Marah Durimeh (Schneider)

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Zeichnung Marah Durimeh

Marah Durimeh ist ein Bild von Sascha Schneider. Es handelt sich dabei um eine Bleistift-Kohle-Zeichnung auf Papier in den Maßen 53 x 42 cm.

Geschichte

Im Karl Mays Spätwerk ist eine Kurdin namens Marah Durimeh als Menschheitsseele von zentraler Bedeutung.

Im Oktober 1905 bat May Sascha Schneider um ein Deckelbild für seine arabische Fantasia Babel und Bibel, an der er seit 1904 arbeitete. Den Einband dazu sollte ein Porträt Marah Durimehs zieren. Schneider erfüllte die Bitte nicht und begründete dies brieflich am 24. Oktober 1905:

[Sie verlangen] von mir eine "Menschenseele". Wie sieht die aus? Ich kann doch nur das Gefäss dazu zeichnen, wenn ich nämlich den Kopf einer alten Frau gebe. Es wird immer nur eine alte Matrone werden. Sie verlangen etwas ganz Unmögliches! Die alten verwelkten Züge werden eher an den Tod erinnern als das Bild den Gedanken an Unsterblichkeit hervorrufen. Man müsste da schon stark zu Symbolen und einer ausholenden Weitschweifigkeit greifen. – Sie werden denken S. S. will nicht, S. S. aber sagt mit voller Überzeugung: er kann nicht.[1]

Babel und Bibel erschien dann am 15. September 1906 ohne Titelbild.[2]

Am 12. Februar 1907 informierte Karl May seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld in einem Brief über seine geplante zweibändige Reiseerzählung Abu Kital. Zur äußeren Gestaltung heißt es da:

Die beiden Bücher erscheinen in der neuen Weise, jedes mit 9 Illustrationen und einem Vorderbild. Das Vorderbild zu Band 31 ist Abu Kital selbst. Das habe ich schon. Zu Band 32 nehmen wir Marah Durimeh. Das ist noch zu schaffen. Der Abu Kital ist von Sascha Schneider.[3]

Mays geplanter Abu Kital blieb Fragment, Schneiders gleichnamige Zeichnung fand zu Mays Lebzeiten keine Verwendung als Deckelbild.

Knapp acht Monate darauf, am 4. Oktober 1907, schrieb Sascha Schneider an Karl Mays Ehefrau Klara:

Ganz unter uns!: (so dass es Ihr verehrter Gatte nicht weiss): Marah Durimeh ist fertig. Hoffentlich haben Sie sich nicht schon anderswie gebunden, resp. Jemand anders veranlasst, den Kopf zu zeichnen.
Ich habe vielfach versucht, und ich mag auch diese Arbeit nicht anders als einen Versuch nennen. Die Aufgabe ist ja rasend schwer, eigentlich völlig unmöglich, wie ich ja schon mündlich auseinandersetzte. Aber immerhin glaube ich, dass ich mich damit sehen lassen kann. Hoffentlich ist es nicht zu spät.
Ich sende die Zeichnung morgen[4] ab.[5]

Letzteres geschah dann wohl auch und wurde von Karl May beantwortet, denn schon am 11. Oktober schrieb Schneider an May:

Es freut mich sehr, dass ich mit meiner Marah Durimeh Ihrem Ideal nahe gekommen bin. Ich bedaure nur nicht eher damit gekommen zu sein. Es lag nicht an gutem Willen, sondern alles, was ich versuchte, wollte nicht gelingen. Wäre nichts aus den Versuchen geworden, so hätten Sie, wenn ich es Ihnen versprochen hätte, dann vergebens darauf gewartet. Ich wollte wirklich erst nicht an diesen abstracten Kopf gehen, denn ich war völlig überzeugt, dass ich die Aufgabe nicht lösen würde.
Ich vergass völlig zu bemerken: Dieser Kopf ist ebenso wie der des Abu Kital ein Geschenk, das ich meinem lieben Old Shatterhand freundschaftlichst als Zeichen meiner Gesinnung in die liebe Hand drücke. "Geschäftliches" soll es nicht zwischen uns geben.[6]

Am 11. November 1907 bemerkt Hetty Heide, eine Karl-May-Verehrerin von Anfang zwanzig, in einem Brief an Klara May:

Wie freue ich mich über die Entstehung der Marah Durimeh! Wir beide[7] erinnerten uns noch lebhaft Sascha Schneiders Widerwillen, sie zu malen, den uns Ihr Mann mit seinen [nämlich Schneiders] Worten: Lassen Sie mich in Ruh! Das ist ja ein Frauenzimmer! schilderte.[8]
Marah Durimeh als Deckelbild

Vor Erscheinen seiner zweibändigen Reiseerzählung Ardistan und Dschinnistan schrieb Karl May am 23. September 1909 an den Druckereibesitzer Felix Krais:

Ich sende Ihnen meine Schneidersche Marah Durimeh für die Deckel beider Bände. Sie war zwar für etwas ganz Anderes bestellt, aber ich will sie nehmen, um die Sache kurz zu machen, denn die 2 Bände müssen heraus. [...]
Bitte, senden Sie mir meine Marah Durimeh baldigst zurück. Hoffentlich nimmt man sie mir recht in Acht. Schneiders Name steht schon darauf. Setzen Sie den Titel "Ardistan und Dschinnistan" wohin Sie wollen, über oder unter das Bild. Ich möchte haben, daß Jeder sofort weiß, wer dieser Charakterkopf ist. Darum fügen Sie, bitte, den Namen Marah Durimeh hinzu, doch so, daß er zwar deutlich zu lesen ist, aber nichts Anderes beeinträchtigt.[9]

Otto Schwabe, wohl ein Mitarbeiter der Buchbinderei C. H. Schwabe in Stuttgart, schrieb am 2. Oktober 1909 an Fehsenfeld:

Das Titelbild ist leider wieder eine Sascha-Schneider-Zeichnung, die wie Sie ja wissen keinen Anklang & Absatz finden. Die Zeichnung lasse ich nun eben photographisch verkleinern & dann kollorieren & empfangen Sie nach Fertigstellung eine Musterdeckezeichnung. Bis dies soweit ist werden aber leider wieder Wochen vergehen, da ich die Zeichnung viel zu spät erhielt. Die Zeichnung ist sehr schwer zu verkleinern, da sich die Größenverhältnisse photographisch ungleich ergeben & darauf von Hause aus keine Rücksicht genommen wurde.[10]

Die im Herbst 1909 erschienenen Bände 31 und 32 der Gesammelten Reiseerzählungen, Ardistan und Dschinnistan I und II, waren dann auch die einzigen Buchausgaben zu Karl Mays Lebzeiten, für deren Titelbild Schneiders Marah Durimeh verwendet wurde.[11] Dabei wurde die Zeichnung koloriert und mit Marah Durimeh. bezeichnet.

Der Empfangssalon der Villa "Shatterhand." An den Wänden die Schneider-Bilder Der Chodem, Abu Kital und Marah Durimeh.

Nachdem die Zeichnung an May zurückgesandt wurde, erhielt es seinen Platz im Empfangssalon der Villa "Shatterhand."

Das Bild kam nach Klara Mays Tod in den Besitz der Karl-May-Stiftung, 1959/60 in den des Karl-May-Verlags (KMV). 1960 siedelte das Bild mit dem Verlag nach Bamberg um und kehrte 1994 nach Radebeul zurück. Heute ist das Bild als Eigentum der Karl-May-Stiftung im Radebeuler Karl-May-Museum in der Villa "Shatterhand" zu sehen.

Sonstiges

Marah Durimeh als Deckelvignette
  • In der Reiseerzählung Winnetou IV hat Old Shatterhand verschiedene Deckelbilder seiner Werke im Gepäck, die seine Frau fotografiert hatte, darunter auch Sascha Schneiders Marah Durimeh.[12]
  • Im Jahre 2005 erschien im Karl-May-Verlag eine zweibändige kritische Edition der Manuskriptfassung von Ardistan und Dschinnistan, herausgegeben durch Hans Wollschläger.[13] Der Einband ist dem der Illustrierten Reiseerzählungen nachempfunden und beinhaltet als Vignette einen Ausschnitt aus der kolorierten Fassung von Schneiders Marah Durimeh.

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 183.
  2. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 293 f., Nr. 404. ISBN 3-5980-7258-9.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld II, S. 35.
  4. Also am Sonnabend, 5. Oktober.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 268 f.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 270.
  7. Wohl Hetty und ihr Ehemann Hans Karl Heide.
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 271, Anm. 36.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld II, S. 233 f.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Briefwechsel mit Fehsenfeld II, S. 236.
  11. Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie, S. 338, Nr. 479 und S. 342, Nr. 485.
  12. Vgl. Karl May: Winnetou IV. In: Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 68119.
  13. Einträge in der Bücherdatenbank zu Band I und Band II.

Literatur