Carl Eser

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Dr. Carl Eser oder Dr. Karl Eser (* 8. August 1854; † 7. Februar 1915 in Bad Nauheim) war Geheimer Baurat und ein Leser Karl Mays, der mit ihm in Kontakt getreten war.

Leben

Eser studierte in München Chemie und Tiefbaukunde, promovierte zum Dr. phil. und ging in den bayerischen Staatsdienst. Zu Beginn der 1890er Jahre wechselte er nach Hessen.

Am 22. Mai 1901 übernahm er die Leitung des Großherzoglichen Tiefbauamts in Bad Nauheim. Ab 1902 stand er außerdem der Großherzoglichen Badedirektion vor. Die Kur- und Badeanlagen wurden unter seiner Leitung während des laufenden Betriebs abgerissen und im Jugendstil neu errichtet.

Carl Eser war verheiratet mit Luise geb. Weitz.

Carl Eser und Karl May

dankbare Leserbriefe

Der vermutlich erste Brief Carl Esers und seines Freundes Karl Göttelmann aus dem hessischen Friedberg an Karl May datiert auf den 30. Dezember 1897. In Mays Broschüre "Karl May als Erzieher" und "Die Wahrheit über Karl May" ist das Schreiben wie folgt wiedergegeben:

Sehr geehrter Herr!
Zu Ihren vielen, Ihnen unbekannte Freunden rechnen sich, seitdem sie Ihre Schriften lesen, auch die Unterzeichneten, die Ihnen für die vielen genußreichen Stunden und die Fülle geistiger Anregungen zu großem Danke verpflichtet sind. Daß dieser Kreis Ihrer unbekannten Freunde tagtäglich größer wird, beweist die Thatsache, daß noch jeder, alt oder jung, der auch nur einen Band Ihrer Reiseerzählungen in die Hand genommen hat, sich begeistert der Familie angeschlossen hat, die Sie, verehrter Herr, als Ihren "literarischen Papa" schätzt und liebt. Haben wir es doch erlebt, daß 60jährige Männer, die über unsere Begeisterung für Winnetou und Hadschi Halef als über eine verspätete jugendliche Schwärmerei für Indianer- und Araberfiguren gelacht, nach der Lectüre auch nur eines Bandes Winnetou die Nächte durchgelesen haben, nicht müde geworden sind, die sämmtlichen Bände zu lesen und mit Spannung auf Ihre ferneren Publicationen warten. Thatsächlich wird es kaum einen zweiten Schriftsteller geben, der in dem Kreise seiner Leser und damit seiner Verehrer so sehr alle Alter vom 12jährigen Gymnasiasten bis zum graubärtigen Greise vereinigt.
Im Interesse Ihrer kostbaren Zeit wünschen wir, daß diesen Allen das Herz nicht so voll sein möge, daß ihnen wie uns "der Mund über" geht; aber   e i n m a l   muß auch einem so viel Beschäftigten Manne gegenüber der Dankbarkeit das Wort verstattet sein. Gestatten Sie deshalb, daß wir uns zu Dolmetschen der Gefühle Vieler machen, Ihnen für diese vielen genußreichen Stunden herzlich danken und Ihnen die besten Glück- und Segenswünsche zum neuen Jahre übersenden.
Wir wissen, daß es Ihre Zeit nicht erlaubt, auf Zuschriften, wie diese zu antworten und machen uns deshalb auf eine Antwort auch keine Hoffnung. Sollten Sie aber zu einer kurzen Mitteilung Zeit und Lust übrig haben, so wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie die beifolgende Postkarte ausfüllen und an einen von uns absenden wollten. Unser Interesse an der Mitteilung bedarf wol [sic] keiner näheren Begründung.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Dr. E[ser] Regierungsrath.
Dr. G[öttelmann] Kulturinspector.[1]

May hatte Karl Göttelmann auf diesen Brief geantwortet und den beiden Absendern versprochen, von seiner Orientreise Tschibuks und Dschebeli-Tabak zu senden.[2] Daraufhin schrieb Eser am 14. Januar 1898 einen Brief an May, der auszugsweise ebenfalls in der genannten Broschüre abgedruckt wurde:

"Ich versichere Sie meiner aufrichtigen Verehrung und Dankbarkeit für die vielen, vielen schönen Abende, welche mir Ihre herrlichen Werke schon bereitet haben.   I h r e   s p a n n e n d e n,   g e h a l t r e i c h e n   E r z ä h l u n g e n   w a r e n   d i e   V e r a n l a s s u n g,   d a ß   i c h   s c h o n   s e i t   m e h r   a l s   2   J a h r e n   d a s   u n b e s i e g b a r e   B e d ü r f n i s,   n a c h   T i s c h   a u s z u g e h e n,   n i c h t   m e h r   e m p f i n d e   u n d   d a ß   e s   j e t z t   z u   d e n   g r ö ß t e n   S e l t e n h e i t e n   u n d   O p f e r n   g e h ö r t,   w e n n   i c h   e i n e n   A b e n d   i m   W i r t s h a u s e   v e r l e b e n   m u ß."
Dr. E[ser][3]

Grüße aus dem Orient

Während seiner Orientreise trug Karl May am 30. Juni 1900 in Konstantinopel in sein Reisetagebuch ein:

Tschibuks. Rechnung für Dr. Eser.

An diesem Tag hat er also vermutlich diese Tabakspfeifen gekauft und an Göttelmann und Eser verschickt.[4] Am 27. August dankte Carl Eser von Mainz aus Karl May für die herrlichen Tschibuks und erbat die Rechnung dafür. Weiterhin äußerte er sich zum Zeitungsgeschmier, einem Vorboten der so genannten Karl-May-Hetze:

Was Wahrheit u[nd] Dichtung ist, kümmert mich nichts. Ich habe Ihnen viele kostbare Stunden zu verdanken – u[nd] das genügt mir bezw. meinen Ansprüchen.[5]
Karl May in Carl Esers Garten.
Bad Nauheim, 27. Oktober 1904.

Besuch in Bad Nauheim

Auf einer Rundreise fuhr Karl May mit seiner Frau Klara am 26. Oktober 1904 von Nürnberg über Frankfurt am Main nach Bad Nauheim. Er quartierte sich dort im Hotel Reichshof ein und besucht die Familie Eser im Badehaus 1, Nördlicher Park 3 (heute: Ludwigstraße 10), bei der es auch zu einem Treffen mit Karl Göttelmann kam. Klara May äußerte sich über die Gastgeber in ihrem Tagebuch:

Nur einen Freund da besucht, den lieben Baurat Dr. Eser. Unbeschreiblich liebe Menschen. Der gute Rat ließ Photographien aufnehmen von uns Allen. [...] Eser und Gättelmann [...] sind die ältesten und treuesten Freunde mit. [...] Dr. E. ist ein prachtvoller Bayer. Ehrlich treu und – grob. Sein liebes, freundliches, stilles Frauchen nennt er scherzhaft "Schandweib". Als ich es zuerst hörte, bekam ich einen Schreck.[6]

Am nächsten Tag wurden im parkähnlichen Garten der Familie weitere Fotos gemacht.[7]

Möglicherweise kam es in den nächsten Tagen zu weiteren Treffen des Ehepaars May mit den Esers. Am Morgen des 31. Oktober reisten Karl und Klara May um 8.30 Uhr nach Weimar weiter. In ihrem Tagebuch vermerkte Klara:

Der gute Rat sollte nicht zur Bahn kommen. Wir hatten es extra abgemacht, noch in der Nacht vor unserer Thür [im Hotel], wohin er uns brachte. Er war aber doch da, mit einem prächtigen Rosenbuschen.[8]

Abzüge der in Bad Nauheim gemachten Fotos sandte Carl Eser am 27. November dem hochverehrten Ehepaar Karl May in einem Brief.[9]

Vermutlich war Carl Eser mit der May-Leserin und Brieffreundin Babette Kopp bekannt. Am 6. Januar 1905 schrieb nämlich Klara May über ihn in einem Brief an diese:

Es freut mich aber umsomehr, daß Herr Baurath Ihnen unsere Bilder gesandt hat.[10]

Widmung und Gruß

Nachdem im August 1906 Karl Mays einziges vollendetes Drama Babel und Bibel erschienen war, sandte er ein gewidmetes Exemplar am 19. September an Carl Eser. Im beigelegten Brief heißt es:

Was "Babel und Bibel" betrifft, so kann ich Ihnen, dem Freunde wohl aufrichtig sagen, daß ich mit diesen nun erscheinenden Dramen mehr beabsichtige, als man wahrscheinlich denken wird. [...] Sie werden bei der Lecture des Stückes leicht bemerken, nach welchen Idealen ich dabei schaue. Einer der rein ethischen Zwecke ist auch die Säuberung der Bühne vom Sünden-, Schanden- und vom Ehebruchsschmutz [...] Welche Bühne aber wird so kühn sein, die Première zu übernehmen?[11]

Das letzte bekannte Schreiben zwischen Mays und Esers ist eine Grußkarte, die Karl und Klara May am 15. September 1907 aus München an Carl und Luise Eser schrieben.[12]

Anmerkungen

  1. May: Dankbarer Leser, S. 87 f.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 105.
  3. May: Dankbarer Leser, S. 91 f.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 378.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik II, S. 403.
  6. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 407 f.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 408.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 411.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 427 f.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik III, S. 447.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 73 f.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 277.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.