Benito Juárez

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Benito Juárez

Benito Juárez García (* 21. März 1806 in Guelatao; † 18. Juli 1872 in Mexiko-Stadt) war ein mexikanischer Staatsmann und Präsident von Mexiko in den Jahren 1861 bis 1872. Er gilt als einer der größten Reformer Mexikos.

Leben

Geboren 1806 in einem Dorf bei Ixtlan, im Staat Oaxaca, aus dem indianischen Stamm der Zapoteken, verlor er früh seine Eltern und wuchs bei einem Onkel, einem nicht ungebildeten Hirten auf. Dieser lehrte ihn Spanisch sowie Lesen und Schreiben. Nach Umzug zu seiner Schwester in die Provinzhauptstadt verdingte er sich als Hausdiener bei einem Franziskaner Laienbruder, der ihm aus persönlicher Sympathie den Besuch einer Primarschule ermöglichte und dann den Weg zum Besuch des Priesterseminars, damals die einzige Chance auf höhere Bildung, ebnete. Obwohl Juárez niemals vorhatte, Priester zu werden, schloss er mit 21 Jahren sein Studium mit Auszeichnung ab, und trat erst dann in das 1827 gegründete Colegio Civil ein. Das Jusstudium schloss er 1834 abermals mit Auszeichnung ab und begann sich als Rechtsanwalt auch politisch zu engagieren. 1841 wurde er zum Richter ernannt und heiratete 1843. 1844 wurde er Sekretär des konservativen Provinzgouverneurs, eine Stellung die er wegen seiner konträren Überzeugung bald aufgab. Nach wenigen Monaten wurde der bereits allseits bekannte Jurist zum Richter des Obersten Gerichtshofes der Provinz berufen und Mitglied der Provinzregierung.

Nach der Niederlage Mexikos im Krieg gegen die USA 1848 gehörte er zu der neuen Generation von Liberalen, zu deren Führer er schließlich wurde. Seine liberale Gesinnung brachte ihm aber im Zuge der innenpolitischen Konflikte auch Verhaftung und Verbannung ein. Er ging in die USA, wo er seine juristischen Studien fortsetzte und seinen Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter verdiente.

Noch in der zweiten Amtszeit des seit 1853 außerhalb der Verfassung regierenden Antonio López de Santa Anna kehrte Juárez nach Mexiko zurück und beteiligte sich am zivilen Widerstand, der Santa Anna 1855 zum Rücktritt zwang. Noch unter dem Interimspräsidenten Juan Alvarez Justiz- und Unterrichtsminister, wurde Juárez vom Präsidenten Ignacio Comonfort (1855–1857) zum Obersten Richter der Republik und Vizepräsidenten ernannt. Er nahm ein radikales Programm in Angriff, das als La Reforma in die Geschichte einging. Darin regelte er u. a. die Trennung von Kirche und Staat, Zivilehe, Religionsfreiheit und Aufhebung der Klöster, was die katholische Kirche gegen ihn aufbrachte.

Der nicht zuletzt durch die neuen Gesetze 1858 ausgelöste Bürgerkrieg konnte 1861 gewonnen werden. Am 9. Mai 1861 wurde Juárez durch einen auf demokratischen Weg einberufenen Nationalkongress zum Präsidenten der Republik gewählt.

Da das Land finanziell ausgeblutet war, wollte Juárez die Schuldenrückzahlungen – Miramon hatte 1859 ein riesiges Darlehen aufgenommen – an das Ausland auf zwei Jahre einstellen. Zu den Gläubigerländern zählte auch Frankreich. Das gab Napoleon III. den Vorwand, militärisch in Mexiko zu intervenieren. Briten, Spanier und Franzosen besetzten noch während des diplomatischen Vorgeplänkels die Seehäfen und drangen in das Landeinnere vor. Während Briten und Spanier an einem offenen Krieg wenig Interesse und die Uneinbringlichkeit ihrer Forderungen erkannt hatten, sah Kaiser Napoleon III. die Gelegenheit gekommen, seine weitaus höheren Interessen an dieser Region zu realisieren. Die Französische Intervention (Interventionskrieg) rollte Ende 1861 an. Am 25. Januar 1862 erließ der zunächst militärisch unterlegene Juárez ein Gesetz, das alle Helfer der Franzosen mit der Todesstrafe bedrohte, was einer Kriegserklärung gleichkam.

Nach anfänglichen Misserfolgen gelang es im Mai 1863 den französischen Interventionstruppen, Mexiko-Stadt und die wichtigsten Städte und Seehäfen zu besetzen und Juárez mit seinen Regierungstruppen in den Norden des Landes zurückzudrängen. Er musste zusehen, wie eine den Franzosen ergebene Junta unter französischer Anleitung daran ging, die Republik in das 2. Kaiserreich, das der Habsburger Erzherzog Ferdinand Maximilian als Maximilian I. regieren sollte, umzuwandeln.

Ende 1864 lief Juárez' Amtszeit aus, aber neue Wahlen waren unmöglich. Mit einem Rücktritt aber wäre die Weiterführung seines Widerstandes gegen das Kaiserreich in Frage gestellt. Er gab ein Dekret bekannt, dass ihm – aufgrund des Kriegszustands – ein Weiterregieren über das eigentliche Ende seiner Amtszeit hinaus ermöglichte. Das bestätigte aber seine Gegner nur in der Ablehnung seiner Legitimität.

Juárez vertrieb 1866 die Franzosen mit Hilfe der USA aus dem Land. Mit Beginn 1867 stand Juárez' Sieg nach dem Abzug der französischen Truppen nichts mehr im Wege. Er überwachte 1867 persönlich die standrechtliche Exekution von Kaiser Maximilian I. in Querétaro, die er trotz internationaler Interventionen durchführen ließ.

Am 15. Juli 1867 nach Mexiko-Stadt zurückgekehrt, ließ er sich am 6. Oktober durch den Kongress im Amt bestätigen, doch eine nachhaltige Stabilisierung gelang auch ihm nicht. Sein Reformwerk setzte er aber bis zu seinem Tode fort.

Am 18. Juli 1872 starb Juárez in seinem Amtssitz an einem Herzanfall.

bei Karl May

Werke mit
Benito Juárez
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Waldröschen
Der Scout/Winnetou II (nur erwähnt)

Benito Juarez[1] spielt zeitweise eine prominente Nebenrolle im in Mexiko spielenden Teil des Waldröschens. Karl May hat darin die Ereignisse um den Sturz und die Exekution von Kaiser Maximilian von Mexiko einbezogen. Ein Teil der Hauptfiguren begegnet dem Präsidenten Mexikos gar persönlich und hilft aktiv bei der Gefangennahme der Gegner.

im Waldröschen

Juarez sucht die Hazienda Vandaqua auf, lässt den Besitzer hinrichten und den Besitz beschlagnahmen. Bei einem darauf folgenden Besuch auf der Hazienda del Erina übergibt er Pedro Arbellez die Nachbar-Hazienda zur Pacht.

Ein Jahr später sucht Petro Arbellez Juarez in Mexiko-Stadt auf, um die die Pacht zu zahlen und wird Zeuge einer von diesem geleiteten Gerichtsverhandlung. Er bittet Juarez um Hilfe, um seine von Henrico Landola entführten Freunde zu retten und den Goldschatz an Kurt Helmers zu senden.

Juarez (l.) im Waldröschen

Im Waldröschen wird Juarez folgendermaßen beschrieben:

Ein gerechter Beurtheiler vermag in Juarez freilich nicht einen außerordentlichen Träger jenes Genies erkennen, welches einer Periode, einem Volke das Gepräge seines Geistes und Willens aufdrückt, aber dieser nicht geniale Mann besaß einen gesunden Verstand, eine eiserne Willenskraft und neben seiner Rechtlichkeit, Entschlossenheit, Nüchternheit und Vaterlandsliebe eine Menge anderer Eigenschaften, welche ihn befähigten, seinem Volke größere Dienste zu leisten, als wenn er nichts als blos ein Genie gewesen wäre, welches wie eine Wetterfahne von den dortigen Verhältnissen herumgedreht und herumgerissen worden wäre.
Er wurde in dem kleinen Orte San Petro in der Sierra de Oaxaca geboren und hat in seinen Jugendjahren gelernt, sich wacker mit den Hindernissen der Armuth, Zurücksetzung und nationalen Verachtung herumzuschlagen. Unter vielen, fast unüberwindlichen Beschwerden gelang es ihm, die Rechtswissenschaft zu studiren und dann am Collegium von Oaxaca Lehrer dieser Wissenschaft zu werden. Das war für einen Indianer, für eine verachtete Rothhaut, bereits sehr viel erreicht.
Neben diesem Lehramte widmete er sich der Advocatur, und dieses sein Wirken brachte ihm weithin den Ruf eines streng ehrlichen und tadellos redlichen Mannes. Daher kam es, daß er zum Gouverneur des Staates Oaxaca gewählt wurde, und selbst seine Feinde müssen zugeben, daß niemals dieses Amt so selbstlos und kraftvoll verwaltet wurde, als von ihm. Er erwarb sich eine so bedeutende Achtung, daß ihm die alte, berühmte Kreolenfamilie Mazo ihre Tochter Margarita zur Frau gab, während sonst die stolzen Kreolen jede Vermischung mit Indianern streng vermeiden.
Er zeichnete sich als Gouverneur aus durch Besserung der Rechtspflege, Hebung der Finanzen, Abstellung von Mißbräuchen und Schlendrian des Beamtenthums, Förderung des Gewerbefleißes und Mehrung der Verkehrsmittel. Der Wohlstand und die Sicherheit der von ihm beherrschten Provinz erhob sich dadurch so schnell und hoch, daß er im ganzen Lande berühmt wurde, und so war es gar nicht zu verwundern, daß er bald zum Vorsitzenden des höchsten Nationalgerichtshofes erwählt wurde, und zwar in Folge einer unmittelbaren Volkswahl, was eine um so größere Ehre für ihn ist.
Sodann wurde er gar Justizminister, als welcher er den bösen Praktiken des Präsidenten Commonfort entschieden entgegentrat und als strenger Rechtsmann, einsichtiger Patriot und edler, redlicher Staatsdiener seinen bereits erworbenen Ruf befestigte und behauptete.
Nach dem Falle dieses Präsidenten wurde Juarez selbst Präsident. Hiermit erhielt der einst so verachtete Indianer nicht nur die höchste Würde des Staates, sondern er erbte mit derselben von seinen Vorgängern die ganze, unglückselige Corrumption der Verhältnisse, an welcher er weder Theil noch Schuld hatte. Er erbte ebenso die fürchterliche Last des Krieges mit den Armeen und Flotten Frankreichs, die tiefen Zerwürfnisse mit Spanien und England, die schiefe Stellung mit den Vereinigten-Staaten, den hartnäckigen Widerstand seiner inneren Feinde und - den armen Maximilian von Oesterreich, welcher von Napoleons des Dritten Gnaden zum Kaiser von Mexiko ausgerufen wurde.
Diese Aufgabe war eine geradezu ungeheure. Hat er sie gelöst? Welche Frage! Konnte sie von einem Einzigen, konnte sie in einem Menschenalter, in der kurzen Zeit einer Präsidentschaft gelöst werden? Er erkannte, daß ein Kaiser von Napoleons Gnaden in Mexiko unmöglich sei. Er widmete dem guten Max seine persönliche Sympathie und Theilnahme, aber er war ein echter Mann des Principes, ist auf seiner Ueberzeugung stehen geblieben und hat für sie gekämpft, ohne sich von dem Franzmanne blenden zu lassen, zäh, muthig und ausdauernd und doch in persönlichen Angelegenheiten immer eine ruhige, sichere Würde, ein feines Gefühl und eine gewinnende Sanftmuth und Milde zeigend. Einer unserer neueren bedeutendsten Geschichtsschreiber fällt das Urtheil über ihn:
"Alles in Allem: Benno Juarez ist die bedeutendste geschichtliche Gestalt, welche innerhalb des Kreises der europäischen Civilisation bisher aus der indianischen Rasse hervorgegangen ist."[2][3]

in Der Scout/Winnetou II

In Der Scout kommt Juarez als handelnde Person nicht vor, allerdings spielt die Erzählung zur Zeit der Auseinandersetzungen um die Führung Mexikos zwischen den Mexikanern und den Franzosen und so wird der Name Juarez mehrfach erwähnt und die Kriegswirren sorgen für Spannung und Komplikationen. Winnetou ist darin einer der Anhänger Juarez und unterstützt diesen aktiv. Dies wurde bei der Bearbeitung für Winnetou II von Karl May so beibehalten.

im Film

Benito Juarez kommt in zwei Waldröschen-Verfilmungen vor:

im Hörspiel

In der Metronome-Produktion Trapper Geierschnabel (1974) wird Benito Juarez von Edgar Maschmann gesprochen.

Anmerkungen

  1. Karl May verzichtet auf den originalen Akzent auf dem a – schreibt also immer Juarez statt des korrekten Juárez.
  2. Karl May zitiert hier laut Figurenlexikon den Historiker Scherr.
  3. Karl May: Waldröschen. In: Karl Mays Werke, S. 12134–12138 (vgl. KMW-II.5, S. 1669–1671).

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.

Weblinks