Christian Gotthilf Pollmer

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Christian Gotthilf Pollmer (* 6. Juni 1807; † 26. Mai 1880) war Barbier und "Chirurgus" in Hohenstein und Großvater von Emma Pollmer.

Er stammte ursprünglich aus Königswalde bei Annaberg und heiratete am 21. Februar 1830 die Hohensteinerin Christiane Wilhelmine Ernestine Stegner. Sie lebten zur Miete in einem Haus am Markt 33 ("Pollmer-Haus") und hatten zwei Kinder, den vorehelichen Sohn Emil Eduard (1828-1878) und die Tochter Emma Ernestine (1830-1856).

Seine Tochter, Emma Ernestine, starb 1856 im Kindbett. Seine Enkelin Emma, ein uneheliches Kind, blieb im Haushalt. Christian Gotthilf Pollmer zog sie nach dem Tod seiner Frau († 1865) allein groß. In der Pollmer-Studie, in der Karl May auch auf Emmas Vorfahren eingeht, erwähnt er, dass der Witwer seine verstorbene Frau, "sehr schnell durch eine sogenannte Haushälterin [ersetzte], mit der er aber im innigsten Concubinate lebte".[1] Laut Studie wurde diese namentlich bisher nicht bekannte Frau "die Mutter und Erzieherin" Emmas.[2]

Als Karl May 1876 Emma Pollmer kennen lernte, war Christian Gotthilf Pollmer der Verbindung anfangs nicht abgeneigt, verweigerte aber doch lange seine Zustimmung. Laut May wurde das mit dem fehlenden/unsicheren Einkommen begründet[3]; laut Emma damit, dass May vorbestraft gewesen sei.[4]

Im Mai 1877 verließ Emma Pollmer ihren Großvater und zog mit May nach Dresden. Ende Juni/Anfang Juli 1878 kehrten beide zurück. Emma lebte wieder bei ihrem Großvater; Karl May bei seinen Eltern oder auch im "Pollmer-Haus" am Markt 33.[5]

Emil Eduard Pollmer, der Sohn Christian Gotthilf Pollmers und Onkel von Emma, wurde Anfang 1878 im Pferdestall des Gasthofes "Zum braven Bergmann" in Niederwürschnitz unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Die Sache wurde untersucht, aber als Unfalltod zu den Akten gelegt. Karl May, der zu der Zeit in Dresden lebende Schwiegersohn in spe, untersuchte auf seine Bitten hin Monate später den (abgeschlossenen) Fall noch einmal, da Großvater Pollmer nicht an einen Unfall glaubte. Dabei übertrieb May und gab sich offenbar als Beamten aus. Die Sache kam zur Anzeige und May für einige Wochen wegen Amtsanmaßung ins Gefängnis (siehe auch Stollberg-Affäre).

1880 starb Christian Gotthilf Pollmer nach einem Schlaganfall.

May schreibt in der Pollmer-Studie zu dem Nachlass des Großvaters Pollmer, dass letzterer ein Vermögen von 230 Mark hinterlassen habe,

welches meiner ersten Frau als seiner einzigen Erbin mit meiner ehemännlichen Genehmigung gegen besondere Quittung voll und ganz ausgezahlt worden ist. Zwar meldeten sich hierauf noch einige weitere uneheliche Kinder resp. Enkel, doch hat meine Frau, als sie mit ihren Forderungen kamen, die Universalerbschaft vertheidigt wie eine Löwin ihr Junges und keinen Pfennig davon hergegeben, nicht einmal mir![6]

Über diese weiteren Anspruchsteller ist bisher nichts bekannt.

Sonstiges

Hermann Waldemar Otto, der 1863 in Hohenstein geboren wurde, kannte die Familie Pollmer ebenfalls und berichtet im Karl-May-Jahrbuch 1932: "Wenn Karl May den alten Barbier einen 'schönen hochgewachsnen Mann' nennt ('Ich', S. 404), so kann ich in diese Verherrlichung körperlicher Eigenschaften nicht einstimmen. Pollmer verkaufte in seinem kleinen 'Salon' allerhand Salben und Arzneien, ging aber in der Hauptsache von Haus zu Haus rasieren. Im Nebenberuf zog er Zähne. Ob schadhaft oder nicht, seiner Körperkraft widerstand kein Zahn. Eine Art Schmiedezange bildete das Werkzeug. Ich war ein kleiner Junge, als er meinen Kopf zwischen seine gewaltigen Hände nahm."

Anmerkungen

  1. Studie, S. 805
  2. Studie, S. 805
  3. u.a. Studie, Mein Leben und Streben
  4. lt. Wolff: Ermittlungen in Sachen Frau Pollmer., S. 32, in einer Beschuldigtenvernehmungen vom 10. und 11. Dezember 1907
  5. Juli 1878 wurden May amtliche Schriftstücke per Adresse Poller-Haus zugestellt.
  6. Studie, S. 803

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.