Kara Ben Nemsi

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werke mit
Kara Ben Nemsi
KBN2.jpg Bild2.jpg OS19.jpg

Durch die Wüste
Durchs wilde Kurdistan
Von Bagdad nach Stambul
In den Schluchten des Balkan
Durch das Land der Skipetaren
Der Schut
Im Lande des Mahdi I
Im Lande des Mahdi II
Im Lande des Mahdi III
Satan und Ischariot II
Im Reiche des silbernen Löwen I
Im Reiche des silbernen Löwen II
Im Reiche des silbernen Löwen III
Im Reiche des silbernen Löwen IV
Eine Ghasuah
Nûr es Semâ - Himmelslicht
Christi Blut und Gerechtigkeit
Er Raml el Helahk
Blutrache
Bei den Aussätzigen
Der Kutb
Der Kys-Kaptschiji
Maria oder Fatima
Die "Umm ed Dschamahl"
Am Jenseits
Ardistan und Dschinnistan I
Ardistan und Dschinnistan II
Abdahn Effendi
Merhameh

Kara Ben Nemsi (türkisch kara: schwarz, phonetische Anlehnung an Karl; Ben Nemsi: Sohn der Deutschen) nennt sich der Ich-Erzähler in Karl Mays Orient-Romanen.

"Sohn der Deutschen"

Der Ich-Erzähler verkörpert dabei einen Deutschen, der meist zusammen mit Begleitern durch Nordafrika, den Nahen Osten, den Sudan und den Balkan zieht. Die bekanntesten seiner Begleiter sind Hadschi Halef Omar, ursprünglich sein Diener und Führer, später sein Freund, oder der englische Lord Sir David Lindsay. Auf diesen Reisen, die er unternimmt, um Land und Leute kennenzulernen und Material für seine Bücher zu sammeln (denn in der Heimat und von Beruf ist Kara Ben Nemsi Schriftsteller!), wird Kara Ben Nemsi regelmäßig in Auseinandersetzungen mit in Banden organisierten Bösewichten und feindlich gesinnten Araberstämmen verwickelt. Durch sein Vorbild und seinen persönlichen Einsatz gelingt es ihm, Frieden, Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu verbreiten.

In Mays Spätwerk wird Kara Ben Nemsi noch pazifistischer dargestellt, legt zeitweise sogar die Waffen ab und gilt May nun als die Verkörperung der Menschheitsfrage.

Äußere Kennzeichen sind für Kara Ben Nemsi sein Pferd Rih (bzw. nach dessen Tod Rihs Sohn Assil Ben Rih und in Im Reiche des silbernen Löwen IV dann auch der selbst Assil Ben Rih weit überlegene Syrr) und seine westlichen Schusswaffen, deren Kraft in den Gebieten, die er bereist, weitgehend unbekannt sind.

Vorläufer Kara Ben Nemsis in Mays Werk

Die Figur Kara Ben Nemsi taucht namentlich erstmals 1880 im Werk Mays auf, in den Reise-Erinnerungen aus dem Türkenreiche Giölgeda Padishanün (s. u.). Es lassen sich aber zwei Vorläufer ausmachen: der noch namenlose Ich-Erzähler in der Erzählung Die Gum, die 1878 in der Zeitschrift Frohe Stunden erschien, und der Erzähler der 1876/77 veröffentlichten Novelle Leïlet.

In Die Gum ist der als Franke bezeichnete Erzähler mit einem Bärentöter und einem 25-schüssigen Henrystutzen bewaffnet. Mit seinem einheimischen Diener Mahmud el Kebihr durchquert er die Sahara, erlegt einen Löwen und entlarvt Ibn Suleiman, den Schech el dschemali einer Karawane, als Verbündeten von Wüstenräubern. Im Gegensatz zu Kara Ben Nemsi reagiert er selbst sofort auf die Bezeichnung "Giaur" mit einem Peitschenhieb ins Gesicht des Beleidigers; er tötet den Verräter auch ohne Zögern durch einen Messerstich. In der Hausschatz- und Buchfassung der Erzählung ändert sich daran nichts, der Held wird dort jedoch ausdrücklich als Deutscher bezeichnet. Darüber hinaus wird die Identität Kara Ben Nemsi – Old Shatterhand hier durch eine Verabredung des Helden mit Emery Bothwell und durch den berühmten Jagdhieb des Westmanns klargestellt.

Die frühe Erzählung Leïlet hat May zu der Senitza-Episode des Padishanün-Romans umgearbeitet. Der Ich-Erzähler ist Arzt, als Kapitän-Effendi reist er auf Befehl seines Königs. Er besitzt einen Schutzpass. Der Protagonist in Leïlet hat wie Kara Ben Nemsi beste Kenntnisse von Land und Leuten erworben und spielt auf vorangegangene Abenteuer an, die dem Leser nicht bekannt sind – ein Erzähltrick, der die Anwesenheit und mehr noch die Souveränität im Auftreten des Helden im Orient erklären soll.

Kara Ben Nemsi vs. Old Shatterhand

Karl May als Kara Ben Nemsi

Karl Mays Ich-Erzähler stehen in seinem Werk lange ohne Verbindung nebeneinander, wenn man von der Tatsache absieht, dass offenbar Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand dieselbe Bewaffnung tragen: Bärentöter, Henrystutzen, Revolver, Bowiemesser, jedoch nicht von Anfang an, denn die ersten Abenteuer besteht Kara Ben Nemsi noch mit einer (arabischen) Flinte bewaffnet. Beide sind im Werk bereits getrennt zur vollen Entwicklung gelangt, als May klar macht, dass Kara Ben Nemsi und Old Shatterhand ein und dieselbe, durch ihn geschaffene und autobiographisch beeinflusste Person ist. Dies wird unter anderem in Im Reiche des silbernen Löwen I deutlich, wo sich der Erzähler als Old Shatterhand in den USA befindet und dort einen Bekannten aus dem Orient trifft, dem sich Old Shatterhand als „Kara Ben Nemsi“ zu erkennen gibt, oder in Satan und Ischariot II, wo Old Shatterhand nach Tunis reist und dort nahtlos in die Kara-Ben-Nemsi-Rolle schlüpft.

Im Gegensatz zu Old Shatterhand, der in den Jugenderzählungen in Er-Form präsentiert wird, ist dies bei Kara Ben Nemsi nie der Fall. Wir kennen ihn nur als Ich-Erzähler, der nie in einer Erzählung für die Jugend als Held auftritt.

Entwicklung des Namens und Deutung des Begriffs Nemsi

May führt die Begriffe Nemsi und Nemsistan in seiner 1878 erschienenen, dritten Orienterzählung Die Rose von Sokna ein. Dort übersetzt er die von einem Karawanenführer beziehungsweise dem arabischen Diener des dort noch unbenannten Ich-Erzählers verwendeten Worte mit Deutscher und Deutschland. Die Namensgebung Kara Ben Nemsi findet in den 1880/81 erschienenen Reise-Erinnerungen aus dem Türkenreiche von Karl May Giölgeda padishanün (später Durch die Wüste) durch den Diener Hadschi Halef Omar statt, der diesen Namen bei einer Vorstellung spontan erfindet:

Der brave Mensch hatte mich einmal nach meinem Namen gefragt und wirklich das Wort Karl im Gedächtnisse behalten. Da er es aber nicht auszusprechen vermochte, so machte er rasch entschlossen ein Kara daraus und setzte Ben Nemsi, Nachkomme der Deutschen, hinzu. (Giölgeda padishanün, 1880/81)

Aus einer späteren Stelle der Erzählung, wo er Nemtsche-schimakler (Nördliche Deutsche) und Nemtsche-memleketler (Österreicher) verwendet, geht hervor, dass May mit dem Begriffspaar nemsi/deutscher eher eine Zugehörigkeit zu einem deutschen Staat im Sinne des Deutschen Bundes als zum derzeit erst wenige Jahre alten Deutschen Reich meinte.

Wenn es nicht um den Namen geht und in späteren Werken verwendet May in seinen Orient-Erzählungen gerne die Bezeichnungen Almani und Belad el Alman/Almanja für Deutscher und Deutschland:

"Das Land heißt Belad el Alman; ich bin also ein Almani oder, wenn Du das Wort vielleicht gehört haben solltest, ein Nemsi und heiße Kara Ben Nemsi. Mein Vaterland liegt weit über dem Meere drüben." (Satan und Ischariot II, 1894/95)

Belad el Alman (Land der Deutschen) wird auch direkt mit Kaiser Wilhelm I. und damit dem Deutschen Reich in Verbindung gebracht:

"Ich habe von dem Belad el Alman gehört. Es regiert da ein großer Sultan, welcher Wi-hel (Wilhelm) heißt und die Franzosen besiegt hat. Diese sind unsere Feinde; darum ist jeder Almani unser Freund, und meine Leute werden sich freuen, Dich zu sehen. Natürlich bist Du auch ein Krieger?" (Eine Befreiung, 1894)

Im heutigen Arabisch wäre Nemsi ein Österreicher und Almani ein Deutscher.

In späteren Werken bevorzugt May offensichtlich die direkte Ableitung von Kara aus dessen Bartfarbe anstatt aus dessen Vornamen:

Was meinen Namen betrifft, so wurde ich nicht bei meinem eigentlichen, sondern, wie auf meinen früheren Reisen, Kara Ben Nemsi genannt. Kara heißt "schwarz" und Ben Nemsi "Sohn der Deutschen". Ich trug einen dunklen Bart und war ein Deutscher; daher dieser Name. (Eine Befreiung, 1894)

Verfilmungen mit Kara Ben Nemsi

In verschiedenen auf Karl Mays Werk basierenden Filmen, die oft nicht viel mehr als die Mayschen Personen und Motive aufgreifen, tritt der Name selbstverständlich auch auf:

Filme

Lex Barker als Kara Ben Nemsi

TV-Serien

Im ZDF-Versuchsprogramm während der Funkausstellung 1963 wurden einige Folgen einer 6-teiligen Serie mit dem Titel Mit Karl May im Orient ausgestrahlt. Kara Ben Nemsi wurde dabei von dem Bad Segeberg-Darsteller Harry Walther gespielt.

Im Fernsehen (ZDF) lief unter dem Titel Kara Ben Nemsi Effendi 1973/1975 eine 26-teilige Serie. Hauptdarsteller war Karl-Michael Vogler, den Hadschi Halef Omar spielte Heinz Schubert. Die Musik der Serie stammt von Martin Böttcher.

Hörspiele mit Kara Ben Nemsi

Durch die große Popularität des Orientzyklus' gibt es zahlreiche Hörspieladaptionen des Stoffes und demzufolge auch viele verschiedene Sprecher des Kara Ben Nemsi:

und viele mehr

Sonstiges

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.

Weblinks