Bearbeitung

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Schon bald nach Karl Mays Tod begann sein Verleger Euchar Albrecht Schmid damit, Mays Werke zu bearbeiten / bearbeiten zu lassen. Sanktioniert fühlte Schmid sich wohl einerseits durch Karl Mays eigene Praxis des ständigen Überarbeitens, Änderns und an neue Gegebenheiten Anpassens seiner Texte (s. Recycling) sowie durch Aussagen und Aufträge Mays, an die man sich zu erinnern glaubte, und nicht zuletzt durch die aktive Ermutigung von Seiten der Witwe Klara May.

May selber hat als Redakteur z.B. Ferrys "Der Waldläufer" stark umgeschrieben. Adalbert Fischer würde später - so behauptete es zumindest Karl May - Ähnliches mit Mays Kolportageromanen machen.

Ausgangspunkt der Bearbeitungen von Mays Werken waren diese auch "Münchmeyer-Romane" genannten Werke, deren Autorschaft durch Fischer publik geworden war. Sie sollten dem Publikum in einer Form präsentiert werden, die gereinigt war vom Anstößigen der Fischer-Ausgabe, von dem May behauptete, es stamme nicht von ihm. Dem Kaufmann Schmid lag daran, ein Produkt zu führen, das er verkaufen konnte.

Ein weiteres (wesentliches) Ziel der Bearbeitungen war es, den Werken ein gleichmäßiges Erscheinungsbild zu geben, sowohl äußerlich als auch inhaltlich. So wurden z.B. alle Jugendromane durchweg gekürzt, um sie dem Format der gesammelten Reiseerzählungen anzupassen.

In der Werkausgabe wurden der Änderungen immer mehr. Sie sollten Anachronismen in Mays Werk korrigieren oder waren stilistischer Art: Mays Satzbau wurde geändert, und sein äußerst häufiger Gebrauch von aus dem Französischen stammenden Fremdwörtern gemildert. Vermeintliche oder tatsächliche Inkonsistenz in Mays Erzähluniversum (leben Dick Stone und Will Parker oder sind sie nun tot?) wurden ausgeglichen und Figuren ausgetauscht, um Mays unbesorgter Art, ständig neues Personal als altbekannte Freunde einzuführen, entgegenzuwirken. Die Kolportage-typisch äußerst verwickelten Erzählstränge der "Münchmeyer-Romane" wurden entwirrt. Die Unzahl May'scher Kolportagehelden wurde dezimiert, indem auch schon mal einer gänzlich aus der Geschichte geschrieben und seine Taten anderen Helden zugeteilt wurden. Gerne wurden die Kolportagegeschichten auch dem Publikum mit altbekannten Helden aus Mays Old-Shatterhand-Kara-Ben-Nemsi-Universum anstelle der ursprünglichen Besetzung präsentiert.

Nicht abgeschlossene Geschichten wurden unter Mays Namen zu Ende geschrieben.

Da die Bearbeitungen des Karl-May-Verlags ihrerseits unter Urheberschutz stehen oder standen, gingen andere Verlage dazu über, eigene Bearbeitungen zu veröffentlichen.

Arno Schmidt hat als einer der ersten diese Bearbeitungen systematisch aufgedeckt und an den Pranger gestellt. Mit dem Erlöschen des Urheberrechts an Mays Schriften sind die Originale dem breiten Publikum wieder zugänglich geworden. Auch der Karl-May-Verlag hat einige der weitgehenden Bearbeitungen wenigstens teilweise wieder zurückgenommen; er spricht dann von sog. "Rückbearbeitungen".

Heute noch lösen die Stichworte "Bearbeitung" und "Rückbearbeitung" unter Karl-May-Fans lebhafte Diskussionen aus.

siehe auch

  • Für Details zu den einzelnen Bearbeitungen klicke man die jeweilige Bandnummer der Werkausgabe im Karl-May-Verlag an.
  • Liste der namentlich bekannten Bearbeiter von Mays Werken im Karl-May-Verlag.

Literatur