Karl May als Sphinx

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Büste Karl May als Sphinx

Karl May als Sphinx ist eine Büste von Sascha Schneider aus dem Jahre 1904. Sie stellt ein Porträt Karl Mays in Gestalt einer Sphinx dar.

Geschichte

Im Frühjahr 1904 hatte Sascha Schneider wohl mit Karl May abgesprochen, eine Büste von ihm zu schaffen. Am 31. Mai wendete sich Schneider diesbezüglich in einem Brief an May:

Wie ist es nun mit dem Modellieren? Es passte mir in den nächsten Tagen vortrefflich. Dachte vormittags in Radebeul zu sein, nachmittags wieder hier an Ihren Blättern[1] zu arbeiten. [...]
Nennen Sie mir die Tage, die Ihnen am liebsten sind. Sonst schreibe ich sofort nach Dresden und lasse Modellierscheibe und Thon von dort kommen an Ihre Adresse, Kirchstr. 5. Den Ueberbringer würden Sie alsdann an den Platz der Tat zu dirigieren haben. Zugleich gäben Sie mir umgeh[end] Nachricht, dass die Gegenstände eingetroffen sind, und ich erscheine gleich den andern Morgen darauf um ½ 9 Uhr in Villa Shatterhand & wir gehen zusammen los. Die Arbeit wird etwa 5-6 Tage in Anspruch nehmen.[2]

Im Tagebuch von Mays Ehefrau Klara finden sich dazu die Einträge:

Am 7. 6. beginnt unser lieber Schneider Herzle[3] zu modellieren.
Es sind herrliche Tage jetzt immer mit Schneider.[4]

Am 8. Juni entschuldigte sich Sascha Schneider telegraphisch bei May:

Bin unwohl komme Donnerstag[5] früh[6]

Innerhalb der nächsten Tage muss die Büste fertiggestellt worden sein, denn am 18. Juni schrieb Schneider auf einer Postkarte an Klara May:

Das Thonmodell[7] ist vom Giesser abgeholt worden, das hätte besser unterbleiben sollen, hoffentlich passiert nichts; ich schreibe an ihn.[8]

In einem Brief an Karl May vom 27. Juli äußerte sich Sascha Schneider wie folgt:

Die Büste zwischen Abu Kital und Marah Durimeh im Empfangssalon der Villa "Shatterhand"
Ihre "Büste" ist gut gegossen worden, ein Exemplar davon habe ich aus seiner fatalen Gypswirkung auferstehen heissen. Wenn ich wieder zu Ihnen komme, muss der Ihr Abguss durch eine einfache Manipulation ebenfalls in Eisen verwandelt werden.[9]

Auch Mitte August war die Büste noch nicht ganz fertig. Schneider und seine Schwester Lilly sowie das Ehepaar Kreis waren für den 14. August in die Villa "Shatterhand" eingeladen. Diesbezüglich wendete sich Sascha Schneider am 10. August brieflich an Klara May:

Stellen Sie bitte die Büste beiseite, dieselbe soll erst gezeigt werden, wenn ich sie getönt habe.[10]

Dies ist die letzte Erwähnung der Büste innerhalb des Briefwechsels zwischen Sascha Schneider und dem Ehepaar May. Vermutlich ist die Sphinx bald darauf getönt und in der Villa sichtbar aufgestellt worden.

Die Karl-May-Büste kam nach Klara Mays Tod in den Besitz des Karl-May-Verlags. 1960 siedelte sie mit ihm nach Bamberg um und kehrte 1994 nach Radebeul zurück. Heute ist das Werk als Eigentum der Karl-May-Stiftung im Radebeuler Karl-May-Museum im Empfangszimmer der Villa "Shatterhand" zu sehen.

Motiv

Die Sphinx, als die Karl May durch Sascha Schneider hier dargestellt wurde, ist sowohl in der ägyptischen als auch in der griechischen Mythologie von Bedeutung.

Die Ägypter nannten die Sphingen "Hu". Die meisten als Sphinx bezeichneten Statuen stellen Könige oder Pharaonen als Götter dar, andere fungierten in liegender Form als Wächterfiguren vor Tempeleingängen.

Bei den Griechen galt die Sphinx als weiblicher Dämon der Zerstörung und des Unheils. Sie hielt sich auf einem Berg außerhalb von Theben auf und gab den vorbeikommenden Reisenden ein Rätsel auf. Diejenigen, die das Rätsel der Sphinx nicht lösen konnten, wurden von ihr erwürgt und gefressen.

Kritiken

Adolf Droop hatte 1910 Karl und Klara May in der Villa "Shatterhand" besucht. Danach äußerte er sich auch über die Büste, die er dort gesehen hatte:

Es handelt sich dabei nicht um eine realistische, naturalistische Wiedergabe, sondern ein kongenialer Geist verlieh der Büste sphinxähnliche Züge, die den Beschauer geheimnisahnend bannen.[11]

Hansotto Hatzig zitiert in seinem Beitrag zur Karl-May-Forschung aus Felix Zimmermanns Aufsatz Sascha Schneiders Kunstschaffen[12]:

Seine erste Plastik – noch in der Meißener Zeit – war die May-Büste, für die er eine "skizzenhafte malerische Flächenbehandlung" fand, die "als Mittel der Charakteristik eines phantasiebewegten, geistige Erregtheit spiegelnden Antlitzes eine überraschend feinfühlige Anpassungsfähigkeit" seiner plastischen Technik zeigte.[13]
Der Gedanke an das Unendliche (1894)

Sonstiges

  • 1894 entstand Sascha Schneiders Karton Der Gedanke an das Unendliche (als Ölgemälde 1920 und 1921), der Motiv-Ähnlichkeiten zu Karl May als Sphinx aufweist.
  • Um 1897 schuf Sascha Schneider eine Radierung mit dem Titel Der Wanderer und die Sphinx. Da ist die Sphinx – der griechischen Mythologie entsprechend – weiblich dargestellt.[14]
  • Karl May bemerkte am 8. August 1904 – also nach dem Modellieren der Büste – in einem Brief an Sascha Schneider:
Darum war von je meine Lieblingsgestalt die Sphinx. Die sagte nichts; die ließ nur rathen. Darum wurde sie nicht gehaßt und nicht beneidet.[15]

Anmerkungen

  1. Gemeint sind die Titelzeichnungen zu Karl May's gesammelten Reiseerzählungen, die ab 1904 in der Sascha-Schneider-Ausgabe erschienen.
  2. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 88.
  3. Gemeint ist Karl May.
  4. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 242, Anm. 12.
  5. Gemeint ist der 9. Juni.
  6. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 91.
  7. Die Kopfbüste Mays (als Eisenguss gefasster Gips) [...]
  8. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 93; dort auch die vorige Anmerkung.
  9. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 99.
  10. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 106.
  11. Zitiert nach: Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 93, Anm. 63.
  12. In: Die Schönheit. Dresden, Heft 11/1921.
  13. Hatzig: Karl May und Sascha Schneider, S. 91.
  14. Rolf Günther/Dr. Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May — Eine Künstlerfreundschaft. Karl-May-Stiftung Radebeul 1989, S. 12. ISBN 3-910035-03-5
  15. Steinmetz/Vollmer: Briefwechsel mit Sascha Schneider, S. 103.

Literatur

Weblinks