Europa (Hörspiele)

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Der Schatz im Silbersee (1968)
Der Schut (1972)
Soundtrack "Mein Freund Winnetou" (1980)
Neuauflage der Klassiker: Winnetou I (2005)

Europa war bis Ende der 1980er Jahre ein Label der Firma Miller International Schallplatten GmbH aus Quickborn, die unter anderem sehr erfolgreich Hörspiele für Kinder und Jugendliche herstellte.

Heute gehört das Label zur Bertelsmann Music Group (BMG).

Geschichte der Europa-Hörspiele

  • 1965: Die Firma Miller International Schallplatten GmbH wird von David Miller, Wilhelm Wille und Andreas Beurmann in Quickborn bei Hamburg gegründet. Das Label Europa wird erschaffen. Die Absicht ist es zunächst, Sprachkurse, Klassik und Unterhaltungsmusik zu einem günstigen Preis anzubieten. Nebenher wird auch eine Langspielplatte mit Lesungen von Märchen der Gebrüder Grimm produziert. Als Sprecher fungiert Hans Paetsch. Dies sollte der Grundstein für den Erfolg von Europa als Hörspiellabel sein.
  • 1966: Die Europa-Kinderserie wird geboren. Die ersten Märchen und Abenteuerhörspiele werden produziert. Zunächst allerdings mit mäßigem Erfolg, da das Hörspiel für Kinder eine Novität in der damaligen Zeit darstellte.

Es folgten vier von den jeweiligen Regisseuren geprägte Epochen:

  1. 1966-68 – die Ära Sieglinde Dziallas: Sieglinde Dziallas war die damalige Freundin des Mitbegründers Andreas Beurmann und führte unter dem Pseudonym "Claudius Brac" in den ersten Jahren Regie. Beurmann konnte im Laufe der Zeit immer mehr Hamburger Bühnenschauspieler für die Hörspiele gewinnen und so waren in den ersten Jahren Schauspieler wie Hans Paetsch, Benno Gellenbeck, Peter Folken, Horst Fleck und Marga Massberg zu hören.
  2. 1968-72 – die Ära Konrad Halver: 1968 verstarb Sieglinde Dziallas überraschend und Andreas Beurmann zog sich aus der aktiven Produktion der Hörspiele zurück. Konrad Halver verfasste von nun an die Drehbücher und führte Regie. Auch als Sprecher tat er sich hervor. Unter seiner Regie entstanden großartige Werke wie beispielsweise die Karl-May-Vertonungen der Winnetou-Romane. Insgesamt produzierte Halver etwa 75 Hörspiele.
  3. 1972/73 – die Ära Dagmar von Kurmin: 1972 verließ Konrad Halver Europa und für eine kurze Zeit nahm Dagmar von Kurmin die Produktion der Hörspiele in die Hand. Unter ihrer Federführung entstanden 15 Produktionen, darunter noch einige Karl-May-Vertonungen, deren Qualität jedoch nicht an die von Konrad Halver heranreichten. Hervorzuheben ist allerdings die Vertonung von Moby Dick.
  4. 1973 bis heute – die Ära Heikedine Körting: Ab 1973 übernahm Heikedine Körting, die neue Lebensgefährtin von Beurmann, das Ruder. Unter ihrer Regie entstanden alleine bis 1985 über 1.200 Hörspiele. Das Kinderhörspiel erreichte in den 1980er Jahren seine Blütezeit. Heikedine Körting erhielt unzählige goldene und sogar einige Platinschallplatten. Unter ihrer Regie entstanden beispielsweise folgende Serien: Edgar Wallace, Die drei ???, TKKG, Sherlock Holmes, Commander Perkins, Perry Rhodan, Funk Füchse und Die Gruselserie. Seit Ende der 1980er Jahre produziert Heikedine Körting zusammen mit André Minninger die Hörspiele. Minninger ist auch Buchautor und hat einige Die drei ???-Romane geschrieben.

Einen wesentlichen Erfolg machten in den 1970er und 1980er Jahren auch die Drehbücher von H. G. Francis aus, der praktisch in Akkordarbeit zumeist qualitativ gute Skripte verfasste. Douglas Welbat war für die Drehbücher der erfolgreichen, aber umstrittenen Serien Macabros und Larry Brent verantwortlich.

Ein weiterer Erfolgsgarant war die Musik von Carsten Bohn. Dieser wurde jedoch für die Kompositionen seiner Ansicht nach nicht ausreichend bezahlt, so dass es zu einem Rechtsstreit zwischen Bohn und dem Studio kam, der im Grunde bis heute andauert. Seit etwa Mitte der 1980er Jahre dürfen seine Kompositionen in den Hörspielen nicht mehr verwendet werden.

Ab dem Ende der 1980er Jahre geriet die Hörspielproduktion wegen schlechter Verkaufszahlen ins Stocken. Anfang der 1990er Jahre wurden praktisch nur noch Die drei ???- und TKKG-Hörspiele produziert.

Ab Ende der 1990er Jahre erlebten die Hörspiele eine Renaissance. Durch das aufkommende Internet konnten die "Hörer von damals" sich austauschen und das Interesse nach den alten Hörspielen und nach Neuproduktionen stieg stark an. Ein Zeugnis dafür war auch die immense Anzahl von Kassetten und Langspielplatten, die auf Trödelmärkten angeboten wurden. Die zumeist hohen Preise ermöglichten einen erneuten Hörspielboom. Ab dem Jahr 2000 legte Europa die alten Hörspiele unter dem Motto "Rückkehr der Klassiker" mit Erfolg neu auf. Neue Serien wurden allerdings nur für die ganz jungen Hörer produziert.

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