Surveyor

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Indianer besuchen die Landvermesser

Surveyor hat im Englischen Bedeutungen wie z.B. Besichtiger, Gutachter, Erkunder, Inspektor, Sachverständiger und beinhaltet auch die Berufsbezeichnung, die Karl May Feldmesser, Landesvermesser[1] nennt. Heutige Bezeichnungen sind Geodät, Geometer, Geomatiker und Vermessungsingenieur. May nennt die Tätigkeit des Surveyors Feldmesserei und Feldmeßkunst[2] und beschreibt diese insbesondere im Wilden Westen.

im Werk Karl Mays

Als agierende Surveyors im Werk Karl Mays treten in Winnetou I Bancroft, Marcy, Riggs, Wheeler und White, deren Namen May vermutlich den Namen von in Albert Samuel Gatschets Zwölf Sprachen aus dem Südwesten Nordamerikas genannten Sprachforschern und Expeditionsteilnehmern Hubert H. Bancroft, Randolph B. Marcy, Stephen R. Riggs, George M. Wheeler und Johann B. White entlehnt hat,[3] und Old Shatterhand auf. In der Old Firehand-Erzählung von 1875 wird erwähnt, dass Old Firehand zunächst in Amerika als Surveyor tätig ist. Diese Tätigkeit wird auch in Der Weg zum Glück von Rudolf von Sandau vermutet. In der Jugenderzählung Der Schatz im Silbersee werden die Surveyors von den Indianern als weiße Häuptlinge[4] bezeichnet. In seiner Skizze Freuden und Leiden eines Vielgelesenen setzt Karl May den historischen Forscher und Landvermesser David Lindsay mit seinem Sir David Lindsay gleich.

Winnetou I

Mr. Henry verschafft dem als Hauslehrer beschäftigten Greenhorn "Karl" - diesen Vornamen nennt der Ich-Erzähler erst viel später - eine Stelle als Surveyor bei der Eisenbahngesellschaft Atlantic and Pacific Company. Als Voraussetzung zur Einstellung gelten die Fähigkeiten Reiten, Schießen und natürlich das eigentliche Landvermessen. Ein deshalb - als Gespräch getarntes - Examen im Surveying Office besteht Karl indem er den Gebrauch der verschiedenen Instrumente erklärt und das Zeichnen von Karten und Plänen beschreibt. Er spricht über die Polar- und Diagonalmethode und das Repetitionsverfahren. Die weiteren dabei genannten Fachausdrücke "trigonometrische Triangulation", "Perimetermessung" und "Aufnahme durch Koordinaten" hat Karl May sogar in seinem Brockhaus durch winzige waagerechte Striche am Rande des Artikels "Feldmeßkunst" angestrichen, wie man heute noch in der Bibliothek in Radebeul sehen kann.

Der Vermessungstrupp besteht aus dem Ich-Erzähler und den drei weiteren Surveyors Riggs, Marcy und Wheeler. Die Leitung hat Oberingenieur Bancroft. Alle sind echte Yankees. Obwohl alle gut bezahlt werden, hat Karl die schwierigsten Arbeiten zu erledigen und die Kollegen machen sich das Leben so leicht wie möglich. Mit ihren Fachkenntnissen ist es nicht weit her, aber sie lieben den Branntwein. Begleitet werden sie von einer dreizehnköpfigen sogenannten Schutztruppe aus Raufbolden und drei tüchtigen Scouts. Aus der Gesamtroute der von St. Louis zum Pazifik führenden Transkontinentalbahn ist nicht nur ein Abschnitt zwischen dem Quellgebiet des Rio Pecos und des südlichen Canadian zu vermessen, sondern zusätzlich muss vorher die geeignete Richtung erst noch entdeckt werden. Die Tätigkeit bei der Eisenbahnvermessung selbst wird allerdings kaum beschrieben. Erzählt wird nur, dass nach vielen vergleichenden Messungen die endgültige Streckenführung mit Pfählen abgesteckt und in Zeichnungen und Tagebüchern dokumentiert wird. Von der zur Vermessung für den beabsichtigten Eisenbahnbau so wichtigen Beachtung von Maximalsteigungen, Mindestradien, Erdmassenbewegungen, Brücken, Tunneln usw. ist keine Rede. Nach dreimonatiger Tätigkeit erscheint der Leiter White der benachbarten Sektion, deren Vermessung er vollendet hat, und warnt vor den Indianern. Wegen der voraussehbaren Auseinandersetzungen mit diesen hebt der Ich-Erzähler ein Duplikat der Zeichnungen für den Fall der Not in einer Ölsardinenbüchse auf.

Nun folgen die nicht zum Thema Surveyor zählenden Ereignisse der Reiseerzählung. Gerade diese haben allerdings wohl den Band äußerst erfolgreich werden lassen und zur höchsten Auflage verholfen.

Karl May lässt die Protagonisten viel vom Landraub sprechen. Leser, die mit der Geschichte des nordamerikanischen Eisenbahnbaus nicht vertraut sind, könnten dieses Land mit dem schmalen "Eisenweg" gleichsetzen. May erwähnt zum besseren Verständnis leider nicht, dass die USA alles nicht explizit einem der Bundesstaaten gehörende Land als Bundeseigentum ansehen und dass für eine solche Landnahme zur Finanzierung der Bahn viele Quadratmeilen beiderseits der Trasse erst der Bahngesellschaft geschenkt und zur Besiedlung freigegeben und dann von der Bahngesellschaft zur Besiedelung verkauft werden - was anschließend automatisch eine Ausdehnung des Geländes durch weitere Neubesiedelung zur Folge hat. Die den Indianern vorher gemachten Zusagen und Garantien gelten dabei gar nichts mehr.

In der irrtümlichen Annahme, dass es den Indianern keinen Schaden macht, erlaubt Intschu tschuna die Bahn vollends zu vermessen. Dies ermöglicht Old Shatterhand, da die Instrumente unversehrt sind und zudem die Pfähle noch steckten, die Vermessung in vier Tagen zu beenden. Die Indianer sind dabei sogar als Vermessungsgehilfen tätig.

Winnetou II

Zu Anfang des zweiten Bandes wird der Ich-Erzähler durch seinen, von seiner Rückkehr nach St. Louis überraschten, väterlichen Freund Mr. Henry begrüßt:

"Der Hauslehrer - - - der - - der Surveryor - - der - - der - - der verteufelte Old Shatterhand!"[5]

Danach kommt er seinen geschäftlichen Obliegenheiten in der Vermessungskanzlei nach. Er bekommt sein Geld sofort, jedoch keine Extragratifikation. Er liefert seine geretteten Zeichnungen und Notizen ab. Das Geld verliert er mit seiner ganzen Habe bei einem Schiffsuntergang. Hieran erinnert Winnetou seinen Freund, als sie sich später in Matagorda treffen:

"Wir haben den Pfad des Feuerrosses vermessen, damit du das das Geld bekommen solltest; der Hurrikan hat es dir wieder genommen."[6]

Im zweiten Teil des Bandes, der auf Old Firehand-Erzählung von 1875 (s. u. ) und der Erzählung Im fernen Westen von 1879 basiert, hält Harry, den längst zum gestandenen Westmann gereiften, Old Shatterhand für einen Surveyor oder etwas derartiges[7] und findet, dass diese Leute oft sehr brave und geschickte Männer sind.

Old Firehand

Auch in der alten Old Firehand-Erzählung hält Ellen den Ich-Erzähler für einen Surveyor (Feldmesser) oder etwas Derartiges und erwähnt, dass Old Firehand, ihr Vater, direkt nach der Ankunft in Amerika als Surveyor in den Westen ging:

...da er nach der Landung mittellos und ohne Bekannte in einer andern und neuen Welt stand, so griff er zum Ersten, was ihm geboten wurde, ging als Surveyor nach dem Westen...[8]

Diese beiden Surveyor-Erwähnungen übernahm May in die Erzählung Im fernen Westen und Winnetou II (s. o.).

Der schwarze Mustang

In dieser Erzählung wird in einem Gespräch über Tangua erwähnt, dass sich dieser, als Old Shatterhand noch Surveyor war, zunächst zu dessen Beschützer aufwarf. Den Grund für diese kleine Erwähnung zu Winnetou I sieht Thomas Schwettmann darin, dass Karl May 1894 nach Vollendung der Winnetou-Trilogie sofort mit Der schwarze Mustang begann.

Der Weg zum Glück

Der in der Erzählung Der Weg zum Glück erwähnte Rudolf von Sandau wird von seinem Sohn gleichen Namens für einen bis zum Lebensende in Amerika tätigen Feldmesser gehalten, erfährt aber von seiner Mutter, Emilie von Sandau, dass sein Vater dort als Detektiv niedergeschossen wurde; auch der Surveyor Old Shatterhand aus Winnetou I wird in Winnetou II zum Detektiv.

Freuden und Leiden eines Vielgelesenen

Die in Freuden und Leiden eines Vielgelesenen gestellte Frage nach Sir David Lindsay wird von May so beantwortet, dass dieser (wie der echte Forscher und Surveyor David Lindsay) eine Expedition mit Kamelen quer durch Australien zum glücklichen Ende gebracht[9] hat.

im Leben Karl Mays

Konfrontation mit einer angeblichen Hochstapelei

Nicht der Ich-Erzähler, sondern Karl May selbst wird im Alter noch einmal in Bezug auf eine angebliche Hochstapelei in seiner zweiten Vagantenzeit mit einer Eisenbahnvermessung in Verbindung gebracht. Vermutlich erzählte Louis Krügel seinem Bruder Richard Krügel eine erfundene Geschichte, die dieser weiter verbreitete. Und so erschien am 19. Dezember 1909 in der Zeitschrift Der Bund ein Artikel mit der Behauptung, dass May mit Louis Krügel als falsche Feldmesser Bahnstrecke über Bauernland vermessen und die Arbeiten nur gegen Geldzahlungen der Eigentümer an sie eingestellt hätten. May wehrt sich in seinem im Hildesheimer Kurier schon am 4. Januar 1910 veröffentlichten Leserbrief gegen diese verleumderische Behauptung:

Ich habe mich nie als Feldmesser verkleidet und nie behauptet, dass ich eine Bahn abzustecken habe, mir nie als solcher Geld erschwindelt. Einen Bauer Leonhardt in Harmsdorf, dem ich in dieser Weise 800 Taler abgeschwindelt haben soll, kenne ich bis heute nicht.

Zeugen für eine Surveyortätigkeit

Euchar Albrecht Schmid berichtete, dass Karl May bis zuletzt betont hat, er sei in Amerika anfangs als Hauslehrer, später bei Eisenbahn-Vermessungsarbeiten beschäftigt gewesen.[10]

Gustav Urban zitierte seinen Vater Carl Traugott Urban dahingehend, Karl May habe diesem erzählt, dass er in den USA von St. Louis aus einen Bahnbau in den Westen als Geometer mitgemacht hätte.[11]

Karl Heinz Dworczak bringt in seinem Werk Karl May - Das Leben Old Shatterhands Erlebnisse Mays als Geometer beim Eisenbahnbau als Tatsachenbericht, lässt aber erkennen, dass er keine Biografie, sondern einen biografischen Roman verfasst hat.

in Filmen und Bühnenstücken

Vermessungscamp Stausee Oberwald

Surveyors treten im Kinofilm Winnetou 1. Teil, im Film Winnetou und das Halbblut Apanatschi, in den Fernseh-Zeichentrickfilmen Winnetou - Die Zeichentrickserie und WinneToons: Ein Greenhorn im Wilden Westen, in den Karl-May-Bühnenstücken Winnetou von Hermann Dimmler und Ihr seid ein Greenhorn, Sir! von Helmut Baierl, auf Freilichtbühnen in Rathen (2004), Karl-May-Bühne am Stausee Oberwald (2004, 2006), Weitensfeld (2009) und Mörschied (2009, 2010) auf.

in Comics

Auch in den zahlreichen Comicadaptionen von Winnetou I spielen Surveyors bzw. ihre Arbeit eine Rolle. Insbesondere in denen, die die Handlung bereits in St. Louis beginnen lassen, z. B. in Winnetou und Old Shatterhand und Winnetou. Der Held der Prärie. Etwas stärker betont wird ihre Rolle im Comic Das Greenhorn.

Sonstiges

Der Landvermesser in Arthur Storchs Der Arbeiterkönig heißt Konrad.

Der Surveyor Jack Hildreth ist Titelfigur in Jack Hildreth among the Indians von Marion Ames Taggart.

Old Shatterhand als Landvermesser, – as surveyor, – comme arpenteur nennt sich eine Elastolin-Sammelfigur.

Anmerkungen

  1. Carl May: Winnetou, der Rote Gentleman. 1. Band. Carl May's Gesammelte Reiseromane Band VII. Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg i. B. ohne Jahr (1893), u. a. S. 33 und 114.
  2. Carl May: Winnetou, der Rote Gentleman. 1. Band, u. a. S. 15 und 25.
  3. Hartmut Kühne: Riggs, Marcy und Wheeler, die drei Surveyors. Karl May und der Gebrauch des 'Gatschet' in Winnetou I. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG) 164/2010, S. 15 f. (Onlinefassung); Rolf J. G. Stadelmayer: Die Namensvettern der sechs Surveyors. Nicht nur Sprachforscher. In: M-KMG 166/2010, S. 27 f. (Onlinefassung).
  4. Karl May: Der Schatz im Silbersee. In: Der Gute Kamerad, V. Jg., Stuttgart 1890/91, S. 705a.
  5. Carl May: Winnetou, der Rote Gentleman. 2. Band. Carl May's Gesammelte Reiseromane Band VIII, S. 3.
  6. Carl May: Winnetou, der Rote Gentleman. 2. Band, S. 75.
  7. Carl May: Winnetou, der Rote Gentleman. 2. Band, S. 403.
  8. Karl May: Aus der Mappe eines Vielgereisten. Nr. 2: Old Firehand. In: Deutsches Familienblatt 1. Jg. Nr. 7. Verlag von H. G. Münchmeyer, Dresden 1875, S. 108a.
  9. Karl May, Freuden und Leiden eines Vielgelesenen. In: Deutscher Hausschatz, Nr. 1, 23. Jg. 1896/97.
  10. E. A. Schmid (Hrsg.): Karl May's Tod und Nachlaß, 4. Weltreisen. In: Karl May: "Ich" - Aus Karl May's Nachlaß. Karl May's Gesammelte Werke, Band 34. Karl-May-Verlag, Radebeul bei Dresden 1916, S. 543.
  11. G. Urban: Karl May ist gereist! Karl-May-Jahrbuch 1922, S. 153 ff.; ders.: Fährten von Mays erster Amerikareise, Karl-May-Jahrbuch 1925, S. 76 ff.

Literatur

Weblinks