Adalbert Fischer

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Johannes Adalbert Fischer (* 3. Dezember 1855 in Leipzig; † 7. April 1907 in Dresden-Niedersedlitz) war ein deutscher Verleger.

Am 23. September 1882 heiratete er in Berlin Auguste Sophie Elisabet(h) geb. Sachse (* 12. September 1860; † 16. Oktober 1907).

Adalbert Fischer und Karl May

Der Buchhändler übernahm 1899 den Münchmeyer-Verlag von der Witwe Pauline Münchmeyer. (Erst 1902 erhielt er das Recht, als H. G. Münchmeyer zu firmieren.[1]) Dabei kaufte er auch die Rechte an den Kolportageromanen, die – Karl May zufolge – längst an diesen zurückgefallen waren. Möglicherweise durch Moritz Lilie wusste Fischer über Mays Vorstrafen Bescheid.

Da die ursprünglichen Verlagsverträge zwischen Heinrich Gotthold Münchmeyer und Karl May mündlich geschlossen worden waren, zogen sich die folgenden Streitigkeiten über Jahre hinweg. Verschärft wurde das Problem durch die Schund- und Schmutzdiskussion, in die sich May plötzlich verwickelt sieht.

Adalbert Fischer verlegte im Juni 1902 den Sitz des Münchmeyer-Verlages von Dresden nach Niedersedlitz auf die Nordstraße (heute Straße des 17.Juni), zog auch privat nach Niedersedlitz und kaufte die Villa auf der Gartenstraße 4 (heute Lungkwitzer Straße).

1903 kam es bei einem Treffen zwischen Karl May und Klara Plöhn sowie Adalbert Fischer und seiner Frau zu einem Kompromiss: May räumte ein, dass Fischer die Rechte in gutem Glauben erworben habe; Fischer erklärte im Gegenzug, dass alle eventuellen unsittlichen Stellen von dritter Seite früher eingefügt worden sind. May gestattete daraufhin den weiteren Vertrieb der Schriften – mit der Auflage, dass alle zweifelhaften Passagen zu entfernen sind (siehe Fischer-Ausgabe). Die neue Freundschaft wurde durch ein gemeinsames Buchprojekt Erzgebirgische Dorfgeschichten besiegelt, das allerdings in einem Imprintverlag erschien.

Fischer starb überraschend im Frühjahr 1907 (Karl May: Leider ist er hierdurch dem sichern Zuchthaus entgangen!).

Er hinterließ die Witwe Elisabet(h) und die vier Kinder:

Mit der Witwe und diesen vier Kindern schloss May am 8. Oktober 1907 einen Vergleich. Dieser besagte, dass May alle Autorenrechte an den Originalromanen habe, diese aber nur unter Pseudonym erscheinen dürften. Für die Nutzungsrechte erhalte May eine Abfindung von 20.000 Mark, zahlbar in zehn jährlichen Raten. Restbestände der mit dem Autorennamen versehenen Romane und der Erzgebirgischen Dorfgeschichten dürften noch bis zum 31. Dezember 1910 verkauft werden.

Gleichzeitig wurde bei Vertragsstrafe zugesichert, dass sich beide Parteien nicht zu den Streitigkeiten öffentlich äußern werden. Davon unberührt sei Mays Auseinandersetzung mit Pauline Münchmeyer.

Nachdem auch Elisabet Fischer im Oktober 1907 starb (Klara May: Ein furchtbares Gottesurtheil. Mich überlief es eiskalt bei dieser Nachricht. Diese blühende Frau, die uns beerben wollte, die ebenso wie ihr Mann nicht genug bekommen konnte. Die Beiden sollen innerlich förmlich verfault sein. Alles verkrebst. Man sollte doch niemals an Gottes Gerechtigkeit zweifeln.[2]), war Adalbert Fischers Schwiegersohn (verheiratet mit der Tochter Charlotte) und Nachfolger, Arthur Schubert, der weitere Verhandlungspartner.

Er bestätigte noch einmal die Einschübe von fremder Hand – die später etwas kryptisch mit 5% quantifiziert wurden – und vertrieb die Romane nun ohne Verfasserangabe.

Anmerkungen

  1. Karl-May-Chronik III, S. 117.
  2. Klara May anlässlich des Todes von Elisabet Fischer am 16. Oktober 1907 in ihrem Tagebuch.

Literatur

  • Hans-Dieter Steinmetz: Privatbeleidigungsklage Fischer ./. Fehsenfeld (1902). Ein Gerichtsbericht bringt Licht ins Dunkel. In: Karl-May-Haus Information Nummer 31, 2016.
  • Hans-Dieter Steinmetz: Letzte Ruhestätte von Adalbert Fischer in Dresden. In: Karl-May-Haus Information Nummer 31, 2016.

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.