Emma Pollmer

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Disambig-dark.png Begriffsklärung Diese Seite behandelt die Ehegattin, das Pseudonym von Karl May wird auf der Seite Emma Pollmer (Pseudonym) beschrieben.


Emma Lina Pollmer (* 22. November 1856 in Hohenstein; † 13. Dezember[1] 1917 in Arnsdorf) war die erste Ehefrau Karl Mays.

Emma Pollmer um 1885

Kindheit und Jugend

Sie war ein uneheliches Kind[2], das nach dem Kindsbetttod der Mutter, Emma Ernestine Pollmer, von den Großeltern, nach dem Tod der Großmutter 1865 nur vom Großvater Christian Gotthilf Pollmer, einem Barbier, aufgezogen wurde.

Sie hatte nur eine sehr geringe Schulbildung (acht Pflichtschuljahre) und führte danach dem Großvater den Haushalt; durch Stickereien und andere Handarbeiten verdiente sie etwas zum Haushaltseinkommen hinzu.

May lernte sie 1876 bei einem seiner Besuche in Ernstthal über seine Schwester Wilhelmine, die in Hohenstein lebte, kennen.

"Sie war so still, so zurückhaltend, so bedachtsam, außerordentlich sympathisch, dazu schön, wie man sich eine Frau nur vorstellen kann." (Karl May, in "Ans königliche Landgericht")

Nachdem May nach Dresden zurückgekehrt war, begannen sie einen Briefwechsel, in dem Emma Pollmer Interesse und Verständnis für Mays redaktionelle und schriftstellerische Arbeit zeigte und er entsprechend beeindruckt und geschmeichelt reagierte. Von seinen Vorstrafen wusste Emma Pollmer, und sie akzeptierte sie[3]. Seine Zuneigung ging so weit, dass May eine Ehe mit der Schwägerin seines Chefs Heinrich Gotthold Münchmeyer ablehnte und seine Anstellung aufgab. Er kehrte zeitweilig nach Ernstthal zurück und warb um Emma. Ihr Großvater lehnte jedoch wiederholt ab, woraufhin Karl May Emma - nach späteren Aussagen - vor die Wahl "er oder ich" stellte.

Unterschrift als "Emma May", 1878

1877 folgte Emma Pollmer Karl May gegen den Willen ihres Großvaters nach Dresden. Sie wurde Dienstmädchen bei der Pfarrerswitwe Auguste Ernestine Petzold und ihren beiden erwachsenen Töchtern und lebte in der unmittelbaren Nachbarschaft Mays, der sie auch finanziell unterstützte[4]. "Emma Pollmer" wurde in der Folgezeit zu einem häufigen Pseudonym Karl Mays.

Ende des Jahres zogen sie in eine gemeinsame Wohnung und galten fortan als Ehepaar. Emma Pollmer quittierte sogar amtliche Schreiben als "Emma May". Im Sommer 1878 kehrte sie zu ihrem Großvater zurück. May folgte ihr zwar, wohnte aber bei seinen Eltern. In der Folge kam es zu einigen Krisen in der Beziehung. Emma Pollmer schien noch andere männliche Freunde zu haben und war offenbar kein Kind von Traurigkeit (eine Spiegelung der Situation gibt es in "Scepter und Hammer", bei der der arme, brave Dichter Karl Goldschmidt von seiner hübschen, aber leichtfertigen Freundin Emma Vollmer hintergangen wird). Ende 1879 kam es aber zur Versöhnung, und es wurde wieder über eine Hochzeit gesprochen.

Am 26. Mai 1880 starb Emma Pollmers Großvater. Sie erbte die Laden- und Wohnungseinrichtung sowie 230 Mark. May behauptete später, der alte Mann hätte ihn auf dem Sterbebett angefleht, sich um seine Enkelin zu kümmern und das Mädchen zu heiraten. Tatsächlich war das Aufgebot aber bereits im Februar bestellt worden[5]. Da einen Tag nach Pollmer sen. auch Mays ältere Schwester Auguste Wilhelmine starb, verschob sich die Hochzeit wegen der beiden Trauerfälle noch bis Ende August.

Ehejahre

Das Ehepaar May Anfang der 1890er Jahre

Karl May und Emma Pollmer heirateten also nach einigen Querelen am 17. August 1880 (standesamtlich) in Ernstthal. Die kirchliche Trauung fand am 12. September 1880 statt. Trauzeugen waren Mays Vater, Heinrich August May, und sein Schwager, Julius Ferdinand Schöne. Emma Pollmer hatte keine Verwandten mehr. Als ihren Hochzeitstag betrachteten sie den Tag der kirchlichen Trauung. Das Ehepaar lebte in Hohenstein. Bereits Ende des Jahres hatte sich das Paar so entfremdet, dass Emma Liebesbriefe an sich fälschte, um die Aufmerksamkeit ihres stets schreibenden Mannes wieder auf sich zu ziehen[6]. May durchschaute den Schwindel.

1882 unternahmen Emma und Karl May einen mehrtägigen Ausflug nach Dresden. Mehr oder weniger zufällig stießen sie dabei auf Heinrich Gotthold Münchmeyer, der Karl May dazu überredete, für ihn einen Kolportageroman zu schreiben. Bedingung war, dass der Roman pseudonym erscheinen solle. "Waldröschen" wurde überaus erfolgreich, und das Ehepaar May beschloss, nach Dresden umzuziehen. 1883 mieteten sie in Blasewitz, in der Sommerstraße 7, die Etage einer Villa.

Heinrich Münchmeyer, vermutlich in ständiger Sorge, sein Autor - der ihn bereits einmal verlassen hatte - könnte ihm wieder verlorengehen, hielt regelmäßigen Kontakt zu dem Ehepaar May. Seine Besuche häuften sich so, dass Karl May wieder umzog - Frühjahr 1884 in die Prinzenstraße 4. Emma May, die sich sicherlich mit ihrem hart arbeitenden Mann langweilte und die nun auch keine Besuche mehr empfangen konnte, suchte von sich aus den Kontakt zu Familie Münchmeyer und schloss Freundschaft mit der Frau von Heinrich Münchmeyer, Pauline. Karl May, dem diese Freundschaft nicht gefiel, unternahm nun verstärkt Ausflüge mit Emma allein.

1887 zog das Ehepaar wieder um; diesmal in die Schnorrstraße in der Dresdner Altstadt. Emma May wurde dort ernstlich krank, und der hinzugezogene Arzt riet ihr zu morgendlichen Spaziergängen. Diese unternahm sie aber nicht allein, sondern mit Pauline Münchmeyer.

Karl May, der durch seine Romane für den "Deutschen Hausschatz" nun ein einigermaßen festes Einkommen hatte, mietete nun eine Villa in Kötzschenbroda. Mays Beliebtheit bei den Lesern wuchs, und zunehmend fand das Ehepaar Zugang zu der bürgerlichen Mittelschicht des Dresdner Vororts. Sie befreundeten sich mit dem Arzt Dr. Mickel und dem Schuldirektor Krieger. Auch Klara und Richard Plöhn machten bald ihre Bekanntschaft. Freundinnen Emma Mays in dieser Zeit waren Louise Häusler und Louise Dietrich.

Emma May war überzeugte Spiritistin. Durch die ebenfalls daran interessierten Freundinnen in Radebeul wurden spiritistische Sitzungen bald zu einem regelmäßigen gesellschaftlichen Ereignis.

Da Karl May wieder nur unregelmäßig verdiente und Emma May mit dieser Unsicherheit überfordert war, begann sie - auf einen Rat Louise Dietrichs hin - Geld für Notzeiten zurückzulegen. Einen erneuten Umzug aus finanziellen Gründen konnte sie aber dadurch auch nicht verhindern.

1891 wendete sich das Blatt. Erst begann die "Union Deutsche Verlagsgesellschaft" mit einer Buchedition, dann meldete sich der junge Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld mit dem Vorschlag, Mays Hausschatz-Romane in Buchform herauszugeben. Durch die Buchausgaben erwarteten die Mays regelmäßigere Einnahmen. 1891 beschlossen sie daher, Karl Mays neunjährige Nichte, Lottel genannt, in den Haushalt aufzunehmen. Da Karl May arbeitete, war es Emma May, die sich vor allem um das Kind kümmerte und auch nach Ernstthal berichtete. Warum die kleine Clara trotzdem bereits im August 1892 von ihrer Mutter wieder abgeholt wurde, lässt sich nicht mehr objektiv feststellen. Das Kind berichtete Karl May über Beobachtungen, die sie bei Wegen mit Emma May gemacht hatte; es kam zwischen den Eheleuten zum Streit, Emma Mays Verhalten Clara gegenüber wurde abweisender, strafender, und letztlich bat das Kind seine Mutter, es abzuholen. Karl May war darüber sehr unglücklich.

1892 hatte sich die finanzielle Situation endgültig zum Guten gewendet, und zu ihrem Geburtstag am 22. November erhielt Emma May vielleicht den später erwähnten Tausendmarkschein von Karl[7].

Emma (l.) und Klara

Im Juni 1893 unternahmen Emma und Karl May eine gemeinsame, ziemlich spontane Auslandsreise. Sie besuchten planmäßig Friedrich Ernst Fehsenfeld und dessen Familie in Freiburg und reisten dann mit diesen gemeinsam zu deren Urlaub nach Bönigen in die Schweiz. Auf der Reise muss es zu Unstimmigkeiten gekommen sein, denn Mitte September schrieb May in einem Brief über Emmas Nervösität und Gereiztheit, die auf dieser "unglückseligen" Reise ihren Anfang genommen hätte. Noch im September klagte May in Briefen an seinen Verleger über "häusliche Zerwürfnisse". Fehsenfeld bot sogar Zuflucht an, die May allerdings ablehnte[8].

Um 1895 wurde der Kontakt zwischen den Ehepaaren Plöhn und May intensiver. Man unternahm viele Ausflüge gemeinsam, duzte einander, und die beiden Frauen galten gemeinhin als Schwestern. Die finanzielle Situation konnte besser nicht sein, und 1896 kaufte May eine Villa in der Kirchstraße 5, die er Villa "Shatterhand" nannte. In seiner kleinen, autobiografisch angehauchten Schelmerei "Freuden und Leiden eines Vielgelesenen" zeichnete May ein sympathisches Bild seiner Frau und eröffnete seinen Lesern (erstmals?), dass der eiserne Junggeselle Old Shatterhand bereits verheiratet sei. Bald darauf spricht auch der Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi in "Im Reiche des silbernen Löwen" Halef gegenüber von seiner Frau Emmeh; später auch in den Bänden "Am Jenseits" und der Erzählung "Die "Umm ed Dschamahl"". Im Herbst 1896 erkrankte Emma May schwer und hielt sich mehrere Wochen im Bilz-Sanatorium auf. Nach ihrer Genesung begann die erste der großen Lese- und Vortragsrundreisen (siehe Rundreise 1897). Während Karl May den Rummel genoss und immer wieder neue Geschichten erzählte, großzügige Trinkgelder verteilte und angebliche Narben zeigte, blieb Emma May den Berichten zufolge relativ verschlossen. Im Gegensatz zu den begeisterten Zuhörern wusste sie, dass May all das eben nicht selbst erlebt hatte, und brachte auch für das spendable Auftreten ihres Mannes nur wenig Verständnis auf. Trotzdem knüpfte auch sie Freundschaften und korrespondierte noch nach der Reise mit Agnes Seyler und Elisabeth Felber.

Emma (l.) und Klara

Ende des Jahres 1897 unternahm May allein eine weitere, kürzere Reise und überließ es seiner Frau, in Radebeul den Besucherstrom zu bändigen. In diese Zeit fiel auch der erste Kontakt zu Max Welte, einem damaligen Studenten, der mit zwei Freunden regelmäßig Kontakt zu Emma und Karl May suchte. Die Rundreise 1898, die das Ehepaar unter anderem nach Wien führte, unternahmen sie wieder gemeinsam. Anfang März 1899 trat May seine große Orientreise an. Emma May und das Ehepaar Plöhn begleiteten ihn bis nach Genua. Von dort reiste May allein weiter, während sich die Zurückbleibenden auf den Heimweg machten. Den Rückweg traten sie gemächlich an. Sie reisten - jeweils mit längeren Aufenthalten - über Nizza, Marseille, Lyon und Paris. Richard Plöhn fuhr von Straßburg aus direkt nach Radebeul, während Emma May und Klara Plöhn noch in Deidesheim Station machten.

In dieser Zeit begannen auch die Presseangriffe auf Karl May. May, der natürlich ein starkes Interesse daran hatte, auf dem Laufenden zu bleiben, wurde - zu seinem Leidwesen - von seiner Frau nicht ausreichend informiert. Den Kontakt mit der Heimat hielt er vorwiegend über Klara Plöhn. Ende 1899 bat er Emma, nach Kairo zu kommen. Emma May, die damals bereits unterleibskrank war, traute sich die Reise allein nicht zu. Klara und Richard Plöhn begleiteten sie daher. Allerdings wurde unterwegs auch Richard Plöhn schwer krank, so dass sie in Arenzano "überwintern" mussten. Dorthin kam dann auch Karl May. Erst im Mai setzten sie zu viert die Reise fort. Die Reise selbst war für alle Beteiligten anstrengend. Richard Plöhn und Emma May waren krank, Emma vielleicht noch zusätzlich müde und gereizt. Karl May versuchte vergeblich, sie für die Schönheiten des Orients zu begeistern. Klara Plöhn nahm dagegen die Anregungen dankbarer auf. Emma May konstatierte später: "Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß die Plöhn schon auf unserer gemeinsamen Ägyptenreise ein Auge auf meinen Mann geworfen hatte und danach strebte, ihn für sich zu erreichen."[9] Im August 1900 waren sie wieder daheim in Radebeul. Bald nach der Rückkehr schrieb Karl May ein Testament, in dem er Emma May als Universalerbin einsetzt, aber auch Richard, Klara und Klaras Mutter bedachte.

Zu Beginn des Jahres 1901 starb Richard Plöhn. Klara Plöhn, die untröstlich war, wurde von Emma May umsorgt und lebte einige Zeit sogar in der Villa 'Shatterhand'. Auch als sie in ihre eigene Wohnung zurückkehrte, blieb der Kontakt innig. Karl May bot ihr - möglicherweise auf Emma Mays Vorschlag hin - an, als Sekretärin für ihn zu arbeiten und Leserpost zu beantworten. Klara Plöhn war einverstanden. Um Missverständnisse zu vermeiden, unterzeichnete sie die Antworten als "Emma May".

Rechtsanwalt Schäfer für May, Schriftsatz vom 17. Juli 1909 im Privatklageverfahren May ./. Pollmer: »Frau Pollmer war viel zu bequem und zu unbegabt, als daß sie auch nur die Korrespondenz für den Privatkläger hätte führen können. Sogar die wenigen Worte, um in der Molkerei Butter zu bestellen, ließ sie sich von Frau Plöhn schreiben.«  Diese Einschätzung ist mit Sicherheit übertrieben; denn es sind aus früherer Zeit durchaus Briefe von Emma May überliefert.

Während sich Karl und Emma May zunehmend entfremdeten, wurde Mays Kontakt zu Klara Plöhn enger. 1902 unternahmen sie zu dritt eine als Erholungsreise geplante Fahrt nach Berlin, Hamburg und Leipzig - mit dem Endziel Südtirol. Auf der Reise kam es zum Eklat: Emma und Karl zerstritten sich heillos, Schlichtungsversuche misslangen, und auf der Mendel kam es zur Trennung. Emma May wurde dort unter Auflagen mit ausreichend Geld zurückgelassen, und Klara Plöhn und Karl May reisten zurück nach Radebeul, wo May umgehend die Scheidung einreichte. Die von Emma May unterzeichneten "Verzichtserklärungen" genügten allerdings nicht; es mussten Gründe her:

  • Emma May habe Geld unterschlagen
  • Emma May habe Geschäfts- und Privatbriefe unterschlagen und/oder vor ihm versteckt (siehe Engelbrief) und
  • Emma May habe ihn "Jahre lang in gehässigster Weise behandelt".

Klara Plöhn und ihre Mutter bezeugten diese Anschuldigungen. Diese nachgereichten Gründe wurden akzeptiert, und Emma May galt als die Alleinschuldige.

Nachdem diese Formalitäten (Einreichung der Klageschrift) erledigt waren, fuhren Klara Plöhn und Karl May zu Emma May, informierten und bedrohten sie: Wenn Emma May sich gegen Karl May stellen würde, bekäme sie keinen Pfennig; wäre sie brav und einsichtig, wolle er gütig sein. Emma May war entsetzt, aber machtlos.

Im Januar 1903 wurden Emma und Karl May geschieden. Rechtskräftig wurde die Scheidung am 4. März 1903. Bereits am 30. März 1903 heiratete Karl May Emmas Freundin Klara Plöhn.

nach der Trennung

Fritz Appunn

Im Juni 1903 zog Emma May nach Weimar. Karl May richtete ihr dort eine Wohnung ein und setzte eine Rente (= Unterhalt) aus; allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: so bestand er darauf, dass sie ihren Mädchennamen wieder annahm, und verpflichtete sie zur Rückzahlung der Rente, wenn sie etwas gegen ihn unternehmen würde. Im Oktober 1903 reichte Louise Häusler, Emmas langjährige Freundin, Klage gegen May "wegen betrügerischer Handlungen zur Ermöglichung der Ehescheidung" ein. Zwar wurden Beweise gesammelt, aber das Verfahren wurde eingestellt. Emma geb. Pollmer hatte Sorge, ihre Rente zu verlieren, wenn sie gegen ihren Ex-Mann und Klara Plöhn aussagte, und verweigerte die Aussage.

Da sie in den verschiedenen Prozessen Mays eine wichtige Zeugin war, riss der Kontakt nie ab. Gelegentlich wurde sie von Klara May besucht.

In der Angelegenheit May ./. Münchmeyer war sie sogar die wichtigste Zeugin, da es keine schriftlichen Vertragsunterlagen gegeben hatte. Diese Auseinandersetzung fand 1907 einen Höhepunkt, als Karl May den Parteieid leistete und Pauline Münchmeyer ihn wegen Meineids verklagte. Emma Pollmer geriet in den Strudel: Über sie wurde eine Briefsperre verhängte, ihre Wohnung durchsucht und sie stundenlang zu ihrer Ehe und den Umständen der Scheidung vernommen. Karl May, der nicht sicher sein konnte, wie Emma Pollmer sich in Krisenzeiten verhalten würde (zumal sie unter ständig wechselndem Einfluss verschiedener Freunde stand - auch Pauline Münchmeyer war darunter), versuchte, sie nachhaltig zu diskreditieren. Die berüchtigte "Pollmer-Studie" ("Frau Pollmer, eine psychologische Studie") war das Ergebnis. In diesem Pamphlet schreibt May von Dämonen und Verderbtheiten, unterstellt seiner Ex-Frau Anschläge auf sein Leben und ähnliches.

In Weimar hatte Emma Pollmer Fritz Appunn kennengelernt und sich in den jungen Mann verliebt. Dessen Mutter und Schwester, die die Beziehung nicht guthießen, wurden daraufhin von Karl May ebenfalls als Zeugen eingespannt.

Auch von anderen Prozessgegnern - speziell Rudolf Lebius - wurde die wenig stabile Emma Pollmer immer wieder missbraucht und gegen ihren Ex-Mann benutzt. Lebius hatte Verständnis für sie, versprach finanzielle Unterstützung - und nutzte die gewonnenen Informationen für persönliche Angriffe gegen Karl May. Dieser - vor wenigen Wochen von der Amerikareise zurückgekehrt - reagierte sofort: Er stoppte sämtliche Zahlungen an Emma Pollmer und verklagte sie wegen Beleidigung. Eine von May abgegebene "Versicherung an Eidesstatt" vom 12. April 1910 bringt wieder die alten Vorwürfe, sie hätte ihn "... unausgesetzt belogen, betrogen und bestohlen". Emmas Freundin, Louise Häusler, rührte die alte Anzeige wegen "betrügerischer Handlungen zur Ermöglichung der Ehescheidung" wieder auf, und eine weitere Freundin, Selma vom Scheidt, versuchte, zwischen Karl May und Emma Pollmer zu vermitteln. Erst 1909/10 beruhigte sich die Situation zwischen Emma und Karl wieder, und Emma Pollmer gab eine schriftliche - vermutlich von May oder seinem Anwalt aufgesetzte - Erklärung über Lebius' Machenschaften ab. Daraufhin wurde die Beleidigungsklage zurückgenommen und die Rente wieder gezahlt.

Lebius reagierte mit der Streitschrift "Die Zeugen Karl May und Klara May", in der er erfundene, übertriebene und wahre Aussagen vermischte, kommentierte und durch Presseartikel ergänzte. Da es ihm darum ging, Mays Ruf zu zerstören, wurde auch die Ehescheidung wieder einbezogen. May konterte mit seiner Autobiografie. Beide Schriften wurden zeitweilig durch gegenseitige Klagen verboten. Als im Dezember 1911 Karl May vor Gericht endlich gegen Rudolf Lebius siegte, kehrte Ruhe ein.

Wenige Monate später starb Karl May. Bereits im März 1912 war Emma Pollmer nach Berlin umgezogen. Dort lebte sie mit Fritz Appunn in einem Hinterhaus in der Paulsborner Straße 92.

Im Mai unternahm sie einen erneuten Versuch, sich mit ihrer ehemaligen Freundin Klara May auszusöhnen. Ihre Bitten, ihren Lebensabend in der "Villa 'Shatterhand'" verbringen zu dürfen (mit Fritz Appunn?), blieben zwar unerhört, aber ab November 1913 erhielt Emma Pollmer nach Vergleich wieder eine monatliche Rente von 125 Mark. Auch korrespondierten die beiden Frauen gelegentlich miteinander, und Emma Pollmer erhielt aus Radebeul einige May-Bände, die sie sich gewünscht hatte.

Spätestens im Juni 1914 brach bei ihr eine Nervenkrankheit aus, und sie wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Ein zugewiesener Sachwalter stand ihr bei allen Angelegenheiten zur Seite. Nach einem Selbstmordversuch wurde sie - gegen ihren Willen - im Juli 1914 in die private Schönberger Nervenheilanstalt gebracht. Da ihre Rente und auch zusätzliche Zahlungen Klara Mays die Kosten dort nicht deckten, wurde Emma Pollmer im Dezember 1914 wieder entlassen. Bis 1916 lebte sie im Haushalt von Fritz Appunn und seiner Verlobten Emma Johanna geb. Lange. Dann zog sie - alleine - Anfang 1916 wieder nach Weimar.

Da sich ihr Zustand sowohl geistig als auch körperlich verschlechterte, wurde sie - nach vergeblichen Aufenthalten in verschiedenen Sanatorien - am 17. August 1916 als unheilbar Geisteskranke in die moderne Königliche Sächsische Pflegeanstalt zu Arnsdorf eingewiesen.

Dort starb sie am 13. Dezember 1917 an einer Bauchfelltuberkulose. Am 17. Dezember 1917 wurde sie um 11 Uhr auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Klara May weigerte sich strikt, an der Beerdigung teilzunehmen; letztlich vertrat Dr. Euchar Albrecht Schmid den Karl-May-Verlag.[10] Ihren Nachruf ließ Fritz Appunn setzen. Beerdigung, Grabstein und Grabpflege bezahlte Klara May.

Das Grab wurde 1945 eingeebnet.

Sonstiges

Emma May wurde von ihrem Mann gelegentlich als "Nscho-tschi II" vorgestellt, oder er unterschrieb für sie so Kartengrüße[11]. Später unterschrieb sie selbst Briefe und Karten an Max Welte als "Nscho Nschi" (sic!) - ein Rechtschreibfehler, der Karl May besonders erboste. Eine so unterzeichnete Karte vom 20. Februar 1898 aus Wien wurde von May sogar als "›Beweisstück N°. 2‹" als Anlage in die Pollmer-Studie aufgenommen.

Freundinnen von Emma

Freundinnen von Emma

Emma und Karl May hatten teilweise getrennte Freundeskreise. Emma hatte einige Freundinnen, die ihr besonders nach der Trennung von ihrem Mann zur Seite standen. In einigen Fällen hielten die Freundschaften jahrzehntelang, wenn auch der Kontakt lockerer wurde.

Anna Schneider und Emma Weise kannte Emma Pollmer aus Hohenstein; Pauline Münchmeyer, Louise Achilles und Louise Dietrich lernte Emma May in Dresden kennen - noch bevor May berühmt wurde. Selma vom Scheidt wurde nach der Trennung in Weimar ihre Vertraute.

Emma May war vermutlich bisexuell veranlagt. Ob die Frauen im Einzelfall eine rein freundschaftliche oder auch eine intime Verbindung hatten, wird sich nicht mehr feststellen lassen.

Emma-Spiegelungen im Werk

Emma-Spiegelungen im Werk (Auswahl)

Spiegelung nennt man in der Literatur den Einfluss biografisch-psychologischer Erfahrungen des Autors auf ein literarisches Werk. Diese Spiegelung kann absichtlich oder unbewusst erfolgen.

Abgesehen davon, dass May "Emma Pollmer" als Pseudonym benutzte, gibt es auch besonders in den Kolportageromanen einige deutliche Spiegelungen und Namensähnlichkeiten.

In der pseudo-autobiografischen Skizze "Freuden und Leiden eines Vielgelesenen" wird das eheliche Leben eher rosig geschildert und Emma ist da das Sinnbild einer geduldigen und aufopferungsvollen Ehefrau.

Karl May hat vermutlich versucht, auch dadurch seine Frau für sein Werk zu interessieren.

offene Fragen

Emma oder Fanni?

Die oft für die junge Emma gehaltene Person auf dem Bild ist möglicherweise Fanni Schöne, eine von Mays Nichten.[12]

Besonders Hainer Plaul hält aber daran fest, dass es sich bei der jungen Frau auf dem Foto um Emma Pollmer handelt. Plaul, der sehr viele genealogische Forschungen in und um Hohenstein-Ernstthal betrieb und auch Nachkommen von Mays Geschwistern befragte, hält seine Quellen in diesem Punkt für absolut zuverlässig.

Anmerkungen

  1. lt. E. A. Schmid im Karl-May-Jahrbuch 1922, S. 26, am 14. Dezember
  2. Das Taufregister von St. Christophori, Hohenstein, Jahrgang 1856, Nr. 216 vom 8. Dezember 1856 nennt als Vater einen "Michael Zimmermann, Barbiergehilfe aus Zittau".
  3. Fritz Maschke zitiert aus Rudolf Lebius' Pamphlet und aus einem Brief von Emma an Louise Achilles aus dem Jahr 1910.
  4. Pollmer-Studie, S. 814 f.
  5. Hallmann/Steinmetz: Du - du hast also eine Frau? In: KMHI Nr. 9 [1996], S. 27 - 37.
  6. Karl-May-Chronik I, S. 271.
  7. Emma Pollmer 1909 an das Großherzgl. Sächs. Amtsgericht in Weimar.
  8. Karl-May-Chronik I, S. 462.
  9. Emma Pollmer an das Kgl. Landgericht am 13.12.1907 (zitiert nach Maschke, S. 93).
  10. Rudolf Beissel: Wie das erste Karl-May-Jahrbuch entstand. In: Karl-May-Jahrbuch 1978, S. 18.
  11. Karl-May-Chronik II, S. 48 (Telegramm an Emil Seyler).
  12. Gerhard Linkemeyer: Karl May. Biographie in Dokumenten und Bildern. Ein falsches Emma-Bild. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 74 [1987], S. 52. (Onlinefassung)

Literatur

über Emma

Sonstiges

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.


Weblinks

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