Winnetou III (Schneider)

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Deckelbild Winnetou III

Winnetou III ist ein Deckelbild Sascha Schneiders zu Karl Mays gleichnamiger Reiseerzählung. In der Literatur wird das Bild auch Winnetous Tod und Winnetous Himmelfahrt genannt.

Entstehung der Deckelbilder zur Winnetou-Trilogie

Die Deckelbilder zur Winnetou-Trilogie schuf Schneider im Frühjahr 1904. Zunächst begann er mit Winnetou III, wie er auf einer Postkarte vom 29. März an May bemerkt:

[...] Band 9 ist 3. Winnetou. Diesen Band 9 werde ich bis Mitte April fertig haben, trotz allem. Ich wünschte es könnte Ihnen etwas beweisen.[1]

In einem Brief an Karl May vom 31. März äußerte Sascha Schneider sich zu allen drei Bildern:

Ich zeichne jetzt an Winnetou III. Schade, dass ich nicht weiss, was Winnetou IV enthält.[2]
Band I Winnetou erhält als Zeichnung:
Kain & Abel (Brudermord)
Band II:
Der Engel Gottes trauert über die kämpfenden Racen.
Band III:
Winnetou's Himmelfahrt.
Band IV: ???
Doch hoffe ich diesen steigernden Schlussstein zu finden.[3]

Am 6. April schrieb Schneider an May:

Ich bin doch in den Feiertagen[4] abgehalten worden, sonst wäre Winnetou fertig.[5]

Spätestens am 11. April wurde das Deckelbild zum dritten Band fertiggestellt, wie Schneider im Brief gleichen Datums bemerkt:

Es war mir möglich, Wort zu halten: hier ist Winnetou, Band III: "Winnetous Himmelfahrt". Das herrliche lange Haar hat er beibehalten, es wird ihm in jenen Gefilden nichts schaden, wenn es auch nach unsern allgemeinen Begriffen etwas weibisches hat. Dagegen verliert er beim Aufschweben das Zeichen seiner indianischen Häuptlingswürde: die Adlerfeder.
Ich musste einmal in den Zeichnungen zu den 3 Bänden Winnetou selbst bringen, da sie diese Figur mit so ausserordentlicher Klarheit & Liebe gezeichnet haben.[6]

Am 20. April erwähnt May dieses Bild in einen Brief an seinen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld:

Sende also heut "Winnetou" Band III. Herrliche Apotheose.[7]

Das Deckelbild zum zweiten Band wurde im Dezember fertiggestellt, wie in einem Brief Schneiders an Karl May vom 17. Dezember zu lesen ist:

Winnetou II: der trauernde Friedensengel. Sehr vorsichtig öffnen, weil stellenweis unfixiert.[8]

Im Jahre 1905 erschienen dann alle drei Winnetou-Bände erstmals mit den Deckelbildern Sascha Schneiders.[9]

Als Fehsenfeld im Herbst 1909 die Herausgabe von Winnetou IV plante, fragte er am 25. September brieflich bei Karl May bezüglich der Einbandgestaltung nach:

Soll das S. Schneidersche Bild der ersten Bände[10] benutzt werden?[11]

Eine Antwort darauf ist nicht überliefert. Karl May sorgte aber dafür, dass der Band, der erst im Mai 1910 erschien, Die sterbende Menschheit als Deckelbild erhielt.

Verwendung in Karl Mays Winnetou IV

In der Reiseerzählung Winnetou IV macht sich bekanntlich der gealterte Old Shatterhand mit seiner Frau, dem Herzle, auf den Weg zum Mount Winnetou, um das Andenken seines Freundes Winnetou vor der Verfälschung zu bewahren. Im Gepäck hat der Ich-Erzähler verschiedene Deckelbilder seiner Werke, die seine Frau fotografiert hatte:

Am besten gelang ihr der Sascha Schneidersche zum Himmel aufstrebende Winnetou. Von demselben Künstler besitze ich auch zwei prächtige, ergreifende Porträts von Abu Kital, dem Gewaltmenschen, und Marah Durimeh, der Menschheitsseele. Auch diese beiden, die für die nächsten Bände bestimmt sind, wurden photographiert, um mitgenommen zu werden [...][12]

Ein gigantisches steinernes Denkmal, das zu Ehren Winnetous errichtet werden soll, droht, ein falsches Bild des großen Apachenhäuptlings zu vermitteln. Durch die um das Denkmal zu errichtende Stadt Winnetou-City ist die weitgehend unberührte Natur des Mount Winnetou, insbesondere der Schleierfall, in Gefahr.

Nachdem das Fundament der Winnetou-Statue in einer unterirdischen Höhle versunken ist, können sich Old Shatterhand und seine Unterstützer durchsetzen. Mit Hilfe von Pida und einem Ingenieur projiziert das Herzle Schneiders Deckelbild (umrahmt von zwei anderen Bildern) an den Schleierfall und macht damit auf die versammelten Indianer einen gewaltigen Eindruck.

Jetzt kam Pida zurück, und grad als er wieder bei mir stand, öffnete der Ingenieur seinen Apparat, und sofort erschien auf der grandiosen, herabstürzenden Wasserfläche unser zum Himmel emporstrebender Winnetou, mit wehendem Haar und zur Erde zurückkehrender Häuptlingsfeder. Infolge der abwärts gehenden Bewegung des Wassers hatte es den Anschein, als ob die Gestalt sich in Wirklichkeit nach oben bewege, was einen Eindruck hervorbrachte, der gar nicht zu beschreiben ist.
"Das ist Winnetou! Mein Winnetou! Unser Winnetou!" rief Tatellah-Satah über die in diesem Augenblicke todesstille, kaum atmende Menschenmenge hin.
Und da hörte man Wakons sonore, weithin schallende Stimme:
"Ja, das ist Winnetou! Das ist seine Seele!"
[...]
Eine Magik sondergleichen für das Auge und für das Herz, so lag der Schleierfall vor uns! Niemand dachte in diesem Augenblicke an die gestern versunkene Figur. Niemand achtete des gähnenden Abgrundes, in dem die Pläne und die Hoffnungen unserer Gegner vollständig verschwunden waren. Aller Augen und aller Sinne und Gedanken waren nur von dem wie lebend erscheinenden Bilde gefesselt, von dem kein Blick sich wenden zu können schien.[13]

So wird Sascha Schneiders Bild zu einem handlungstragenden Element in Karl Mays letzter großer Reiseerzählung.

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner die Bilder zur Winnetou-Trilogie der fünften Gruppe zu. Zu Blatt 9, Winnetou III, heißt es da:

Winnetous Himmelfahrt, der Abschluß all der früheren Blätter, die den strebenden Menschen im Kampfe nach dem Licht schildern, [...] Ich meine, es ist die schönste Darstellung der Himmelfahrt, die ich je geschaut: dieses Aufwärtsschweben, das Antlitz dem himmlischen Lichte zugewandt und nicht auf die Erde zurückblickend, das wallende mächtige Haar, die langsam abwärts gleitende Feder des irdischen Kopfschmucks, das alles ist von ebenso großer Natürlichkeit wie zarter Poesie.[14]

Auch Arno Schmidt äußert sich in Sitara und der Weg dorthin unter § 35 kurz zu verschiedenen Blättern der Sascha-Schneider-Mappe, darunter auch zu diesem Bild:

Blatt 9 bringt den, (neuerdings auch televisionär-schwebenden) Winnetou ; bei dessen Anblick ein plattdeutsch-hiesiger Dorfknabe – bis dahin leidenschaftlicher May-Verehrer – entrüstet aufschrie : 'Dat iss ja 'n Mäkn !' ; was mir in seiner naiven Voxpopulität & als 'erste Reaktion' immerhin beachtlich & festhaltenswert erschien.[15]

In ihrer Dissertation schreibt Annelotte Range zu Sascha Schneiders Winnetou III:

Schneider läßt Winnetou analog der christlichen Himmelfahrt in die himmliche Daseinssphäre aufsteigen. Nackt und in Schrägansicht vom Rücken gegeben, schwebt der Entschlafene aus eigener Kraft dem "Licht der Welt" (Joh 8,12) entgegen, versinnbildlicht im Strahlenkreuz, mit dessen Horizontalbalken die Zeichnung ihren obigen Abschluß findet.[16]

Des weiteren erwähnt sie Parallelen des Bildes zu Rudolf Jettmars Radierung Zum Licht (1897), zu Max Klingers Bild Eine Liebe (1887) und zu Fidus' Lichtgebet (1890) sowie Karl Mays Verwendung von Winnetous Himmelfahrt als Ikone seines letzten Romans.[17]

Hans-Gerd Röder und seine Tochter Christiane Starck schreiben in ihrer Jubiläumsausgabe zu diesem Bild:

Die Himmelfahrt Winnetous im Titel von Band III verdeutlicht im schlichten Symbol, was May in seinen Werken ausdrücken möchte: dass sich ein Mensch nicht durch Hautfarbe oder Herkunft definiert, sondern allein über seine (guten) Taten.[18]
Zeichnung Held

Sonstiges

Hansotto Hatzig findet in seiner Monographie[19] Parallelen zwischen dem Deckelbild Winnetou III und der Kohlezeichnung Held, dem 20. Blatt aus Sascha Schneiders Serie Kriegergestalten und Todesgewalten von 1915.

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 64.
  2. "Winnetou IV" entstand erst 1909/10.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 67; dort auch die vorige Anmerkung.
  4. Gemeint sind die Osterfeiertage; der Ostersonntag fiel auf den 3. April 1904.
  5. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 69.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 70.
  7. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 73.
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 125.
  9. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 166, Nr. 240.10 (Band I), S. 168, Nr. 242.9 (Band II) und S. 171, Nr. 245.9 (Band III). ISBN 3-5980-7258-9
  10. Gemeint ist hier wohl die Zeichnung zu Band III.
  11. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz (Hrsg.): Karl May. Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld. Zweiter Band 1907-1912. Karl-May-Verlag Bamberg–Radebeul 2008, S. 234. ISBN 978-3-7802-0092-1
  12. Karl May: Winnetou IV. In: Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 68119.
  13. May: Winnetou IV, S. 68869-68871.
  14. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 504.
  15. Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin. Eine Studie über Leben, Werk & Wirkung Karl Mays. Reprint der Erstausgabe von 1963. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1985, S. 331 f. ISBN 3-10-070620-X
  16. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 76.
  17. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 75 f.
  18. Starck/Roeder: Sascha Schneider und Karl May, S. 12.
  19. Hansotto Hatzig: Karl May und Sascha Schneider. Dokumente einer Freundschaft. In: Beiträge zur Karl-May-Forschung Band 2. Karl-May-Verlag Bamberg 1967, S. 186.

Literatur