Hohenstein-Ernstthal

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Hohenstein-Ernstthal ist heute Große Kreisstadt im Osten des sächsischen Landkreises Zwickau. Die Stadt entstand 1898 als Zusammenlegung der Schwesterstädte Hohenstein und Ernstthal. Ernstthal ist der Geburtsort Karl Mays.

Ernstthal 1688
Hohenstein

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Bergbauvorstöße wurden möglicherweise bereits im Jahr 1320 von böhmischen Bergleuten vorgenommen.[1] Urkundlich belegen lässt sich das zwar bisher nicht, allerdings gibt es Stollen ("Große Brettschneider Fundgrube"), die aus der Zeit stammen können.

Im 15. Jahrhundert entstand hier nach neuen Funden eine Bergbaustadt, die ihren Namen - der Legende nach - dadurch erhielt, dass die ersten Siedler uff den hohen Stein ausgerufen haben sollen, als sie den heutigen Pfaffenberg das erste Mal sahen. Abgebaut wurden Gold, Silber und Kupfer. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erhielt die Siedlung Hohenstein im Jahre 1510 das Stadtrecht.

Nach dem Ausbruch der Pest bildete sich 1680 in den östlichen Wäldern von Hohenstein eine weitere Siedlung heraus, erst "Neuhohenstein", dann "Waldplätze" genannt. 1687 erhielt die Ansiedlung den Namen Ernstthal (als Würdigung von Ernst von Schönburg-Hinterglauchau, eines Vorfahren der Landesherrn von Schönburg). Bereits 1694 erhielt Ernstthal das Stadtrecht und wuchs rasch weiter. 1843 hatte der Ort bereits mehr als 3.000 Einwohner, darunter sehr viele Weber.

Ja es sind neuerdings [nämlich 1844] in der That Fälle hier vorgekommen, daß Menschen, die sich zu betteln schämten, buchstäblich verhungert sind.[2]

Ernstthal und Hohenstein unterstanden verschiedenen Landesherren. So herrschte stets eine gewisse Rivalität unter den beiden Nachbarstädten, die erst mit der gemeinsamen "Eingemeindung" nach Sachsen ein Ende fand. !858 wurde der Bahnhof mit angeschlossenem Postamt an der neuerbauten Eisenbahn-Strecke Chemnitz - Zwickau eröffnet.

Nach langen Kämpfen in den beiden Stadtparlamenten wurde am 1. Januar 1898 die Vereinigung vollzogen. Die zusammengeschlossene Stadt erhielt den Namen Hohenstein-Ernstthal, andere Vorschläge wie Hohenburg, Ernststein und Hohenthal wurden verworfen. Hohenstein wurde als Altstadt und Ernstthal als Neustadt bezeichnet. 1910 wurde im Erzbergwerk "St. Lampertus" die letzte Schicht gefahren.

Bis vor wenigen Jahren hatte die Stadt wegen des nach der Wende stattfindenden Strukturwandels mit hoher Abwanderung zu kämpfen. In den letzten Jahren profitiert die Stadt von größeren Ansiedlungen der Automobilindustrie und Maschinenbaubranche. Dadurch hat sich die ökonomische Situation verbessert.

1999 wurden Wüstenbrand und Teile von Oberlungwitz und Kuhschnappel eingemeindet.

in Karl Mays Leben[Bearbeiten]

Wohnsitze Karl Mays in Hohenstein und Ernstthal

  1. Karl-May-Haus
  2. Knobloch-Haus
  3. Selbmann-Haus
  4. Pollmer-Haus
  5. Gartenhaus Am Markt 246
  6. Wohnhaus Am Markt 2

1842 bis 1856[Bearbeiten]

Am 25. Februar 1842 wurde Karl May in dem Wohnhaus in der Niedergasse 122 (später: Bahnstraße 27, seit 1932: Karl-May-Straße 54) in Ernstthal als Sohn des Webers Heinrich August May und seiner Frau Christiane Wilhelmine geboren. Das Haus hatte Mays Mutter 1837 von ihrer Großtante Marie Rosine Klemm geerbt.

Einen Tag nach seiner Geburt wurde Karl May in der evangelisch-lutherischen Kirche St. Trinitatis getauft. Taufpate war neben zwei anderen der Schmiedegeselle Christian Weißpflog.

Am 15. April 1845 verkauften Mays das Haus, um die Ausbildung Christiane Wilhelmines zur Hebamme finanzieren zu können. Die Familie zog zur Miete in das Knobloch-Haus am Ernstthaler Markt.

Von Ostern 1848 an besuchte Karl May die Ernstthaler Volksschule. Spätestens ab 1854 nahm er Geigen-, Klavier- und Orgelunterricht beim Kantor Samuel Friedrich Strauch. Außerdem arbeitete er in der Schankwirtschaft Engelhardt als Kegeljunge und nutzte die dortige Leihbücherei.

1856 bis 1862[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1856 schloss Karl May die Knabenschule ab und wurde in der Trinitatiskirche konfirmiert. Ab Ende September war er Proseminarist in Waldenburg und wohnte nur zu Feiertagen und in den Ferien in Ernstthal. Spätestens 1860 verzog die Familie in das Selbmann-Haus in Ernstthal.

Wegen des Kerzendiebstahls wurde May im Januar 1861 aus dem Waldenburger Lehrerseminar entlassen und wohnte bis Anfang Juni bei seinen Eltern. Von diesem Zeitpunkt an setzte er seine Ausbildung in Plauen fort, die er im September 1861 abschloss.

Danach wohnte Karl May in der elterlichen Wohnung in Ernstthal und zog Anfang Oktober 1861 nach Glauchau, wo er zwei Wochen lang eine Hilfslehrerstelle ausfüllte. Anschließend hielt er sich wiederum zu Hause auf, bis er dann Anfang November in Altchemnitz als Fabrikschullehrer antrat.

Die Weihnachtsferien 1861, die May in Ernstthal verbrachte, dehnten sich bis Anfang September 1862 aus, da er wegen des angeblichen Uhrendiebstahls seine Anstellung verlor. Die sechswöchige Haft, zu der er daraufhin im Februar vom Gerichtsamt Chemnitz verurteilt worden war, saß er im September 1862 im Chemnitzer Bretturm ab.

1862 bis 1865[Bearbeiten]

Nach seiner Entlassung zog er wieder in die Wohnung seiner Eltern im Selbmann-Haus. Bis 1864 lebte er von Privatunterricht und der Tätigkeit als Musiker im Gesangverein Lyra in Ernstthal. Möglicherweise stammen aus dieser Zeit einige schriftstellerische Versuche; Veröffentlichungen sind allerdings nicht nachgewiesen.

Im Juli 1864 begann Karl Mays erste Vagantenzeit, in der er in verschiedenen Teilen Sachsens mehrere Betrügereien verübte. In Folge dessen war er vom 14. Juni 1865 bis 2. November 1868 im Arbeitshaus im Zwickauer Schloss Osterstein inhaftiert.

1869 bis 1870[Bearbeiten]

Danach lebte er bis März 1869 bei seinen Eltern im Selbmann-Haus in Ernstthal, von wo aus er mehrere Reisen nach Dresden und Schwarzenberg unternahm. In seiner zweiten Vagantenzeit, die im Frühjahr 1869 begann, beging May wiederum etliche Betrugsdelikte in mehreren sächsischen Orten. Nur kurzzeitig hielt er sich in der elterlichen Wohnung oder bei seiner Schwester Auguste Hoppe im Weißpflog-Haus auf. Längere Zeit verbarg er sich in der Eisenhöhle, die heute Karl-May-Höhle genannt wird, von wo aus er einige Diebstähle unternahm. Im Kegelschub der Hohensteiner Schankwirtschaft Engelhardt wurde er In der Nacht zum 2. Juli 1869 festgenommen. Bereits am 26. Juli konnte Karl May fliehen und wurde im August erfolglos in den Wäldern um Hohenstein und Ernstthal von Gendarmerie und Feuerwehr gesucht. Frühestens zu diesem Zeitpunkt war er allerdings außer Landes, nämlich in der Gegend von Halle. Anfang Januar 1870 wurde er im böhmischen Algersdorf gefasst. Nach Klärung seiner Identität wurde er zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, die er vom 3. Mai 1870 bis 2. Mai 1874 in Waldheim absaß.

1874 bis 1883[Bearbeiten]

Nach seiner Entlassung wohnte Karl May wieder bei seinen Eltern im Selbmann-Haus. Er stand unter Polizeiaufsicht und durfte Ernstthal ohne behördliche Genehmigung nicht verlassen. Er war schriftstellerisch tätig und wurde Anfang März 1875 von Heinrich Gotthold Münchmeyer als Redakteur angestellt. Der Verlag hatte seinen Sitz in Dresden, weshalb May – zunächst ohne Wissen der Ernstthaler Ortspolizei – dorthin übersiedelte. Schon bald jedoch wurde er aus Dresden ausgewiesen; er beantragte erfolglos eine Aufenthaltsbewilligung und musste in seine Heimat zurückkehren, um von dort aus seiner Arbeit als Redakteur nachzugehen. Möglicherweise mietete er sich in eine Wohnung am Hohensteiner Markt ein.

Im August 1875 wurde Karl Mays Ausweisung aus Dresden revidiert, weshalb er dort Logis nahm. Nach Hohenstein und Ernstthal kam er in der Folgezeit nur, um seine Eltern und Geschwister zu besuchen. Bei einer solchen Gelegenheit lernte er im Sommer 1876 die Hohensteinerin Emma Pollmer, seine zukünftige Ehefrau kennen. Im Briefkasten der damals von May geleiteten Zeitschrift Schacht und Hütte finden sich mehrere Grüße an Bekannte aus seiner engeren Heimat.

Nach seiner Kündigung bei Münchmeyer zum Jahresende 1876 zog Karl May innerhalb Dresdens um. Im Mai 1877 zog auch Emma Pollmer nach Dresden; etwa im November desselben Jahres nahmen sich beide eine gemeinsame Wohnung, die sie bis zum Sommer 1878 bewohnen. Da kehrte dann Emma zu ihrem Großvater und Karl zu seinen Eltern zurück. Teilweise wohnte er jedoch auch im Pollmer-Haus, das Emmas Großvater Christian Gotthilf Pollmer gehörte.

Bereits im Frühjahr 1878 begann die sogenannte Stollberg-Affäre. May, der sich den Anschein gab, ein Beamter zu sein, recherchierte in Niederwürschnitz und Neuoelsnitz nach den Umständen des Todes von Emmas Onkel Emil Eduard Pollmer. In der Folge wurde er wegen Amtsanmaßung zu drei Wochen Haft verurteilt, die er im September 1879 im Arresthaus des Gerichtsamtes in Hohenstein absitzen musste.

Sekundärliteratur über die Presse

Nach dem Tod von Großvater Pollmer wohnte Karl May weiterhin mit Emma Pollmer in dessen Haus. 1880 heiraten sie und bezogen zunächst ein unbeheizbares Gartenhaus am Hohensteiner Markt. Im Oktober mieteten sie sich am gleichen Platz im Wohnhaus Am Markt 2 ein, wo May vermutlich bereits 1875 zeitweilig gewohnt hatte. Von dort zog das Ehepaar May im April 1883 nach Blasewitz bei Dresden, da Karl May inzwischen wieder für Münchmeyer schrieb.

spätere Besuche[Bearbeiten]

Auch nach Mays endgültigem Wegzug aus seiner Heimat hielt er weiterhin den Kontakt zu seiner Familie aufrecht und besuchte weiterhin seine Eltern und Geschwister.

Im April 1885 hielt er sich mit seiner Frau vermutlich längere Zeit im Selbmann-Haus in Ernstthal auf, da sich der Gesundheitszustand seiner Mutter erheblich verschlechtert hatte. Am 15. April verstarb Christiane Wilhelmine May. Mays Vater Heinrich August erlitt wenige Wochen darauf einen Schlaganfall, wurde von Karl May finanziell unterstützt und lebte weiterhin im Haus seines Schwiegersohns. Wohl erst Ende April kehrten Karl und Emma May nach Dresden zurück.

Heinrich August May starb am 6. September 1888 in Ernstthal. Zu seiner Beisetzung, die am 10. September in aller Stille geschah, war Karl May möglicherweise zugegen.

In der Zeit der großen Pressefehde um Karl May war dieser – nun in Begleitung seiner zweiten Frau Klara May – in den Jahren 1910 und 1911 mehrfach in Hohenstein-Ernstthal. Es kam vor dem dortigen Amtsgericht zu mehreren Prozessen, u. a. gegen Emil Horn, Richard Krügel, Wilhelm Lippacher, Alban Frisch und Rudolf Lebius. Karl Mays Hohenstein-Ernstthaler Rechtsanwalt war Max Hermann Haubold.

Der letzte Besuch Karl Mays in seiner Heimatstadt galt Anfang März 1912, wenige Wochen vor seinem Tod, seiner Schwester Wilhelmine Schöne. Deren Enkelin Ilse Schöne (* 1906; † 1987) feierte ihre Schuleinführung und erhielt von May und seiner Frau Klara eine Zuckertüte geschenkt.

in Karl Mays Werk[Bearbeiten]

Hohenstein-Ernstthal
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Die Rose von Ernstthal

In der Erzählung Die Rose von Ernstthal ist der Ort der Hintergrund einer Geschichte aus den Schlesischen Kriegen zu Zeit des Alten Dessauers.

Zwischen den Ausläufern des sächsischen Erzgebirges, da, wo das berühmte Zwickauer und Würschnitzer Kohlenbecken sich bis in die Nähe von Chemnitz zieht, liegen am nördlichen Rande desselben die beiden Schwesterstädte Hohenstein und Ernstthal, welche dem freundlichen Leser ihres Gewerbfleißes wegen gewiß bekannt sein werden. Besonders ist es Ernstthal, dessen Weberei schon vor langen Zeiten sich eines weitgehenden Rufes erfreute und für seine Waaren nicht blos in Deutschland und den angrenzenden Ländern, sondern auch über die See hinüber ein weites Absatzgebiet fand.
Aber der Webstuhl vermag der Hand auch des fleißigsten Arbeiters keine Reichthümer zu bieten, und so schmiegt sich das arme Städtchen klein und bescheiden an die Thalsenkung, welche das Auge des Touristen nicht durch landschaftliche Schönheiten zu fesseln vermag und keinen andern Ruhm beansprucht als den, der friedliche Tummelplatz eines rührigen und genügsamen Völkchens zu sein.
Bei diesem angestrengten Ringen mit den nackten Sorgen des Lebens mag wohl die Nüchternheit desselben mehr in Anschauung treten; doch weht uns nicht, wie man behauptet hat, der Hauch der Poesie nur aus Romanen und solchen Ereignissen entgegen, welche sich auf dem glatten Spiegel des Parquets oder von der Natur bevorzugtem Boden entwickeln, sondern grad in den Pausen des großen Kampfes, welchen wir Arbeit nennen, wenn der Mensch sich den Schweiß von der erhitzten Stirn streicht und Hammer und Spaten bei Seite legt, läßt sich jener beseligende Odem kühler und würziger empfinden, und der dichtende Gott kehrt ein selbst in die ärmlichste Hütte.
Mag also der Leser getrost die Gassen Ernstthal's betreten oder an der Hand unserer Erzählung den Fuß nach einer halbverschütteten Höhle oder einem einsamen und primitiven Waldhäuschen lenken; sind auch keine welterschütternden Begebenheiten zu berichten, so wird ihn doch die wohlthuende Erfahrung anmuthen, daß der Hauch des Himmels die Blüthenflocken der Poesie auch in die entlegenen Winkel trage, an welchen die gewaltige Fluth der Geschichte nur fern vorüberrauscht. (Anfang der Erzählung)

In Ernstthal leben Anna, Auguste, der Schmied Weißpflog und der Jägerfranz.

nach 1912[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Eines seiner Pseudonyme setzte Karl May aus Namen der beiden Nachbarstädte Hohenstein und Ernstthal zusammen: "Karl Hohenthal".
  • 2009 erschien im Karl-May-Haus ein Tischkalender für 2010 mit Karl-May-Stätten in Hohenstein anlässlich der Jubiläen 500 Jahre Hohenstein und 25 Jahre Karl-May-Haus.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Stefan Köhler: Zur Geschichte des Bergbaus..., S. 15 f.
  2. Aus einem Bittgesuch von 1844, Stadtarchiv Hohenstein-Ernstthal. Zitiert nach Hainer Plaul: Der Sohn des Webers – Über Karl Mays erste Kindheitsjahre 1842-1848. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1979, S. 50.
  3. Dieser Hain existierte zu dem Zeitpunkt nur in der Planung und wurde letztlich nicht mehr ausgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]