Menschheitsfrage

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Die "Menschheitsfrage" und das "Ich"

Die Menschheitsfrage wird laut Karl May im Ich-Erzähler seiner Werke und in seiner Person manifestiert.

In einem Aphorismus schreibt Karl May: Die Menschheitsfrage

ist das Ich. Sie ist in Amerika Old Shatterhand, und sie ist im Orient Kara Ben Nemsi Effendi. Sie ist das umgekehrte Pseudonym von Karl May, denn die eigentliche Verfasserin der Reiseerzählungen ist sie, das Pseudonym aber ist er ...

Inhalt der "Menschheitsfrage"

Die Menschheitsfrage selbst ist die Frage, die Gott an Adam richtete, als dieser sich nach dem Sündenfall vor ihm versteckte: "Mensch, wo bist du?"

Was ist die Menschheitsfrage? Sie wurde von Gott geschaffen, als er den Menschen schuf. Dieser lebte im Paradiese von Dschinnistan. Die Früchte des Sumpflandes waren ihm verboten. Er stieg trotzdem hinab, sie zu genießen. Kaum hatte er das getan, so sah er, daß er nackt war, entkleidet allen Adels, aller Hoheit, aller Reinheit, aller Würde. Es war nichts mehr an ihm, was ewig ist, er hatte sich den Tod erworben.
Er versteckte sich. Da kam der Herr und rief: "Adam, wo bist du?" Adam heißt Mensch. Gemeint ist Edelmensch. Also: "Mensch, Edelmensch, wo bist du?"
In diesem Augenblick war die Menschheitsfrage geboren. Sie verließ mit Adam das Paradies.
Gott war gnädig mit ihm, der nun in Ardistan wohnte und darum sterben mußte. Er verlieh ihm das Geschenk der Nachkommenschaft, in der er weiterleben durfte, um nach Jahrtausenden fortgesetzter Läuterung nach Dschinnistan, ins Paradies zurückzukehren.
Wohin sich die Menschen immer wandten, die Menschheitsfrage ging mit. Sie stand auf allen Schlachtfeldern der Erde, um auszurufen:
"Adam, wo bist du? Wo ist die Edelmenschlichkeit? Ich sehe sie nicht."
Zu jeder Zeit und überall, wo Menschen gegen Menschen sündigten, erhob sie ihre Stimme. Sie schien ewig zu sein, weil das Menschenleid kein Ende zu nehmen scheint. Und sie schien allgegenwärtig zu sein, weil das Menschheitsweh allgegenwärtig ist.[1]

Eine ähnliche Erklärung gibt Karl May auch in seinem Brief an Prinzessin Wiltrud von Bayern (7. März 1908)[2]: Der Autor sei der Beherberger der Menschheitsfrage geworden, die jahrtausendelang umherzog und die zunehmende sittliche Verderbnis der Menschheit beklagt, bis sie nun durch Karl May wieder ein Sprachrohr gefunden hat. So solle der Mensch zurückgeführt werden zu Gott.

In den Aphorismen über Karl May geht er auf mehreren Seiten dieser These nach.

Auch sein Vortrag in Lawrence (Drei Menschheitsfragen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?) widmete sich diesem Thema. Der Vortrag selbst ist bruchstückhaft durch Besprechungen in der Lokalpresse überliefert.

Sonstiges

Nach Hans Wollschläger hat Karl May Paul Gauguins Gemälde >D`où venons-nous? Que sommes-nous? Où allons-nous?< (>Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?<), entstanden 1897/98 während seines letzten Tahiti-Aufenthaltes und später im Besitz des Museum of Fine Arts in Boston, kurz vor seinem Vortrag gesehen.[3] Allerdings hat das Museum das Gemälde erst 1936 angeschafft.[4]

Anmerkungen

  1. Karl May: Empor ins Reich der Edelmenschen!
  2. JbKMG 1983, S. 107–111; Zwischen Himmel und Hölle, S. 316–318.
  3. ">Drei Menschheitsfragen< – wußten Sie übrigens, daß der Alte das Gauguin-Bild vor dem Vortrag in Boston gesehen hat?". Hans Wollschläger im Gespräch mit Rudi Schweikert in: R. S. (Hrsg.): Hans Wollschläger. Eggingen 1995, S. 255 (zitiert nach KMG-Nachrichten Nr. 117).
  4. Sudhoff, Karl May in Amerika, S. 348

Literatur