Wilhelmine Bergmann

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Wilhelmine Bergmann und ihre Schwester Anna Bergmann waren Privatlehrerinnen in Wien sowie Leserinnen, die mit Karl May im Briefwechsel standen.

Die Familie Bergmann und das Ehepaar May

Der vermutlich erste Brief Wilhelmine Bergmanns an Karl May datiert auf den 28. November 1900. In Mays Broschüre "Karl May als Erzieher" und "Die Wahrheit über Karl May" ist das Schreiben als Leserbrief 135 wie folgt wiedergegeben:

"... Schon lange drängt es mich, an Sie, hochverehrter Herr, zu schreiben, und doch hielt mich immer die Scheu ab, unbescheiden zu sein, was, wie ich ja öfter in den herrlichen Reiseerlebnissen zu lesen Gelegenheit hatte, dem Dichter derselben so unangenehm ist. Ich glaube aber hoffen zu dürfen, daß unter den vielen Zuschriften, welche Sie zu lesen die Güte haben, auch meine einen Platz finden wird.
Ich will ja nicht anderes, als danken für die vielen genußreichen Stunden, die Sie mir und den Meinen verschafft haben, indem Sie nicht nur Unterhaltung, sondern in noch viel größeren Maße   E r h e b u n g   ü b e r   d i e   k l e i n l i c h e n   V o r k o m m n i s s e   d e s   L e b e n s   b i e t e n,   d u r c h   d e n   H i n w e i s   a u f   j e n e   h ö h e r e n   Z w e c k e,   d i e   d e r   M e n s c h   n u r   z u   o f t   v e r g i ß t.
V i e l l e i c h t   f r e u t   e s   S i e,   z u   h ö r e n,   d a ß   a u c h   i c h   m i c h   b e s t r e b e,   i n   I h r e m   S i n n e   g u t   z u   s e i n,   daß, gerade so wie jene, die das Glück gehabt, mit dem berühmten Mann zu verkehren, sich so schwer trennen konnten, auch wir nun, da wir alles gelesen, ein Gefühl haben, wie wenn ein lieber Freund uns verlassen hätte, der uns durch sein belehrendes und unterhaltendes Gespräch nach unserem anstrengenden Berufe – wir sind Privatlehrerinnen für Sprachen – Erholung brachte.
Wir hatten uns so daran gewöhnt, jeden freien Augenblick den Bücher zu widmen, die wir uns leider nicht anschaffen können und nur aus einer Leihbibliothek bezogen hatten. Wir haben den herrlichen Winnetou bewundert und beweint; wir haben über den witzigen kleinen Halef gelacht und uns über seinen Muth und sein gutes Herz gefreut; wir haben in den Gefahren für Sie gebangt und gezittert, und nun da wir am Ende sind – "Im Jenseits" ist noch nicht in der Bibliothek zu haben – fühlen wir uns noch ganz vereinsamt, denn jede andere Lectüre scheint uns jetzt ohne Gehalt und Werth.
Indem ich schließlich noch die Hoffnung ausspreche, mein Brief möge als das genommen werden, was er ist,   d e r   a u s   v o l l e m   H e r z e n   k o m m e n d e   D a n k   a n   d e n   u n v e r g l e i c h l i c h e n   E r z ä h l e r   u n d   e d l e n   M e n s c h e n,   zeichne ich ehrfurchtsvoll
W. B.[1]

Karl May bedankte sich am 30. November für diese freundliche Zuschrift und sandte ein Exemplar seines Buches Am Jenseits an Wilhelmine Bergmann.[2] [3]Diese Dame wiederum dankte May bereits am 1. Dezember für seine liebe Sendung.[4] Auch diese Antwort wurde als Leserbrief 143 in Mays Verteidigungsschrift aufgenommen.

Wahrscheinlich hatte Wilhelmine Bergmann 1902 einen Weihnachtsgruß am Karl May geschickt. Am 26. Dezember schrieb dieser nämlich an sie:

Komme soeben aus Italien zurück,[5] darum kurz nur Gruß und Herzensdank! Bitte, lesen Sie Band IV des "Silberlöwen". Er beginnt, nun endlich die Tatzen gegen die Feinde zu regen.[6]

Im Sommer 1903 hielt sich Wilhelmine Bergmann mit ihrer Schwester Anna im Hotel Philharmonie in Dresden auf. Karl May schrieb ihr am 1. August:

Bitte, haben Sie doch die Güte, morgen, Sonntag, 1 Uhr mit Fräulein Schwester Mittag bei mir zu essen – – einfach, aber gern! Sie können mit der Bahn, doch auch mit der Elektrischen zu uns heraus.[7]

Die beiden Schwestern nahmen diese Einladung an und besuchten am 2. August Karl May in seiner Villa "Shatterhand" in Radebeul, wo sie auch seine zweite Ehefrau Klara kennen lernten.[8]

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1903 sandte Klara May eine Päckchen an die beiden Schwestern und schrieb in einem Brief dazu:

Um [...] Ihnen [...] eine Freude zu bereiten, sende ich Ihnen das beifolgende Kreuz. Mein guter Mann hat es vor Jahren in Bethlehem gekauft.[9] Ich habe noch ein gleiches in unserem Schlafzimmer; dieser Gedanke mag Ihnen Trost sein, daß ich uns durch das Beifolgende nicht beraube. Ein Zweig von unserem schlichten Weihnachtsbaum liegt auch bei. [...] Er [nämlich Karl May] war zwei Monate sehr krank. Zehn Tage lang war es so schlimm, daß jeden Moment der Tod eintreten konnte. Gott sei tausend Dank, das theure Leben blieb uns noch erhalten. [...] "Friede auf Erden", sein herrlicher Weihnachtsband, sollte erscheinen; mitten in der Erzählung erkrankte er. [...] Es freut mich, daß Sie sich Ihres Aufenthaltes bei uns mit so vieler Liebe entsinnen, und wir haben Ihnen doch so gar nichts bieten können. Es geht aber fast allen Menschen so wie Ihnen, der Zauberkreis, den Karl May um die sich ihm Nahenden mit feinen, unsichtbaren Fäden spinnt, ist unzerreißbar [...][10]

Auf diesen Brief hin haben sich vermutlich Wilhelmine Bergmann und ihre Mutter nach Mays Wohlbefinden erkundigt, denn Klara May schrieb am 1. Februar 1904 an diese beiden:

Gott sei Dank, kann ich Ihnen melden, daß mein Mann wie ein Phonix [sic] aus der Asche stieg. Sein neuer Flug wird es Ihnen bald offenbaren. Morgen setzt er seine Arbeit "Friede auf Erden" fort.[11]

Über den Fortgang der "Karl-May-Hetze" informierte Klara May am 28. November 1904 die Schwestern Wilhelmine und Anna Bergmann:

Es sind jetzt so viele, viele Zeichen der Verehrung hier eingegangen, daß die jämmerliche That des Herrn Schumann verziehen werden kann. [...] Der Grund des ganzen Streites ist, daß man in Erfahrung gebracht hat, daß Karl May vier Millionen Leser allein in Deutschland hat. Er ist also einer der gelesensten Schriftsteller. Das können die Herren Collegen nicht ertragen; sie würden vor Wuth ersticken, könnten sie ihrem Grimm nicht Luft machen. [...] Herr Schumann ist jetzt sogar so weit gegangen, Stellen aus Romanen anzuführen, die unsittlich sind und die erwiesener Maßen nicht von Karl May stammen. So macht man eben "Kritik". Anbei sende ich Ihnen die letzte Antwort meines Mannes.[12] Es ist da nichts mehr von jenem heiteren Ton zu merken, der die ersten beiden Antworten auszeichnete; nun ist es bitter ernst geworden.[13]

Anmerkungen

  1. May: Dankbarer Leser, S. 118 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 414.
  3. Karl-May-Handschriften, S. 35
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 414.
  5. Gemeint ist die Rundreise 1902, von der Karl May am 15. Dezember zurückgekehrt war.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 154.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 261.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 262.
  9. Dort hielt sich Karl May während seiner Orientreise auf.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 298 f.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 309.
  12. Gemeint ist Mays offener Brief An den Dresdner Anzeiger vom 18. November 1904.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 428 f.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.