Lawrence

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Lawrence

Lawrence ist eine Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie liegt etwa 50 km nördlich von Boston.

Von der Mitte bis ins späte 19. Jahrhundert begaben sich zahlreiche Menschen auf der Suche nach Arbeit nach Lawrence. Sie stammten aus fast jeder europäischen Nation, besonders aber auch aus Deutschland. Zu dieser Zeit galt Lawrence als "Immigrant City" und hatte trotz seiner damaligen geringen Fläche von nur 15,5 km² (6 mi²) mehr Einwanderer pro Einwohner aus den verschiedensten Staaten der Erde als jeder andere vergleichbar große Ort der Welt.

Die Stadt war ein wichtiger Standort für die Textilindustrie, die hier sowohl für den amerikanischen als auch für den europäischen Markt produzierte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts mit fast 95.000 Einwohnern war Lawrence führend in der Fertigung von Baumwoll- als auch Wolltextilien.

In Lawrence lebten zahlreiche deutsche Auswanderer, darunter viele aus Hohenstein-Ernstthal.

bei Karl May

In Lawrence lebte Karl Mays Jugendfreund Ferdinand Pfefferkorn als Barbier und (homöopathischer) Arzt, dem er im Rahmen seiner Amerikareise einen Besuch abstattete.

Er traf am 5. Oktober 1908 in Lawrence ein; möglicherweise fuhren er und Klara May mit der Bahn, eventuell wurden sie auch von Pfefferkorn mit dem Auto in Boston abgeholt.[1] Sie bewohnten zwei Zimmer im Haus Dr. Pfefferkorns in der Berkeley Street 29.

Am Abend des 9. Oktobers sangen die vereinigten deutschen Gesangsvereine für das Ehepaar May eine Serenade, anschließend gab es ein geselliges Beisammensein im Saal der "Lyra". Spätestens an diesen Abend lernte May die deutschen Honoratorien kennen. Am 10. Oktober erschien in der deutschsprachigen Lokalzeitung mit Bezug darauf ein "Herzlich willkommen!" In dem Interview, das May den Redakteuren gegeben hatte, kündigt er schon den Vortrag an, zu dem ihn die Bitten des gesammten Deutschthums bewegt hätten.

Von Lawrence aus unternahmen Pfefferkorns mit ihren Gästen zahlreiche Ausflüge. Sie fuhren zum Canobie Lake bei Salem, zum Indian Ridge und zum Den Rock. Weitere Tagestouren führten nach Manchester, N. H., und von dort über Goffs Falls nach einer der Devil's pulpits. In Salisbury Beach entstand das merkwürdige Foto der vier Freunde im Boot.

Von Lawrence aus telegraphiert May am 16. Oktober an das Königliche Kammergericht nach Berlin, an seinen Anwalt Walter Bahn und an einen Anwalt Bertram. Ansonsten sind nur wenige Kartengrüße aus Lawrence überliefert.

die 1896 erbaute Turnhalle"

Am 18. Oktober 1908 hielt May den am 10. Oktober angekündigten Vortrag zum Thema Drei Menschheitsfragen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? in der überfüllten Turnhalle. Organisiert wurde die Veranstaltung von Dr. Pfefferkorn, Herman Grunwald und dem Deutsch-Amerikanischen National-Bund.

"Dem Vortrag ging das Massenchorlied der deutschen Gesangvereine unter Leitung des Herrn Emil Wilde voraus "Das ist der Tag des Herrn", auch sang der Chor ein Lied während der Pause zwischen den zwei Theilen des Vortrages. Herr Councilman Hermann Grunwald fungirte als Vorsitzender und stellte Redner in passenden Worten vor."[2] Im Namen des Deutschtums erhält May im Anschluss an den Vortrag vom Vorsitzenden Grunwald eine goldene Turnernadel überreicht.

Am 19. Oktober erschien in der Evening Tribune ein Bericht. Auch in den Samstagsausgaben der beiden deutschen Zeitungen, dem Deutschen Herold und Anzeiger und Post, erschienen am 24. Oktober Artikel, die auf Mays Zuarbeit basierten.

Am 22. Oktober reiste May nach Andover, wo er das als Museum eingerichtete Wohnhaus Harriet Beecher-Stowes, besuchte. Da Pfefferkorns Schwester Christiane Wilhelmine Ebert während Mays Aufenthalt in Lawrence starb, nahm may vermutlich an ihrer Beisetzung am 23. Oktober teil. Anwesend waren auch Pfefferkorns übrige Geschwister, die May noch aus seiner Heimat kannte.

Sudhoff vermutet, dass Mays bereits am 24. Oktober wieder abreisten[3] und über Boston nach New York fuhren.

Anmerkungen

  1. Sudhoff, Amerika, S. 349
  2. Bericht des Deutschen Herold vom 19. Oktober 1908.
  3. Sudhoff, Amerika, S. 385

Literatur

  • Klara May: Erinnerungen an Amerika, Handschrift, entstanden um 1914/15.
  • Klara May: Amerikareise 1908 und Amerikareise, überliefert als Abschrift.
  • Klara May: Mit Karl May durch Amerika, 1931.
  • Dieter Sudhoff: Karl May in Amerika. In: In fernen Zonen, Karl-May-Verlag, 1999.

Weblinks