Ferdinand Hannes

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Ferdinand Gustav Julius Hannes (* 12. Februar 1879 in Bremen; † 6. September 1950 in Bad Hersfeld) war Arzt und Homöopath sowie der Bruder von Marie Hannes, die ihn Ferdi nannte. Hannes war mit Karl May bekannt geworden, stand mit ihm im Briefwechsel und nannte ihn Onkel.

Leben

Marie und Ferdinand Hannes

Kindheit und Studium

Ferdinand Hannes wurde als Sohn des Arztes Gustav Hannes (* 9. Dezember 1842 in Kleve; † 5. November 1914 in Wernigerode) und seiner Ehefrau Wilhelmine geb. Meyer (* 3. Dezember 1844 in Hagen bei Bremen; † 11. Februar 1921 in Wernigerode) geboren. Er besuchte die Vorschule und das Gymnasium in Bremen, nach dem Umzug der Familie bis 1899 das Gymnasium in Wernigerode.

Daraufhin begann Ferdinand Hannes in Heidelberg Naturwissenschaften (Elektrochemie) zu studieren, wechselte aber schon im Juni 1899 zur Medizin. Nach zwei Semestern setzte er das Medizinstudium in München und Berlin fort, wo er jeweils ein Semester lang blieb. Im Februar 1901 bestand Hannes die ärztliche Vorprüfung in Berlin und wechselte nach Freiburg i. Br., wo er im Wintersemester 1903/04 sein Staatsexamen bestand. Die Semesterferien verbrachte er auf ausgedehnten Radtouren quer durch Deutschland.

Im Frühjahr und Sommer 1904 verfasste Ferdinand Hannes seine Dissertation Ein Beitrag zur Kenntnis der intracapsulären Spontanresorptoin der senilen Cataracte und arbeitete im Zoologischen Institut der Universität Freiburg. Im gleichen Jahr hat er als Dr. med. an dieser Universität promoviert.

Dr. med. Hannes
(Beschriftung durch Klara May)

als Schiffsarzt

Ebenfalls 1904 wurde Ferdinand Hannes Schiffsarzt beim Norddeutschen Lloyd in Bremen. Seine erste Fahrt begann am 12. November und führte auf der "Main" nach New York. Am 10. oder 11. Dezember war das Schiff wieder in Bremerhaven.

Auf der zweiten Fahrt reiste Hannes auf der "Köln" am 22. Dezember nach Baltimore und Galveston und zurück. Auf der Hinfahrt rettete die Besatzung am 28. Dezember die Insassen des in Seenot geratenen englischen Schoners "Harold". Für seine Mithilfe dabei erhielt Ferdinand Hannes nach der Rückkehr am 8. Februar 1905 den Kronenorden 4. Klasse.

Später begleitete der Schiffsarzt die "Aachen" nach Montevideo und Buenos Aires, die "Wilhelm der Große" nach Galveston und die "Scharnhorst" nach Australien.

als praktischer Arzt, Homöopath und Familienvater

Im Sommer 1906 übernahm Ferdinand Hannes eine Praxisvertretung in der Nähe von Dresden und später in Burkahrdtsdorf im Erzgebirge. Von Oktober 1906 bis 28. Februar 1907 absolvierte er eine Ausbildung zum Homöopathen in Großlichterfelde-West bei Berlin. Im gleichen Jahr ließ er sich in Swinemünde als praktischer und homöopathischer Arzt nieder. Außerdem veröffentlichte er Artikel in Fachzeitschriften.

Am 2. September 1909 heiratete er die Swinemünder Kapitänstochter Clara geb. Vieth (* 6. November 1885 in Westswine; † 30. Mai 1956 in Weil am Rhein), die ihm fünf Kinder gebar: Erika (* 1911, später verh. Fromme), Hildegard (* 1913; † 1926), Ilse (* 1916, später verh. Schmidt-Hannes), Irmgard (* 1918, später verh. Hedlund), Gertrud (* 1920, später verh. Scheumann) und Hellmut (* 1925).

In den späten 1920er Jahren kam es zu einem Zerwürfnis zwischen den Geschwistern Marie und Ferdinand Hannes, weshalb Ferdinands Kinder zu ihrer Tante erst im hohen Alter in Kontakt traten.

Nach dem Luftangriff auf Swinemünde am 12. März 1945 siedelte das Ehepaar Hannes nach Beedenbostel bei Celle um, wenige Jahre darauf nach St. Peter/Schwarzwald und später nach Freiburg. 1956 verstarb Ferdinand Hannes' Gemahlin Clara. Danach wohnte er abwechselnd bei seinen Kindern.

Das Grab der Eheleute Hannes befindet sich in Freiburg im Breisgau.

Ferdinand Hannes und Karl May

Treffen in Wernigerode

Karl und Emma May lernten den 18-jährigen Ferdinand Hannes am Abend des 13. Mai 1897 kennen, als sie Marie Hannes und ihre Familie auf einer Rundreise besuchten.[1] "Mariechen" stand bereits seit August 1896 mit Karl May in Briefwechsel. Auch den nächsten Tag verbrachten Mays mit Familie Hannes. Laut Marie Hannes' Aufzeichnungen sagte Karl May beim Abschied zu Ferdi, der ihn wie seine schwester Onkel nannte:

"Nun, wenn wir uns wiedersehen, so wollen wir hoffen, daß wir zwei ein paar tücht'ge Kerle geworden sind, gelt?" "Ja", sagte Ferdi treuherzig und schluckte seltsam bei dem Worte.[2]

Treffen in Berlin

Dieselben Aufzeichnungen Mariechens mit dem Titel Allerlei von Karl May berichten über das nächste Treffen Ferdinand Hannes' mit dem Ehepaar May, das am 18. Dezember in Berlin stattfand. Marie Hannes lag in der dortigen Universitätsklinik und Ferdinand studierte Medizin ebenda. In Allerlei heißt es über den Tag, für den der Besuch der Mays angekündigt war, dass Mariechen und Ferdi vergebens bis zum Abend auf Mays gewartet hätten und der Bruder sich dann von der Schwester verabschiedete.

Um 9 Uhr endlich ging Ferdi traurig seiner Wege – erschien aber nach einer halben Stunde atemlos und vor Freude strahlend wieder und berichtete folgendes –
"Als ich eben die Linden entlangbummele und mir das bunte Menschengewühl ansehe, höre ich plötzlich eine wohlbekannte Stimme hinter mir sagen: 'Guck mal, Emma, das Bild dort, das Schloß' – im lieben sächsischen Dialekt. Im gl[eiche]n Moment eilen auch schon eine Dame und ein Herr an mir vorüber, in elegante Pelze gehüllt, in denen ich sofort Mays erkenne. Da verschwinden sie auch schon um die Friedrichstraßenecke, sie haben mich nicht gesehen und tauchen in der Menge unter. Ich stürze atemlos hinterher und rufe so laut, daß ich selbst erschrecke: 'Herr Dr., Herr Dr.! – Halt!' – Gehört mußte er's haben, doch vermutlich hatte er keine Lust, jetzt mit irgend einem seiner Leser Bekanntschaft zu machen und geht schnell weiter, die Dame mit sich ziehend. – Natürlich verfiel ich nun in Trab, unbekümmert um die elegante Welt um mich her und fasse endlich Tante Emma beim Cape. Sie schaut ärgerlich um und ruft erstaunt – 'Karl – schau – der Ferdi! Grüß Gott!' [...] Dann sagte Onkel Karl, sie seien schon heute früh angekommen, hätten aber keine Nachricht von uns vorgefunden und deshalb gedacht, ihr Besuch sei mir lästig. [...]
[...] Ich ging nachher mit ins Hotel und Onkel fragte nun den Kellner nochmals wegen der Karte [die Ferdinand für ihn abgegeben hatte]. Der gab endlich zu, es sei eine gekommen, gestern abend, da aber der Herr Dr. noch nicht dagewesen seien, auch nicht angemeldet, so habe man die Karte einem Weinhändler gleichen Namens übergeben. Dieser habe sie kopfschüttelnd gelesen und in den Papierkorb geworfen. Onkel Karl bestand nun darauf, daß dieses Möbel geholt wurde, und brachte man dann nach einigem Suchen die zerknitterte Stadtpostkarte zum Vorschein [...][3]

Besuche der Mays bei Marie Hannes in der Klinik fanden am nächsten und übernächsten Tage statt.[4]

Briefwechsel (1)

In einem Brief Mariechens an Karl May vom 10. Januar 1901 nahm sie Bezug auf einen weiteren Besuch des Ehepaars May bei ihr in Berlin:

Ferdi ist auch wieder da u[nd] thut nix als schimpfen, daß er dich nicht gesehn hat. Aber solches Schimpfen mag ich ganz gerne hören.[5]

Am 20. April 1902 antwortete Ferdinand Hannes auf eine Postkarte Klara Plöhns:

Vielen Dank für Deine Karte und dafür, daß Du mir offen mitgeteilt hast, daß ich jetzt nicht nach Dresden kann![6] [...] Den Bäckersohn in Freiburg habe ich mehrmals besucht, er ist ein ganz aufgeweckter Mann. Ich gehe diesen Sommer wieder nach Freiburg, am 28. April fängts wieder an. Meine Adresse wird wieder sein, wie vorigen Winter [...] Auf den dritten "Silbernen Löwen" bin ich sehr neugierig [...] Hoffentlich kommt er bald heraus! In der letzten Zeit habe ich mit meinem Freunde[7] viele Streifzüge in die Umgegend unternommen [...] Ich bin sehr gespannt auf den Prozeß mit der "Kölnischen". Neulich hat sie [...] behauptet, Onkel hätte den Artikel: "Die Gegner Karl Mays in ihrem eigenen Lichte" selbst geschrieben, so ein Unsinn! Onkel Karls Stil ist denn doch etwas besser.[8]

Besuch in Radebeul (1)

Im Sommer 1902 unternahm Ferdinand Hannes wohl von Freiburg aus eine Fahrradtour, die ihn auch nach Böhmen und Sachsen führte. Eine Woche lang hielt er sich in Dresden auf, von wo aus er mehrfach die Villa "Shatterhand" in Radebeul besuchte. In Marie Hannes' Allerlei von Karl May ist ein Bericht darüber zu lesen:

Er tritt auf die Veranda hinaus, wo – Onkel ist nicht da – Tante und Tantes Schwester[9], welche auch in Radebeul wohnt, beschäftigt sind, Briefe zu sortieren, und fahren nach der herzlichen Begrüßung fort. [...] Später kam auch Onkel Karl dazu und nahm Ferdi mit in sein Arbeitszimmer, wo er alle bunten Herrlichkeiten bewundern durfte [...]
Ferdi blieb in dem gastlichen Hause bis 12 Uhr nachts, kam fast jeden Tag wieder heraus und zählte die Stunden zwischen seinen jedesmaligen Besuchen.[...]als der Zug dann am andern Morgen [nach Ferdinand Hannes' letztem Besuch] in aller Frühe Radebeul passierte, sah [er] sie stehen und mit den Taschentüchern winken. [...][10]

In einem späteren Brief an seine Tochter Irmgard schrieb Ferdinand Hannes über diesen Besuch:

Als ich seinerzeit [...] Karl May besucht hatte [...] (und ihn liebgewonnen hatte), schenkte er mir seinen Gedichtband "Himmelsgedanken" und schrieb mir vorn hinein: "Lies nicht so obenhin, schau tief hinein. Such nach dem Sinn, verweile nicht beim Worte! Der Himmel will so gern Dein eigen sein, doch nur wer sucht, dem zeigt sich seine Pforte. Zum Andenken an Deinen alten Onkel Karl May."[11]

Briefwechsel (2)

Am Heiligabend 1902 schrieb Karl May einen sehr erbitterten Brief an Marie Hannes – ihr Plan, die Aufzeichnungen Allerlei von Karl May zu veröffentlichen, hatte ihn erzürnt.[12] Der Kontakt zwischen den Geschwistern Hannes und Karl May wurde nur durch Klara Plöhn, Mays spätere zweite Frau aufrecht erhalten.[13] Karl Mays Verhältnis zu Ferdinand ist allerdings dadurch weniger belastet. In einem eigentlich für Marie Hannes bestimmten Brief Karl Mays an Klara Plöhn (verfasst zwischen 20. und 24. Januar 1903) ist von Mariechens arbeitsamen, pflichtgetreuen Bruder die Rede.[14]

Durch Marie Hannes erfuhren Karl und Klara May in Briefen an Klara vom 17. und 29. Januar 1905 von Ferdinands Erlebnissen auf der "Köln":

Ich sende Dir einen Artikel über eins von Ferdi's Erlebnissen mit. Denke nur, er fährt mit einem Zahlmeister, der im Winter 1899–1900 auf dem Dampfer "Bayern" nach Ostasien fuhr und dort einen gewissen Karl May mit einem sehr aufgeweckten Araber getroffen hat. Ich hätte nicht übel Lust gehabt, diese Notiz an Dr. – Paul Schumann zu senden!!![15]

Auf den 12. Februar 1905 datiert eine Postkarte Ferdinand Hannes aus Wernigerode an Klara May, auf der es heißt:

Bin vor einigen Tagen von Galveston zurückgekommen, gestern hier angekommen. Gehe am 25/II mit der "Aachen" nach Montevideo und Buenos Aires. Der Dampfer nimmt nur eine beschränkte Anzahl von Passagieren auf (II Klasse). Geht Ihr mit?[16]

Am 5. Juni informierte Marie Hannes Klara May über die Auszeichnung Ferdinands mit dem Kronenorden 4. Kl[asse].[17]

Ferdi als Beispiel

Als Vorbild stellte Karl May Ferdinand Hannes in einem Brief vom 23. März 1905 an Willy Einsle dar:

In einem Städtchen am Harz wohnte ein kleines, braves Gymnasiastle; das hatte ein noch kleineres, allerliebstes Stumpfnäsle, und darum wurde sein Name Ferdinand in ein ebensolches Stumpfnäsle, nämlich Ferdi, umgewandelt. Der kleine Ferdi war ein großer Mayleser; noch größer aber war sein Wunsch, Old Shatterhand einmal zu sehen. Es geschah. Von diesem Augenblicke an war er nicht mehr klein, sondern groß. Groß im Fleiß, groß in Allem, was seinen Eltern Freude machte. Sein Vater war ein armer, kranker Mann, dreißig Jahre lang an den Krankenstuhl gefesselt. Als Ferdi nach glänzendem Abiturium zur Universität ging, um Arzt zu werden, bat er mich, mich Onkel nennen zu dürfen. Ich habe noch nie einen so jungen Arzt gesehen wie ihn. Er war der Liebling seiner Professoren und ging, direct von der Hochschule weg, als Schiffsarzt des Norddeutschen Lloyd nach Nordamerika. Gleich bei dieser seiner ersten Reise fand er Gelegenheit, sich ungewöhnlich auszuzeichnen. Er gehörte zu jener kühnen Besatzung welche im vorigen November, wie in allen Zeitungen berichtet wurde, mitten im größten Sturme die schon drei Wochen lang vollständig hoffnungslos in der See treibende Bemannung eines englischen Schiffes rettete.[18] Gegenwärtig befindet er sich auf seiner zweiten Reise nach dem Rio de la Plata unterwegs.[19] [...] Das einstige Stumpfnäsle hat sich fast vollständig gradgewachsen, aber die alte, liebe Herzigkeit ist geblieben.[20]

Einen ähnlichen Brief wie an Willy Einsle schrieb Karl May am 28. Januar 1906 an den Schüler Richard Leidholdt. Darin heißt es:

Dr. F[erdinand] H[annes] war ein schwacher, kranker, scheinbar unbrauchbarer Junge, als ich ihn kennenlernte. Seine Mutter war in hohem Grade nervenschwach und sein Vater hat nun ca. 30 Jahre im Fahrstuhl zugebracht. Auch die kleine Schwester hatte beide Leiden geerbt u[nd] konnte sich nur mühsam an Krücken bewegen. Der Knabe gewann mich lieb und bat mich "Du" zu ihm zu sagen. Ich antwortete ihm: "Nur dann, wenn du etwas Richtiges wirst." Ich stellte ihm die Aufgabe, Arzt zu werden, um seinen elenden Vater, Mutter u[nd] Schwester und auch sich selbst einst helfen zu können. Da raffte der arme brave Kerl seine wenigen Kräfte zusammen u[nd] begann in einer Weise zu arbeiten, daß ich ihn schon nach einem Jahre Du nannte. Nach 2 Jahren durfte er mich "Onkel" nennen u[nd] nach 3 Jah[ren] bekam er die Erlaubniß "Du" zu mir zu sagen. Mit 17 1/2 Jahren wurde er als Student schon gelegentlicher Assistent seines Professors. Da nahm er die Seinen in Behandlung. Die Schwester warf sehr bald die Krücken weg und ist jetzt ein wahres Prachtmädel. Auch die Mutter ist hergestellt, und der Zustand des Vaters hat sich so gebessert, daß er zu ertragen ist. Welch ein Glück für diese 4 lieben Menschen! Und das verdanken sie nur dem guten Willen, dem Fleiß, der Energie und der Einsicht des Sohnes, der mit 23 1/2 Jahren Schiffsarzt beim Norddeutschen Lloyd wurde und gleich bei seiner ersten [recte: zweiten] Fahrt nach Amerika sich derart an der Rettung Schiffbrüchiger betheiligte, daß er vom Kaiser einen Orden bekam.[21]

Besuch in Radebeul (2)

Nachdem Ferdinand Hannes eine Praxisvertretung nahe Dresden angetreten hatte, besuchte er im Juli 1906 Karl und Klara May in Radebeul. Er trug sich in das Gästebuch mit folgenden Worten ein:

Wahrlich, hier wird die "Shen", die Liebe, nicht nur gegeben und empfunden, sie wird auch gesät![22]

Bezug nehmend auf diesen Besuch schrieb Ferdinands Mutter Wilhelmine Hannes am 27. Juli an Klara May:

Der ruhige Ferdi! Wenn er hier ist, besteht seine Lektüre fast nur aus "Karl May". Unser Mädchen klagt, daß morgens immer seine Lampe fast leer gebrannt, Karl May liegt auf seinen Tischen. Wenn er bei Ihnen war, schreibt er wie diesmal: "Es war so schön weiter kann ich nichts sagen." [...] Haben Sie Dank für Ihre herzlichen Worte! Auch Sie, Herr Doctor, über Ihr Wohlwollen für unseren Ferdi![23]

Briefwechsel (3)

Am 13. September 1906 schrieb Ferdinand Hannes aus Burkhardtsdorf an Klara May einen Brief, in dem er von einigen Reisen innerhalb Deutschlands berichtete. Außerdem legte er vermutlich selbstgemachte Fotografien bei.[24]

Für Weihnachtsgeschenke bedankte sich Marie Hannes wahrscheinlich am 28. Dezember bei Klara May:

[...] hab' tausend Dank für Deine liebe, reiche Weihnachtssendung; sie traf gerade am Christmorgen ein. Ferdi und ich lagen an Erkältung zu Bette; die gute Mutter brachte uns den Segen herauf – haben wir uns gefreut!
Wir haben "Babel und Bibel" mit verteilten Rollen gelesen, Ferdi und ich – das heißt, die langen wohl- und volltönenden Reden des Scheiks etc. nahm er mir immer weg, weil der Onkel sie ihm vordeklamiert hat; er könne es besser als ich [...][25]

Einen Geburtstagsgruß an Karl May schickte Ferdinand Hannes am 22. Februar 1907 aus Großlichterfelde-West, w er als Volontärassistent am Homöopathischen Krankenhaus tätig war. Darin erkundigte er sich nach dem Gesundheitszustand des Jubilars.[26]

Einen Tag darauf gratulierte auch Joseph Allgaier zu Karl Mays 65. Geburtstag und dankte für die durch Ferdinand im letzten Sommer ausgerichteten Grüße:

Er ist ein sehr liebenswürdiger junger Mann; nur schade, daß ich seine Sprache[27] nicht besser verstehe.[28]

Nachdem sich Ferdinand Hannes in Swinemünde als praktischer und homöopathischer Arzt niedergelassen hatte, sandte er am 26. November 1907 verschiedene Medikamente an Karl May, um damit eine homöopathische Hausapotheke einzurichten.[29] Diese wurde am 18. Februar 1908 komplettiert, wozu Dr. Hannes an die Mays schrieb:

Hoffentlich kommen die Flaschen bald, damit Ihr nun endlich Eure Apotheke bekommt! Vielleicht kommt sie gerade zu Onkels Geburtstag an! Hoffentlich habt Ihr die Apotheke für Euch selber so bald nicht nötig![30]

Am 17. Juni 1910 schrieb Clara Hannes im Auftrag ihres erkrankten Mannes einen Brief an Karl May. Sie berichtete darin von einem nicht näher bekannten Kunstwerk, das Ferdinand für May in Italien bestellt habe. Weiterhin heißt es:

Wir hoffen auch, daß Ferdinands Arzneien gut angeschlagen haben und es Ihnen etwas besser geht.[31]

Die letzten bekannten Schreiben Clara und Ferdinand Hannes' an Karl May ist ein Brief und eine Karte vom 24. Februar 1912, in denen zum 70. Geburtstag gratuliert wurde:

Wir beide, Clärchen und ich, wünschen Dir von Herzen, dass Euch beiden nunmehr der äussere Friede geschenkt sein möge, damit Du für Dich und Dein Lebenswerk, Ihr für Euch Zeit habt.[32]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 31-38.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 38-44.
  3. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 109.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 418 f.
  5. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 186.
  6. Im Frühjahr 1902 wären Ferdinand Hannes die Spannungen zwischen Emma und Karl May und möglicherweise auch die Rolle Klara Plöhns in der Ehekrise kaum verborgen geblieben.
  7. Gemeint ist der ehemalige Klassenkamerad Anton Jacob, mit dem Ferdinand nicht nur Wanderungen durch den Harz unternahm. [...]
  8. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 193 f.; dort auch die beiden vorigen Anmerkungen.
  9. Die sogenannte Schwester ist die befreundete Witwe Klara Plöhn.
  10. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 119 f.
  11. Steinmetz: Mariechen, Ferdinand und Onkel Karl, S. 11. Hier ist der Brief auf den 15. Januar 1960 datiert, was vermutlich ein Druckfehler ist, da Ferdinand Hannes bereits 1950 verstarb.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 151-154.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 183.
  14. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 220.
  15. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 453, 457.
  16. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 247.
  17. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 509.
  18. Wie oben dargelegt, war es Ferdinand Hannes' zweite Reise als Schiffsarzt.
  19. Es handelte sich dabei um seine dritte Reise.
  20. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 487 f.
  21. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 488 f.
  22. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 53.
  23. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 53.
  24. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 266 f.
  25. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 286.
  26. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 165.
  27. Möglicherweise sind damit die unterschiedlichen Dialekte gemeint.
  28. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 165 f.
  29. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 323 f.
  30. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 301 f.
  31. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 319.
  32. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 353 f.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.