Amerikanischer Bison

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Bison

Der Amerikanische Bison (Bison bison), oft auch als Indianerbüffel oder nur als Büffel bezeichnet, ist ein in Nordamerika verbreitetes Wildrind.

Der amerikanische Bison ist ein Tier der nordamerikanischen Prärien und Wälder. Der Präriebison (Bison bison bison) kam bis ins 19. Jahrhundert im offenen Grasland zwischen dem Großen Sklavensee und Mexiko, von den Rocky Mountains bis zum Mississippi vor.

Allgemein

Bisons auf der Prärie

Bisons sind tagaktive Tiere. Kühe und Kälber leben in Herden, die für gewöhnlich um fünfzig Tiere umfassen. Die Bullen leben entweder als Einzelgänger oder in eigenen kleinen Gruppen. Im August und September suchen die Bullen eine Herde auf und erheben dort Anspruch auf eine Kuh. Manchmal kommt es zwischen konkurrierenden Bullen dabei zu erbitterten Kämpfen, bei denen die Köpfe gegeneinander geschlagen werden. Wilde Bisons haben für gewöhnlich eine Lebenserwartung von zwanzig Jahren. Im Zoo wurden Höchstalter von vierzig Jahren erreicht, die in freier Natur aber sehr unwahrscheinlich sind.

Nicht alle Bisons wandern. Nur in trockenen Regionen der Prärie waren weite Wanderungen unerlässlich, um neue Weidegründe und Wasserstellen zu erschließen. Hierzu schlossen sich die einzelnen Herden außerhalb der Paarungszeit zu großen Wanderherden zusammen, die aus Tausenden oder gar Millionen von Tieren bestehen konnten. Die Wanderungen führten die Bisons über mehrere hundert Kilometer, ehe sie sich wieder trennten, um in den ursprünglichen kleineren Herden weiterzuziehen.

Indianer und Bisons

"Sterbender Bison" von Carl Henckel

Für Indianer war der Bison die Lebensgrundlage. Sein Fleisch diente den amerikanischen Eingeborenen als Nahrung, sein Fell, seine Sehnen und seine Knochen zur Herstellung von Kleidung, Decken, Sätteln, Zaumzeug, Schilden, Seilen, Leim, Kissenfüllungen, Geschirr, Rasseln, Schmuck, Werkzeugen und Tipis und der Büffelmist als Brennmaterial. Damals war ein Leben in den Plains ohne Bisons unmöglich. Deswegen suchte man auch Möglichkeiten, wie man die Bisons in großen Mengen erlegen konnte, denn mit Pfeil und Bogen konnten keine größeren Herden erlegt werden.

Eine dieser Jagdmethoden war die Nutzung von "Buffalo Jumps", das sind hohe Felsklippen. Dabei wurde zuerst ein schneller junger Mann ausgewählt und in Bisonfell gehüllt. Auf dem Kopf trug er einen Büffelschädel einschließlich Ohren und Hörnern. In solch einer Verkleidung mischte er sich unter eine Büffelherde nahe einem Abgrund. Die übrigen Indianer kreisten die Bisons von der anderen Seite her ein. Sie blieben zuerst versteckt. Auf ein Zeichen verließen sie ihr Versteck und gingen langsam auf die Bisons zu. In der Zeit musste sich der verkleidete Indianer nahe an die Bisonherde herangeschlichen haben, damit die Bisons ihn bemerkten, wenn sie flüchteten. Wenn die Bisons zu flüchten begannen, begann auch der Indianer so schnell wie möglich zu laufen, damit ihn die Bisons nicht einholen konnten. Er lockte die Bisons zum Abgrund und ließ sie über die Klippe in den Tod stürzen. Er selbst allerdings brachte sich vorher schnell in Sicherheit, indem er sich in einer vorher ausgewählten Felsspalte versteckte. Die Aufgabe des Lockvogels war bei dieser Methode lebensgefährlich, da die Bisons ihn einholen und tottrampeln oder ihn mit in die Tiefe reißen konnten.

Büffelmorden 1872

Die noch so erfolgreichen Methoden der Indianer, Bisons zu jagen, haben den Bestand der gewaltigen Büffelherden nie gefährdet. Doch mit der Einführung des Pferdes, gegen Mitte des 16. Jahrhunderts, sollte sich dies ändern. Denn die Indianer konnten die Bisons von nun an von überall her einkreisen. So drangen immer mehr Stämme in diese Gebiete vor, um sich vom Fleisch der Tiere zu ernähren. Und ab dem 18. Jahrhundert stieß man auch in die vorher nicht besiedelte Trockensteppe vor und schuf die neue Kultur der Plains-Indianer, die bereits mehr Bisons der Jagdlust als dem wirklichen Nutzen opferten. Doch erst durch die Ankunft der Weißen mit ihrem Schusswaffen begann eine massenhafte Vernichtung. Der Bau von Eisenbahnlinien spielte dabei eine große Rolle, denn schon während des Baus wurden Bisons in großer Zahl für die Ernährung der Bahnarbeiter abgeschossen. Mit der Eröffnung der Central Pacific Railroad wurde es fast zu einem Volkssport, vom Zug aus mit dem Gewehr Bisons abzuknallen. Bald war es selbstverständlich, dass man sich einen Bison zum Frühstück und einen zum Abend schoss. So konnte ein einziger "Büffeljäger" unter Umständen ca. 50-100 Tiere täglich abschießen. Einer, der sich bei der Ausrottung der Bisons besonders hervortat, war William Frederick Cody, der bald Buffalo Bill genannt wurde.

1872-74 wurden pro Jahr mehr als eine Million Büffelfelle nach Osten verfrachtet. Durch die Eisenbahnlinie wurde das Vorkommen der Büffel in eine Nord- und eine Südherde geteilt, denn die Bisons überschritten die Gleise nicht. Zuerst wurde die Südherde zusammengeschossen, dann auch die Nordherde. Nur der Nordwesten mit seinen Verteidigern, den Sioux und Cheyenne, konnte zunächst noch größere Bisonsherden halten. Um den Stämmen dieser Plains-Indianer die Lebensgrundlage zu nehmen und sie durch Hunger in ihre Reservate zu zwingen, waren die Bisonherden von Weißen ohne Skrupel ausgerottet worden.

Und auch die letzten 10.000 Tiere erlegte man, indem man an Wasserlöchern Scharfschützen aufstellte. So rottete man fast alle Bisons aus, denn die 60 Millionen Bisons, die vor der Ankunft der Weißen dort lebten, verringerten sich nach den Bisonmorden 1894 auf nur 800 Exemplare in ganz Nordamerika. Erst dann wurden Schutzmaßnahmen ergriffen. Sie kamen sozusagen in letzter Minute. Durch die Gründung des Yellowstone Nationalpark schuf man den Bisons ein Rückzugsgebiet.

Bisons bei Karl May

Illustration zu "Winnetou I"

Eine gegen das Büffelmorden waidgerechte Bisonjagd wird in Winnetou I beschrieben. Ihr fallen aus einer Herde von zwanzig Stück eine junge Kuh und der alte Leitstier zum Opfer. Dieser Stier, der sonst als Einzelgänger oder in einer eigenen Gruppe leben würde, hat die kleine Herde aufgesucht, denn das Geschehen spielt beinahe am Ende des herrlichen nordamerikanischen Herbstes. Obwohl es in Winnetou I noch keine Eisenbahn gibt, lässt Karl May Sam Hawkens bereits das "Fleischmachen" - zu der Zeit ein Anachronismus - beklagen:

"Der Rote schonte das Wild, weil es ihm Nahrung gab, er erlegte nur so viel, wie er brauchte. Der Weiße aber hat unter den ungezählten Herden gewütet wie ein grimmiges Raubtier, welches auch dann, wenn es gesättigt ist, weiter mordet, nur um Blut zu vergießen."

Nach der Jagd rät Sam dem Greenhorn, der die Jagd auf das Riesenvieh als ritterlicher bezeichnet, doch Schillers Ritter Toggenburg zu spielen, sich in eine Büffelkuh zu verlieben und zu warten, bis die Liebliche sich zeigt.

Das Büffelmorden artete noch weiter aus, als mehrere Eisenbahnlinien das Land durchzogen, und wurde eine der Ursachen für die Indianerkriege:

Wenn der Buffalo jetzt ausgestorben ist, so trägt nur der Weiße allein die Schuld daran. Es haben sich da zum Beispiele ganze Gesellschaften von ›Sauschützen‹ zusammengethan und Bahnzüge gemietet, welche da halten mußten, wo man in der Prairie eine Büffelherde traf. Von dem Zuge aus wurde dann aus reiner Mordlust unter die Tiere hineingeschossen, bis man die Kracherei satt bekam. Dann fuhr man weiter, um bei der nächsten Herde wieder anzuhalten. Ob die getroffenen Büffel tot oder nur verwundet waren, darnach wurde nicht gefragt. Die angeschossenen Tiere schleppten sich fort, so weit sie konnten, und brachen dann zusammen, um von den Geiern und Wölfen zerrissen zu werden. So sind Tausende und Abertausende von Bisons nur aus Blutgier niedergepafft oder todkrank geschossen worden, und Millionen von Zentnern Fleisch verfaulten, ohne daß ein Mensch den geringsten Nutzen davon hatte. Ich selbst bin nicht selten an Stellen gekommen, wo solche Massakres stattgefunden hatten, und habe die bleichenden Knochen in großen Haufen beisammenliegen sehen. Nicht einmal die Felle und Hörner waren mitgenommen worden. - Beim Anblicke solcher Büffelleichenfelder mußte sich das Herz jedes echten Westmanns gradezu umdrehen, und was nun erst die Indianer dabei dachten und dazu sagten, das läßt sich wohl unschwer denken! (Karl May in "Winnetou III")

In Karl Mays Jugendroman Das Vermächtnis des Inka findet in Buenos Aires eine Corrida (Stierkampf) statt, bei der auch ein Bison in der Arena kämpft. Das wilde Tier zertrampelt jedoch den Torero Crusada und wird schließlich vom Vater Jaguar getötet.

Sonstiges

Die Siedler nutzten, ebenso wie die Indianer, den Büffelmist als Brennmaterial. Sie nannten diesen Brennstoff "Anthrazit der Plains".[1]

Anmerkungen

  1. Huston Horn: Die Pioniere, TIME-LIFE-Bücher, Reihe: Der Wilde Westen. Time-Life Books Inc. 1974; Third German Printing 1982, S. 209.

Literatur

Informationen über Tiere im Werk Karl Mays finden Sie im Karl-May-Tierlexikon (Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft Nr. 145/2012) von Anja Tschakert.

Weblinks

  • Eintrag mit Animation eines dahinstürmenden Bisons in der Wikipedia.