Der Sohn des Bärenjägers

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Jugenderzählungen

Ceritaremaja.jpg


Handelnde Personen in
Der Sohn des Bärenjägers

Bärenjäger Baumann
Martin Baumann
Bob
Der lange Davy
Hobble-Frank
Hong-peh-te-keh
Der dicke Jemmy
Kanteh-pehta
Makin-oh-punkreh
Moh-aw
Old Shatterhand
Tokvi-tey
Walker
Winnetou
Wokadeh
nur erwähnt:
Frau Baumann
Luddy Baumann
Schi-tscha-pahtah
Schunka-schatscha
Wah-kih


Handlungsorte

Yellowstone Nationalpark

Der Sohn des Bärenjägers eröffnete 1887 die erste Nummer der Zeitschrift "Der Gute Kamerad" und war Karl Mays erste Erzählung, die er ausdrücklich für jugendliche Leser schrieb.

Für die Buchausgabe im Union-Verlag wurde der Text von May selbst überarbeitet und einige Szenen gestrichen, wie z.B. zwei Bärenabenteuer sowie ein längerer Dialog zwischen Tokvi-tey und Winnetou.

Inhalt

Jemmy und Davy retten den jungen Indianer Wokadeh, der auf dem Weg zu Martin Baumann ist. Er berichtet, dass dessen Vater, ein berühmter Bärenjäger, von den Sioux-Oglala gefangen wurde und gemartert werden soll. Martin, Jemmy, Davy, Bob und Hobble-Frank beschließen, den Mann zu retten und machen sich auf den Weg zum Yellowstone Nationalpark, wo die Marterung stattfinden soll.

Unterwegs treffen sie auf Winnetou und Old Shatterhand, die gerade rechtzeitig kommen, um einige Mitglieder der Reisegesellschaft vor den Schoschonen zu retten, die noch nicht einmal wissen, wen sie da gefangen haben, noch gar, wer sie überwunden hat. Als sie es erfahren, machen sie eine begeisterte Kehrtwende, schließen Frieden und erneuern die Freundschaft, um nun gemeinsam gegen die Sioux zu reiten.

Bald darauf treffen sie auch auf Upsarokas, die nicht so leicht zu einem Frieden zu bewegen sind, weil ihnen die Medizinen gestohlen wurden und sie diese nun zurückerobern oder durch den Skalp eines besiegten Feindes ersetzen müssen. In zwei Zweikämpfen werden die Anführer der Upsarokas besiegt, die sich daraufhin ergeben und ebenfalls gegen die Sioux mitreiten.

Das große Finale im Yellowstone Nationalpark führt – nach allerhand dramatischen Verwicklungen – natürlich zur erfolgreichen Befreiung der Gefangenen.

Fassungen

"Der Sohn des Bärenjägers" erschien vom 8. Januar bis in die dritte Septemberwoche des Jahres 1887 in 39 Lieferungen im 1. Jahrgang der Jungenzeitschrift "Der Gute Kamerad". Die Erzählung war von Anfang an so erfolgreich, dass der Verleger Wilhelm Spemann noch vor Abschluss des Textes den Wunsch nach einer Buchausgabe äußerte. Die Verhandlungen darüber zogen sich bis 1889 hin, bevor man sich geeinigt hatte. Am 1. Januar 1890 erfolgte die Gründung eines Buchverlages, der Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart-Berlin-Leipzig. Als erster May-Band sollte noch im gleichen Jahr "Der Sohn des Bärenjägers" erscheinen. Der Umfang wurde auf 29 Bogen festgelegt. Da der "Bärenjäger" nur einen Umfang von etwa 19 Bogen füllte, fragte Spemann bei May an,[1] ob er die Erzählung nicht mit der Erzählung "Der Geist des Llano estakado" zusammenlegen und durch einige Verbindungselemente zu einer einzigen zusammenhängenden Erzählung umändern könne. Außerdem wurde der Autor darum gebeten,[2] für eine bessere Lesbarkeit die Anzahl der Kapitel zu erhöhen. Karl May ignorierte die Bitte, die beiden Erzählungen direkt zusammenzulegen. Inwieweit er für Streichungen und die Erhöhung der Kapitalanzahl verantwortlich ist, ist in der Karl-May-Forschung umstritten. Ein Brief vom 15. Juli 1890 könnte ein Beleg dafür sein, dass zumindest die markantesten Textstreichungen auf Karl May selbst zurückgehen. Zu den gestrichenen Stellen gehörten zwei Bärenerzählungen (die Jagderlebnisse des dicken Jemmy mit einem Bären und die Humorgeschichte um einen Jagdhund, der ein Bärenbild erschnüffelt, mit der Jemmy den Hobble-Frank auf den Arm nehmen will) und ein längerer Dialog zwischen Winnetou und dem Schoschonenhäuptling Tokvi-tey, in der unter anderem erwähnt wird, wie Winnetou und Old Shatterhand sich kennengelernt haben. Da Karl May diese Episode in seiner Erzählung "Der Scout" mittlerweile selbst anders geschildert hatte, wurde sie vermutlich deshalb gestrichen. Der Umfang dieser Streichungen machte ungefähr dreißig Buchseiten aus. Die Anzahl der Kapitel wurde von vier auf zwölf erhöht. Ende 1890 erschien der "Bärenjäger", zusammen mit dem "Geist", als "Der Sohn des Bärenjägers" unter dem Obertitel "Die Helden des Westens" als erster Band der sogenannten "roten Union-Bände".

Den dem Hobble-Frank aufgebundenen Bären nutzte Karl May, um noch eine Münchmeyer-Passage anzuhängen:

Anfang des Zeitschriftenabdrucks
... dann aber, als er erkannte, daß Jemmy die Geschichte nur erfunden habe, um ihn zu foppen, brach er los:
»Was, ich soll Ihren Bären nun haben? Erlooben Sie es diesem dummen Gedanken ja nich etwa, sich in Ihr obschkures Begriffsvermögen festzusetzen! Ehe Sie im Schtande sind, mir nur eenen eenzigen Bären offzuhängen, hab' ich mir selber schon mehr als fuffzig offgebunden. In Beziehung off das aktiv-passive Anlügenlassen bin ich Ihnen weit über. Sie sind ja der reene Münchmeier, und wenn - - -«
»Münchhausen heißt es,« fiel Jemmy ein.
»Wollen Sie gleich off der Schtelle schtille sein, Sie dicker Loobfrosch, Sie! Een Münch, der andere bemeiert, kann eben nur Münchmeier heeßen. Wenn dieser Lügenkönig seit eeniger Zeit zuweilen Münchhausen genannt worden ist, so ist das die mißverschtandene Folge eener idealen Begriffsverwechslung im materialen Zusammenhange mit seinem Geburts- und Heimatsorte. Nämlich nach dem Impfscheine, welcher von ihm noch vorhanden ist, wurde er zur Zeit des schtarken Augusts im Schtädtchen Mühlhausen, Kreisdirektion Sonderschhausen, Regierungsbezirk Schaffhausen geboren, drei Orte, die mit »hausen« endigen, weil dort die mehrschte Hausenblase verschifft wird. Bei so vielmal »hausen« ist es gar keen Wunder, daß man diese Endung aus Versehen an das »Münch« gehängt hat. Unsereener ist aber nich so leicht zu täuschen. Meine historisch weltgeschichtlichen Studien befähigen mich, solche Schpreu vom guten Weizen auszuscheiden, und darum habe ich ooch, noch ehe Sie Ihre Geschichte angefangen hatten, sofort mit meinem angenehmen Scharfblicke erkannt, daß es off eene großartige Lüge und Münchmeierei abgesehen war. ...

Die gezielte Verwechslung von Fremdwörtern ist ebenfalls typisch für den subtilen Humor des Autoren, beispielsweise durch die Hobble-Frank'schen "medizinischen" Ausführungen zu einer bekannten Volkskrankheit: Das heeßt nämlich nich Hüftenschuß, sondern Hexenschuß. Wer den bekommt, der geht sehre gebückt und lahm, denn es liegt ihm jämmerlich im Kreuze und in den Hüften, aber trotzdem ist der Ausdruck Hüftenschuß een orthographisch-medizinisch ganz falscher.[3]

Zeitschriftenfassung

  • Übersicht über die neueren Veröffentlichungen der Zeitschriftenfassung des Textes.

Buchausgaben

Tschechische Ausgabe, 1892
  • Übersicht über die neueren Veröffentlichungen der Buchfassung des Textes.

spätere Ausgaben

1913 gelang es dem Karl-May-Verlag, mit Hilfe von Mays Witwe Klara die Rechte an der Erzählung zu erwerben. Zusammen mit dem "Geist des Llano estacado" sollte sie als Band 35 in den grünen Bänden der "Gesammelten Werke" erscheinen. Da der Umfang des Werkes etwa 830 Seiten im Satzspiegel der "Gesammelten Werke" ausgemacht hätte, mussten weitere Kürzungen vorgenommen werden, um auf den Normumfang von maximal 640 Seiten zu kommen. Dabei wurden vor allem Dialoge und Landschaftsbeschreibungen drastisch eingekürzt. Darunter litt besonders die Figur des Hobble-Frank, der dadurch teilweise an Profil verlor. Der Obertitel wurde in "Unter Geiern" geändert. Bis zum Ablauf der Schutzfrist blieb dies über Jahrzehnte hinweg die einzige lieferbare Ausgabe der Erzählung, die heute auch wieder in ihrer ursprünglichen Form zugänglich ist.

Die beiden gestrichenen Episoden aus der Zeitschriftenfassung von "Der Sohn des Bärenjägers" wurden unter den Titeln "Jemmys Bärenabenteuer" und "Häuptling Feuerwasser" 2003 in Band 84 der "Gesammelten Werke", "Der Bowie-Pater", veröffentlicht.

Übersetzungen

1888 erschien eine tschechische Fassung der Erzählung in Fortsetzungen unter dem Titel Syn lovce medvědův in der Prager Zeitschrift Nasi Mladezi (Unserer Jugend). Die Nacherzählung stammt von Jaroslav Pekar.

Sonstiges

Unter dem Titel Il figlio del cacciatore d'orsi veröffentlichte Emilio Salgari (unter dem Pseudonym A. Permini) 1899 einen Roman, der eine Bearbeitung von Karl Mays Bärenjäger darstellt. Vorlage für Salgari war aber nicht der deutsche (Original-)Bärenjäger, sondern die französische Übersetzung von Elisabeth Loisel "Le fils du chasseur d'ours" (1892), die sich an der Kamerad-Fassung orientierte. Klaus-Peter Heuer folgt dem Salgari-Forscher Ruggero Leonardi, der seinerseits Emilio Fancelli und Felice Pozzo zitiert, und weist zusätzlich die französische Vorlage nach[4].

Rezeption

Die Erzählung ist nie verfilmt worden. Der Film "Unter Geiern", der den Titel der Ausgabe aus dem Karl-May-Verlag trägt, hat keine Handlungsähnlichkeiten mit der Buchvorlage, obwohl dort einige aus dem Roman bekannte Namen vorkommen.

Es gibt aber verschiedene Hörspiele, die die Handlung textgetreuer adaptieren: Übersicht über alle Hörspiele

Auch für die Bühne wurde der Roman adaptiert. Eine häufig gespielte Freilichtbühnenfassung stammt von Wulf Leisner (Bad Segeberg und Naturtheater Greifensteine).

Quellen Karl Mays

  • Yellowstone: "Die neuentdeckten Geyser-Gebiete am oberen Yellowstone und Madison-River" aus "Petermanns Mitteilungen" (1872)
  • Yellowstone: "Nordamerika, seine Städte und Naturwunder, sein Land und seine Leute" (1880)
  • Yellowstone: "The pacific tourist - Adams & Bishop's Illustrated Trans-Continental Guide of Travel from the Atlantic to the Pacific Ocean" (1884)

Anmerkungen

  1. Brief Wilhelm Spemanns an Karl May vom 8. März 1890.
  2. Brief Wilhelm Spemanns an Karl May vom 27. Februar 1890.
  3. Karl May: Der Sohn des Bärenjägers. In: Der Gute Kamerad, Verlag Wilhelm Spemann, Stuttgart 1887, S. 362. (Onlinefassung)
  4. Klaus-Peter Heuer: Der Klon des Bärenjägers. Karl-May-Haus Information Nr. 20/2007, S. 77 ff.

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.


Weblinks