Kolportage

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kolporteur in einer zeitgenössischen Illustration

Der Ausdruck Kolportage (von frz. porter à col = auf den Schultern tragen) bezeichnet auch den Vertrieb von Büchern in Einzellieferungen durch Hausierer ("Kolporteure").

Geschichte

Im frühen 19. Jahrhundert minimierten die Verleger von besonders dicken Werken (auch des Brockhaus und von Meyers Konversationslexikon) ihr Risiko, indem sie diese in Lieferungen von zwei Bögen – also 32 Seiten – teilten und auf diese Weise vertreiben ließen. So mussten sie immer nur kleine Mengen produzieren und auch nicht wohlhabende Kunden konnten die Lieferungen bezahlen. Hatte man auf diese Weise alle Lieferungen eines Bandes erhalten, ließ man sie beim Buchbinder privat binden.

Die Kolportage war im 19. Jahrhundert auch ein bedeutsames Instrument christlicher Mission. Bibeln, religiöse Traktate, gedruckte Predigtsammlungen und andere christliche Literatur wurden von Kolporteuren bis in die entlegensten Gegenden gebracht. Bei solchen Reisen hielten die Kolporteure auch Hausgottesdienste und Bibelstunden ab. Dabei waren sie nicht selten das Opfer staatlicher und staatskirchlicher Repression. Geld- und Gefängnisstrafen waren die Regel. Einige Kolporteure bezahlten ihre Arbeit als christliche Literaturvertreiber auch mit dem Leben. Viele freikirchliche Gemeinden verdanken ihre Entstehung der Kolportage. Zu den bekanntesten Verlagen, die im freikirchlichen Bereich mit Kolporteuren arbeiteten, gehörte der heute noch existierende Oncken-Verlag.

Weitere Entwicklungen

Nach und nach wurde auf diese Art aber nur noch Trivialliteratur vertrieben und die seriösen Verlage zogen sich aus dem Kolportagegeschäft zurück. Seither bezeichnete "Kolportage" nur noch Literatur, die auf niedrigem Niveau produziert wurde. Vergleichbar ist sie mit heutigen Groschenromanen.

Ab 1869 stiegen immer mehr Branchenfremde in den Kolportagehandel ein wie z.B. Heinrich Gotthold Münchmeyer.

Wichtige Verlage für Trivialliteratur

1820er bis 1860er:

  • Gottfried Basse, Quedlinburg
  • Ernst Friedrich Fürst, Nordhausen
  • Christian Ernst Kollmann, Leipzig
  • Ludwig Schreck, Leipzig
  • Friedrich Wilhelm Goedsche, Meißen
  • Johann Joseph Beyer, Löbau (später Dresden)

1860er bis 1914:

Karl Mays Kolportageromane

Sonstiges

Heute bezeichnet das Verb "kolportieren" in Anlehnung daran abwertend das Verbreiten von Gerüchten und Gesellschaftsklatsch, von dem die Boulevardzeitungen traditionell nicht zuletzt leben.

In Österreich werden Straßenverkäufer von Zeitungen bis heute "Kolporteure" genannt.

Literatur