Frühreisen-Legende

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Unter der Bezeichnung Frühreisen-Legende werden Theorien über nicht objektiv beweisbare, frühe Auslandsaufenthalte Karl Mays zusammengefasst.

Dabei ging es um vermutete Frühreisen Karl Mays nach Amerika und Nordafrika (zwischen 1862 und 1864). Es wurden damit Zeitspannen in Mays Biografie ausgefüllt, die nur schlecht dokumentiert sind und von daher zu Spekulationen Raum boten.

Fakten

Karl May selbst hat eine Amerikareise für jene frühe Zeit weder in seiner Autobiographie noch an anderer Stelle erwähnt. In Mein Leben und Streben schreibt er lediglich:

"Ich kassierte meine Honorare ein und machte eine längere Auslandsreise. Wohin, das habe ich im zweiten Bande dieses Werkes zu erzählen, in welchem meinen Reisen und ihren Ergebnissen ein größerer Raum gewidmet werden soll, als ich ihnen hier gewähren könnte."[1]

Da der zweite Band von Mein Leben und Streben nie erschienen ist, weiß man bis heute nicht, wohin die Reise gegangen sein soll. Wahrscheinliche Kandidaten als Reiseziele sind die nahe gelegenen, damals zu Österreich bzw. Österreich-Ungarn gehörenden Böhmen oder Schlesien. Im übrigen hätte im damaligen Sprachgebrauch (vor 1871) Karl May, den Untertanen des Königreiches Sachsen, auch eine Reise nach Preußen "ins Ausland" geführt.

Frühreisen in der Forschung

Diese Reisen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einigen Forschern vermutet; teilweise gab es sogar "Belege". Hauptverfechter war Gustav Urban, der über die Jahre hinweg immer neue Anstrengungen unternahm, frühe Reisen Karl Mays (teilweise in Begleitung seines Vaters Carl Traugott Urban) zu beweisen. Die von Urban angeführten Indizien schienen eine Reise 1862/63 nach Nordamerika und eine weitere zwischen 1868 und 1870 nach Nordafrika zu belegen. Noch als über Achtzigjähriger initiierte Gustav Urban einen Zeitungsartikel im "Neuen Österreich" mit dem Titel: "Hat Karl May wirklich gelogen? Nein, sagt unser Gewährsmann!" Er ging nun sogar von fünf Frühreisen aus.[2]

Besonders Klara May, Mays Witwe, und auch der Karl-May-Verlag (KMV)[3] waren Anhänger der Legenden, wobei sich Schmid bald distanzierte.

Noch bis in die 1960er Jahre wurden die Frühreisen auch von seriösen Forschern wie Amand von Ozoróczy geglaubt und fanden teilweise sogar Eingang in Karl-May-Biografien wie Karl May. So war sein Leben von Albrecht Peter Kann.

Ein Beitrag Roland Schmids, der sich mit dem frühen Schweiz-Hinweis

129.) "La battalière."
        Einfluß der Rhone in den Leman.

aus dem Repertorium C. May befasste, blieb ungedruckt, da das "Karl-May-Jahrbuch 1980/81" nicht mehr erschien.

Fazit

Inzwischen wurden alle "Beweise" widerlegt. Längere Auslandsreisen Mays vor der Orientreise 1899/1900 werden heute ausgeschlossen. Tatsächlich wird sich May, wenn er nicht einsaß, in den 1860er Jahren mehr oder weniger verborgen als Kleinkrimineller im sächsischen und erzgebirgischen Raum aufgehalten haben (siehe auch Erste Vagantenzeit und Zweite Vagantenzeit).

Anmerkungen

  1. Karl May: Mein Leben und Streben. Kapitel 5, "Im Abgrunde".
  2. Amira Sarkiss: Karl May und die Frühreisenlegenden. In: Lothar und Bernhard Schmid (Hrsg.): In fernen Zonen. Karl Mays Weltreisen, S. 19 ff.
  3. E. A. Schmid: Weltreisen. In: "Ich", 1917.

Literatur

Weblinks