Sitara und der Weg dorthin

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Sitara und der Weg dorthin (Untertitel: Eine Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays) ist eine Studie des deutschen Schriftstellers Arno Schmidt, in der er vorgibt, das Werk Karl Mays aus Sicht der Psychoanalyse Sigmund Freuds zu untersuchen und zu analysieren. Sitara erschien zuerst im Jahr 1963 im Stahlberg-Verlag, Karlsruhe.

Inhalt

In der Abhandlung will Schmidt unbewusste Abbildungen von Homosexualität in den Reiseerzählungen Mays nachweisen. Den Anstoß dafür will er nach eigenen Angaben durch einen Brief von Paul Elbogen erhalten haben[1]. Die Arbeit überzeugte nicht viele, gilt aber als ein wichtiger Baustein zur Theorie der Organ-Abbildungen in der Literatur Arno Schmidts, nach der sich unbewusst, besonders bei Trivialschriftstellern, gleichsam als zweiter Subtext, beispielsweise in Landschaftsbeschreibungen, eine Beschreibung von Sexualorganen findet (vgl. das "Teufelspass-Syndrom"). Die von Schmidt in diesem Buch wohl auch erstmals verwendete Methode, mit der er dies aufzuspüren glaubte, die sog. Etym-Theorie, verwendete Schmidt dann in seinen weiteren Werken bis hin zu seinem Magnum Opus Zettels Traum. Diese Methode bestand darin, zu einem im Text vorkommenden Wort alle dazu ähnlich klingenden "mit zu verwerten". Genauer hat Schmidt natürlich nicht alle ähnlich klingenden Wörter "mitverwertet", sondern eben nur die, die in seine (erst noch zu beweisende) Theorie der Homosexualität passten. Später hatte er diese Methode aber dahingehend erweitert, dass er diese "mitklingenden" Worte mit in den Text aufnahm, was dazu führte, dass keines seiner Bücher mehr mit "normalen" Mitteln gesetzt und gedruckt werden konnte. So gab es z.B. "Zettels Traum" 40 Jahre lang nur als "Reprint" des (mit Schreibmaschine) geschriebenen Typoskripts; erst 2010 brachte der Suhrkamp-Verlag eine gesetzte Ausgabe heraus.

Die Thesen Schmidts fanden weite Beachtung, aber wenig Zustimmung. Erst Schmidts Schüler Hans Wollschläger gelang es, das Verhältnis Schmidts zu May entspannter darzustellen. Sitara und Schmidt bleibt der Ruhm, dem großen Publikum nahe gelegt zu haben, dass May mehr sein könnte als ein nostalgisch verklärter Abenteuerromancier der eigenen Jugend.

Kritik

  • Ganz gewiß läßt „Sitara“ auf geduldige und umfangreiche Quellenstudien und wiederum auf erstaunliche Kenntnisse schließen, die allerdings Karl Mays und nicht Freuds Werk betreffen. Schmidts Begegnung mit der Welt der Psychoanalyse muß, gelinde gesagt, sehr flüchtig gewesen sein. Während das Buch über Fouqué skurril, doch seriös, aber schon des Themas wegen nicht gerade nötig ist, wäre eine Monographie über Karl May gewiß nötig, nur daß mir diejenige von Arno Schmidt skurril und unseriös zu sein scheint.“ – Marcel Reich-Ranicki: Selfmadeworld in Halbtrauer. In: DIE ZEIT, 13. Oktober 1967. (Onlinefassung)
  • Ich erinnere an Arno Schmidts "Sitara", dessen wissenschaftliche Faktur ja nur Camouflage ist: de facto haben gerade der Verzicht auf szientifische Akribie und ihre Ersetzung durch ausgesprochen literarische Verfahrensweisen, wie die Betonung der Subjektivität und der Assoziationsvielfalt, zu einem Werk geführt, dessen zentrale Thesen wir heute für gegenstandslos halten mögen, das aber gerade ob seiner ästhetisch erzeugten Widerborstigkeit zu einer Vielzahl intensiver Reaktionen und Überlegungen geführt hat; ohne "Sitara" stände die May-Forschung heute gewiß ärmlicher da.Helmut Schmiedt: Literaturbericht. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1981, S. 343. (Onlinefassung)

Anmerkungen

  1. "den es […] auch durchaus gab und gibt" und der von "Schmidt als eine Art Schutzschild benutzt" wurde, Wollschläger, Schmidt/May, S. 23

Literatur

Weblinks