Meißen

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Meißen ist heute die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Freistaat Sachsen, hat knapp 30.000 Einwohner und trägt den Status Große Kreisstadt.

Geschichte

Meißen, um 930 von Heinrich I. gegründet, ward bald Sitz des Markgrafen. Die Mark Meißen entstand 965 nach Geros Tode als Teil der großen Sorbenmark, kam 1123 an das Haus Wettin und dadurch später zum Kurfürstentum Sachsen.

Das Bistum Meißen, 968 gestiftet, nahm 1559 die Reformation an, seit 1663 zu Kursachsen gehörig; das Burggraftum Meißen, wohl gleichzeitig mit der Stadt entstanden, genauer nachweisbar seit 1068, fiel 1439 an Kursachsen.

19. Jahrhundert

Meißen war eine Amtsstadt in der sächsischen Kreishauptmannschaft Dresden und hatte im Jahre 1900 mit dem Vorort Cölln 31.434 Einwohner, ein Amtsgericht, einen Dom, die St. Afrakirche (1205), das Kloster St. Afra, die Albrechtsburg (1473).

Von hoher wirtschaftlicher Bedeutung ist die älteste europäische Porzellanfabrik (1710), die Jutespinnerei, die Eisengießereien und Maschinenfabriken.

Karl May und Meißen

im Werk

Meißen wird vom Hobble-Frank in zwei im Wilden Westen spielenden Jugenderzählungen erwähnt.

In Der Sohn des Bärenjägers in einem Loblied auf seine sächsische Heimat:

"[...] Sachsen ist das Herz von Deutschland. Dresden ist klassisch; die Elbe ist klassisch; Leipzig ist klassisch; die sächsische Schweiz ist klassisch, und der Sonnenstein ooch. Das schönste und reinste Deutsch hört man auf der Schtrecke zwischen Pirna und Meißen, und grad so ziemlich zwischen diesen beiden Schtädten hab' ich mein erschtes Licht der Welt erblickt. Und nachhero schpäter hab' ich ganz in derselbigen Gegend meine Karriere angefangen. [...]"[1]

In Der Schatz im Silbersee beim Anblick seines indianischen Gegners im Lauf um das Leben:

"Was hältst du von ihm?" fragte ihn Old Shatterhand.
"Das is der leibhaftige dumme Junge von Meißen, wie er vor den Fettoogen schteht, aber die Brühe nich finden kann," antwortete der Kleine [nämlich wiederum der Hobble-Frank].[2]

im Leben

Karl May selbst hat Meißen mehrfach besucht, überliefert sind folgende Aufenthalte:

Am 24. Juni 1898 verschickt May von dort einen Kartengruß an Emil Seyler und nennt Meißen die ganz aus Porzellan bestehende Stadt.[3]

Die Nacht vom 19. zum 20. März 1902 verbringt Karl May im Meißner Hotel Stern wegen eines Ehestreits mit seiner ersten Frau Emma.[4]

Von 1900 bis 1904 wohnte der Maler Sascha Schneider in Meißen, Zaschendorfer Str. 81. Karl May besuchte ihn dort Anfang Juni 1903 zum ersten Mal. Schneider berichtet später darüber (überliefert durch Lucia Lieberknecht):

Ein gut aussehender Herr kam zu mir ins Atelier und stellte sich vor: Karl May. Ich hatte nichts bis dahin von ihm gehört und sah ihn fragend an, worauf er "Old Shatterhand" hinzufügte. Ich bat um Erläuterung, worauf er das mit einem Schlage Niederschmettern seiner Gegner beschrieb. Daraufhin ergriff ich meinen Gewichtheber von 1 Zentner Gewicht und sagte ihm: Damit übe ich täglich![5]

Am 8. März 1904 stattet May mit seiner zweiten Frau Klara Schneiders Meißner Atelier einen weiteren Besuch ab. Dazu vermerkt Klara May in ihrem Tagebuch:

Herzle[6] zahlte 1500 Mk. à Konto für unser bestelltes Bild[7]. Schneider klagte, als wir ihn zuletzt sahen. Wir wollen ihm helfen wie und wo wir können. Der liebe Schneider will Karls Bücher mit anderen Titelbildern versehen,[8] damit man Karl endlich verstehen lerne und der alberne Name "Jugendschriftsteller" schwinde.[9]

Anmerkungen

  1. Karl May: Der Sohn des Bärenjägers. In: Karl Mays Werke, S. 35281 (vgl. KMW-III.1-184:4, S. 50).
  2. Karl May: Der Schatz im Silbersee. In: Karl Mays Werke, S. 38693 f. (vgl. KMW-III.4, S. 451).
  3. Volker Griese: Karl May - Chronik seines Lebens. In: Karl Mays Werke, S. 71712 (vgl. May-Chronik, S. 75).
  4. Volker Griese: Karl May - Chronik seines Lebens. In: Karl Mays Werke, S. 71792 (vgl. May-Chronik, S. 111).
  5. Zitiert nach: Hansotto Hatzig: Karl May und Sascha Schneider. Dokumente einer Freundschaft. Beiträge zur Karl-May-Forschung 2. Karl-May-Verlag Bamberg 1967.
  6. Hier Kosename Klaras für Karl.
  7. Vermutlich Der Chodem.
  8. Dies geschah dann tatsächlich, siehe Sascha-Schneider-Ausgabe.
  9. Volker Griese: Karl May - Chronik seines Lebens. In: Karl Mays Werke, S. 71817 (vgl. May-Chronik, S. 122).

Weblinks