Abu Kital (Schneider)

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Zeichnung Abu Kital

Abu Kital ist ein Bild von Sascha Schneider. Es handelt sich dabei um eine Bleistift-Kohle-Zeichnung auf Papier in den Maßen 54 x 54 cm.

Geschichte

Ende 1906/Anfang 1907 plante Karl May ein zweibändiges Werk mit dem Titel Abu Kital, der Scheik der An'allah als Band 31 und 32 der Gesammelten Reiseerzählungen. Vermutlich dazu schuf Sascha Schneider im Dezember 1906 dieses Bild und schenkte es Karl May zu Weihnachten.

Am 21. Dezember schrieb Schneider an May:

Nach verschiedenen Versuchen, ist heute endlich der Abu Kital fertig geworden, den ich Ihnen hiermit als Zeichen meiner Verehrung didicire. Morgen geht die Zeichnung uneingerahmt (der Zeit wegen) an Sie ab. Ob ich Ihre eigene Vorstellung getroffen habe?! Wohl kaum. Denn mein Gewaltmensch ist ein solcher durchaus, er ist schon so geboren und so lange nicht seine physischen Fähigkeiten gebrochen würden, dürfte er starr auf einer einmal gefassten Meinung bestehen bleiben. Dieser Mann wird niemals sanft u[nd] milde, es müsste ihn denn das Alter zähmen. Lassen Sie ihn so und denken Sie dabei an mich.[1]

Karl May scheint sich recht bald sehr positiv über das Bild geäußert zu haben, den bereits am 27. Dezember schreibt der Maler an den Dichter:

Wie freue ich mich, dass mein böser Abu Kital so freundlich von Ihnen aufgenommen wurde.[2]

Anfang Januar 1907 lobt Karl May die Zeichnung ausführlich in einem undatierten Brieffragment an Sascha Schneider:

Und nun Ihr Abu Kital! Dieser Kopf ist groß! Sprechender Granit! Die grollende Menschheitsfrage in Schwarz-Weiß! Im Wollen eisern, im Hasse unerbittlich, und sogar in dem, was er Liebe nennt, gewaltsam. Ob dieser Kopf Geist oder Seele verräth, darf ich leider nicht berühren. So sei er denn auch für mich hier nur Materie, aber sieghafte Materie, die sich über Geist und Seele hinwegsetzen darf, weil sie ahnt, daß sie ja die Verkörperung beider ist. [...] Diese Stirn, diese Augen, diese Lippen könnten, einzeln betrachtet, beängstigen; in ihrer Gesamtwirkung aber befriedigen und erheben sie. [...] Abu Kital ist eine große, reiche Gabe. Von Ihnen aber, mein Herzensfreund, nehme ich sie ohne Weigern an und sage tausend Dank. Auch das Herzle dankt. Sie sitzt immer vor dem Bilde und zeigt es Jedem, der da kommt![3]

Am 12. Februar 1907 informiert May seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld in einem Brief über die geplante zweibändige Reiseerzählung Abu Kital. Zur äußeren Gestaltung heißt es da:

Die beiden Bücher erscheinen in der neuen Weise, jedes mit 9 Illustrationen und einem Vorderbild. Das Vorderbild zu Band 31 ist Abu Kital selbst. Das habe ich schon. Zu Band 32 nehmen wir Marah Durimeh. Das ist noch zu schaffen.[4] Der Abu Kital ist von Sascha Schneider. Ein Meisterstück! Nur der Kopf, weiter nichts. Wir machen von diesem Prachtkopfe ein Aushänge-Plakat für die Schaufenster der Sortimenter.[5]
Der Empfangssalon der Villa "Shatterhand." An den Wänden die Schneider-Bilder Der Chodem, Abu Kital und Marah Durimeh.

Am 3. März 1907 schickte May die Zeichnung an Fehsenfeld. Das Plakat wurde tatsächlich gedruckt, fand jedoch keine Verwendung, der damit angekündigte Roman wurde nicht geschrieben. Das Bild selbst fand seinen Platz in der Villa "Shatterhand."

Der Verlag der Karl-May-Stiftung veröffentlichte 1914 ein Plakat mit Schneiders Abu Kital und der Überschrift Wer ein Buch liest, wird alle lesen! Weiterhin enthielt es eine Übersicht aller bis dahin erschienenen Karl-May-Bücher des Verlags.[6] Sascha Schneider äußerte sich dazu am 20. November 1914 lobend in einem Brief an den Verleger Euchar Albrecht Schmid:

Das grosse Plakat ist gelungen, ich wüsste gar nichts daran auszusetzen.[7]

Die Zeichnung Abu Kital kam nach Klara Mays Tod in den Besitz der Karl-May-Stiftung, 1959/60 in den des Karl-May-Verlags (KMV). 1960 siedelte das Bild mit dem Verlag nach Bamberg um und kehrte 1994 nach Radebeul zurück. Heute ist das Bild als Eigentum der Karl-May-Stiftung im Radebeuler Karl-May-Museum in der Villa "Shatterhand" zu sehen.

Literarische Vorlage

In Karl Mays einzigem vollendeten Drama Babel und Bibel spielt eine Figur namens Abu Kital eine Hauptrolle. In den Vorbemerkungen beschreibt May die Figur mit den Worten:

Ābū Kitāl (Vater des Kampfes) der Scheik der Ān'allāh. Ungefähr fünfzig Jahre alt, hohe, breite Gestalt. Gewaltmensch, aber zur Veredelung veranlagt. Körperlich und geistig vollkräftig und gewandt. Impulsiv. Aufstrebend, aber in falsche Richtung geleitet. [...] Sein Auftreten ist rauh, [...] Kopfbedeckung Kefīje und Agāl.[8]

Karl May widmete am 30. August 1906 Sascha Schneider ein Exemplar des Dramas, das dieser – laut Brief vom 3. September[9] – bereits vier Tage später zwei mal gelesen hat.

Sonstiges

Babel und Bibel (Reprint 2004)
  • In der Reiseerzählung Winnetou IV hat Old Shatterhand verschiedene Deckelbilder seiner Werke im Gepäck, die seine Frau fotografiert hatte, darunter auch Schneiders Abu Kital.[10]
  • Im Jahre 2004 gab Ralf Schönbach bei der Books on Demand GmbH in Norderstedt einen Reprint der ersten Buchausgabe von Babel und Bibel heraus. Dieser Reprint (ISBN 3-8334-1722-6) hat Sascha Schneiders Abu Kital als Titelbild.[11]

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 250 f.
  2. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 252.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 255.
  4. Eine Zeichnung von Marah Durimeh schickte Schneider erst am 5. 10. 1907 nach Radebeul. [...]
  5. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz (Hrsg.): Karl May. Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld. Zweiter Band 1907-1912. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2008, S. 35. ISBN 978-3-7802-0092-1. Dort auch die vorige Fußnote.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 317, Anm. 2.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 317.
  8. Karl May: Babel und Bibel. Arabische Fantasia in zwei Akten. Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld Freiburg i. Br. 1906, S. 11. (Onlinefassung)
  9. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 232.
  10. Vgl. Karl May: Winnetou IV. In: Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 68119.
  11. Eintrag in der Bücherdatenbank.

Literatur