Old Surehand (Schneider)

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Deckelbild Old Surehand

Old Surehand ist das Deckelbild Sascha Schneiders für Karl Mays gleichnamige dreibändige Reiseerzählung.

Entstehung

Das Bild entstand im Sommer 1904 für die Sascha-Schneider-Ausgabe des Fehsenfeld-Verlags.

Bereits am 11. April 1904 äußerte sich Sascha Schneider in einem Brief an Karl May zur Surehand-Trilogie und zum dazu geplanten Titelbild:

Auch Old Surehand ist gelesen: Prachtvoll! Wird mir jedoch die allerhärteste Nuss werden.[1]

Dass das Bild im Entstehen war, erfuhr May durch einen auf den 2. August datierten Brief des Malers:

Das Blatt zu Old Surehand ist unterdessen in Arbeit.[2]

Am 5. August schrieb Schneider an May einen Brief, dem das fertige Werk möglicherweise beigelegt war:

Hier der allsehende Engel mit dem allsehenden Auge Gottes als Symbol: Old Surehand![3]

Drei Tage später antwortete Karl May darauf in einem Brief an Sascha Schneider und schrieb darin direkt nach der Anrede:

Old Surehand ist glänzend. Herzlichen Dank![4]
Old Surehand I mit Schneiders Deckelbild

Noch im gleichen Jahr erschien Old Surehand I mit Schneiders Titelbild, im Jahr darauf Band II und Band III.[5]

Kritiken

In der Einleitung zur Sascha-Schneider-Mappe ordnet Johannes Werner das Bild der ersten Gruppe zu. Er vergleicht Blatt 13, Old Surehand, mit Blatt 5, Durch das Land der Skipetaren, und schreibt:

Die ähnliche Idee drückt das Titelbild (Blatt 13) zu der Erzählung von dem nie sein Ziel fehlenden Helden Old Surehand aus: Der allsehende Engel Gottes, über dem das Auge Gottes selbst schwebt, wacht, mit gestrafften Muskeln zum Eingreifen bereit, über den Ausgang des Kampfes zwischen Gut und Böse.[6]

Arno Schmidt äußert sich in seinem Aufsehen erregenden Buch Sitara und der Weg dorthin unter § 35 kurz zu verschiedenen Blättern der Sascha-Schneider-Mappe, darunter auch zu diesem Bild:

13 Old Surehand – so soll Der ausgesehen haben ? Mit Fittichen ; raffiniertester Augen-Schärpe ; und dem 'Wickelrock', der, 'très-chic !', 1 Bein ganz frei läßt ? ( Wiederum die 'Kleiderfantastik' der Invertierten à la 'Windmühlen'. Fehlt bloß noch 1 vergoldete Brustwarze.)[7]

Die erste Nummer der Schriftenreihe des Karl-May-Museums beschäftigt sich mit Sascha Schneider. Klaus Hoffmann äußert sich darin zu dieser Titelzeichnung:

Über dem allsehenden Engel, der kampfbereit die Fäuste ballt, wacht das allsehende Auge Gottes [...][8]
Karton Ein Wiedersehen

Annelotte Range schreibt in ihrer Dissertation über Sascha Schneider zum Bild Orangen und Datteln:

Der Engel, der frontal in der Mittelachse des Bildes steht, die Hände kämpferisch geballt und die gewaltigen, federweißen Flügel bis zu den Bildrändern ausgebreitet hat, strotzt vor Kraft und Energie. Die ihn um Taille und Hüfte eng wie eine Schärpe umschließende Stoffbahn ist mit dem Motiv des Auges verziert, das Schneider schon für das Gewand des Engels in dem Karton "Ein Wiedersehen" [...] verwendet hatte. Das obere Drittel des Bildes wird von einem goldenen Strahlenkranz beherrscht, dessen Mitte das in ein Dreieck eingeschriebene Auge Gottes ist, ein in der religiösen Kunst und auch der Volkskunst des 18. und 19. Jahrhunderts weitverbreitetes Symbol der Dreifaltigkeit.[9]

Sonstiges

Das Dreieck war vertieft, seine Inneres aber wieder als Relief behandelt. [... Es] trat der Inhalt des Dreieckes immer deutlicher als ein Auge hervor, ungefähr in der Weise, wie es als Symbol Gottes, des Vaters, gebraucht zu werden pflegt, nur daß an dem, welches ich hier vor mir hatte, auch die oberen und unteren Wimperhärchen angebracht waren, und zwar in einer Anordnung und Feinheit, durch welche der Bildner dieses Symbols als Künstler erschien.[10]
  • 1916 schuf Sascha Schneider ein Exlibris für den Chemiker und Philosophen Wilhelm Ostwald (* 1853; † 1932). Das Bild zeigt die gleiche Figur wie Old Surehand, allerdings als Akt ohne Flügel.[11]

Anmerkungen

  1. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 70.
  2. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 100.
  3. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 100.
  4. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 102.
  5. Hainer Plaul: Illustrierte Karl-May-Bibliographie. Unter Mitwirkung von Gerhard Klußmeier. Lizenzausgabe bei K. G. Saur München 1989, S. 189, Nr. 261.6 (Band I), S. 200, Nr. 269.6 (Band II) und S. 212, Nr. 286.5 (Band III). ISBN 3-5980-7258-9.
  6. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 499.
  7. Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin. Eine Studie über Leben, Werk & Wirkung Karl Mays. Reprint der Erstausgabe von 1963. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 1985, S. 332. ISBN 3-10-070620-X
  8. Klaus Hoffmann: Karl May und Sascha Schneider – eine Künstlerfreundschaft. In: Rolf Günther/Dr. Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May — Eine Künstlerfreundschaft. Karl-May-Stiftung Radebeul 1989, S. 52. ISBN 3-910035-03-5
  9. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 81 f.
  10. Karl May: Ardistan und Dschinnistan I. In: Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 67112.
  11. Vgl. Range: Zwischen Max Klinger und Karl May, S. 82 und 220.

Literatur