Wilder Westen

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Wilder Westen ist eine – geographisch und historisch grob eingegrenzte – umgangssprachliche Bezeichnung für die ungefähr westlich des Mississippi gelegenen Gebiete der heutigen USA, die in der Pionierzeit des 19. Jahrhunderts (im engeren Sinn dessen zweiter Hälfte) noch nicht als Bundesstaaten in der Union der Vereinigten Staaten aufgenommen waren.

Der "Wilde Westen" der USA

Der Begriff

Im Laufe der voranschreitenden Landnahme und Urbanisation wurde das Gebiet kontinuierlich kleiner, bis es etwa um 1890 vollkommen im kontinentalen US-Staatsgebiet aufging. Symbolisch stehen die Öffnung der Region Oklahoma für die Besiedlung durch Kolonisten mit dem „Oklahoma Land Run“ am 22. April 1889 und das Massaker der US-Armee an etwa 200 bis 300 Sioux-Lakota-Indianern bei Wounded Knee 1890 für das Ende der Zeit des Wilden Westens. Mit diesen Ereignissen galten die Indianerkriege ebenso als abgeschlossen wie die Kolonisation der bis dahin formell noch nicht in die Vereinigten Staaten aufgenommenen Gebiete durch nicht eingeborene Siedler.

Beginnend mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ist die Begrifflichkeit "Wilder Westen" bis in die Gegenwart mit einer Verklärung im Sinn des "American Dream" verbunden: Durchdrungen von patriarchalen Männlichkeitsvorstellungen über Freiheit, Recht des Stärkeren, Kampf um´s Eigentum und ähnlichen Klischees kam es zu einer Mythologisierung und Trivialisierung der Pionierzeit, wobei die Grenzen zwischen historischen Fakten, Legendenbildung und frei erfundenen Geschichten oft verschwimmen.

Historische Merkmale

Expedition von Lewis und Clark

Vorreiter der späteren Besiedlung durch vor allem aus Europa stammende Einwanderer waren Entdeckungsreisende wie Lewis und Clark, die zwischen 1804 und 1806 als erste einen durchgehenden Überlandweg durch den nordamerikanischen Kontinent zum Pazifik fanden, oder Jäger, Fallensteller und Pelzhändler, die in die von den Kolonisten noch unerschlossenen, von verschiedenen Indianerstämmen bewohnten Gebiete jenseits der sogenannten frontier (Grenze zum Indianergebiet) vordrangen und in Handelsbeziehungen mit den Indianern, den Eingeborenen, traten. Bedingt durch die Erfahrungen dieser Trapper im Hinblick auf Ortskenntnisse und eine relative Vertrautheit mit Sprache und Kultur einzelner Indianerstämme führten sie später als Scouts verschiedene Siedlertrecks (Planwagenkolonnen) nach Westen.

Der "Wilde Westen" war durch eine Aufbruchsstimmung gekennzeichnet, aus der heraus sich viele Menschen aus dem zunehmend dichter besiedelten Osten der USA nach Westen aufmachten, darunter eine große Zahl von Immigranten, vor allem aus Europa. Die Gründe für die Pioniere waren unterschiedlicher Natur. Für die meisten war eine Ansiedlung in den Staaten des Ostens unerschwinglich. Im Westen gab es weite Landstriche, in denen sich die Siedler billiges Land erhofften, um sich als Farmer oder Rancher niederzulassen. Wieder andere suchten den schnellen Reichtum in der Hoffnung, Gold zu finden. Als 1848 in Kalifornien Gold gefunden wurde, löste dies den so genannten Goldrausch aus, der die Trecks nach Westen deutlich anschwellen ließ. Die neue Religionsgemeinschaft der Mormonen ließ sich in Utah nieder, um ungestört nach ihrem Glauben leben zu können.

"Billy the Kid"

Der wilde Westen war zunächst stark geprägt durch die gewaltsame Zurückdrängung der eingeborenen Bevölkerung, der Indianer, und eine entsprechende Unterwerfungs- und teilweise Ausrottungspolitik ihnen gegenüber. Damit einhergehend und danach spielte die infrastrukturelle Erschließung des Landes eine wichtige Rolle (Eisenbahnbau, Postwesen u.a.). Durch die Weite des Landes wurde vor allem in den fruchtbaren Ebenen des Mittleren Westens, der Prärie, neben dem Getreideanbau die breit angelegte Viehzucht in großen Landstrichen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit ihr einhergehend erlangte der Beruf des Cowboys einen für den Wilden Westen sinnbildlich stehenden Rang.

"Wild Bill" Hickok

Insbesondere nach dem Ende des Sezessionskrieges zwischen den Nord- und Südstaaten (1861-1865) suchten viele durch den Krieg gescheiterte, teilweise verrohte Menschen einen neuen Anfang im Westen. Glücksritter und Abenteurer fanden in den relativ unerschlossenen Gebieten der USA oft einen gesetzlichen Freiraum vor, der die Entwicklung eines in manchen Landstrichen ausgeprägten Banditenwesens begünstigte. Legendenumwobene Namen wie Frank und Jesse James, die sich durch Bank- und Eisenbahnüberfälle einen berühmt-berüchtigten Ruf erwarben, oder "Billy the Kid" stehen stellvertretend für die verbreitete Gesetzlosigkeit im Wilden Westen. Deren Gegenpart bildeten die teilweise korrupten Gesetzeshüter, oft selbst als sogenannte Revolverhelden in der Grauzone zwischen Gesetz und Verbrechen. Bekannte Sheriffs oder US-Marshals waren beispielsweise Pat Garrett, Wyatt Earp, "Wild Bill" Hickock u. a.

Romantisierung

Werbeplakat der
"Buffalo-Bill-Wildwest-Show"

Schon ab dem späten 19. Jahrhundert wurde die Pionierzeit als "Wilder Westen" verklärt und romantisiert, wobei der ehemalige Bisonjäger William Frederick Cody (bekannter als "Buffalo Bill") mit seiner Wildwest-Show, die auch international auf Tournee ging, eine Vorreiterrolle spielte. Insbesondere in der Trivialliteratur und auch in der Filmindustrie, zunächst vor allem in den USA selbst, erlebte die Zeit des Wilden Westens einen Boom. Eine Hochphase bekam der Western zumal als Filmgenre in den 1950er Jahren. Untergenres des Western waren beispielsweise der Kavalleriewestern, Indianerwestern oder in einem nicht immer mit dem Wilden Westen im Wortsinn zusammenhängenden Bürgerkriegswestern

Auch in Europa gab es unterschiedliche Formen der fiktionalen Beschäftigung mit der US-amerikanischen Pionierzeit, etwa in der Form der Abenteuerromane von Karl May, Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, später bis in die Gegenwart durch Heftromane, Comics und filmisch durch die sogenannten Eurowestern und Italowestern.

Beispiele:

  • Winnetou (Karl May)
  • Lucky Luke (René Goscinny)
  • Spiel mir das Lied vom Tod (Sergio Leone, Italowestern)

Karl May und der Wilde Westen

siehe Wilder Westen bei Karl May

Literatur

Weblinks