Heinrich Gotthold Münchmeyer

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Heinrich Gotthold Münchmeyer (* 29. Juni 1836 in Lauterbach bei Bischofswerda; † 6. April 1892 in Davos) war ein Verleger und Kolportagehändler in Dresden.

Leben

Eintrag im Totenregister in Davos

Ursprünglich war H. G. Münchmeyer ein Zimmergeselle und Dorfmusikant.

Er hatte auf dem Dorfe Tanzmusik gemacht, Klappenhorn geblasen, Violine gegeigt und einige Zeit beim Militär gestanden. Er strebte sowohl nach Bildung, wie auch nach Geld, besonders durch Kloster-, Gespenster-, Ritter-, Räuber-, Mord- und Liebesromane. Darum wurde er Kolporteur.[1]

Einige Zeit wohnte Münchmeyer in Oberlungwitz – einem Nachbarort von Ernstthal und heiratete dort Pauline Ey.

Mit ihr hatte er vier Töchter:

Die Ehe der Münchmeyers verlief – Karl May zufolge – nicht sehr gücklich.

1862 gründete Münchmeyer in Dresden eine eigene Verlagsbuchhandlung, die er mit seinem Bruder Fritz (d. h. Friedrich Louis (* 1829; † 1897)) führte. Dort verlegte er belletristische Zeitschriften, Romane und andere Lieferungswerke.

Anfang April 1892 stirbt H. G. Münchmeyer in Davos-Platz (Schweiz), wo er seine Lungenschwindsucht auszuheilen versuchte. Am 15. April wird er auf dem Annenfriedhof in Löbtau beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte findet er am 14. Oktober 1908 auf dem Johannis-Friedhof in Dresden-Tolkewitz.[2]

Seine Witwe Pauline übernahm die Geschäftsführung seines Verlages, der laut seinem Testament nicht verkauft werden sollte. Unterstützt wurde sie von ihrem Schwiegersohn, Rudolf Jäger, und dem Redakteur August Walther.

Später verkaufte seine Witwe Pauline Münchmeyer den Verlag 1899 samt allen Rechten an Adalbert Fischer.

Karl May und Heinrich Gotthold Münchmeyer

erste Kontakte

Karl May und H. G. Münchmeyer kannten sich womöglich schon Ende der 1860er Jahre. Nach einer Aussage (vom 3. Juli 1869, nach einer Festnahme) arbeitete May in Ernstthal bereits schriftstellerisch und lieferte fertige Arbeiten nach Dresden an Heinrich Gotthold Münchmeyer. Ob diese Arbeiten tatsächlich veröffentlicht wurden, ist bisher unbekannt.

Als ich damals [1867/68] diese Gedanken erwog und meine Pläne faßte, hatte ich zwar schon Verschiedenes geschrieben und an die Oeffentlichkeit gegeben.[3]

Redakteurszeit

Ich schrieb Manuskripte. Sobald eines fertig war, schickte ich es heim. Die Eltern vermittelten dann zwischen mir und den Verlegern. Ich schrieb diesen nicht direkt, weil sie jetzt noch nicht erfahren sollten, daß der Verfasser der Erzählungen, die sie druckten, ein Gefangener sei. Einer aber erfuhr es doch, weil er persönlich zu den Eltern kam. Das war der später noch viel zu erwähnende Kolportagebuchhändler H. G. Münchmeyer in Dresden.[4]

1875 verpflichtete Münchmeyer Karl May als Redakteur und Autor – und beschäftigte ihn auch, als dieser – noch unter Polizeiaufsicht stehend – aus Dresden ausgewiesen wurde und Ernstthal nicht verlassen durfte. Als Anfangsgehalt erhielt May 600 Taler (= 1.800 Mark). Laut Mays späteren Aussagen war es Münchmeyer, der ihn als "Dr. phil." erst in die Redaktion und dann in die Dresdner Gesellschaft einführte.

Seine Versuche, seine ledige Schwägerin Minna Ey mit dem hoffnungsvollen Jungautor und Redakteur zu verkuppeln, trieben May 1877 letztendlich fort und der Kontakt brach ab. Andere Gründe für das Beenden der Redakteurstätigkeit waren wohl unterschiedliche redaktionelle Ansichten und die polizeilichen Maßnahmen gegen den Verlag wegen des verbotenen Venustempels.

May als Kolportagelieferant

Später trafen sie sich – zufällig (?) – wieder und May verpflichtete sich, für Münchmeyer einen Lieferungsroman zu verfassen. Die entsprechenden Verträge wurden mündlich geschlossen. Insgesamt entstanden zwischen 1882 und 1888 fünf vollständige Kolportageromane für den Verlag. Sie waren sehr erfolgreich, wurden mehrfach nachgedruckt und auch übersetzt.

Münchmeyer pflegte aus nicht ganz uneigennützigen Gründen ein inniges Verhältnis zu Emma May, die ihren Gatten dann in seinem Sinne bearbeitete (z. B. eben Überzeugungsarbeit in Hinsicht auf Kolportageromane leistete). Zwischen beiden Ehepaaren gab es so häufige Besuche, dass Karl May notgedrungen umzog, um der Beeinflussung zu entgehen und in Ruhe arbeiten zu können. In den späteren Prozessschriften nannte ihn May einen liebestollen Hausfreund.

Erwähnungen im Werk

"Een Münch, der andere bemeiert, kann eben nur Münchmeier heeßen."[5]

Anmerkungen

  1. Karl May: Ein Schundverlag; fast gleichlautend aber auch in Mein Leben und Streben (S. 175): Er war Zimmergesell gewesen, hatte bei Tanzmusiken auf dem Dorfe das Klappenhorn geblasen und war dann Kolporteur geworden.
  2. Karl-May-Chronik I, S. 426.
  3. Karl May: Mein Leben und Streben, S. 148 f.
  4. Karl May: Mein Leben und Streben, S. 175.
  5. Karl May: Der Sohn des Bärenjägers. In: Der Gute Kamerad. 1. Jg. (1887); Reprint der Karl-May-Gesellschaft. Hamburg 1983, S. 315.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.