Patty Frank

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Patty Frank

Patty Frank, bürgerlicher Name Ernst Johann Franz Tobis (* 19. Januar 1876 in Wien; † 23. August 1959 in Radebeul), war ein deutscher Artist, Museologe und Indianerforscher.

Biografie[Bearbeiten]

Die Familie Tobis stammte ursprünglich aus Böhmen und wanderte aus der Gegend um Karlsbad nach Wien aus. Sein Großvater war Porzellanmaler und sein Vater Porzellanhändler. Als Ernst, der einzige Junge, 13 Jahre alt war, übersiedelte die Mutter mit den Kindern nach Frankfurt am Main, wo Tochter Gabriele, die Älteste, Gesang studierte und sich später als erste Koloratursopranistin der Oper einen Namen machte. Der Vater blieb in Wien und ging weiterhin seinen Geschäften als Porzellanhändler nach. Ernst Tobis begann eine Lehre als Kunstgärtner.

Die amerikanische Wandergruppe "Buffalo Bill's Wild West"-Show mit ihren 200 Indianern und Cowboys, Wildpferden und Büffeln gastierte für mehrere Tage in Frankfurt, ausgerechnet im Palmengarten, wo der Gärtnerlehrling Tobis zu den Angestellten gehörte, die darauf zu achten hatten, dass die Besucher nicht die Grünanlagen verwüsteten. Als der begeisterte Junge erfuhr, dass ein Stallbursche gesucht wird, riss er von daheim aus. Seine Mutter spürte ihn schließlich in Straßburg auf und holte ihn zurück. Das einzige Andenken war ein Paar Originalmokassins, das er einem Mitglied der Truppe abbettelte und der Grundstock seiner später weltberühmten Sammlung wurde.

In seiner Freizeit traf er sich nun mit Gleichgesinnten im Turnverein "Helvetia" und erlernte die Grundbegriffe der Parterreakrobatik. Er wurde Artist und leitete bereits mit 21 Jahren seine eigene Akrobatengruppe ("Patty Frank Troupe" – sein "Künstlername" stammt aus dieser Zeit), mit der er nach Nordamerika und Südafrika tourte. Auf diesen Reisen sammelte und tauschte er indianische Ethnografika.

In den Jahren der Inflation verlor er alle seine Ersparnisse. Um seine Sammlung zu erhalten, wandte er sich an Dr. E. A. Schmid, der mit Frank und Klara May Anfang 1926 einen Vertrag aushandelte: Patty Frank übergab seine umfangreiche Sammlung an das geplante Karl-May-Museum und erhielt dafür lebenslanges Wohnrecht.

Seine Wohnung befand sich in der Villa Bärenfett, die er sich von Klara May 1926 nach seinen Vorstellungen im Blockhausstil errichten ließ. 1928 wurde das Karl-May-Museum eröffnet. Patty Frank wurde Verwalter und Museumsführer. Seine Führungen, die er bis an sein Lebensende leitete, waren legendär. Frank war ein Original und konnte besonders auch junge Besucher begeistern. Nebenbei verfasste er auch eine Reihe von Büchern, die alle hohe Auflagen erreichten.

Er war seit 1941 mit Marie Barthel verheiratet, der langjährigen Haushälterin Klara Mays.

Sein Grab befindet sich unweit des Grabmals von Karl May auf dem Friedhof an der Serkowitzer Straße in Radebeul.

Sonstiges[Bearbeiten]

Patty Frank war ein eifriger Legendenschmied. Angeblich trug er den indianischen Kriegsnamen "Isto maza" (= Eisenarm). Seine Fast-Begegnung mit Karl May 1908 in New York ist leider auch nicht objektiv nachweisbar.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Seifert: Patty Frank - der Zirkus, die Indianer, das Karl-May-Museum, Karl-May-Verlag 1998. (Biografie)
  • Heike Wolter: Frank, Patty (eigentl. Ernst Tobis). In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky.
  • Friedrich von Borries/Jens-Uwe Fischer: Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands. Edition Suhrkamp, 2008.
  • Peter Bolz: Indianer und Deutsche: Eine klischeebeladene Beziehung (II). In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft Nr. 127/2001.

Weblinks[Bearbeiten]