Villa "Shatterhand."

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Wohnsitze Karl Mays in Dresden und der Lößnitz

  1. Jagdweg 7
  2. Jagdweg 14
  3. Pillnitzer Straße 72
  4. Villa 'Forsthaus', Dresden-Strießen
  5. Sommerstraße 7, Dresden-Blasewitz
  6. Prinzenstraße 4, Dresden-Johannstadt
  7. Schnorrstraße 31 Seevorstadt
  8. "Villa Idylle", Kötzschenbroda
  9. Lößnitzstraße 11, Niederlößnitz
  10. "Villa Agnes", Oberlößnitz
  11. Villa "Shatterhand", Radebeul
Villa "Shatterhand."
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss

In der Villa "Shatterhand." lebte Karl May von seinem Einzug 1896 bis zu seinem Tod 1912. In ihr wurde das Karl-May-Museum eingerichtet.

Bau

Im Zuge der Vergrößerung des Ortes Radebeul kaufte die Handelsgesellschaft Gebr. Ziller im Oktober 1891 in Oberlößnitz die Parzelle 570 des Flurbuches für Radebeul; zeitgleich kaufte die Baufirma Gebr. Ziller die Parzellen 569 und 569a und ließ sie durch Eintragung in das Grundbuch zur Parzelle 570 hinzuschlagen. Am 4. März 1893 erteilte die Kgl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt den Gebr. Ziller die Genehmigung zur Errichtung eines Wohngebäudes auf dem Grundstück Parzelle 569/70, was auch zeitnah in Angriff genommen wurde. Mit der Rohbauabnahme (am 8. November 1893) beauftragte die Kgl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt den Reg.-Baumeister Lehnert.

»Über das Ergebnis der resolutionsgemäß vorgenommenen Baurevision ist ergebenst mitzuteilen, daß das Gebäude im Rohbau ziemlich vollendet und soweit ersichtlich und zugänglich, plan- und bedingungsgemäß ausgeführt ist. Der Hausthürvorbau und der Balkonanbau sind noch nicht hergestellt. Baupolizeilich ist zu bedingen, daß die Abort- und Senkgrube nach Baubedingung 4., Ausführung findet.«

Es folgte der weitere Ausbau des Wohnhauses, welcher etwa neun Monate dauerte. Die endgültige Bauabnahme wurde am 12. September 1894 durch den Brandversicherungs-Inspektor Bernhard Nagel und dessen Assistenten Heinrich Max Richter von der Brandversicherungs-Inspektion Dresden II vorgenommen. Der Grundbuch-Eintragung folgte am 26. September 1894 die Ingebrauchnahmegestattung durch die Kgl. Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt. Es sollte jedoch noch über ein Jahr vergehen, bis Grundstück und Wohnhaus einen Käufer fanden.

Die finanzielle Situation des Ehepaares May hatte sich im Laufe des Jahres 1895 so entwickelt, dass sie sich gegen Ende des Jahres zum Kauf einer Villa entschließen konnten und endlich am 30. Dezember 1895 für 37.300 Mark das Villengrundstück Kirchstraße 5 erwarben. Bald danach zogen sie in ihr neues Heim ein und gaben ihm den Namen Villa „Shatterhand.“, was sie durch goldene Lettern, die an der Hauswand angebracht wurden, auch der Welt kundtaten.

Die ursprüngliche Ansicht des Hauses weicht von der heutigen insbesondere dadurch ab, dass die aus Holz bestehende Veranda mit darüber gelegenem Balkon (rechte Vorderseite) zwischen 1925 und 1932 durch einen bis zur Dachhöhe reichenden massiven Vorbau ersetzt wurde.

Adressen

  • bis 1932 Kirchstraße 5
  • von 1932 bis 1945 Karl-May-Straße 5
  • von 1945 bis 1985 Hölderlinstraße 5
  • ab 1985 (westlicher Teil) Karl-May-Straße 5

Geografische Lage

51 Grad 6 Minuten 10 Sekunden nördlicher Breite, 13 Grad 40 Minuten 25 Sekunden östlicher Länge von Greenwich.

Einrichtung zu Mays Lebzeiten

"Meine Villa, welche wir natürlich ganz allein bewohnen, hat 1 Salon, 1 Musikzimmer, 1 Speisezimmer, 1 Studier- und 2 Bibliothekszimmer, 1 Schlafzimmer, 2 Gastzimmer, Stube für das Hausmädchen, Garderobe, Küche mit großem Herde, Obst- und andere Kammer, Waschhaus, Holz- und Kohlenhaus, Keller für Wein, Keller für Speisen, Wasserleitung für alle Zimmer und einen prächtigen Garten." (Karl May an Carl Heinrich Selbmann, 1897)

Eingangsbereich

Am 13. Juli 1910 besuchte Adolf Droop die Villa "Shatterhand.". Er berichtet darüber: "Beim Eintritt in das Haus öffnete sich ein Flur, dessen Wände mit Reiseerinnerungen, Waffen und vielen Bildern bedeckt sind. Gegenüber der Eingangstür stehen zu beiden Seiten eines arabischen, mit einer Tonvase geschmückten Tisches zwei Modelle: eine weibliche Sphinx, gearbeitet von Professor Selmar Werner, und eine männliche von Professor Sascha Schneider ... Darüber prangen an der Wand ein gewaltiger Elchkopf, ... ein Lasso und ein arabischer Sattel ..."[1]

Empfangszimmer

Empfangszimmer

Im Empfangszimmer (27,5 m²) hingen mehrere Originalgemälde von Sascha Schneider:

  • Marah Durimeh, Zeichnung 1907, 42 x 53 cm (später Deckelbild zu "Ardistan und Dschinnistan", I/II).
  • Abu Kital, Zeichnung 1906, 55 x 54 cm (vorgesehen als Deckelbild zu dem geplanten gleichnamigen Roman). Beide Zeichnungen über dem Schrank an der Wand zum Flur.
  • Der Chodem (Das Gewissen), Ölbild 1903, 240 x 210 cm. Es bedeckte die Wand nach Westen samt dem Fenster.
  • Die sterbende Menschheit, Zeichnung 1903, 40 x 49 cm (später Deckelbild zu "Winnetou IV").
  • Christus und Muhammed, Zeichnung 1904, ca. 50 x 80 cm (Deckelbild zu "Orangen und Datteln").

Droop beschreibt das Empfangszimmer wie folgt: "Rechts der Tür steht ein Schrank, der Reiseerinnerungen enthält. Auf ihm erhebt sich eine Büste Karl Mays aus Bronze von Sascha Schneider ..." (Sie zeigt Karl May mit sphinxähnlichen Zügen.) "Dem Schrank gegenüber befindet sich ein Schreibtisch, der von einer Büste Selmar Werners, 'Der Glaube' überragt wird ..."[2] (An diesem Schreibtisch wird Klara May die Leserpost beantwortet haben.)

siehe auch Empfangszimmer (Villa "Shatterhand")

Bibliothek

Bibliothek
Bibliothek (nach 1900)

Ein späterer Besucher war der Schriftsteller Heinrich Zerkaulen. Er schreibt in den "Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 13. April 1927: "Und die Treppe hinauf zu den ehemaligen Arbeitsräumen Karl Mays ist ein Weg durch sagenhafte Kulturen Indiens und Chinas. Wir stehen in der Bibliothek des Dichters. Riesige Büchergestelle füllen den saalartigen Raum bis zur Decke. Da ist von seiner Hand alles katalogisiert und numeriert. Kulturgeschichten aller Völker, Geografie und Religionsgeschichte. Der Koran liegt auf einem Taburett neben dem Diwan..."[3]

Droop erwähnt noch die Ecknischen in den Wandregalen, in denen "arabische Lampen und türkische Wasserpfeifen" hingen, "und die Fenster sind drapiert mit Vorhängen, von denen sich in blau und rot gehaltene Koransprüche abheben"[4]

siehe auch Karl Mays Bibliothek

Arbeitszimmer

Arbeitszimmer (nach 1900)

Das Arbeitszimmer wurde mit exotischen Gegenständen und einem präparierten Löwen geschmückt. Der Löwe verschwand allerdings nach der Orientreise.

Droop über das Arbeitszimmer: "Noch heute [1921] steht dort der schmucklose Schreibtisch, an dem er seine unvergänglichen Gestalten schuf. Noch heute steht dort sein Tintenfaß mit den metallenen Federhaltern, die er benutzte ... An den Wänden stehen auch hier Schränke mit arabischen Tassen, Vasen, Tongefäßen, Pfeifen und anderen Erinnerungen an die Orientreisen Karl Mays. Sascha Schneiders Zeichnungen zu 'Im Reiche des silbernen Löwen', Bd. IV. und 'Am Jenseits' grüßen von der Wand. Nach der Straße zu öffnet sich ein Altan ..."[5]

Mehr darüber bei Karl May selbst: "Die Fenster sind geöffnet, und auch meine Balkontür steht offen, grad so gegen Süden, wie damals die Fenstertür im Kratong zu Kota Radscha ... Der Altan trägt ungezählte, blühende Pelargonien ... Das Rankengefieder der chinesischen Glycinen steigt hoch am Hause und zu seiten meiner Fenster bis an das Dach empor ..."[6]

siehe auch Arbeitszimmer (Villa "Shatterhand")

Cabinet

Über den als "Cabinet" (14,2 qm) bezeichneten länglichen Raum, dessen einziges Fenster zum Garten liegt, wissen wir wenig. Hans-Dieter Steinmetz nimmt an, dass ab April 1903 Klara Mays Mutter Wilhelmine Beibler darin wohnte. Alfred Schneider berichtete: "Klara May ... führte mich durch die Villa, auch in das kleine Stübchen, in welchem Karl Mays Sterbebett stand. Ein bescheidenes Holzbett, darüber der Dornenkranz aus dem Heiligen Lande."[7]

In "Frau Pollmer, eine psychologische Studie" erwähnt Karl May das "sogenannte nackte Zimmer", das offenbar mit dem Cabinet identisch ist. Es soll aber, wie er mitteilt, neben seiner Bibliothek gelegen haben. Der Raum neben dem Cabinet wird in der Hausskizze jedoch als Schlafzimmer ausgewiesen. Offenbar hat dieses Zimmer in der ersten Zeit (nach 1896) als Bibliothek gedient: Karl May schreibt nämlich in "Freuden und Leiden eines Vielgelesenen", er trete "aus dem nach der Straße gelegenen Studierzimmer in die Bibliothek, aus welcher ein zweiter Balkon nach dem Garten geht". Damit ist eindeutig das mit einem Balkon ausgestattete, dem Garten zugewandte Zimmer gemeint. Das löst auch das Rätsel, wie es Karl May, der lesend in seiner Bibliothek saß, möglich gewesen sein sollte, ein im Cabinet geführtes Gespräch mitanzuhören (Anmerkung zu S. 914 der Handschrift "Studie Emma Pollmer").

Erdgeschoss (1912)
Obergeschoss (1912)

Legende


1 = Sessel
2 = Schrank
3 = Wandschirm
4 = Gemälde "Chodem"
5 = Damenschreibtisch
6 = Rundtisch
7 = Konsole
8 = Bücherregal
9 = Sitzbank
10 = Tisch
11 = Hocker
12 = Stuhl
13 = Diwan
14 = Arab. Tisch
15 = Teppich
16 = Mays Schreibtisch
17 = Schreibtischsessel
18 = Eckschrank
19 = Sofa
20 = Bärenfell

In der 1931 massiv erbauten Veranda des Obergeschosses richtete sich die Witwe des Schriftstellers ein kleines Arbeitskabinett ein - das heute sogenannte „Klara-May-Zimmer“. Der Schreibtisch mit den Fotos ihres Mannes, Souvenirs von ihren Weltreisen sowie das unvollendete Gemälde von Sascha Schneider „Und er ist dennoch Gottes Sohn“ sind hier zu sehen.

Garten

Pavillon

Im Garten hinter der Villa werden Rosenstöcke, Rhododendren, Spalierwein, Erdbeeren, Obstbäume (Birnen, Äpfel, Pflaumen, Pfirsiche und Aprikosen) und Beerensträucher (u.a. Stachelbeeren) gepflanzt. Auf einem "künstlichen Gebirge" baut die Firma Ziller einen chinesischen Pavillon.

nach 1912

1914 erfolgte ein Verandaanbau auf der Rückseite, dieser wurde 1950 aufgestockt. Dort befindet sich heute der Eingang in das Museum.

Klara May ließ 1926 für Patty Frank im Garten hinter dem Haus ein Blockhaus als Wohnhaus errichten, die "Villa Bärenfett". In einem Anbau des Blockhauses wurde 1928 das Karl-May-Museum eröffnet.

1925 oder 1928 erfolgte die Aufstockung der vorderen Veranda nach Plänen des Architekten Max Czopka; der entstehende neue Außenraum sowie der daran angrenzende Innenraum wurden im Stil der Neuen Sachlichkeit mit dunklen Holzvertäfelungen versehen.

Mit dem Tode Klara Mays 1944 ging die Villa in den Besitz der Karl-May-Stiftung über und wurde weiter als Wohnhaus genutzt. Ab 1961 war dort ein Schulhort untergebracht. 1968 erfolgte der Ausbau des Dachgeschosses.

Seit 1985 wird auch das ehemalige Wohnhaus Karl und Klara Mays, die Villa "Shatterhand.", als Sitz der biographischen Museumsabteilung sowie für Studien- und Austellungszwecke des Museums genutzt.

Anmerkungen

  1. Adolf Droop: Die Villa "Shatterhand.", Karl-May-Jahrbuch 1921, S. 82.
  2. Droop: Die Villa "Shatterhand.", KMJb. 1921, S. 84.
  3. Zitiert nach KMJb. 1928, S. 185 ff.
  4. Droop: Die Villa "Shatterhand.", KMJb. 1921, S. 86.
  5. Droop: Die Villa "Shatterhand.", KMJb. 1921, S. 86 f.
  6. Karl May: "Und Friede auf Erden", S. 491 f.
  7. Alfred Schneider: "Mein Leben mit Karl May", S - KMG Nr. 85, 1985, S. 7.

Literatur

  • Hans-Dieter Steinmetz: Die Villa "Shatterhand" in Radebeul. JbKMG 1981. (Onlinefassung)
  • Erich Heinemann: Radebeul, Kirchstraße 5. Notizen über die Villa "Shatterhand". Materialien zur Karl-May-Forschung Band 13. (Onlinefassung)
  • Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz, 2., leicht geänderte Auflage 2006, ISBN 3-938460-05-9
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Stadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen, SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3

Weblinks

  • Eintrag bei Wikipedia (mit besonderem Augenmerk auf der Architektur).