Frau Pollmer, eine psychologische Studie

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Den Text Frau Pollmer, eine psychologische Studie schrieb Karl May Ende 1907. Die letzte Eintragung stammt vom 14. Dezember 1907.

Inhalt

May schildert die Herkunft seiner ersten Frau Emma und seine Ehe mit ihr. Dabei arbeitet er viel mit Zitaten und theoretisiert über Pollmersche Dämonen, die leitmotivisch wiederkehren, und erklärt die Persönlichkeit Emmas aus Vererbung und Anlage.

Buchausgaben

Die Erstveröffentlichung aus dem Nachlass erfolgte im Frühjahr 1983 unter der Herausgeberschaft von Roland Schmid (Prozess-Schriften Band 1). Der Band enthält Faksimile und Transkription der Handschrift.

In den Gesammelten Werken findet sich der Text seit 2004 als Neusatz in Band 85 Von Ehefrauen und Ehrenmännern.

Bedeutung

Die 146 handschriftlichen Seiten dieser Studie nutzt Karl May, um seine erste Ehefrau als Ehebrecherin, Diebin, Lesbierin, Betrügerin und "perverse" Person zu bezeichnen.

Viele Forscher gingen davon aus, dass die Studie aus rein prozesstaktischen Gründen entstand, um den Assessor Larraß gegen Emma Pollmer einzunehmen. May selbst schrieb, dass er diese "Charakterstudie" nur für sich selbst geschrieben habe und sie für seine Selbstbiografie zu verwenden gedenke.

Martin Lowsky erkennt in der Studie die naturalistische Lehre (in Form eines deterministischer Bio-Psychologismus) und kann sie als literarisch fingierte Fallstudie in der Nachfolge Zolas würdigen.[1]

Andreas Graf sieht in der Studie in erster Linie eine Darstellung nicht von Emma, sondern von Karl Mays eigenen Obsessionen, und eine "zwanghafte Dämonisierung der (nur weiblichen?) Sexualität".[2]

Rezeption

Arno Schmidt kannte die Studie und verarbeitete sie in seinem Werk Kaff auch Mare Crisium (1960) und strickte – da er sie eigentlich nicht kennen durfte – den Mythos einer angeblichen COPIE Nr. 2 um seine Abschrift (‹Copie Nr. 2 / für Herrn / Heinrich Andreas Näwy / Dresden / Johannstädter Ufer 2, III›).[3]

Wie aus dem bislang nur in Auszügen veröffentlichten Briefwechsel Arno Schmidts mit Hans Wollschläger[4] hervorgeht, erhielt Schmidt tatsächlich eine Kopie dieser Studie, allerdings hatte diese Kopie Hansotto Hatzig im Auftrag des Karl-May-Verlags (KMV) für Wollschläger, der damals freier Mitarbeiter des KMV war und von diesem u.a. für den Kontakt zu Arno Schmidt beauftragt war, hergestellt.

Anmerkungen

  1. Martin Lowsky: Karl May. S. 122 f.
  2. Andreas Graf: Lektüre und Onanie. Das Beispiel des jungen Karl May, sein Aufenthalt auf dem Seminar in Plauen (1860/61) - und die Früchte der Phantasie. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1998, S. 141. (Onlinefassung)
  3. Gabriele Wolff: "Eine wahre Bereicherung unserer Höchst=Literatur", S. 23-24. Auch in Sitara und der Weg dorthin zitiert Schmidt gelegentlich aus der COPIE Nr. 2.
  4. Siehe z.B. Guido Graf: Über den Briefwechsel Arno Schmidt und Hans Wollschläger.

Literatur

Weblinks