25. Februar 1912 zu Gast und soll sich nach einer Beobachtung von Erwin Liebe "vollgetrunken wie eine Tümpelkröte"[2] abends von Karl May verabschiedet haben.

Verträge

Der Vertrag vom 17. November 1891 legte fest, dass May und Fehsenfeld gemeinsam Buchausgaben der im Deutschen Hausschatz und anderen Zeitschriften bisher erschienenen Reiseromane des Dr. Karl May herausbringen wollten. Es sollten Bände von ungefähr 500 bis 600 Seiten erscheinen. Den literarischen Teil sollte Herr Dr. May übernehmen, den geschäftlichen Herr Fehsenfeld. May sollte vor Erscheinen eines jeden Bandes 500 Mark postwendend nach Eintreffen des ersten Manuskriptbogens erhalten und nach Absatz von jeweils 5.000 Exemplaren weitere 2.000 Mark. Der Verfasser oder ein von ihm Bevollmächtigter hatte jederzeit das Recht, die Absatzbücher zu überprüfen.

In späteren Verträgen wurden die Forderungen Mays größer. So steht in einem Vertrag vom 10. Februar 1907: Der Reingewinn wird zwischen Autor und Verleger geteilt. Herr May (nun nicht mehr Dr.) hat für seine Hälfte sämtliche Manuskripte zu liefern, Herr Fehsenfeld von der seinigen die Kosten des Vertriebs und der Reklame zu bestreiten. Die Honorare an Herrn May sind im Voraus zu zahlen, sobald er die Genehmigung zur Auflage erteilt.

Und in einem Vertrag vom 1. April 1907 steht: Der Vertrag kann von jedem der beiden Kontrahenten zu jeder Zeit gekündigt werden. Der Gebrauch des Wortes "Kündigung" oder "kündigen" genügt. Eine Angabe der Gründe ist nicht erforderlich. Die Kündigungsfolge tritt genau nach zwei Jahren ein. Herr May tritt dann wieder in den Vollbesitz seiner Rechte. Herrn Fehsenfeld bleibt noch ein drittes Jahr, um mit den Vorräten aufzuräumen.

Sonstiges

Im Werk (Im Reiche des silbernen Löwen) wurde Fehsenfeld als Pedehr gespiegelt.

Anmerkungen

  1. Karl-May-Chronik I, S. 457.
  2. Zitiert nach Karl-May-Chronik V, S. 560.

Literatur

Überblick über die Sekundärliteratur auf den Seiten der Karl-May-Gesellschaft.

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.

Weblinks