Martin Böttcher

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Martin Böttcher

Martin Böttcher (* 17. Juni 1927 in Berlin, gestorben 19. April 2019) war ein deutscher Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur.

Leben

Martin Böttcher ist der Enkel eines Weimarer Hofkapellmeisters und erwarb schon früh durch Klavierunterricht musikalische Kenntnisse. Er wurde im Wehrdienst bei der Luftwaffe ausgebildet, aber es kam zu keinem Einsatz mehr.

Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft führte ihn sein Weg nach Hamburg zum von Willi Steiner neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks. Nebenbei eignete sich Böttcher sein musikalisches Rüstzeug bei Generalmusikdirektor Richard Richter und auf dem U-Gebiet bei Kurt Wege an. Schon in dieser Zeit sammelte er wichtige Erfahrungen als Arrangeur bei bekannten Filmkomponisten. Schon ab 1946 schrieb Böttcher Arrangements. Dank Produzent Artur Brauner debütierte Böttcher 1955 mit der Musik zur Militärsatire Der Hauptmann und sein Held, und schon die zweite Filmmusik avancierte zu einem Meilenstein des deutschen Films. Die Halbstarken (1957) von Georg Tressler wurde ein riesiger Erfolg.

Für Hans Albers schrieb Martin Böttcher drei Lieder für den Film 13 kleine Esel und der Sonnenhof (1958), und auch Heinz Rühmanns "Pater Brown"-Filme Das schwarze Schaf und Er kanns nicht lassen profitierten vom Können des jungen Komponisten. In Max, der Taschendieb fand die zuvor unter dem Pseudonym Michael Thomas geschriebene und nach kurzer Zeit weltberühmt gewordene Melodie "Hawaii Tattoo" Verwendung, die selbst in Amerika Beachtung fand und es als erste deutsche Single überhaupt schaffte, in die amerikanischen Billboard-Charts aufzusteigen.

Am 6. Februar 1960 nahm Martin Böttcher an der deutschen Endausscheidung zum Eurovision-Songwettbewerb mit dem im Vorfeld hochgehandelten Titel "Oh, wie schön" teil. Die Übertragung der Sendung war das TV-Ereignis des Jahres.

Anfang der 1960er Jahre beauftragte Rialto-Chef Horst Wendlandt den Komponisten mit Filmen aus seiner Edgar-Wallace-Reihe. Martin Böttchers Melodien lieferten den Krimimärchen aus Deutschland die notwendige musikalische Unterstützung, ob sie nun locker daherkommen oder in rasanter Form das Geschehen begleiten.

Martin Böttchers Verdienste als Arrangeur und Orchesterleiter sind selbst den Amerikanern nicht entgangen. Die Max Steiner Society verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft, als man seine Einspielungen der Weltmelodien "Tara's Theme" und "A Summerplace" vernahm.

Mit seiner Musik für die Karl-May-Filme avancierte Martin Böttcher in den 1960er Jahren zum erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten.

Mit dem Kinosterben Ende der 1960er Jahre verlegte Martin Böttcher seinen Wirkungskreis verstärkt auf das Fernsehen. Die Musik zur 26-teiligen ZDF-Karl-May-Serie Kara Ben Nemsi Effendi brachte Böttcher erneut mit Karl May zusammen.

Am 17. Mai 1996 wurde die Komposition "Friedensmelodie" im Rahmen der Radebeuler Karl-May-Tage live uraufgeführt. Hintergrund dieses Benefizkonzertes war eine Spendensammlung der beteiligten Initiatoren und Künstler für das Kinderkrankenhaus in Mostar.

Martin Böttcher und Karl May

Das Titelthema zum Karl-May-Film Der Schatz im Silbersee – die "Old Shatterhand-Melodie" – führte 1962 17 Wochen lang die Charts in Deutschland an und wurde mehr als 100.000 mal verkauft, ein absolutes Novum in der deutschen Musikgeschichte zu dieser Zeit.

Zu insgesamt zehn Karl-May-Kinofilmen und einer -Fernsehserie (Kara Ben Nemsi Effendi) verfasste er die passende Musikuntermalung. "An dem Erfolg des Films ist zur Hälfte die Musik beteiligt", so schrieb damals ein Kritiker nach der Uraufführung von Der Schatz im Silbersee.

Auch heute noch ist die Musik erfolgreich und wird immer wieder in Cover-Versionen oder auf CDs herausgegeben.

"Für mich war es eine besonders schöne Zeit, als ich die Musik zum Schatz im Silbersee und all den anderen Filmen komponieren durfte. Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht - nicht nur, weil mir die Melodien so viel Erfolg brachten, sondern weil die Filme meiner Mentalität entgegenkamen. Das Grundmotiv war die Freiheit und die Ungebundenheit des Menschen. Ich musste nicht lange überlegen, bis mir die passenden Noten einfielen, die Musik kam aus dem Bauch. Vielleicht ist sie gerade deshalb so ein Erfolg geworden."[1]

Auf dem Karl-May-Fest 1994 in Bad Segeberg erhielt Martin Böttcher den Scharlih.

Bei der Premiere der Saison 2011 in Bad Segeberg wurde er zum Ehrenhäuptling der Karl-May-Spiele ernannt mit dem Namen Großer Vater der Melodien.

Karl-May-Filmografie

Adaptionen der May-Melodien

Die deutsche Gruppe Superboys erreichte am 12. September 1998 den ersten Platz in der ZDF-Hitparade mit einer Interpretation der "Winnetou-Melodie" unter dem Titel WISH U WERE HERE - wünscht' Du wärst bei mir.

In Tschechien erhielt im März 2000 eine Cover-Version mit dem Titel Vinetů der Gruppe Těžkej Pokondr aus dem Album Vypusťte Krakena sogar Doppel-Platin.

Auszeichnungen (Auswahl)

Bundesverdienstkreuz für Martin Böttcher
  • Am 9. November 1995 wurde er für seinen "besonderen Beitrag zur deutschen Filmgeschichte" in Bonn mit dem Ehrenpreis für Filmmusik (Erich-Wolfgang Korngold-Preis) ausgezeichnet (gestiftet unter anderem von der Stiftung Deutsche Kinemathek, dem Deutschen Musikrat, der Deutschen Phono-Akademie und der Filmstiftung NRW). Er ist der erste Preisträger, der ihn erhalten hat.
  • Während eines weiteren Karl-May-Festes (vom 25. bis 27. Juli 1997) wurde er mit dem Special Award der deutschen Phonowirtschaft ausgezeichnet.

Diskografie

  • Deutsche Filmkomponisten, Folge 1: "Martin Böttcher" – 2000, Bear Family Records BCD 16481 AR
  • "Wilder Westen – Heißer Orient" – Karl-May-Filmmusik 1936-1968, Bear Family Records BCD 16413 HL, 8 CDs mit 192 S. Filmbuch, enthält 10 Karl-May-Filme von Martin Böttcher
  • Martin Böttcher – Die großen Film- und TV-Melodien, Warner Music Group, 5050467-3717-2-9, 2 CDs mit insgesamt 50 Titeln

Nachdem von Martin Böttchers Musik im Laufe der Zeit Hunderte Singles, EPs, LPs (auch Doppel-LPs) und auch CDs herausgekommen sind, liegt mit der zuletzt angeführten die erste Doppel-CD mit Böttchers Interpretationen vor. Die Besonderheit dieser Doppel-CD liegt darin, dass sie nur Musikaufnahmen von ehemaligen Telefunken- oder Teldec-Veröffentlichungen beinhaltet. Die meisten Originalaufnahmen (viele damals noch in Mono) wurden ursprünglich bei Polydor, Helidor, London, Ariola und anderen veröffentlicht. Bei Telefunken und Teldec spielte Böttcher diese erneut in überarbeiteter Form ein, teils mit anderem Arrangement und, vor allem, in Stereo. Auf der ersten CD befinden sich 25 Titel aus Kinofilmen (dabei auch Titel von anderen Komponisten) und auf der zweiten CD 25 Titel aus Fernsehsendungen und -serien nur von Martin Böttcher.

Sonstiges

Auf dem Karl-May-Fest 1997 wurde von Andreas Schumann eine Martin-Böttcher-Melodie vorgestellt.[2]

Anmerkungen

  1. Martin Böttcher, Zitat aus Michael Petzel: Karl-May-Filmbuch.
  2. Neumann, Alle Jahre wieder, Karl May & Co. Nr. 70, S. 20.

Literatur

  • Matthias Weckesser: 'Karl May habe ich nie gelesen'. Mit Martin Böttcher im Gespräch. In: Karl-May-Rundbrief Nr. 49/1992.
  • Ulrich Neumann: Alle Jahre wieder. Karl-May-Fest 1997. In: Karl May & Co. Nr. 70/1997.
  • Volker Rippe: Martin Böttchers Karl-May-Musiken. Berichtigungen und Ergänzungen zu Michael Petzels Karl-May-Filmbuch. In: Karl May & Co. Nr. 78/1999.
  • Reiner Boller: Winnetou Melodie. Martin Böttcher. Die Biographie mit einem Vorwort von Pierre Brice. Gryphon Verlag, 2003. ISBN 3-896-024-442
  • Karl-Heinz Becker: Musik auf Papier. Eine Entdeckungsreise durch Martin Böttchers Stoplisten zu den Karl-May-Filmen. In: Karl-May-Rundbrief Nr. 35.
  • Marc Hairapetian: Mach mal’ schöne Musik. Interview mit Filmkomponist Mar­tin Böttcher. In: Karl May & Co. Nr. 146, 2016.
  • Michael Petzel: Martin Böttcher zum 90. - Eine persönliche Gratulation. In: Karl May & Co. Nr. 147, 2017.
  • Michael Petzel: Martin Böttcher 1927–2019. In: Der Beobachter an der Elbe Nr. 32, 2019.
  • Karl-Heinz Becker: Seine Musik geht direkt ins Herz. Martin Böttcher – Er­in­ne­run­gen an den be­lieb­ten Film­kom­po­nis­ten, der am 20. April 2019 fried­lich ein­schlief. In: Karl May & Co. Nr. 157, 2019.

Weblinks