Das Buch der Liebe

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Das Buch der Liebe erschien 1876 und kann, auch wenn Karl May viele Passagen zwecks Arbeitsersparnis aus anderen Werken übernommen hat, als sein Erstlingswerk gelten.

Vorläufer

Die Geheimnisse der Venustempel aller Zeiten und Völker oder Die Sinnenlust und ihre Priesterinnen. Geschichte der Prostitution und ihrer Entstehung, sowie die Darlegung ihrer Folgen auf die Entwickelung der Menschheit war ein erotisches Lieferungswerk aus dem Hause Münchmeyer.

Bereits Ende 1874 wird das Werk – gemeinsam mit dem medizinischen Aufklärungsbuch Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung. Mit besonderer Berücksichtigung der Syphilis, ihrer Entstehung und Folgen. Mit über 100 allopathischen, sowie homöopathischen Recepten versehen, zur Heilung aller Krankheiten, welche die Geschlechtsorgane betreffen – in Preußen und Österreich-Ungarn verboten.

Das Buch der Liebe

Das anonym im Verlag von Heinrich Gotthold Münchmeyer in Dresden erschienene Buch der Liebe trug den Untertitel: Wissenschaftliche Darstellung der Liebe nach ihrem Wesen, ihrer Bestimmung, ihrer Geschichte und ihren geschlechtlichen Folgen, nebst eingehender Besprechung aller Geschlechts-, Frauen- und Kinderkrankheiten mit besonderer Berücksichtigung des Wochenbettes nebst Anleitung zur Heilung sämmtlicher Krankheiten. Geschrieben und herausgegeben nur für erwachsene und wissenschaftlich gebildete Leute. Es enthält zwar auch Texte, die nicht von May stammen, ist jedoch das erste Buch, das er als verantwortlicher Redakteur veröffentlichte.

Entstanden ist es, weil Münchmeyer das in seinem Verlag vertriebene, jedoch verbotene Aufklärungswerk Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung trotzdem noch – wegen der Zensur teilweise in neuem Gewand – verwerten wollte. May teilte den vorhandenen Text in drei Teile und entschärfte ihn, indem er durch eigene Passagen neue Aspekte hineinbrachte und die bereits vorhandenen Texte neu zusammenstellte.

Das Buch der Liebe bestand aus 3 Abteilungen:

  • [Erste Abtheilung ohne Titel] (möglicherweise vollständig von Karl May);
  • Zweite Abtheilung: Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung. Mit besonderer Berücksichtigung der Syphilis, ihrer Entstehung und Folgen (vermutlich nicht von May, sondern höchstens von ihm bearbeitet);
  • Dritte Abtheilung: Die Liebe nach ihrer Geschichte. Darstellung des Einflusses der Liebe und ihrer Negationen auf die Entwicklelung der menschlichen Gesellschaft (mit Sicherheit teilweise von May verfasst).

Buchausgaben

1988/89 erschien ein Reprint der Karl-May-Gesellschaft in zwei Bänden, für den Gernot Kunze als Herausgeber fungierte. Band I enthält den reprographischen Nachdruck, bei Band II handelt es sich um einen Kommentarband. Im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 2009 erschien dazu eine von Regina Zenzen eingeleitete Ergänzung der im Band I fehlenden Seiten der dritten Abteilung.

Als Band 87 wurde Das Buch der Liebe 2006 in die Reihe Karl May's Gesammelte Werke des Karl-May-Verlages aufgenommen.

Karl May über Das Buch der Liebe

eine der Illustrationen des 'Venustempels'

in Der verlorne Sohn

"Sie sprachen vorhin von Geschäftsverbindungen; dies ist allerdings nicht der Fall, obgleich es, streng genommen, eigentlich doch ein geschäftlicher Grund ist, welcher mich veranlaßt, nach dieser Melitta zu fragen."
Jetzt kam es ihm gelegen, daß er sich vorhin für einen Schriftsteller ausgegeben hatte. Er erklärte also:
"Ich habe nämlich von meinem Verlagsbuchhändler den Auftrag erhalten, ein Buch über das Thema zu schreiben: Die Liebe in ihren socialen Beziehungen -"
"Hm, ein hochinteressantes Thema!"
"Gewiß. Eine solche Arbeit erfordert umfassende Vorstudien. Diese habe ich beendet; nur in einer Beziehung bin ich noch unwissend, nämlich in Hinsicht auf diejenige Liebe, welche sich hingiebt, ohne Gegenliebe dafür zu beanspruchen."
"Sagen Sie es nur frei heraus! Sie meinen die käufliche Liebe, wie sie in gewissen Häusern zu finden ist?"
"Ja, diese meine ich. In dieser Hinsicht besitze ich nicht die mindeste Erfahrung."
"Ah! Sie wollen nun diese Erfahrung machen und daher Fräulein Melitta aufsuchen?"
"So ist es."[1]

in Deutsche Herzen – Deutsche Helden

"Ja, das ist die Liebe. Ich habe einmal in einem Buche gelesen. Es betitelte sich: Die Liebe, ihr Wesen, ihre seelischen Eigenschaften und ihre körperlichen Folgen. Darinnen stand geschrieben, daß - - -"
"Wie?" fiel er ihr erstaunt in die Rede. "In diesem Buche hast Du gelesen?"
"Ja."
"Auch von den körperlichen Folgen der Liebe?"
"Ja. Es stand ja da, und so mußte ich es lesen."
"Du warst eine Dame; Du hattest nie geliebt. Wie kommst Du zu diesem Buche?"
"Eine Freundin besaß es. Sie lobte es sehr; da wurde ich neugierig, und sie borgte es mir."
"Waren etwa auch Abbildungen dabei?"
"Ja."
"Donnerwetter! So ein Buch sollte niemals in weibliche Hände kommen."
"Warum nicht? Muß das Weib dumm und unwissend sein? Darf das Mädchen nichts lernen? Darf es nicht wissen, welche Ansprüche später an ihren Körper gemacht werden? Fällt das Mädchen nicht viel leichter in Versuchung und Stricke, wenn es nicht weiß, was es nothwendig wissen muß?"
"Du magst Recht haben. Also was stand in dem Buche geschrieben?"
Er merkte gar nicht, daß die Schlaue, welche so vertrauensvoll und hingebend, so zart, so heilig und rein in seinen Armen lag, eine raffinirte Courtisane war und nur mit ihm spielte. Sie antwortete:
"Es stand darin: Wenn es bei einem Kusse so wie tausend Seeligkeiten durch den Körper schauert, das ist die Liebe. Und Derjenige, der so einen Kuß giebt, der ist der Richtige."
"Dich hat es bei meinem Kusse so durchschauert?"
"Ja."
"Wie oft aber schon vorher?"
"Es war zum allerersten Male. So ein Gefühl habe ich noch niemals gehabt."
"So bin ich der Richtige?"
"Wenn das Buch die Wahrheit gesagt hat. Das Mädchen muß beim Kusse fühlen, daß es unmöglich ist, dem Küssenden zu widerstehen."[2]

Anmerkungen

  1. Karl May: Der verlorne Sohn. In: Karl Mays Werke (Digitale Bibliothek), S. 21609 f. (vgl. KMW-II.16, S. 1437 f.).
  2. Karl May: Deutsche Herzen, deutsche Helden. In: Karl Mays Werke, S. 27037–27039 (vgl. KMW-II.22, S. 1757 f.).

Literatur

Weblinks