Drei Fragen (Gedicht)

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Drei Fragen ist ein Gedicht von Karl May.

Text[Bearbeiten]

          Drei Fragen.
    Sag, wer du bist! Denk aber vorher nach!
  "Ein Mensch bin ich", antwortest du erhaben.
    Ein Mensch? Sonst nichts? Und dennoch, dennoch sprach
  Aus dir der Stolz auf dich und deine Gaben.
    Dies letzte Wort berichtet ganz bestimmt
  Nicht von Verdiensten sondern von Geschenken,
    Und wer sein ganzes "Sein" als Gabe nimmt,
  Der hat wohl Grund, bescheidener zu denken.
Und trotzdem meine ich: Blos Mensch ist mir zu klein;
Ich will weit mehr, ich will viel Größres sein.
    Sag, wo du bist! Du siehst erstaunt mich an
  Und sprichst nichts weiter, als "doch hier auf Erden!"
    Wer sich nicht geistig von ihr trennen kann,
  Dem wird dies »Wo« niemals begreiflich werden.
    Du bist nicht hier, auch noch nicht wieder dort;
  Dein "Wo" liegt dir entrückt, ist nicht zu fassen.
    Dir fehlt der Halt, der feste, sichre Ort;
  Es gab ihn wohl, doch hast du ihn verlassen.
Du hängst arachnengleich im eigenen Gespinnst,
Und deine Welt ist, was du dir ersinnst.
    Sag, wie du bist! Natürlich bist du gut –
  Die Fehler sind für Andre nur vorhanden!
    Die deinen aber auch: Sei auf der Hut
  Vor Leuten, die vielleicht dich anders fanden!
    Es ist nur Einer gut, nur er allein.
  Wer darf an Reinheit sich mit ihm vergleichen?
    Und willst du so, wie er es fordert, sein,
  So kannst du es auch nur durch ihn erreichen.
Zerreiß dein Spinnennetz, und werde dir doch klar,
Daß jeder Faden nur ein Irrthum war![1]

Textgeschichte[Bearbeiten]

Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[2] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 189 und 190 enthalten. Der auf der gegenüberliegenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:

Man kann die Seele nicht in das Gewand der Tugend kleiden. Die Tugend ist einfach der Gesundheitszustand der Seele.[3]

aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

In einer früheren Fassung des Bandes Lichte Höhen ist das Gedicht auf die zweite und dritte Strophe verkürzt und demzufolge in Zwei Fragen umbenannt enthalten.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl May: Himmelsgedanken, S. 189 f.
  2. Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
  3. Karl May: Himmelsgedanken, S. 191.

Weblinks[Bearbeiten]


Karl May: Himmelsgedanken
Himmelsgedanken 1900.jpg

Widmung. • Meine Legitimation. • Ragende Berge. • Gottesgedanke. • Liebe. • Ewig. • Gottesstunde. • Werdet frei! • Mein Himmel. • Sternensprache. • Sternschnuppe. • Sternkunde. • Bitte. • Gottesmahnung. • Hinauf – hinab. • Gnade. • Ade. • Heilesbotschaft. • "Vater!" • Läuterung. • Wohlthätigkeit. • Verzeihen. • Dein Auge. • Güte. • In die Berge. • Empor. • Ergieb dich drein. • Das Gewissen. • Selbstprüfung. • Einsicht. • Wohin? • Frage. • Räthsel. • Doppelsieg. • Berufung. • Unsern Dichtern. • Vogelsang. • Auf dem Friedhofe. • Wo sind die deinen? • Meine Engel. • An die Mutter. • Des Kindes Seligkeit. • Großmütterchen. • Frühling. • Blind und doch sehend. • Im Alter. • Die Leiden. • Kindschaft. • Heimkehr. • Umkehr. • Wunsch. • Das Kapellchen am See. • Mahnung. • Kannst du noch beten? • Andacht. • Hilf mir! • Reue. • Kanaan. • Im Traum. • Du hast – – – • Nur einer? • "Mehr Licht!" • Ich bin bei dir. • O bete gern! • Ich liebe. • Verständige Liebe. • Rückkehr zum Glauben. • Segen. • Meinem Schutzengel. • Tagesscheiden. • Dein Engel. • Zwei Worte. • Abendgebet. • Ein Wort von oben. • Ruhe. • Das Glück. • Drei Fragen. • Klarheit. • Der Mensch. • Zuversicht. • In tiefer Noth. • Das heilige Land. • Klage. • Nachruf. • Wahrheitstraum. • Guter Rath. • Zufall. • Abschied. • Schweigen. • Ernste Weisung. • Der Feind. • Deine Welt. • Sein ist die Zeit. • Eine Freundesstimme. • Das Volkslied. • Dichterwunsch. • Erdenleid. • Das Ich. • Wo? • Entwickelung. • Schön. • Des Waldes Seele. • Sonnenschein. • Das Vaterhaus. • Die Ehe. • Der Himmel auf Erden. • Vorwärts! • Die zweite Welt. • Abwehr. • Menschenliebe. • Der Völkerfriede. • In Ewigkeit. • Nachsicht. • Leitung. • Sei weise! • Wie das Meer. • Dank. • Menschenunmöglichkeit. • Quitt. • Bedachtsamkeit. • Selbstbetrug. • Von Kampf zu Kampf. • Zeit. • Das Wort. • Dein eigener Richterspruch. • Ein inneres Land. • Ueberflüssig. • Trost. • Weltweisheit. • Die Menschheitsseele. • Oberflächlichkeit. • 1901. • Zum Schluss.