Blind und doch sehend (Gedicht)
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Blind und doch sehend, auch Blind genannt, ist ein Gedicht von Karl May.
Inhaltsverzeichnis
Text[Bearbeiten]
- Blind und doch sehend.
- Die Sonne krönt den goldnen Tag;
- Der Abend nennt die Sterne sein;
- Wo nur ein Aug sich öffnen mag,
- Glänzt ihm ein Licht, ein Himmelsschein.
- Doch all die Wonne, all die Pracht,
- Mein todter Blick erfaßt sie nicht;
- In meines Daseins dunkler Nacht
- Giebts keine Sonne, giebts kein Licht.
- Mein Gott und Vater, nahmst du mir
- Der Erde schönstes, freistes Gut,
- So ruf ich flehend auf zu dir
- Um deinen Schirm, um deine Hut.
- Hör mein Gebet; vernimm den Schrei;
- Ich bin dein Kind; verstoß mich nicht.
- O halt mich fest, Herrgott, und sei
- Du meine Sonne, du mein Licht!
- Wie wird mir doch? Es tagt und tagt
- Mir in des Herzens Nacht hinein,
- Und eine Stimme in mir sagt:
- "Der Herr der Welt erbarmt sich dein!"
- Es wird die Seele mir so weit;
- Nun bin ich still und zage nicht,
- Denn du, o Allbarmherzigkeit,
- Bist meine Sonne, bist mein Licht![1]
Textgeschichte[Bearbeiten]
Manuskript[Bearbeiten]
Im Nachlass Karl Mays fand sich das Manuskript zu diesem Gedicht, das hier mit dem Titel Blind versehen ist. Es trägt die Aufschrift
Ebenfalls überliefert ist der Anfang einer Vertonung des Gedichts durch May.[2]
Himmelsgedanken[Bearbeiten]
Am 18. Dezember 1900 erschien ein Gedichtband Mays mit dem Titel Himmelsgedanken im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld.[3] In dieser Ausgabe ist das Gedicht auf den Seiten 114 und 115 enthalten. Der auf der folgenden Seite abgedruckte Aphorismus lautet:
- Auch die innere Welt hat ihre Centrifugal- und ihre Centripedalkraft: das Gute, welches nach oben, und das Böse, welches nach unten strebt.[4]
Vertonungen[Bearbeiten]
2006 wurde in Dresden Günter Neuberts Oratorium Wo der Herr nicht das Haus baut uraufgeführt. Es enthält eine Komposition zu Blind und doch sehend mit dem Titel Übertretungen.
aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]
- Karl May: Himmelsgedanken. Gedichte. Union Verlag Berlin [Ost] 1988, S. 70. ISBN 3-372-00103-6 [Neusatz]
- Karl May: Himmelsgedanken. In: Karl May: Lichte Höhen. Lyrik und Drama. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 1998, S. 99 f. ISBN 3-7802-0049-X [modernisierter Neusatz]
- Karl May: Blind. In: Hartmut Kühne/Christoph F. Lorenz: Karl May und die Musik. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 1999, S. 437 f. ISBN 3-7802-0154-2. [Faksimile des Manuskripts]
- Karl May: Himmelsgedanken. Gedichte. Books on Demand GmbH Norderstedt 2005, S. 114 f. ISBN 3-8334-2518-0 [Reprint]
Anmerkungen[Bearbeiten]
- ↑ Karl May: Himmelsgedanken, S. 114 f.
- ↑ Lorenz: Vermischtes, S. 436.
- ↑ Hainer Plaul/Gerhard Klußmeier: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 244.
- ↑ Karl May: Himmelsgedanken, S. 116.
Literatur[Bearbeiten]
- Werner Tippel: Karl Mays astronomisches Weltbild. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 52/1982, S. 23–28, insb. S. 27. (Onlinefassung)
- Christoph F. Lorenz: Statt einer Coda: Vermischtes, Nachgelassenes und May-Nachwirkungen. In: Hartmut Kühne/Christoph F. Lorenz: Karl May und die Musik. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 1999, S. 429–449, insb. S. 436–438. ISBN 3-7802-0154-2.
Weblinks[Bearbeiten]
- Der Text auf den Seiten der Karl-May-Gesellschaft.
- Der Text bei zeno.org.
- Der Eintrag Himmelsgedanken in der Bücherdatenbank.
- Der Eintrag bei himmelsgedanken.npage.de.
