Shen

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Shen
im Werk Karl Mays
KM 19060520 klein.jpg

Et in terra pax/Und Friede auf Erden!


wichtige Mitglieder

Fang
Fu
Governor
Heartman
Malaienpriester
Pu-Schang
Sir John Raffley
Sejjid Omar
Tsi
Yin

Die Shen ist eine fiktive weltumspannende Organisation, die den Frieden unter allen Menschen zum Ziel hat. Diese Idee verwirklichen sie erstmals in ihrem eigenen Territorium Ocama. Karl May beschreibt in der Erzählung Et in terra pax (Buchausgabe Band 30 der Gesammelten Reiseerzählungen Und Friede auf Erden) diesen Bund, der in China gegründet wurde.

In Et in terra pax wird die Vereinigung noch Bruderschaft des "Pu" genannt.

in Und Friede auf Erden

In Penang trifft der Ich-Erzähler den Gefährten seiner Abenteuer in Kairo und bei den Pyramiden von Gizeh, den jungen Chinesen Tsi, wieder. Karl May, der in dem Werk direkt als der Dichter aus Sachsen auftritt, vermutet, dass Tsi eine wichtige Person einer Organisation sei, erfährt jedoch vorerst nichts Näheres.[1]

Erst in Atjeh auf Sumatra, bei der Hilfsaktion für den geisteskranken Missionar Waller erklärt sich Tsi als Mitglied des Bundes der Shen, der für den allgemeinen Frieden eintritt. Auch ein Malaienpriester stellt sich als wichtigster Vertreter des Bundes auf Atjeh heraus. Von Sir John Raffley, seinem Reisegefährten, vermutet Karl May zwar dasselbe, dieser schweigt aber noch dazu. In langen Gesprächen mit Tsi, dem Priester und May wird der Governor, Sir Johns Onkel, von seiner adelsstolzen und rassistischen Einstellung allmählich abgebracht.[2]

Im fiktiven Hafen Ocama in der Bohai-Bucht des Gelben Meeres, östlich von Peking, befindet sich das Hauptquartier der Shen rund um Raffley Castle. Sie haben ein Gemeinwesen errichtet, das nach ihren friedlichen Lebensregeln verwaltet wird. Dort trifft die Reisegesellschaft auf Sir Johns Gattin Yin und Tsis Vater Fu. Sie werden mit den Absichten der Shen vertraut gemacht und alle, auch der wiedergesundete Waller, treten dem Bunde bei.[3]

Idee der Shen

Das Gespräch zwischen dem Governor und dem Malaienpriester:

"Shen? Wer und was ist denn eigentlich diese Shen?"
"Wißt Ihr das noch nicht? [...] Es ist die Menschheitsverbrüderung, der große Bund aller derer, die sich verpflichtet haben, nie anders als stets nur human zu handeln. [...] Das Leben wird Euch prüfen. Vergeßt das nicht. Denkt allemal daran. Jede einzelne Inhumanität gegen Freund oder Feind, Christ oder Heide, die vor das Auge oder vor das Ohr des Lebens kommt, würde Euch auschließen. Die 'Shen' sieht mehr und hört mehr, als Ihr denkt. Erweist Ihr Euch aber als würdig, so wird Euch die Aufnahme zugehen, wann und wo ihr es am allerwenigsten denkt. [...] Unser herrlicher Bund hat tausend und abertausend Wege, zu tun, was er beschließt. Er hat seine Brüder und Schwestern, seine Söhne und Töchter überall, sogar in den Schulen der Knaben und Mädchen, die in schöner, stolzer, jugendlicher Begeisterung sich zur 'Shen' bekennen und alles vermeiden, was ihre Ausschließung herbeiziehen würde." [4]

Wichtige Mitglieder

  • Sir John Raffley gründet gemeinsam mit Fu unter dem Namen Blackstone den Bund der Shen und ist mit ihm auch der Herr von Ocama
  • Fu, eigentlich Ki Tai Shen ("Große Humanität"), chinesischer Adliger aus der uralten Familie Ki, Vater von Tsi, Onkel von Yin, willigt erst in die Verbindung seiner Nichte mit Sir John ein, als er von dessen Wirken für die Shen überzeugt ist
  • Tsi, eigentlich Ki Ti Weng ("Junger Greis" - in China hohe Auszeichnung), studierte jahrelang im Abendland, kehrt zurück und tritt der Führung der Shen bei
  • Yin, indirekt Anlass für die Gründung der Shen, begnadete Künstlerin, gestaltet das neue Raffley Castle in Ocama
  • Fang, Literat und Arzt, ehemaliger Lehrer von Tsi, leitet die Heilung Wallers
  • Pfarrer Heartman, ehemals Kaplan auf Raffley Castel in England, von Sir John als Leiter der Shen-Unterrichtsstätten nach Ocama geholt
  • Pu-Schang, Oberster Hafenmeister in Ocama, leitender Beamter der Shen
  • Der Malaienpriester wird von seinen Landsleuten aus den Bergen von Atjeh nach China gesandt, um die Shen kennenzulernen und nach Atjeh zu bringen
  • Der Governor, Sir Johns Onkel, wird von Yin für die Shen bekehrt und erhält ihre eigene goldene Betelnuss als Auszeichnung
Indische Areka- oder Betelnuss
  • Sejjid Omar wird von Fu in den Bund der Shen aufgenommen

Das Zeichen der Shen sind Betelnüsse, die an der Kopfbedeckung, um den Hals oder als Ansteckzeichen getragen werden. Die Betelnüsse sind je nach Rang des Trägers verschieden kostbar gefasst. So erhält Karl May diejenigen von Tsi, die eine hohe Stellung anzeigen. Dies kann eine positive Spiegelung der Szene aus In den Schluchten des Balkan sein, wo Kara Ben Nemsi die Koptscha des Schut-Verbündeten Mosklan an sich nimmt und daher für einen Befehlshaber dieser Verbrecherbande gehalten wird.

Wenn ein Shen-Mitglied keine Betelnüsse vorzeigen kann. so weist er sich durch eine Karte mit den chinesischen Schriftzeichen shen, ti und ho aus (von Karl May als "Humanität", "Bruderliebe" und "Friede" übersetzt).

Rezeption

Mit der Orientreise beginnt die Abkehr Karl Mays von der Abenteuerschriftstellerei und die Hinwendung zum heute so genannten Spätwerk. Für das von Joseph Kürschner herausgegebene hurrapatriotische Werk "China" lieferte er entgegen den Intentionen des Verlegers diese pazifistische Geschichte, in die er einige Stationen seiner realen Reise einbezog (Kairo, Ceylon, Sumatra). Seinen arabischen Diener Sejd Hassan idealisiert er zu Sejjid Omar.

Anmerkungen

  1. May: Und Friede auf Erden, S. 207–210.
  2. May: Und Friede auf Erden, S. 280 ff.
  3. May: Und Friede auf Erden, S. 490 ff.
  4. May: Und Friede auf Erden, S. 324 f.

siehe auch

Literatur

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