Emigration

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Deutsche Emigranten gehen an Bord eines in die USA fahrenden Dampfers (um 1850)
Ankunft in New York
Deckblatt des Aschersleber Anzeigers (1852)
Anzeige zur Auswanderer-Beförderung im Aschersleber Anzeigers (1852)
Die Pfefferkorns auf der Passagierliste

Auswanderung oder Emigration (von lat.: e hinaus; migrare wandern) ist das Verlassen des Heimatlandes auf Dauer. Die Emigranten oder Auswanderer verlassen ihre Heimat entweder freiwillig oder erzwungenermaßen aus wirtschaftlichen, religiösen, politischen oder anderen individuellen Gründen. In der Geschichte hat es die Auswanderung von einem ganzen Volk gegeben oder von großen Teilen eines Volkes und von Einzelpersonen oder einzelnen Familien.

Die Auswanderer kommen als Immigranten (Einwanderer) in das sie aufnehmende fremde Land.

Geschichte der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten

Religiös motivierte Emigranten zogen schon im 18. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten, um bei der dort gewährten Religionsfreiheit ohne Repressalien leben zu können. Vor allem der Staat Pennsylvania zog Menschen aller religiösen Richtungen an.

Im 19. Jahrhundert erreichte die Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Es kam verschiedentlich zu Massenauswanderungen, die eng mit der konjunkturellen Entwicklung zusammenhingen. Bezogen auf Südwestdeutschland kann man von drei Phasen der Massenauswanderung sprechen:

  • 1816/17: Bedingt durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien, einem der stärksten bekannten Vulkanausbrüche überhaupt, wurde so viel Asche in die Atmosphäre geschleudert, dass es auf der nördlichen Halbkugel zu extrem nassen, kalten Sommern kam und die Ernte zweier Jahre ausfiel.[1] Deshalb kam es zu einer großen Emigrationsbewegung. In Südwestdeutschland schifften sich viele Menschen auf der Donau ein und siedelten in Südrussland (Bessarabien, Gegend um Odessa, Gegend um Tiflis im Kaukasus). Ein kleinerer Teil der Emigranten suchte in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat.
  • 1845-55: Wiederum löste eine anhaltende Wirtschaftskrise die größte Massenemigration des 19. Jahrhunderts aus. Nun richteten sich die Auswandererströme fast ausnahmslos nach den Vereinigten Staaten. Dort wurden weite Landstriche erschlossen und besiedelt, indem man die eingeborenen Indianer bekämpfte und vertrieb. Einen zusätzlichen Anreiz zur Auswanderung bildeten die Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien seit 1845, bekannt geworden unter dem Begriff Goldrausch. Nach 1855 ließ die Stärke der Auswanderung nach und kam während des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861-65) fast vollständig zum Erliegen.
  • nach 1880: Nach 1880 kam es noch einmal zu einer Auswanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die jedoch nicht mehr die Stärke der anderen Auswanderungsbewegungen erreichte.

Auswanderer und Karl May

im Leben

1854/55 nahm der junge Karl zeitweise an dem Englischunterricht teil, der auswanderungswilligen Hohensteinern und Ernstthalern erteilt wurde. Einige von ihnen, u.a. sein Freund Ferdinand Pfefferkorn, kehrten bald darauf wieder zurück. Auch Mays Schwager Julius Ferdinand Schöne war ein zurückgekehrter Auswanderer.

im Werk

Es gibt in Karl Mays Werk sehr viele deutsche Auswanderer, die sich nun im Wilden Westen aufhalten, so dass manchmal der Eindruck entsteht, die Bevölkerung dieser Landstriche setze sich aus lauter in Deutschland gescheiterten oder aus politischen Gründen geflohenen (Revolutionsjahr 1848!) Menschen zusammen. Es fällt auf, dass der Anteil an Deutschen und Deutschstämmigen in den Jugenderzählungen besonders hoch ist. Ob daraus eine Absicht des Erzählers Karl May abgeleitet werden kann, und in welche Richtung diese zielen mag, entzieht sich allerdings der seriösen Forschung.

In Südamerika, im Nahen und Fernen Osten oder in Afrika sind deutsche Emigranten seltener anzutreffen. Dies ist durchaus ein korrektes Spiegelbild der damaligen Auswanderungsströme.

Der Ich-Erzähler wird meistens als Reisender, weniger oft als Emigrant geschildert. Die ersten Nordamerika-Abenteuer (z.B. Der Scout) sind hier diese Ausnahmen.

siehe auch

Literatur

  • Ingerose Paust: Auszug der Achthundert. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1972 (s. auch unter Kirchengeschichte)
  • Hans-Ulrich Engel: Deutsche unterwegs. Von der mittelalterlichen Ostsiedlung bis zur Vertreibung im 20. Jahrhundert. Olzog, München 1983. ISBN 3-7892-7173-X
  • Klaus J. Bade: Deutsche im Ausland - Fremde in Deutschland, Migration in Geschichte und Gegenwart. Beck, München 1992. ISBN 3-406-35961-2
  • Walter G. Rödel/Helmut Schmahl (Hrsg.): Menschen zwischen zwei Welten. Auswanderung, Ansiedlung, Akkulturation. WVT Trier, Trier 2002. ISBN 3-88476-564-7 (Schwerpunkt deutsche Nordamerikaauswanderung im 18. und 19. Jahrhundert)
  • Rainer Hatoum: "Der wilde wilde Westen...". Die Deutschen und die Eroberung des Westens. In: Karl May: imaginäre Reisen, 2008.
  • Malte Ristau: Deutsche Auswanderer — westwärts! · Reales Geschehen und Fiktion bei Karl May. In: Karl May & Co. Nr. 142, 2015.
  • Malte Ristau: Millionen Deutsche suchten Lebenschancen in Amerika. Wie es dazu kam, dass Old Shatterhand so viele Landsleute traf (1). In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 188, 2016.

Anmerkungen

  1. S. auch "Jahr ohne Sommer" in der Wikipedia.

Weblinks