Richard Krügel

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Hieronymus Richard Krügel
Unterschrift

Hieronymus Richard Krügel (* 1852; † 1912) war ein Hohenstein-Ernstthaler Bürger, der Rudolf Lebius die wunderbarsten Geschichten über seinen Bruder Louis Krügel und Karl May berichtete, die in den Wäldern um Chemnitz herum als Räuberbande unterwegs gewesen sein sollen.

Leben

Krügel war Wald- und Gartenarbeiter. Er lebte mit seiner Frau Anna Auguste geb. Schwabe und zwei Töchtern, Anna und Else, in der Chemnitzer Straße 83.[1]

Richard Krügel und Karl May

Rudolf Lebius stieß bei seinen Recherchen im Dezember 1909 in Hohenstein-Ernstthal auf Krügel. Er erklärte laut späterer Aussage Krügels,[2] für einen humoristischen Kalender zu sammeln. Dieser hatte zwar kein Tagebuch seines Bruders, konnte aber viele Geschichten kolportieren. Diese erschienen am 18. Dezember 1909 (Datum vom 19. Dezember) im anonym erschienen Artikel Hinter die Kulissen im Bund. Gegen Weihnachten erhielt Krügel sein Belegexemplar.[3]

Bereits am 10. Januar 1910 traf Karl May in der Kanzlei seines Anwalts Franz Netcke Krügel, dessen Schwägerin und Nichte, die als Zeugen gegen Lebius auftreten sollen.[4] Alle drei bestätigten, dass Lebius der Autor des Artikels sein müsse. Die Aussage wurde aufgenommen und im Juni 1910 verwendet.

Dennoch stellte May am 10. März 1910 beim Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal Strafantrag wegen Beleidigung wegen des Artikels und kündigte auch eine Privatklage an. May erklärte die Verleumdungen für wissentliche Unwahrheiten. Lebius wiederholte seine Behauptungen in einem auch als Flugblatt verbreiteten Schriftsatz und benennt darin Krügel als Zeugen für die Räuberhauptmann-Story.[5] Am 21. Mai folgte prompt Mays Privatklage gegen Krügel, die aber formal beanstandet wurde und von May nachgebessert werden musste.[6] Diese zweite Fassung datiert vom 7. Juni und wurde Krügel am 8. Juni zugestellt.[7] Krügel wendete sich an Lebius, der ihn an den Anwalt Wilhelm Carstanjen verwies und auch dessen Rechnung übernahm.[8] Im Juni trafen sich Lebius und Krügel in Hohenstein-Ernstthal. Krügel verwendete danach von Lebius vorbereitete Schriftsätze.

Am Vortag der Verhandlung trafen sich Lebius und Krügel erneut. Krügel erklärte später, dass Lebius ihm 2.000 Mark angeboten und ihn zum Meineid aufgefordert habe.[9] Krügels Frau berichtete das wiederum May.[10]

In der Hauptverhandlung am 9. August 1910 May ./. Krügel wurden Maria Anna Krügel und Auguste Emma Dörrer, Rudolf Lebius, Hermann Richard Albani, Christian Friedrich Rudolph, Wilhelm Friedrich Koch, Wilhelm Eduard Beyer und Wilhelm Grad geladen. Ernst Otto Köhler fehlt entschuldigt.[11] Krügels Verwandte sollten seine Lügenhaftigkeit bezeugen. Krügels Anwalt wollte damit argumentieren, dass die Räuberpistolen stadtbekannt wären. May war persönlich anwesend und wurde von den Anwälten Max Hermann Haubold und Siegfried Puppe vertreten. Krügel widerrief in einem Vergleich seine Behauptungen.[12] May zog daraufhin Strafantrag und Privatklage zurück.

Im Nachgang wurde auch überregional über den Prozessausgang berichtet.

Am 17. August 1910 war May noch einmal in Hohenstein-Ernstthal und traf sich mit Krügel und dessen Frau. Sie ließen beim Notar Dr. Heinrich Wilhelm Oskar Dierks ein beeidigtes Protokoll über die Lebius'schen Meineidsanstiftungen aufsetzen. (Daraufhin zeigte Lebius Dierks an, da dieser seine Befugnisse überschritten habe.[13]) Das Thema "Meineid" wurde daraufhin Grundstock weiterer Klagen zwischen Lebius und May. Krügel selbst trat nicht mehr in Erscheinung.

Die Zeugenaussage ist u. a. im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1981, S. 264, und in der Karl-May-Chronik IV, S. 603, veröffentlicht.

Sonstiges

Im Hörspiel Old Shatterhand in Moabit wird Krügel von Gerd Ehlers gesprochen.

Anmerkungen

  1. Hother: Der kinderfreundliche Karl May, S. 3ff.
  2. Karl-May-Chronik IV, S. 603 f.
  3. Karl-May-Chronik IV, S. 611.
  4. Karl-May-Chronik V, S. 8.
  5. Karl-May-Chronik V, S. 60.
  6. Karl-May-Chronik V, S. 159.
  7. Karl-May-Chronik V, S. 169.
  8. Karl-May-Chronik V, S. 169.
  9. Karl-May-Chronik V, S. 249.
  10. Karl-May-Chronik V, S. 250.
  11. Karl-May-Chronik V, S. 253.
  12. Karl-May-Chronik V, S. 252.
  13. Karl-May-Chronik V, S. 282.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.