Louise Achilles

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Louise "Kaninchen/Karnickel" Achilles verw. Häußler verw. Langenberg verw. Hübner geb. Schmidt (* 28. Oktober 1861 in Sundische Wiese [Nordvorpommern]; † vermutlich 1943 in Berlin-Steglitz) war eine Freundin von Emma May.

Leben[Bearbeiten]

Louise Schmidt war im Weißwarenhandel tätig.

Sie war zunächst mit dem Baumeister Hermann Wolfgang Hübner (* 1833; † 1892) verheiratet und wohnte mit ihm in Kötzschenbroda, Grenzstraße 40 (heute Heinrich-Zille-Straße 39).[1]

Nach Hübners Tod heiratete Louise einen Herrn Langenberg, der jedoch auch bald starb. Spätestens 1895 vermählte sich die zweifache Witwe mit Heinrich Häußler, mit dem sie in Berlin, Goltzstraße 36, wohnte.[2]

Nach dessen Tod ehelichte sie den Klempner Ernst Achilles (* 1849; † 1934), mit dem sie ebenfalls in Berlin, Regentenstraße 11a, wohnte.[3]

Louise Achilles, Emma und Karl May[Bearbeiten]

Der Beginn einer Frauenfreundschaft[Bearbeiten]

Vermutlich 1888 oder 1889 lernte Karl Mays Ehefrau Emma Louise Hübner kennen, die bald zu den regelmäßigen Gästen in Mays "Villa Idylle" gehörte. In seiner späteren Schrift Frau Pollmer, eine psychologische Studie (1907) äußerte sich May über sie:

Hierzu kam als weitere Neue die junge, fette Frau eines alten Herrn [Hermann Wolfgang Hübner ... Sie war] eine Phryne sondergleichen. Ich kannte ihren ersten Mann, einen Baumeister, der, schon hoch bei Jahren, die Dummheit beging, diese üppige Weißwaarenmamsell zu heirathen. Er gab ihr wegen der Ausgeprägtheit ihres Begattungstriebes den Kosenamen Kaninchen. Er nannte sie schließlich gar nicht anders. Er gebrauchte diesen Kosenamen sogar öffentlich, und sie bildete sich viel darauf ein, anstatt darüber zu erröthen. [...] Ich hatte viele, viele Monate lang die Verpflichtung, sie des Abends aus der Kneipe nach Hause zu führen, denn sie kam allein. Auf diesen stillen Wegen öffnete ihr der Alkohol den Mund. Ich aber that, als hörte ich es nicht und als fühlte ich die leberthranigen Reize nicht, die sich mir in die Arme drängten. Ich habe sie nie berührt.[4]

Vom Herbst 1891 an war Karl Mays Nichte Klara Selbmann einige Monate lang bei Mays zu Gast, die inzwischen in der "Villa Agnes" in Oberlößnitz wohnten. Im November schrieb Emma May einen Brief an Klaras Schwester Auguste Anna Selbmann, in dem es heißt:

Frau Hübner schenkte ihr [...] 2 wundervolle Haarschleifen, mit Goldähren durchwirkt, die hat nämlich unser Lottel sehr ins Herz geschlossen.[5]

Vermutlich im Juli 1892 verließ Klara Selbmann das Ehepaar May, da es zu Unstimmigkeiten mit Emma gekommen war. Unter anderem hatte diese die Nichte ihres Mannes mehrfach lange bei Freundinnen wie Louise Hübner zurückgelassen, um Einkäufe und Spaziergänge zu unternehmen.[6]

Festtags- und Urlaubsgrüße (1)[Bearbeiten]

Nach ihrem Umzug nach Berlin stand die nunmehrige Frau Häußler mit Emma May im Briefwechsel. Am 30. Juni 1895 schrieb sie:

O, Emma was muß ich alles für Dich thun! sogar sehr eilig einen Brief schreiben, so viel habe ich Dir zu erzählen. Grüße u[nd] Küsse mir hernach das Mausel [nämlich Klara Plöhn] u[nd] Frau Beibler behalte lieb Dein altes treues Kaninchen.

Ihr Gatte Heinrich "Drickes" Häußler ergänzte:

Viele Grüße von Ihrem lieben Drickes.[7]

Am 2. Januar 1898 sandten Heinrich Haeußler & Frau nebst Mutter [vermutlich Frau Schmidt, Louises Mutter], Neujahrsgrüße an das Ehepaar Karl und Emma May.[8]

An Emma May schrieb Louise Häußler betrübten Herzens am 4. August 1898, kurz nach dem Ableben des Reichskanzlers Otto von Bismarck, eine Postkarte:

Wir Deutschen fürchten Gott
Sonst nichts auf der Welt.[9]

Gegenseitige Besuche[Bearbeiten]

Am 28. Januar 1899 reisten Karl und Emma May nach Berlin und besuchten Häußlers in ihrer Wohnung, wo es möglicherweise zu einer spiritistischen Sitzung kam.[10]

Für den Zeitraum des ersten Teils seiner Orientreise, den Karl May allein unternahm, hatte Emma schon vor Reisebeginn Louise zu sich eingeladen. Aus Leipzig schrieb Heinrich Häußler, der vermutlich Mays in ihrer Radebeuler Villa "Shatterhand" besucht hatte, am 18. März an Emma May eine Ansichtskarte, auf der es heißt:

Ich bin aus Prag wieder zurück, wie mir Kaninchen schreibt, freut sie sich sehr, daß ich Sie gesprochen habe, und freut sich schon auf den Besuch. Schreiben Sie bitte nach Berlin, wann es Ihnen paßt, dann kommt Kaninchen zu Ihnen.[11]

Am 1. April dankte Louise Häußler Emma May für einen nicht bekannten Brief:

Deinen lieben Brief habe ich erhalten u[nd] freute mich sehr über Deine Einladung. Gerne werde ich kommen. Du weißt doch wie lieb ich Dich habe. Für heute die herzlichsten Grüße von meinem Drickes u[nd] d[em] Kaninchen.[12]

Pfingstgrüße sandte Louise am 21. Mai an Emma und an das Ehepaar Richard und Klara Plöhn:

Nein Emma was muß ich alles für Dich thun! Du alter Bummelant.[13]

Über Emmas Verhalten während seiner Abwesenheit im Orient äußerte sich Karl May in seiner psychologischen Studie:

Dann wurde Frau Häusler, das Kaninchen, eingeladen und blieb wochenlang bei ihr, um Spiritismus, Liebesbrunst und andere Dinge zu treiben.[14]

Vermutlich hielt sich Louise Häußler tatsächlich in dieser Zeit einige Wochen bei Emma auf.[15]

Festtags- und Urlaubsgrüße (2)[Bearbeiten]

Beste Grüße sandten Drickes und Kaninchen auch am 14. Juli aus dem schönen Berlin an Emma May.[16]

Am 24. August schrieb Louise Häußler auf der Furka-Passhöhe (Schweiz) an Emma May:

Viele schöne Grüße von der Furka, soll ich vielleicht ein bischen Eis schicken, damit Emmas Finger sich wieder erholen kann?[17]

Weitere Grüße schickten Häußlers am 4. September aus München an Emma, die ihr nach Mulda nachgesandt wurden.[18]

Heinrich und Louise Häußler übermittelten am 29. März 1902 aus Berlin Ostergrüße an die Mays.[19]

Am 2. Mai vermerkte Klara Plöhn in ihrem Tagebuch über Emma May:

Wenn Karl eine Ahnung hätte, wie diese Frau von ihm spricht und wie gemein sinnlich sie sein kann. Für ihn kauft sie diese Brillianten mit den Federn nicht. Er sieht es ja gar nicht sagt sie und er sieht wirklich nicht, daß Emma sich wie ein Zirkuspferd auf zaunt. Die unechten Steine vergälle ich ihr aber ich rede solange darüber, bis sie's über bekommt, mag sie auch dann schmollen. Diese Mucken sind vom Kanienchen. Emma weiß doch aber was die ist. Sie darf sich nicht dazu machen. Mich bekommt sie nicht dazu.[20]

Pfingstgrüße von Häußlers an die Lieben in Radebeul erfolgten am 17. Mai.[21]

Von Swinemünde aus ging am 14. Juli 1902 eine Karte Heinrich und Louise Häußlers mit der Aufschrift Gruss aus Heringsdorf an Karl und Emma May:

Der Heringsfang ist in diesem Jahr trotz des kalten und regnerischen Wetters gut geworden.[22]

Die Scheidung[Bearbeiten]

Nach der Scheidung zwischen Karl und Emma May (rechtskräftig am 4. März 1903) sorgte sich Louise Häußler um Emmas Wohlergehen. Am 11. März schrieb sie an Klara Plöhn, auf deren (nicht bekannten) Brief sie antwortete:

Der Inhalt war [...] so ungeheuerlich für mich, daß ich mich nicht fassen kann. Bis heute hat die Emma kein Wort von sich hören lassen, sollte sie zu mir kommen, selbstverständlich nehme ich sie mit Freuden auf. Wie ist es nur möglich, daß ein solches Zerwürfniß dort vorgekommen ist? Mag die gute Emma gemacht haben was sie will, so hat sie doch bisher Freud und Leid mit ihrem Mann getragen. Du weißt ebenso gut wie ich, daß sie ihren Karl über alles liebte und sich oft sehr um ihn gesorgt hat. Die Eifersucht kann sie nur zu etwas verleitet haben, was sie später sicher bereuen wird. Habe Erbarmen liebe Clara! Wirke auf den Dr. [Karl May] ein, daß er die Arme nicht verläßt. Der Gedanke ist mir fürchterlich dieselbe in bitterer Not zu wissen.[23]

In seiner Prozessschrift An die 4. Strafkammer des Königl. Landgerichts III in Berlin (1910/11) äußerte sich Karl May über seine geschiedene Frau und ihre Aktivitäten in dieser Zeit:

Sie korrespondierte mit jenem langnamigen "Karnickel" und hatte auch jene forsche Turnlehrerswitwe [Louise Dietrich] besucht [...] Unter diesem Einflusse begann sie jetzt ganz unerwartet, mir Schwierigkeiten zu machen, die aber nicht von Bedeutung waren.[24]

In der gleichen Schrift zitierte May einen undatierten Brief Louise Häußlers an Klara, die seit Ende März mit Karl May verheiratet war:

Du Scheusal! Auch ich habe den guten Karl geliebt; aber ich habe mit dieser Liebe wie eine Löwin gekämpft; du aber hast ihn genommen![25]

Möglicherweise auf dieses schreiben nimmt der Brief von Mays Schwiegermutter Wilhelmine Beibler an Emma May vom 19. Juni Bezug:

Diesen Brief habe ich in Karls Auftrag zu schreiben. Jedes Schreiben von Dir enthält Angriffe, denen nun endlich einmal ein Ende gemacht werden muß. Der allergemeinste war der, den Du uns von Deiner Berlinerin hast schicken lassen.[26]

Vermutlich auf den gleichen Monat datiert ein weiterer Brief Frau Beiblers an Emma:

Soeben kommt wieder so ein Schandbrief voll Beleidigungen, den Sie uns von Ihrer Hübner [recte Häußler]. Sie wollen also auf keinen Fall aufhören [...] Das Du ist Ihnen von heute an verboten![27]

Betrügerische Handlungen[Bearbeiten]

Am 9. Oktober erstattete Louise Häußler bei der Staatsanwaltschaft Dresden Anzeige gegen Karl und Klara May wegen betrügerischer Handlungen zur Ermöglichung der Ehescheidung. Emma war darüber entsetzt, was Karl allerdings verborgen blieb, wie seine Eingabe an das Landgericht Dresden vom Dezember 1907 zeigte:

Meine Frau ließ sich von einer Freundin gegen mich und meine jetzige Frau aus Eifersucht verleiten, wegen der Scheidung eine Denunziation bei der Staatsanwaltschaft einzureichen.[28]

Klara May besuchte Emma, die nun wieder ihren Mädchennamen Pollmer führen musste, am 26. Oktober in ihrer Wohnung in Weimar. In ihrem Tagebuch vermerkte Klara dazu:

Sie hatte aber bereits neue Intrigen angezettelt, was sie mir kleinlaut eingestand. Tischsitzungen mit Frau Häusler – der Hure –.[29]

Vermutlich ebenfalls im Oktober, nach ihrem Besuch in Weimar, schrieb Klara an Emma:

Hüte dich vor Kaninchens Einfluß, sie ist nicht schlecht, aber eine von jenen Frauen, deren Blick zu kurz ist – ohne das Böse zu wollen, schaffen sie es dennoch – lebe im Geiste von Weimar.[30]

Möglicherweise hatte Klara May in Weimar Emma Pollmer empfohlen, sich an Louise Häußler zu wenden, was sich danach bereut hatte. In einem weiteren Brief Klaras an Emma (vermutlich aus jenen Tagen) heißt es:

De[r] Rat den ich Dir gab nach B[erlin] zu K[aninchen] zu gehen war ganz ganz falsch. Sie reicht Dir nur Gift sie zerstört Dich innerlich weil sie nicht hoch genug steht Dich zu heben – deshalb ist sie nicht schlecht aber furchtbar gefährlich; sie würde Alles zerstören wonach wir streben.[31]

Ein dritter Brief Klara Mays an Emma Pollmer, wohl aus eben dieser Zeit, enthält Vorwürfe:

Dann die beiden hundsgemeinen Briefe die Du dem Kaninchen in die Feder diktirt hast. Du stellst Dich wieder, wie immer, als reiner, eben vom Himmel gefallener Engel hin. Karl ist wie immer der Teufel. – Mich mußt du ja, diesen Briefen nach zu urtheilen, schön hingestellt haben. Ich wollte Deine Freundin verklagen, aber ich gestehe Dir offen, ich ekle mich, mit einer Person, wie das Kaninchen nach Deinen Aussagen ist, vor dem Gericht zu erscheinen. Damals sagtest Du, sie sei Dir zu gemein, weißt du, als sie Dir vom Geschlechtstheil jenes Negers auf der Postkarte gesprochen hatte, den ihr 8tägiger fremder Gast, der in Abwesenheit ihres Gatten bei ihr wohnte, geschickt hatte. – – – Dann die Beobachtungen an ihrer Seite unter den Linden. – – – Gemein, gemein nanntest Du sie! – Solch ein Weib hält man sich besser fern; sie kann nicht beleidigen. Indem ich Dich nochmal warne, "kehre um", erfülle ich die letzte Pflicht, die ein Etwas in mir, mir gebeut. Folge, oder folge nicht – – –[32]

Da Emma Pollmer zur Anzeige Louise Häußlers (betreffs der Ehescheidung) die Zeugenaussage verweigerte und auch ihren Rechtsanwalt Viktor Neumann nicht von der Schweigepflicht entband, fehlte in diesem Strafverfahren das entscheidende Beweismittel, woraufhin es eingestellt wurde.[33]

Als Emma Pollmer im Mai 1909 Karl Mays Gegner Rudolf Lebius in Berlin besuchte, wohnte sie bei der nunmehrigen Louise Achilles. In seiner Streitschrift An die 4. Strafkammer bemerkte May dazu:

[...] sie ging nach Berlin zu ihrer Freundin, der Löwin vulgo Karnickel, und mit dieser dann zu Lebius, wo man ihr die Weisung für ihr weiteres Verhalten erteilte.[34]

Da Emma inzwischen bereit war, ihre 1903 verweigerte Aussage zu machen, strengte Louise Achilles eine Wiederaufnahme des Verfahrens wegen betrügerischer Handlungen zur Ermöglichung der Ehescheidung gegen Karl (und inzwischen auch Klara) May an.[35] Das Verfahren wurde allerdings am 8. Juli 1909 durch den zuständigen Staatsanwalt Erich Wulffen ohne weitere Vernehmung Emma Pollmers – auf deren alleinige Aussage keinerlei Wert gelegt werden konnte – eingestellt.[36] Am 22. Juli legten Frau Achilles und Frau Pollmer (erfolglos) Beschwerde gegen diesen Beschluss ein.[37]

Bettelbriefe für Emma (1)[Bearbeiten]

An den Journalisten Johannes Mayrhofer von der Germania schrieb Louise Achilles am 24. August 1909 einen Brief voller Übertreibungen und Unwahrheiten:

May war noch in den neunziger Jahren Gelegenheitstrinker und ohne Frau Emma wäre er nach unser aller Ueberzeugung im Rinnstein geendet. Sie hat ihn mit übermenschlicher Geduld immer wieder auf den rechten weg zurückgeführt.

Außerdem hätte die Gesellschaftsdame Klara Plöhn Emma um 42.000 Mark betrogen sowie durch spiritistische Schwindelmanöver den Ehemann ausgespannt. Weiterhin heißt es in dem Schreiben:

Als nun Frau Emma May vor einigen Monaten einem Journalisten [nämlich Rudolf Lebius] etwas über die spiritistische Tragödie ihres Lebens mitteilte und der Herr etwas in die Oeffentlichkeit lanzierte, rächte sich May auf dem Wege, dass er Frau Emma die Monatsrente in Höhe von 250 Mark entzog. Frau Emma ist nun völlig mittellos und wir Bekannten und Freunde der Dame haben die feste Ueberzeugung, dass May seine geschiedene Frau zum Selbstmord treiben will, um sie auf solchem Wege loszuwerden. Dieses Schreiben hat den Zweck, Sie für Frau Emma May zu interessieren.[38]

Eine Antwort darauf ist nicht bekannt.

Ein nicht erhaltener, aber wohl ähnlicher Brief ging am gleichen Tag an Mays Hausschatz-Verleger Karl Pustet. Dieser antwortete am 27. August:

Wie kann denn ein Mann, der mit dem Aufwande aller menschlichen Kraft um die Rettung seiner Ehre kämpft, so unehrenhaft gegen seine Frau handeln?[39]

In einem weiteren Brief schrieb Karl Pustet am 6. September an Frau Achilles:

Sollte die Alimentationspflicht des Herrn Dr. Karl May gegenüber seiner ersten Frau eine richterliche Würdigung nicht finden, sondern die Klage erfolglos bleiben, so werde auch ich ihr eine Unterstützung nicht versagen.[40]

Rudolf Lebius in Aktion (1)[Bearbeiten]

In Emma Pollmers – offenbar von Lebius diktierter – Antwort vom 6. September auf Mays Schriftsatz vom 17. Juli 1909 wurde Louise Achilles als eine der Zeuginnen für den Spiritismus Karl und Klara Mays genannt.[41]

Am 11. Oktober 1909 schrieb Louise Achilles an Emma Pollmer, abermals nicht ohne Übertreibungen und Unwahrheiten:

Nachdem ich Deinen Brief erhielt, ging ich zu L[ebius] um mal zu horchen was derselbe vor hat, aber ohne etwas von den ganzen Angelegenheiten die Du mir geschickt hast, zu sagen. Der hat mir dann fürchterliche Geschichten erzählt, die er vor hat gegen Deinen Mann! Es hat sich eine Zeitung gefunden die noch verschied[ene] Artikel, von einem Rechtsanwalt bearbeitet der die ganze Angelegenheit kennt, bringen wird. Die wären so durchgreifend daß die ganze Öffentlichkeit darauf aufmerksam würde, und Deinem Mann furchtbar schaden würden. Dieses im Vertrauen! – Ist es nun nötig, daß das geschieht? – Ich habe schon gedacht mein Mann soll mal an Deinen Mann schreiben, als ob wir nicht davon wüßten. Wäre es aber nicht besser die Selma [vom Scheidt] machte es? Wenn eine Einigung stattgefunden hat, dann würde ich in der Lage sein die Artikel verhindern zu können, wenigstens traue ich es mir zu! Wie denkst Du darüber? Schreibe mir sofort, ob mein Mann es unternehmen soll. – Dein Mann hat sich ein Automobil für 40.000 M[a]rk gekauft, der Chaufeur in strotzender Liveré [recte Livree], er reist durch die Welt wie ein Fürst.[42]

Am 22. Oktober wurde Louise Achilles als Zeugin in Sachen Privatbeleidigungsklage May ./. Pollmer vernommen.[43]

Für Rudolf Lebius gab Frau Achilles am 9. November 1909 eine eidesstattliche Erklärung ab:

Soweit ich Herrn May persönlich kennengelernt habe, bin ich [...] zu der Ueberzeugung gekommen, dass er ohne Frau Emma vielleicht im Rinnstein geendet hätte. Frau Emma war sein guter Engel. [...] Ich habe aus der Ehescheidung die Ueberzeugung gewonnen, dass die Plöhn eine raffinierte Schwindlerin ist, die mit Hilfe des Spiritismus die May'schen Eheleute auseinandergebracht hat zu ihrem Vorteil.[44]
[...]
Ich machte die Beobachtung, daß [...] die Frau Plöhn mit Vorbedacht und systematisch durch Aufhetzen die Eheleute gegenseitig von einander entfernte. In der letzten Zeit verbot die Plöhn [...] durch "Briefe der Lieben" den beiden Eheleuten den intimen Verkehr. Auch isolierte die Plöhn Frau Emma von ihren Freundinnen. Mit mir z. B. durfte Frau Emma auf Geisterbefehl nicht mehr brieflich verkehren.[45]
Einmal habe ich mit den May'schen Eheleuten zusammen einer spiritistischen Sitzung angewohnt und zwar vor ungefähr 10 Jahren in meiner damaligen Wohnung in Berlin, Goltzstraße 36.[46]
[...]
[Klara Plöhn behauptete,] mit Geistern Goethes und Schillers und anderer großer Männer direkt in Verbindung zu stehen.[47]
Außerdem ist mir bekannt, daß in den Jahren 1889 und 1890 May mit einem seiner Dienstmädchen ein Kind hatte und auch Alimente zahlte.[48]

Emma Pollmer weigerte sich bald darauf zunächst, einen von Lebius vorgelegten Schriftsatz zu unterschreiben. In einem Brief an Klara May vom 15. November äußerte sie sich dazu:

Habe sogar Frau Achilles gebeten zu Lebius zu gehen was sie auch getan hat, & er hat ihr auch versprochen den Punkt wegzulassen als ich später zur Unterschrift zu ihm kam stand es doch darin. [...] er gab keine Ruhe [...] so, daß ich zuletzt doch nachgab.[49]

Anlässlich einer Privatbeleidigungsklage Rudolf Lebius ./. Klara May nannte der Kläger am 6. Dezember 1909 Louise Achilles als eine Zeugin für Klaras spiritistische Schwindeleien.[50]

Neben anderen Materialien sandte Rudolf Lebius am 7. Januar 1910 die eidesstattliche Erklärung Louise Achilles' an den Benediktinerpater Ansgar Pöllmann, einen weiteren May-Gegner.[51]

Briefe, Besuche und Flugblätter[Bearbeiten]

Am 16. Januar 1910 schrieb Emma Pollmer einen umfangreichen Brief an Louise Achilles:

Was wirst Du eigentlich von mir denken, daß ich gestorben und verdorben bin gelt? Ja, ja, es wäre beinahe so gekommen. Ich schrieb Dir doch schon, daß ich Gelenkrheumatismus habe und dieser trat so stark auf, daß ich mehrere Wochen nicht ausgehen konnte; und bin auch jetzt noch nicht davon befreit, nur ist es nicht mehr so schlimm. Wie ich gelebt und gelitten während dieser Zeit, Du mußt bedenken ohne Bedienung – will ich Dir lieber nicht schildern, es ist vorbei und damit gut. Nun tritt wieder eine andere Sache an mich heran. Das Geld wird alle, ich schlafe keine Nacht mehr vor Sorgen, weiß nicht was anfangen und woher nehmen. L[ebiusl schrieb ich soll nach Berlin kommen, das kann ich gar nicht. Bevor ich überhaupt weg kann, muß ich erst 100 M[ark] Schulden zahlen. Die Leute drohen mit Klagen. Ich kann es nicht mehr aushalten. Versetzen kann ich auch nichts mehr. Es ist schon alles fort, was ich hatte, was nun beginnen? Die Radebeuler ließen mir doch durch Selma v. Scheidt 100 M[ark] monatlich anbieten mit dem Bemerken, L[ebius] sollte nicht für mich betteln gehen. Unterdessen haben sie die Klage wegen der 36 000 M[ark] zugeschickt bekommen. Nun ist die Wut wieder groß und ich bekomme nichts. Den 28. Januar ist in dieser Sache Termin in Dresden. Das Weib die Plöhn (jetzige Frau May) hat ans Gericht geschrieben, ich hätte mit Hilfe von Nachschlüsseln [...] das Geld gestohlen, die Kontrakte (aus einem sind schon mehrere geworden) und wichtige Dokumente unterschlagen. Na warte nur, Hallunke, Deine Stunde schlägt auch noch! Ich will ihr schon ihre Lügen klarlegen. Was meinst Du denn zu den Zeitungsartikeln? Es ist ja entsetzlich, was L[ebius] alles ausgekramt hat. Das war aber eine Weihnachtsüberraschung für sie. Ich glaube die Plöhn ist fast in die Erde gesunken, denn das hat sie nicht gewußt, und ich muß gestehen, ich auch nicht. Daß er etwas ausgefressen hatte, war mir bekannt. Er selbst hat mir davon erzählt; aber das waren ziemlich harmlose Dinge. Von solchen Geschichten, wie L[ebius] sie entdeckt hat, hatte ich keine Ahnung. Du mußt bedenken, seit dieser Zeit sind 40 Jahre ins Land gegangen, denn er soll 18 bis 20 Jahre gewesen sein. Hast Du seine Entgegnung gelesen? Er hat sich schon in vielen Zeitungen verteidigt. Ein Auto hat er nicht, auch seine Marmorbüsten kosten nicht 42 000 Mark, sondern 800 Mark beide. Selma [vom Scheidt] sagte: So sehen sie auch aus. – L[ebius] hält ihn für reicher wie er ist. Ich sagte es ihm schon immer, daß es nicht mehr so schlimm ist. Ja, wenn er keine Prozesse gehabt hätte, da stände es anders um ihn. Weißt Du mein gutes Lieb, was mir so sehr viel Sorge macht? Ich habe erfahren, daß im Februar Hauptverhandlung hier ist in meiner Klagesache und ich habe bis jetzt keinen Verteidiger, was da werden soll. Ich kann mich doch nicht selbst verteidigen. L[ebius] sagte, [Oskar] Gerlach wollte es übernehmen, wird er es noch tun? Frage doch bitte L[ebius] und schreibe mir bald darüber, gelt? L[ebius] schickte mir die Zeugenabschriften auch Deine. Ja das klingt freilich anders als wie May zur Selma gesagt hat: ihr hättet alle zu meinen Ungunsten ausgesagt. Was die beiden zusammenlügen, spottet jeder Beschreibung. [...] Nicht wahr, Du bist so gut und sprichst mal mit L[ebius] und schreibst mir dann darüber, ich kann keine Zeit mehr verlieren.[52]

Ansgar Pöllmann erkundigte sich am 7. Februar 1910 sowohl bei Louise Dietrich als auch bei Louise Achilles brieflich nach Emma Pollmers aktueller Adresse.[53] Zwei Tage später antwortete Frau Achilles:

Sollte es Ihnen möglich sein, das Loos dieser unglücklichen Frau zu bessern, so wäre dies ein Werk edelster Art. Der liebe Gott wolle seinen Segen dazu geben. Ich bin soeben im Begriff nach Weimar zu reisen, da ich auf mein wiederholtes Schreiben ohne Antwort blieb; es ist wohl möglich, daß Frau May an Gelenkrheumatismus darniederliegt, der sie am Schreiben hindert, auch ist sie völlig mittellos.[54]

Zu einer Begegnung Louise Achilles' mit Emma kam es aber nicht, wie letztere am 22. Februar an Karl May schrieb:

Leider konnte ich Fr[au] Achilles nicht mehr sprechen sie war abgereist als ich heimkam. Aber von Selma [vom Scheidt] hörte ich, daß sie gesagt hat, sie wüßte, das Mittagessen habe stattgefunden,[55] ich hätte es ihr oft genug gesagt; sie könnte aber auch beschwören, da0 sie selbst einmal mit uns in der Villa in Gruna gewesen sei. Sagt, wäre das nicht gut für uns? Damit ist doch erwiesen daß wir zusammen verkehrt haben. Vielleicht schreibt Ihr mir mal darüber. L[ebius] hat sie geschickt mich zu holen. Der mag schön enttäuscht sein![56]

In seinem Flugblatt Zum Ende des Vernichtungsfeldzuges veröffentlichte Rudolf Lebius am 6. März 1910 Louise Achilles' eidesstattliche Erklärung vom 9. November 1909.[57] Ein weiteres Flugblatt vom 22. März enthält einen Schriftsatz Lebius', in dem Frau Achilles als Zeugin für die betrügerische Ehescheidung genannt wird.[58]

Louise Achilles' Brief vom 11. Oktober 1909 sandte Emma Pollmer am 16. April 1910 mit folgender Bemerkung an Klara May:

Soeben erhalte ich deinen Brief & beeile mich, Dir das Gewünschte zu schicken.[59]

In einem weiteren Brief Emmas an Klara vom 24. Mai heißt es:

Du scheinst zu denken, K[aninchen] will Geld von Euch haben, das glaube ich nie & nimmer, das wird sich doch [Ernst] Achilles nicht nachsagen lassen? [...] Könnten wir sie denn für den Prozeß brauchen? Sie war doch mal mit in Gruna bei der Münchmeyer, weiß demnach daß ein Verkehr stattgefunden hat. [...] Ich denke nur sie steht mit L[ebius] gut, ich hätte sie ja sehr gern erst mal ausgehorcht.[60]

Am 23. Juni 1910 besuchten Karl und Klara May Emma Pollmer in ihrer Weimarer Wohnung und trafen dort auch Louise Achilles. Über das Treffen äußerte diese sich später in einem Brief an Rudolf Lebius:

Am 23. Juni 1910 [...] klopfte es morgens an die Türe und herein traten Karl May und Klara May. Ich verließ das Zimmer, weil es mir widerstrebte, mit solchen Leuten zu reden. Karl May sagte darauf zu Frau Emma Pollmer, wie mir diese nachher mitteilte: "Schade, daß Frau Achilles nicht auf unsere Seite herüberkommt. Ich habe gehört, daß es ihr nicht besonders geht. Es käme mir nicht darauf an, sie mit ein paar tausend Mark zu unterstützen." Als ich eine Weile im Nebenzimmer gesessen hatte, öffnete Klara May die Türe und sagte: "Kaninchen komm nur herein. Wir wollen uns aussprechen." Darauf ging ich zu ihnen. Karl May machte mir heftige Vorwürfe, daß ich in meiner eidesstattlichen Versicherung erklärt hatte, er wäre ohne Frau Emma im Rinnstein umgekommen. Ich erwiderte: "Ist es denn nicht wahr? Sie sind manchmal so schwarz und dreckig uns ins Haus gebracht worden, daß wir uns Ihrer geschämt haben." Ich wurde dann sehr erregt und rief: "Schämen solltet Ihr Euch, die arme Emma so weit gebracht zu haben. Seht sie Euch an, wie elend sie aussieht. Das ist Euer Werk." Als Frau Klara May entschuldigend sagte, das Unglück sei durch die übergroße Liebe zwischen ihr und Karl May entstanden, fuhr ich sie an: "Das ist nicht wahr, er hat Dich nie geliebt. Was Du jetzt hast, hätte ich längst haben können; aber ich hätte es nie über mich gebracht, das Vertrauen Emmas zu täuschen und sie ins Unglück zu stürzen." Karl May verhielt sich bei dieser Auseinandersetzung still. Mays luden uns dann zum Essen in den "Russischen Hof", wohin auch Frl. vom Scheidt und ihr Bruder [Robert vom Scheidt] kamen. Karl May bezahlte alles. Die Rechnung betrug über 100 M[ar]k, da wir viel Champagner tranken. Wir saßen bis morgens 3 Uhr zusammen. Mays erklärten, infolge der Prozesse sei ihre gesellschaftliche Stellung, namentlich in Radebeul, wenn auch nicht unhaltbar, so doch sehr unerquicklich. Sie beabsichtigten nach Italien überzusiedeln. Ein besonderes Mißgeschick sei es, daß Mays Verleger Fehsenfeld in Freiburg Breisgau durch verfehlte Bodenspekulation in Zahlungsschwierigkeiten geraten sei. Fehsenfeld schulde an May noch 9000 M[ar]k. May könne aber das Geld nicht bekommen. Zur Frau Emma Pollmer sagte May im Laute der Unterhaltung: "Du glaubtest Wunderwas gegen mich auszurichten, als Du Dich eine Woche lang vom Untersuchungsrichter Larras in Dresden zu Protokoll vernehmen ließt. Du konntest freilich nicht wissen, daß Larras mein Freund ist. Er hat mir die ganzen Akten zugeschickt und er hat mir auch gesagt, daß alles, was du gegen mich vorbrachtest, Lüge ist." Karl May und Klara May bearbeiteten den ganzen Abend Frau Emma, daß sie in dem Prozeß May gegen Lebius vor der 4. Strafkammer des Landgerichts III in Berlin ihr Zeugnis verweigern möge. Sie solle dem Gericht schreiben, sie sei zu schwach und elend, um die Reise nach Berlin zu unternehmen. Frl. vom Scheidt sagte auch zu Emma: "An deiner Stelle würde ich das Zeugnis verweigern." Karl May machte der Frau Pollmer immer wieder klar: "Du schadest Dir selber, wenn Du gegen mich aussagst. Bin ich ruiniert, so haben wir beide nichts. Wovon soll ich Dir dann monatlich 200 M[ar]k zahlen, wenn ich durch Deine Mitschuld zum Bettler geworden bin?!" Von Frau Oberlehrer Di[e]trich sagte Karl May triumphierend: "Bei ihrer kommissarischen Vernehmung hat sie alles wieder zurückgenommen, was sie in ihrer eidesstattlichen Versicherung gegen mich vorbrachte. Wir werden sie wieder besuchen und aufklären." [...] Um Frau Emma Pollmer, die in dem Prozeß May/Lebius als Zeugin geladen ist, gegen Lebius scharf zu machen und sie zur Zeugnisverweigerung zu veranlassen, wiederholte Karl May immer wieder: "Lebius hat nur ein Ziel, er will dich wegen Meineids ins Zuchthaus bringen. Sagst Du gegen mich aus, so verlierst Du Deine Rente, indem Du mich ruinierst. Sagst du zu meinen Gunsten aus, so zeigt Dich Lebius wegen Meineids an. Du mußt also Dein Zeugnis verweigern." Als wir in vorgerückter Stunde schon mehrere Flaschen Sekt getrunken hatten, erzählte Karl May den Scheid[t]schen Geschwistern von seinen Reiseabenteuern. Frau Emma Pollmer zwinkerte mir verständnissinnig zu, stieß mich auch mit dem Knie an und flüsterte mir verstohlen ins Ohr: "Höre nur, wie er lügt!" Als Karl May hinausging, sagte ich zu Klara May: "Warum nehmt Ihr nicht diese schrecklichen Privatklagen zurück? Es wäre doch sofort alles still." Klara May antwortete weinend: "Natürlich wäre das das beste, aber ich habe keine Gewalt über diesen Mann." "Siehst Du", sagte ich, "wäre es nicht besser gewesen, ihr drei wäret zusammengeblieben?! Dann wärst Du jetzt nicht die Frau eines ehemaligen Räuberhauptmanns." Frau Klara May nickte zustimmend mit Tränen in den Augen. Sie erwiderte: "Mein erster Mann hat nie etwas mit dem Gericht zu tun gehabt. Und paß auf, Kaninchen, es kommen noch weit schlimmere Sachen ans Tageslicht. Ich schäme mich ja so." Sowohl mir wie der Frau Pollmer fiel es auf, wie schrecklich Karl May seine jetzige zweite Frau behandelt. Einen solchen Ton und ein solches Wesen hatte er sich gegen seine erste Frau nie herausgenommen. Frau Klara May gestand mir auch, daß sie vor der Erörterung der Ehescheidung, die die Berliner Strafkammer vornehmen will, sehr große Angst hege.[61]

Nachdem Rudolf Lebius diesen Text veröffentlicht hatte, erwiderte May darauf in seiner Prozessschrift An die 4. Strafkammer:

Die Schilderung des "Champagnergelages", wie Lebius sich an anderer Stelle auszudrücken beliebt, ist unwahr. Wahr ist, daß ich nur die von mir sehr verehrte Künstlerfamilie Scheidt zu mir geladen hatte, Fräulein vom Scheidt, Kammersängerin, ihre Mutter und ihren Bruder, hochbegabter Bariton in Köln. Es sollte ein schöner Abend werden mit interessanten, ernsten Kunstgesprächen gefüllt. Da kam die Pollmer mit dem Karnickel, gänzlich uneingeladen und ungewünscht. Nun war der Abend verdorben! An Stelle des heiligen Ernstes traten Klatsch und Tratsch.
[...]
Es ist uns gar nicht eingefallen, zu sagen, daß unsere Stellung unerquicklich sei und daß wir nach Italien übersiedeln würden.
[...]
Der Pollmer habe ich nur wegen ihrer Angst vor Lebius beigestimmt, das Zeugnis zu verweigern, um sich nicht zu blamieren. Von mir aus aber verlange ich von ihr ganz, das Gegenteil: Sie soll und muß aussagen! Ich will von diesen Personen los, von ihnen allen! Ich will frei sein!
[...]
Es ist gerade das Gegenteil der Fall: Wir freuen uns auf diese Erörterung, denn sie wird endlich Klarheit bringen, jedermann den ihm gebührenden Platz anweisen und uns beide von dem Schmutz befreien, mit dem niedrigdenkende Menschen uns bewarfen.[62]

Briefe von und an Emma, Klara und Louise[Bearbeiten]

Am 2. August 1910 schrieb Emma Pollmer einen Brief an Klara May:

Kaninchen schrieb ich vor 14 Tagen habe aber noch keine Antwort, sie nimmt sicher ihre Aussage zurück, wie ich aus ihren Reden hörte, ich denke es wenigstens.[63]

Auf dem Briefumschlag notierte Karl May später:

Schickt mir am 2/8 ein und gesteht am 20/8 zu, daß sie es nur that, um uns Sand in die Augen zu streuen.[64]

Emma schrieb nämlich am 20. August einen Brief an Louise Achilles, von dem Karl May vermutlich Kenntnis erhielt:

Die Plöhn [...] überschüttet mich mit Zeitungen, und immer will sie von mir hören. Du liegst ihr sehr am Herzen. Sie frug, ob Du Dich über die Angelegenheit geäußert hättest. Ich antwortete ihr: Du würdest wohl Deine Aussage zurückziehen. Du hättest Dich zwar nicht ausgesprochen, aber ich vermutete es. Ich tat dies um ihr Sand in die Augen zu streuen. Darauf schrieb sie: Ich hoffe Du hast Recht mit K[aninchen]. Es wäre doch unerhört wollte sie Lebius noch unterstützen. Bitte sie doch mal, zu unserm Rechtsanwalt Dr. Puppe zu gehen; der wird den besten Ausweg finden. Hast Du Worte? Der soll Dich breit schlagen, so wie sie es mit mir gemacht haben. Daß sie dich für so dumm hält, kann mich nur wundern. Sie muß Dich doch wahrlich besser kennen. Ich bin furchtbar gespannt, was noch aus dem Prozeß werden wird. In Hohenst[ein] hat er sich ja wieder mal verglichen mit Krügel. Ich will nichts sagen: denken kann man, was man will. Denke Dir, wie May die Treppe hinunter gegangen ist bei der Liesel [Louise Dietrich], hat er noch gefragt, was sie zu unserer Scheidung gesagt hätte. Darauf hat L[iesel] geantwortet: Ich war tief empört. Er hat kein Wort erwidert und ist dann verschwunden. Liesel versicherte mir, sie hätte kaum mit der Plöhn gesprochen, hätte sie ganz von oben herab behandelt. May hat erst allein geklingelt und hat gefragt, ob er seine Frau mitbringen dürfte, worauf L[iesel] ganz steif erwidert hat, bitte!! Dann ist sie erschienen. Die Frau Oberlehrer war der Meinung, sie müßte die Reise zur Zeugenvernehmung und alles von ihrem Gelde bestreiten, deshalb hat sie zu Karl gesagt, es läge ihr nichts daran, sie hätte weder Zeit noch Geld dazu. Ich habe ihr die Sache erklärt und jetzt freut sie sich, wenn es so weit käme. Selbstverständlich hält sie ihre Aussage aufrecht. Habe ich Dir denn die Schriftstücke zu lesen gegeben, die ich im Sühnetermin und später unterschrieben habe? Wenn nicht, muß ich sie Dir schicken, Du mußt im Bilde sein. Laß bald etwas von Dir hören. Gestern fand ich einen alten Hausschatz, wo Karl schreibt, er wäre sehr glücklich verheiratet![65] Na warte nur, ich will es ihm schon noch klar machen, daß er heute lügt.[66]

Am 30. August 1910 verfasste Rudolf Lebius einen (ebenfalls als Flugblatt verbreiteten) umfangreichen Schriftsatz an die 4. Strafkammer des Berliner Landgerichts III als Reaktion auf Karl Mays Schriftsätze vom 27. Juni und 6. Juli. Für die darin gemachten unwahren Behauptungen nannte Lebius Emma Pollmer und Louise Achilles als Zeuginnen.[67]

Emma Pollmer erkundigte sich am 8. September brieflich bei Klara May:

Ist Frau Ach[illes] bei [Siegfried] Puppe gewesen? Ich hatte es ihr geschrieben.[68]

Klara May antwortete im gleichen Monat:

Lebius hat auf deine resp. Kaninchens Aussage hin wieder zwei Staatsanwaltsanzeigen in Szene gesetzt und Fehsenfeld gegen uns aufgehetzt. [...] Muß man da nicht glauben, Du bist verrückt geworden und willst Dich mit Gewalt um Deine Existenz bringen? Oder ist das Kaninchen so falsch, daß sie Dich auf diese Weise umbringen will? [...] Kaninchen war nicht bei Puppe. Kann sie solch ein Scheusal sein?[69]

An Louise Achilles schrieb Emma Pollmer am 12. September:

Ich bin recht verdrießlich und ärgerlich; habe wieder keine Aufwärterin; hatte annonziert, ist aber keine gekommen; nun will ich es heute noch mal versuchen. Den Hausschatz möchte ich gern behalten, außer denn die Nummer wäre vergriffen, dann schicke ich ihn Dir selbstverständlich. Es ist No. 2. XXIII. Jahrgang 1896. Er schreibt wörtlich: "Es gibt aber noch intimere Fragen, z. B. [ob] ich verheiratet bin, seit wann, ob glücklich oder unglücklich. Da kann ich denn aus vollem Herzen sagen: Ich bin noch nicht lange verheiratet, aber sehr glücklich." Als er dies geschrieben waren wir schon 16 Jahre verheiratet. Ich meine, da muß er doch gründlich gewußt haben, ob wir glücklich oder unglücklich waren. [...] Wie so anders ist alles gekommen; oft denke ich, ich träume. Ich kann absolut nicht an die Wirklichkeit glauben. Heute vor 30 Jahren war mein Hochzeitstag! Die Plöhn schreibt mir wieder einen fürchterlichen Wisch. Es wäre wieder sehr viel passiert, daß sie glaubte ich sei verrückt geworden, oder so schlecht, daß verrückt noch eine Gnade wäre. Denke Dir nur diese Schlange! – – Hoffentlich spielt sie jetzt ihren letzten Trumpf aus. Sie droht wieder mit Mittellosmachung und schreibt: "Will man Dich denn mit Gewalt um Deine Existenz bringen? Oder ist das Kaninchen so falsch, daß sie Dich auf diese Weise umbringen will?" Du brauchtest schließlich L[ebius] nichts von dem Kinde zu sagen, denn von Blutschande weiß ich nichts. Er hat sie nur abgeküßt und sich zu ihr ins Bett gelegt. Was sagst Du zu allem? [...] Ich soll, wenn ich jetzt nach Dr[esden] komme, Rede und Antwort stehen. Das kann nett werden. – – –[70]

Einen weiteren Brief an Louise verfasste Emma am 28. September:

Seit gestern bin ich wieder hier [in Weimar] und erhältst Du auch den gewünschten Brief. Es war mir vor der Reise nach Dresden nicht möglich. Es geht mir garnicht gut, werde von Tag zu Tag nervöser, habe furchtbare Kopfschmerzen, muß mich von allem zurückziehen; nicht einmal sprechen darf ich, muß mich ganz still verhalten. Auch die Plöhn ist wieder fort. Ich muß allein sein. Mir bangt vor der Zukunft. Wie wird noch alles enden?! Sag mal, habe ich denn wirklich zu Dir gesagt, Dr. Larras hätte May die Akten ins Haus gegeben bei der Meineidsanzeige in der Münchmeyersache? Ich kann mich momentan auf nichts besinnen, nur das ist mir gegenwärtig, daß May zu mir sagte, Dr. Larras sei sein bester Freund. Die Plöhn bestritt das jetzt in Dresden und meinte, er hätte das ironisch gesagt. Das ist aber nicht wahr, ich habe es schon richtig verstanden. Er will sich nur wieder herausreden. Kennst Du die Artikel in der Stettiner Gerichtszeitung von Lu Fritsch? Die schreibt ja schönes Zeug über mich: lauter Unwahrheiten. Ich möchte sie verklagen. Was meinst Du dazu? Ich habe es auch der Plöhn [...] gesagt, daß es Lügen sind. Mit May habe ich nicht gesprochen, er hat von 9-2 Uhr im Verhandlungszimmer gesessen. Ich ging kurz vor 2, um mir meine Zeugengebühren zu holen und als ich wiederkam, waren sie beide weg. Es war mir auch sehr lieb. Sie frug mich vorher noch wegen der Blutschande. Ich sagte ihr die Wahrheit, wie es sich zugetragen; sie erwiderte kein Wort. – Sagte ihr auch, daß ich das Wort Blutschande nicht gebraucht hätte. Es mag dann zwischen den beiden eine schöne Szene gegeben haben. – Sie sagte: Karl schliefe keine Nacht mehr! Ich dachte bei mir: Ja, ja jetzt wendet sich das Blatt. Den nächsten Tag, als ich zur Frau Oberlehrer Dietrich kam, die als Zeugin auftreten wird, lag ein Brief von ihr [nämlich von Klara May] da, worin sie mir schreibt: "Ich hätte gern noch mit Dir gesprochen wegen der Sache mit der Zeugin Frau Oberlehrer Dietrich. Nach den neuesten Gemeinheiten wäre es doppelt wünschenswert, wenn Du mit der Zeugin zum Rechtsanwalt Net[c]ke gingst. Sonst muß sie nun nächsten Monat nach Berlin." Was sagst Du zu dieser Frechheit? Die wagt alles. – Liesel [Dietrich] für so dumm zu halten! So, das wäre für heute alles, ich bin müde. Es ist 12 Uhr nachts. Du liegst längst im süßen Schlaf. Ich will Dich aber nicht stören, nur vielmals grüßen und küssen.[71]

Am 25. November schrieb Frau Pollmer an Frau Achilles:

Jedenfalls kamen sie [nämlich Karl und Klara May heute] nur [nach Weimar] um Selma [vom Scheidt] auszuhorchen und ihr die Hölle heiss zu machen. Es muss derb über mich hergegangen sein [...]. Leider lässt sich die Gute nur zu leicht beeinflussen, ganz besonders May hat es ihr angetan. Er hat gedroht ich würde meine Rente wieder verlieren, und ginge ich nach Berlin, das wäre mein Untergang. Die beiden Staatsanwaltsanzeigen hätte er nur meinetwegen bekommen, trotzdem ich mich schriftlich verpflichtet hätte, nichts mehr von ihm zu sagen. Darauf könnte er mir die Rente sofort entziehen. Letzteres habe ich allerdings getan, aber [...] aus Not und in der grössten Verzweifelung nicht verhungern zu müssen. [...] Selma hat er auch gesagt, sie müsste jetzt nach Berlin und zeugen, weil er genau weiss, es ist ihr furchtbar peinlich. Und auf Dich haben sie beide fürchterlich geschimpft. Das kann ich mir lebhaft denken!![72]

Schon drei Tage später folgte der nächste Brief:

Ich habe ja auch nichts getan, als Dir im Vertrauen mitgeteilt, dass er sich zu dem Kinde ins Bett gelegt hat, da[ss] ich infolgedessen eifersüchtig wurde und das Kind fortgab. Hätte er in Hohenst[ein] den Mund gehalten und mir nicht zum Vorwurf gemacht, ich hätte das Kind schlecht behandelt, deshalb hätte es mir die Mutter genommen, wäre es mir nicht eingefallen etwas zu sagen. Warum lässt er mich nicht in Ruh und verbreitet unausgesetzt die grössten Unwahrheiten und Gemeinheiten, soll ich mir denn alles gefallen lassen![73]

Rudolf Lebius in Aktion (2)[Bearbeiten]

Im November 1910 erschien in Berlin Rudolf Lebius' Buch Die Zeugen Karl May und Klara May. Ein Beitrag zur Kriminalgeschichte unserer Zeit. Es enthält zahlreiche Aktenauszüge sowie Briefe, die Louise Achilles Rudolf Lebius hat zukommen lassen. Karl May hatte Emma Pollmer im Verdacht und entzog ihr ein weiteres Mal die Rente.[74]

In seiner Streitschrift An die 4. Strafkammer äußerte sich Karl May dazu:

Sie [nämlich Emma Pollmer] schrieb einer Freundin in Berlin einige Briefe, die höchst vertraulich sein sollten. Diese Briefe enthielten so arge Beschuldigungen gegen mich und meine Frau, wir sie uns ganz unmöglich gefallen lassen konnten, falls sie uns zu Gesicht kamen. Und sie kamen uns zu Gesicht! Denn weil sie gar so vertraulich waren, wurden sie zu Herrn Lebius getragen und dieser druckte sie mit grenzenlosem Vergnügen in seiner Broschüre ab, die mir von der Post in das Haus getragen wurde. [...] Sie verlor ihre Rente wieder, und zwar wie es scheint für immer, denn es ist nicht jedermanns Sache, der Unvernunft Tausende und jährlich neue Tausende zuzuwerfen, um für diese völlig unverdiente Güte nichts als nur Undank und endlose Aufregung zu ernten. In diesen Briefen handelt es sich nämlich darum, daß ich Blutschande mit einem achtjährigen Kinde, der Tochter einer Schwester, begangen haben soll. Das ist sogar angezeigt und vom Staatsanwalt untersucht worden. Wenn die Pollmer, das Karnickel und der Lebius bei solchem Wahnsinne angekommen sind, so kann ich für die Erstere nichts mehr tun, als daß ich sie den beiden Andern nun ganz und für immer überlasse.[75]

Am 20. Februar 1911 wurde das Ehepaar Ernst und Louise Achilles in Berlin-Mitte in Sachen Lebius ./. May und Genossen als Zeugen vernommen. Rudolf Lebius war bei der Vernehmung zugegen. Karl May, der an diesem Tag verhindert war, protestierte vergeblich dagegen, die Zeugen in seiner Abwesenheit zu befragen.[76]

Klara May schrieb am 6. Mai 1911 einen Brief an Johanna Schneider, die Schwester von Emma Pollmers Freund Fritz Appunn. Darin bezeichnete sie Louise Achilles als Agentin von Rudolf Lebius. Frau Schneider antwortete darauf am 11. Mai:

Frau Achilles war bei der Pollmer zu deren Hülfe beim Umzug. Anders wußten wir beide es nicht, Mutter sowohl wie ich. Daß Frau Achilles von Lebius geschickt sei, als dessen Agentin, war uns also ganz unbekannt, und würde uns wohl auch kaum von ihr mitgeteilt worden sein, da wir ja doch daran gar kein Interesse hatten. Frau Achilles war mir nicht unsympathisch, sie zeigte sich meiner Mutter gegenüber liebevoll und teilnehmend. Sie kam nur wenn die Pollmer es nicht merkte, weil diese es nicht leiden wollte. [...] Daß Frau Achilles den Fritz der Pollmer abspenstig machen wollte, um ihn für sich zu haben, und daß sie ihn geküßt hat, glaube ich auf keinen Fall. Im Gegenteil, sie forderte von der Pollmer, entweder solle sie den Jungen gehen lassen, oder sie selbst würde gehen, worauf sich der Junge mit beiden verfeindete u[nd] nach Dresden fuhr. An eine Unlauterkeit im Charakter der Pollmer aber glaubte Frau Achilles nicht, sondern führte meines Bruders unehrerbietiges Auftreten, der Pollmer gegenüber, auf ihren zu große Güte zurück. Frau Achilles schilderte die Pollmer als eine bedauernswerte Frau, die unverschuldet großes Unrecht leide.[77]

Am 14. Mai schrieb Marie Baer, eine Weimarer Freundin Emma Pollmers, an Klara May:

Was die Frage von Frau Achilles betrifft so kann ich mich wirklich nicht so genau besinnen ich glaube es war nach der Dresdner Reise aber bestimmt weiß ich es nicht und Frau P[ollmer] sagte es nur so hin es scheint mir bald so, als würde das Kaninchen von Lebius bezahlt, weil sie sich der Sache so annimmt, sonst ist nichts weiter gefallen. Sie haben sich ja gleich wieder versöhnt, deshalb war sie zum Auszug wieder hier. [...] Lebius & Frau Achilles haben sich ja eine schöne Lebensaufgabe gestellt, den K[arl] M[ay] zu vernichten.[78]

Auf dem Umschlag hat Karl May später notiert:

Karnickel wird von Lebius bezahlt.[79]

In einem weiteren Brief Marie Baers an Klara May vom 28. August heißt es:

Sie [nämlich Emma Pollmer] gestand mir, daß sie nichts dazu könnte daß Frau Achilles Lepius [sic] die Briefe gegeben [...][80]

Am 8. September schrieb Emma Pollmer an Karl May:

Selbstverständlich verspreche ich Dir zu schweigen mag es sein was es will. Ich erwarte aber auch von Dir, daß Du mich nicht mehr in Broschüren & Zeitungen schlecht machst wie es bis jetzt geschehen. Das hatte mich ja eben wieder so verbittert. Die Briefe waren nur eine Folge davon, die aber nur an die Freundin gerichtet waren & ohne daß ich es wollte veröffentlicht wurden. K[aninchen] hätte mich wenigstens erst fragen sollen, das wäre richtig gewesen. Nun läßt sich nichts mehr ändern.[81]

In diesem Brief wurde außerdem ein Treffen Emmas mit Karl und Klara May verabredet, das am 23. September im Beisein von Maria Saal, einer Freundin von Emma im Radebeuler Bahnhofsrestaurant stattfand. Frau Saal bezeugte eine Erklärung, die Emma Pollmer dort unterschrieb:

Frau Achilles verkehrt mit Rudolf Lebius genau so lange wie ich. Ich nahm sie mit, als ich zum ersten Mal bei ihm war, ich glaube, es war im Frühjahr 1909; seit dieser Zeit hat sie mit ihm in Verbindung gestanden. [...] Da wir [nämlich Karl May und Emma Pollmer] uns ehrlich ausgesöhnt hatten, durfte ich die incriminierten Briefe [an Louise Achilles, abgedruckt in Lebius' Buch] auf keinen Fall schreiben.[82]

An Maria Saal schrieb Klara May am 26. September:

Ich kann noch nicht darüber hinweg kommen, wie sie [nämlich Emma Pollmer] uns gestern von der furchtbaren Unterschrift berichtete, die sie dem Lebius bei der letzten Erklärung geben mußte, bevor sie Geld bekam. Denken Sie sie läuft am Abend fort und sagt "nein, nein, da unterschreibe ich nicht." Sie ist glücklich, es nicht getan zu haben, berichtet es Kaninchen und diese schleppt sie am anderen Tage wieder zu Lebius und bestimmt sie zu unterschreiben. Darauf beginnt die Geldquelle von "100 M[ar]k" zu fließen monatlich, nach vorherig jeweiligem Bittgesuch. – Ist es nicht furchtbar? Ist Frau Achilles nicht zum Judas im wahrsten Sinne des Wortes an Emma geworden; der dem "Schuft, der über Leichen geht" sein Opfer zuführte? Emma hat damals zu richtig gesagt und sie soll sich dieses Ausspruches nicht schämen, im Gegenteil, ihn sich fest vor Augen halten und in allem Übrigen Gott vertrauen! Bitte, sagen Sie ihr ich bitte sie innig, weder dem Kaninchen, noch Lebius auch nur ein Wort zu schreiben und ihre Türe beiden zu verschließen, bis der Prozeß zuende ist, dann kann sie auch mit Kaninchen wieder reden, wenn – sie es mag –.[83]

Am 18. Dezember 1911 kam es in Berlin zur Berufungsverhandlung in der Beleidigungsklage May ./. Lebius ("geborener Verbrecher"). Louise Achilles wurde als Zeugin vernommen, woraufhin es zu einem lauten Streit zwischen ihr und Karl May kam. Laut einem Pressebericht des Hamburger Echos (20. Dezember) sagte sie aus,

daß May zu ihr gesagt habe, als sie sich verlobte, sie solle mit dem Heiraten warten; seine Frau sei krank, und wenn sie sterbe, werde er sie [...] heiraten.[84]

Diese Aussage spielte allerdings keine Rolle; Karl May gewann diesen Prozess.

Bettelbriefe für Emma (2)[Bearbeiten]

Louise Achilles verfasste am 12. Februar 1912 einen Bettelbrief An alle Mayleser!, der in der von Rudolf Lebius gegründeten antisemitischen Wochenschrift Nationaldemokrat erschien. Sie behauptete darin, May habe die Fortzahlung von Emmas Rente versprochen:

Inzwischen leidet Frau Pollmer, die 23 Jahre die Lebensgefährtin Karl May's war, bitterste Not. Es ist ihr, die meiner festen Ueberzeugung nach zu Unrecht geschieden worden ist, sogar die Wohnung gekündigt worden, sodaß sie in wenigen Tagen obdachlos sein wird. Angesichts dieser großen Not bitte ich Sie ergebenst, der Frau Emma Pollmer geschiedene May in irgend einer Form beizustehen. [...] Frau Pollmer ist für jede Gabe dankbar.[85]

Ein ähnlicher Aufruf erschien unter der Überschrift Sehr geehrte gnädige Frau! am 1. Mai im Nationaldemokrat und enthielt den Hinweis,

[Frau Pollmer sei] unterleibsleidend und müsste sich dringend operieren lassen.[86]

Karl May war bereits am 30. März 1912 verstorben. Weitere Kontakte Klara Mays zu Louise Achilles sind nicht bekannt.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 426.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 503; II, S. 195.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 524.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 360 f.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 411.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 434.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 503.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 103.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 157.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 195.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 203.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 213.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 240.
  14. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 239.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 240.
  16. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 260.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 269.
  18. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 272.
  19. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 40.
  20. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 55.
  21. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 58.
  22. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 76.
  23. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 217.
  24. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 224.
  25. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 252.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 251 f.
  27. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 252.
  28. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 271.
  29. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 275.
  30. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 280.
  31. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 281.
  32. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 285.
  33. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 287.
  34. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 523 f.
  35. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 525, 532.
  36. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 541.
  37. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 546.
  38. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 554 f.
  39. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 556.
  40. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 559.
  41. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 558.
  42. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 568.
  43. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 571.
  44. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 578 f.
  45. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 440.
  46. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 195.
  47. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 243.
  48. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 366.
  49. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 582.
  50. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 595 f.
  51. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 6.
  52. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 12–14.
  53. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 36.
  54. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 38.
  55. Gemeint ist ein Mittagessen bei der Verlegerwitwe Pauline Münchmeyer, bei dem es im Gespräch um Karl Mays Rechte an seinen Kolportageromanen ging. Dieses Mittagessen wurde von Frau Münchmeyer später in Abrede gestellt.
  56. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 47.
  57. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 54.
  58. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 60.
  59. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 99.
  60. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 157.
  61. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 181–183.
  62. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 181–184.
  63. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 239.
  64. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 240.
  65. Gemeint sind die Nummern 1 und 2 des 23. Jahrgangs vom Deutschen Hausschatz, in denen Mays autobiographische Skizze Freuden und Leiden eines Vielgelesenen erschienen war.
  66. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 274 f.
  67. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 290.
  68. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 302.
  69. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 305 f.
  70. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 307 f.
  71. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 326 f.
  72. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 363.
  73. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 365 f.
  74. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 368.
  75. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 368 f.
  76. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 422.
  77. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 461 f.
  78. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 463 f.
  79. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 463.
  80. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 485 f.
  81. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 489.
  82. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 494 f.
  83. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 497 f.
  84. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 520.
  85. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 552 f.
  86. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 553.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl May: Frau Pollmer, eine psychologische Studie. 1907.
  • Karl May: An die 4. Strafkammer des Königl. Landgerichts III in Berlin. 1910/11.

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.