Johanna Schneider

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Johanna Clementine Schneider (* 1875 in Reinhardtsbrunn; † 4. April 1935) war eine verwitwetete Kunstzeichnerin und wohnte erst in Weimar, ab 1909 in Gotha. Sie war die Tochter von Fanny Appunn und dem verstorbenen Herzoglichen Schlosscastellans Theodor Johann Georg Appunn sowie die Schwester von Fritz Appunn.

Johanna Schneider, Karl und Klara May

Im Februar 1910 beauftragte Johanna Schneider Otto Maucksch (Maucksch's Internationales Privat-Detektiv-Bureau) in Dresden mit Nachforschungen über das Verhältnis zwischen ihrem Bruder und Karl Mays geschiedener Frau Emma Pollmer. Einen ausführlichen Bericht dazu verfasste sie zwischen dem 2. und 8. Februar. Diesen Brief gab Mauckschs Mitarbeiter Johannes Kadner auch Karl May und seiner zweiten Frau Klara zu lesen.[1]

Johannes Kadner bat am 12. März und 13. April – vermutlich im Auftrag Karl Mays – Johanna Schneider um die Liebesbriefe Emma Pollmers an Fritz Appunn.[2]

Wohnhaus in Gotha, Roststraße 10

Am 17. April besuchte Klara May – möglicherweise in Begleitung Karl Mays – Johanna Schneider in der Roststraße 10 (heute Am Tivoli 14) in Gotha. Dort kopierte sie einen Brief Emmas an ihren Geliebten von 31. Dezember 1909.[3]

Johanna Schneider beantwortete Kadners Briefe am 21. April:

Inzwischen habe ich erkannt daß ich Herrn May vertrauen und meinen Bruder seinem Schutz ruhig anempfehlen kann. Die Briefe aber kann ich Ihnen nicht aushändigen. Warum? Das ist Gefühlssache, ich kann es einfach nicht. Es tut mir leid, daß ich Ihren Wunsch unerfüllt lassen muß, verspreche Ihnen aber Mitteilung zu machen wenn ich irgend etwas erfahre, das Sie, resp. Herrn May interessieren kann.[4]

Erst am 18. Mai leitete Johannes Kadner diesen Brief an Karl May weiter.[5]

Erwähnung findet Johanna Schneider auch in einem Brief Marie Baers an Klara May vom Dezember 1910. In diesem Schreiben wird das Verhältnis Emma Pollmers mit Fritz Appunn ausführlich erörtert:

Was Ihnen Frau Schneider mitgetheilt was die beiden anbetrifft[6] so können Sie es wohl glauben [...][7]
Ich war auch zugegen wie er sich auf die gemeinste Weise auch Frau Pollmer mit Frau Schneider gezankt hat, er rief ihr auf der Treppe nach, sie wäre eine Hure [...] Frau Schneider sagte zur Pollmer: Sie wollen wohl gar auch meinen Bruder noch heirathen da antwortete sie darauf Nun das machen wir wie wir wollen![8]

Am 7. Februar 1911 erhielt Johanna Schneider eine gerichtliche Postzustellungsurkunde.[9] Ihre Vernehmung als Zeugin im Prozess Rudolf Lebius ./. Karl May und Emil Horn sollte am 9. Februar im Amtsgericht Gotha stattfinden. Auf Bitten Karl Mays, der krankheitshalber verhindert war,[10] wurde der Termin auf den 8. April neu festgesetzt.[11] Dieser Termin fand dann tatsächlich statt, im Beisein Karl Mays vernahm Amtsgerichtsrat Hans von Kalckreuth Frau Schneider in Gotha.[12]

Am 6. Mai hatte Klara May in einem Brief an Johanna Schneider Louise Achilles als Lebius' Agentin bezeichnet. Die Antwort darauf ist das letzte bekannte Schreiben Johanna Schneiders und datiert auf den 11. Mai 1911. Darin berichtete sie über den Besuch der ihr sympathischen Frau Achilles bei Emma Pollmer:

[...] sie forderte von der Pollmer, entweder solle sie den Jungen gehen lassen, oder sie selbst würde gehen, worauf sich der Junge mit beiden verfeindete u[nd] nach Dresden fuhr. [...] Frau Achilles schilderte die Pollmer als eine bedauernswerte Frau, die unverschuldet großes Unrecht leide.[13]

Anmerkungen

  1. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 29-32.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 106.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 101.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 106 f.
  5. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 153.
  6. Anmerkung Klara Mays: daß die Pollmer tatsächlich mit dem Jungen zu Bette geht.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik IV, S. 592.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 32.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 411.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 413.
  11. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 414.
  12. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 443.
  13. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 461.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.