Winnetous Tod

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Winnetou starb Januar bis Juli 1883 in der Erzählung Im "wilden Westen" Nordamerika's, die aber – wie Roland Schmid 1976 vermutete, möglicherweise bereits deutlich eher entstand und möglicherweise auch zuvor an bisher unbekannter Stelle veröffentlicht wurde.[1]

Winnetous Mörder und seine letzten Worte

Getötet wurde Winnetou im Kampf durch feindliche Indianer am Hancockberg. Sowohl im (ursprünglichen) Vorwort von Winnetou I als auch in Gesprächen (z.B. mit Marie Hannes[2]) erklärte May jedoch einen Weißen zu Winnetous Mördern. Das Wort "Weißen" wurde in später gedruckten Vorworten durch das Wort "Feindes" ersetzt. Diese Feinde waren die Ogellallah-Sioux, also Rote.

Schwer verwundet bittet er die geretteten Siedler, ihm das "Ave Maria" zu singen und stirbt anschließend in Old Shatterhands Armen. Seine letzten Worte sind:

»Schar-Iih, ich glaube an den Heiland. Winnetou ist ein Christ. Lebe wohl!«

Ob oder ob nicht Winnetou vor seinem Tod noch getauft wurde, beschäftigte bereits Zeitgenossen Mays. Während May dieses Detail in Vorträgen oder Briefen gelegentlich ergänzte,[3] fügte Marion Ames Taggart die Nottaufe in ihrer Übersetzung Jack Hildreth among the Indians – The Treasure of Nugget Mountain einfach ein.[4]

Holger Kuße untersuchte 2012 Winnetous Sterbeszene in verschiedenen slawischen Übersetzungen und konstatierte einige Änderungen, die nicht nur Übersetzungsproblemen geschuldet waren.

Wann starb Winnetou?

eine Darstellung von Winnetous Tod

Weder in dieser Erzählung noch in dem textlich leicht abweichenden Nachdruck Ave Maria (Fuldauer Zeitung, 1890) noch in der Einarbeitung in Winnetou III wird ein Wochentag oder ein Datum genannt. Allerdings lässt sich in letzterer Version der Wochentag errechnen, da zu Beginn ein "Sonntag Nachmittag" genannt wird und man ab da Tage und Nächte zählen kann. Mit dieser Methode kommt man auf einen Freitag.

Am 2. November 1894 schrieb Karl May an seinen jugendlichen Fan Carl Jung: Winnetou, der Häuptling der Apachen, war 32 Jahre alt, als er starb.[5]

Am 21. März 1899[6] schrieb May an Sophie von Stieber:

Winnetou war geboren 1840 und wurde erschossen am 2./9.1874. Er war noch herrlicher, als ich ihn beschreiben kann!

Abgesehen von diesen schriftlichen Mitteilungen hat er laut Fritz Maschke bereits 1897 der Familie Seyler ebenfalls den 2. September 1874 genannt.[7] Auch bei einer seiner Massenaudienzen (Wien, Hotel Trefler, 5. Juli 1897) nannte Karl May den 2. September 1874.[8]

Damit legte er die die Handlungszeit der Winnetou-Erzählungen in einen sehr engen Rahmen und bereitete den Forschern nicht wenig Kopfzerbrechen.

Karte an Frl. von Stieber

Während eines späteren Aufenthalts in Wien 1898 war er am Faschingsmontag bei der Leo-Gesellschaft eingeladen. Richard von Kralik berichtete später, dass May einen "Vortrag über Winnetou hielt, um dessen angeblichen Todestag zu feiern".[9] Eine Jahreszahl gab May damals aber wohl nicht an.

Also legte May 1898 (zwischen der präzisen Aussage in München, 1897, und der identischen an Frl. von Stieber, 1899, die beide den 2. September 1874 nennen) den 21. Februar als Todestag Winnetous fest. Es ist nicht auszuschließen, dass sich May in Wien einfach von der Situation hat hinreißen lassen.

Als weiteres Sterbejahr übermittelte Marie Hannes das ihr von May bei einem Besuch 1897 genannte Jahr 1873, in dem Winnetou 34-jährig als "Opfer weißer Rowdies" gefallen sein soll.[10] Allerdings stammt die Niederschrift der Erinnerung aus dem Jahr 1902.

Sonstiges

Deckelbild Winnetou III

Anmerkungen

  1. Roland Schmid: Vorwort des Herausgebers. In: Karl May: Winnetou's Tod, S. 4.
  2. Marie Hannes: Allerlei von Karl May; zitiert nach der Karl-May-Chronik II, S. 40.
  3. Erwähnt u.a. von Viktor Böhm: Karl May. Das Geheimnis seines Erfolgs, S. 219.
  4. Hansotto Hatzig: Winnetous Nottaufe bei Benziger Brothers. In: M-KMG Nr. 18/1973, S. 25. (Onlinefassung)
  5. Zitiert nach Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik I, S. 489.
  6. Also unmittelbar vor seiner Orientreise.
  7. Fritz Maschke: Ins Schwarze getroffen? Weitere Auswerfungen der 'Spätlese in Deidesheim', S. 6.
  8. Max Casella: Dem Freund meiner Jugend, S. 320.
  9. Zitiert nach Wilhelm Brauneder: Wann starb Winnetou eigentlich?, S. 50, Fn. 10.
  10. Marie Hannes: Allerlei von Karl May; zitiert nach der Karl-May-Chronik II, S. 40.

Literatur