Joseph Allgaier

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Joseph Allgaier, auch Josef Allgaier (* 1868 in Freiburg i. Br.; † 1917 in Freiburg i. Br.), war ein wenig erfolgreicher Schriftsteller sowie ein Leser, der mit Karl May in Kontakt stand.

Leben

Allgaier war der Sohn des Freiburger Bäckermeisters Karl Allgaier (* 1831; † 1909).

Durch eine missglückte Ischiasoperation war Joseph Allgaier zeit seines Lebens gelähmt. Als trostreichen Gefährten hielt er sich einen Papagei.

Er war außerdem befreundet mit dem "Schwarzwaldpfarrer" Heinrich Hansjakob (* 1837; † 1916). In einem von dessen Büchern fand Joseph Allgaier sogar Erwähnung.

Joseph Allgaier und Karl May

ein dankbarer Leser

Das älteste bekannte Schreiben Karl Mays an Joseph Allgaier ist eine Postkarte, die am 22. November 1899 in Padang auf Sumatra verfasst wurde, wo May sich während seiner Orientreise aufhielt:

Ich sende Ihnen meinen Gruß und den Segen Gottes![1]

Nach Ende seiner Reise informierte Karl May Allgaier über die Rückkehr, wofür dieser am Heiligabend 1900 dankte. Ein Auszug aus diesem Brief wurde 1902 als Nr. 151 im Anhang zur Broschüre "Karl May als Erzieher" und "Die Wahrheit über Karl May" veröffentlicht:

"... Dafür wünsche ich Ihnen aber Ihnen und den Ihrigen ein gesegnetes neues Jahr, das Ihnen alles bringen möge, was Sie ersehnen: Erneute Schaffensfreude, vielen Erfolg und das, was Sie selbst als das Höchste schätzen an Ihrer Schriftstellerei:   D i e   R e t t u n g   v o n   S e e l e n,   d i e   d u r c h   d a s   L e s e n   I h r e r   S c h r i f t e n   a u f   d e n   r e c h t e n   W e g   z u r ü c k g e f ü h r t   w e r d e n.   U n d   w e n n   I h n e n,   l [i e b e r]   H e r r,   p e r s ö n l i c h   n u r   d i e   a l l e r w e n i g s t e n   F ä l l e   s o l c h e r   R e t t u n g   z u r   K e n n t n i s   g e l a n g e n,   s o   w i r d   I h n e n   d a s,   w a s   S i e   n i c h t   a n   i r d i s c h e m   D a n k   b e k o m m e n,   u n s e r   H e r r g o t t   d r ü b e n   u m   s o   r e i c h e r   v e r g e l t e n.   –
Widerwärtigkeiten und Verdruß wird das neue Jahr Ihnen zwar auch bringen, denn ich müßte mich sehr täuschen, wenn die letztes Jahr gegen Sie inscenierte Hetze nicht sofort wieder losbräche, sobald erst die Kunde Ihrer Heimkunft in weitere Kreise gedrungen ist.   L a s s e n   S i e   s i c h   d a d u r c h   n i c h t   e n t m u t i g e n!   Den Beifall derer, die hetzen, können sie leicht entbehren und die anderen 999/1000 werden nur um so fester zu Ihnen stehen.   D e r   e i n z i g e   E r f o l g   d e r   H e t z e   w i r d,   w i e   i c h   s [e i n e r]   Z [e i t]   s c h o n   e i n m a l   e r w ä h n t e,   d e r   s e i n,   d a ß   s i c h   I h r   L e s e r-   u n d   V e r e h r e r k r e i s   v e r g r ö ß e r t.   Denn derjenige Ihrer bisherigen Leser müßte ein recht alberner dummer Schafskopf sein, der sich durch das widerwärtige, feindliche Geschreibsel beeinflussen ließe, von dem ferneren Lesen Ihrer Werke abzustehen!..."
J[oseph] A[[llgaier][2]

Ferdinand Hannes

Karl May bat im Frühjahr 1902 seinen "Neffen" Ferdinand Hannes, der in Freiburg studierte, Joseph Allgaier aufzusuchen und zu grüßen. Danach schrieb Hannes am 20. April an Mays Ehefrau Klara:

Den Bäckersohn habe ich mehrmals besucht, er ist ein ganz aufgeweckter Mann [...][3]

Ebenso schrieb Ferdinand Hannes am 18. August 1906 an Karl und Klara May:

Auf der Rückreise [von Iseltwald am Brienzersee über Freiburg wohl nach Wernigerode] werde ich dann Allgaier besuchen.[4]

Das nächste bekannte Schreiben Joseph Allgaiers ist eine Gratulation zu Karl Mays 65. Geburtstag vom 23. Februar 1907. Darin dankte er für die von Ferdinand Hannes im vergangenen Sommer ausgerichteten Grüße:

Er ist ein sehr liebenswürdiger junger Mann; nur schade, daß ich seine Sprache[5] nicht besser verstehe.[6]

neue Schriftstellerei

Im Sommer 1907 hatte Karl May Heinrich Wagners Broschüre Karl May und seine Werke und verschiedene Artikel an Allgaier gesandt, wofür dieser am 16. August dankte und sich zu Mays Spätwerk äußerte:

Vielleicht werden Sie mit Ihrer neuen Art Schriftstellerei manche neue Freunde gewinnen, treuere aber keine als mit der alten. Die neue Schriftstellerei ist mehr für höhere Geister; für die Masse Ihrer bisherigen Leser wird sie gewissermaßen zu hoch sein.[7]

Ansgar Pöllmann

Nach verschiedenen gegen May gerichteten Artikeln des Benediktinerpaters Ansgar Pöllmann wendete sich Joseph Allgaier am 15. Februar 1910 an diesen:

Haben Sie schon darüber nachgedacht, ob das auch christlich ist? [...] Wahrlich, May hat es nicht um uns Katholiken verdient, daß man ihn so fanatisch verfolgt. [...] Und wenn May wirklich ein ganz liederlicher Kerl wäre – was ich aber niemals glaube, denn ein solcher kann nicht so schön und herzerhebend schreiben, wie es May in seinen Werken öfters getan hat – so blieben darum diese um kein Jota weniger schön.[8]

In Allgaiers nächster Geburtstagsgratulation vom 22. Februar 1910 berichtete er Karl May von seinem Brief an Pöllmann:

Ich habe da kein Blatt vor den Mund genommen und ihm meine Meinung über sein Vorgehen in der ersten Hitze derart gründlich gesagt [...], daß ich bei nachherigem ruhigeren Nachdenken [...] fürchtete, der Mann könnte mir eine Beleidigungsklage an den Hals hängen.[9]

Am 10. März informierte Joseph Allgaier Karl May davon, dass Ansgar Pöllmann ihm statt einer Antwort seinen Artikel Ein literarischer Dieb (aus Über den Wassern vom 25. Februar 1910) gesandt habe.[10]

Ausklang

Der letzte bekannte Brief Allgaiers an May ist ein Neujahrsgruß vom 30. Dezember 1911:

Möge Ihnen das neue Jahr vor allem wieder Ihre volle Gesundheit bringen, und nachdem dem miserabelsten Ihrer niederträchtigen Gegner [nämlich Rudolf Lebius] wenigstens ein bischen seine verleumderische Revolverschnauze gestopft ist – eine einigermaßen entsprechende Sühne kann ich allerdings in der so kleinen Geldstrafe[11] nicht erkennen; hier hätte jahrelanges Zuchthaus mit häufigen Prügeln garniert ausgesprochen werden sollen – möge auch nach u[nd] nach die andern ihre wohlverdiente Strafe erreichen.[12]

Anmerkungen

  1. May: Grüsse, S. 33.
  2. May: Dankbarer Leser, S. 127 f. Der Originalbrief ist in neuer Rechtschreibung in Meine Dankbaren Leser, S. 412 f. abgedruckt. Dort lautet die Anrede l[ie]b[er] Herr Doktor.
  3. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 193 f.
  4. Steinmetz/Sudhoff: Leben im Schatten, S. 262.
  5. Möglicherweise sind damit die unterschiedlichen Dialekte gemeint.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 165 f.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 234.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 44 f.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 47.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 55.
  11. Lebius wurde am 18. Dezember zu 100,- Mark Geldstrafe und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt; vgl.Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 519-523.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 529.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.