Greenhorn

Aus Karl-May-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Greenhorn ist eine Bezeichnung, die vor allem im US-amerikanischen Slang für einen Neuling, aber auch für einen Immigranten verwendet wird. Sie entspricht ungefähr dem deutschen Wort "Grünschnabel". Ranchers und Cowboys verwenden den Begriff greenhorn oder tenderfoot für einen Nachwuchs- oder Möchtegern-Cowboy, der in seinem Leben noch kein Tier mit dem Lasso eingefangen hat.

Wortherkunft

Über den Ursprung des Wortes gibt es zwei Theorien: Die eine[1] leitet den Begriff vom jungen (= "grünen") Horn der gerade geschlechtsreif gewordenen Rinder, Hirsche etc. ab. Eine andere Ableitung[2] ist die aus der Herstellung von Gemmen aus Horn, denen ein Bild (z.B. ein Kopf) eingepresst wird, indem eine entsprechende Form erhitzt und auf das Horn gedrückt wird. Dem Neuling passierte es oft, dass er diese Form zu stark erhitzte und sich das Horn unerwünschterweise grün verfärbte.

bei Karl May

Karl May wiederum verwendet eine eigene Definition des Begriffs:

Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet? - - eine höchst ärgerliche und despektierliche Bezeichnung für denjenigen, auf welchen sie angewendet wird.
Green heißt grün, und unter horn ist Fühlhorn gemeint. Ein Greenhorn ist demnach ein Mensch, welcher noch grün, also neu und unerfahren im Lande ist und seine Fühlhörner behutsam ausstrecken muß, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, ausgelacht zu werden.
Ein Greenhorn ist ein Mensch, welcher nicht von seinem Stuhle aufsteht, wenn eine Lady sich auf denselben setzen will; welcher den Herrn des Hauses grüßt, ehe er der Mistreß und Miß seine Verbeugungen gemacht hat; welcher beim Laden des Gewehres die Patrone verkehrt in den Lauf schiebt oder erst den Propfen, dann die Kugel und zuletzt das Pulver in den Vorderlader stößt. Ein Greenhorn spricht entweder gar kein oder ein sehr reines und geziertes Englisch; ihm ist das Yankee-Englisch oder gar das Hinterwälder-Idiom ein Greuel; es will ihm nicht in den Kopf und noch viel weniger über die Zunge. Ein Greenhorn hält ein Racoon für ein Opossum und eine leidlich hübsche Mulattin für eine Quadroone. Ein Greenhorn raucht Cigaretten und verabscheut den tabakssaftspeienden Sir. Ein Greenhorn läuft, wenn er von Paddy*) eine Ohrfeige erhalten hat, mit seiner Klage zum Friedensrichter, anstatt, wie ein richtiger Yankee tun soll, den Kerl einfach und auf der Stelle niederzuschießen. Ein Greenhorn hält die Stapfen eines Turkey für eine Bärenfährte und eine schlanke Sportjacht für einen Mississippisteamer. Ein Greenhorn geniert sich, seine schmutzigen Stiefel auf die Kniee seines Mitpassagiers zu legen und seine Suppe mit dem Schnaufen eines verendenden Büffels hinabzuschlürfen. Ein Greenhorn schleppt der Reinlichkeit wegen einen Waschschwamm von der Größe eines Riesenkürbis und zehn Pfund Seife mit in die Prairie und steckt sich dazu einen Kompaß bei, welcher schon am dritten oder vierten Tag nach allen möglichen andern Richtungen, aber nie mehr nach Norden zeigt. Ein Greenhorn notiert sich achthundert Indianerausdrücke, und wenn er dem ersten Roten begegnet, so bemerkt er, daß er diese Notizen im letzten Couvert nach Hause geschickt und dafür den Brief aufgehoben hat. Ein Greenhorn kauft Schießpulver, und wenn er den ersten Schuß tun will, erkennt er, daß man ihm gemahlene Holzkohle gegeben hat. Ein Greenhorn hat zehn Jahre lang Astronomie studiert, kann aber ebenso lang den gestirnten Himmel angucken, ohne zu wissen, wie viel Uhr es ist. Ein Greenhorn steckt das Bowiemesser so in den Gürtel, daß er, wenn er sich bückt, sich die Klinge in den Schenkel sticht. Ein Greenhorn macht im wilden Westen ein so starkes Lagerfeuer, daß es baumhoch emporlodert, und wundert sich dann, wenn er von den Indianern entdeckt und erschossen worden ist, darüber, daß sie ihn haben finden können. Ein Greenhorn ist eben ein Greenhorn - - - und ein solches Greenhorn war damals auch ich.
*) Irländer[3]

Man (May) kann es durchaus auch kürzer sagen:

Greenhorn nennt nämlich der Prairiejäger einen Jeden, der ein Neuling ist und nichts versteht.[4]

Vor allem Sam Hawkens ist bekannt dafür, dass er alle seine Mit-Westmänner als "Greenhorn" bezeichnet.

Sonstiges

Heutzutage wird das Wort "Greenhorn" im Englischen selten benutzt. Im Wahlkampf 2008 bezeichnete John McCain damit Barack Obama.

Anmerkungen

  1. Z.B. in Collins English Dictionary, Millenium Edition, 2000
  2. Vgl. hier.
  3. Karl May: Winnetou I.
  4. Karl May: Der Fürst der Bleichgesichter.

Literatur