Seddada

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Cedada ist ein ehemaliges Dorf, jetzt Ortsteil der Stadt Degache im Gouvernorat Tozeur in Tunesien.
Degache liegt am Nordrand des Chott el Djerid und hat knapp achttausend Einwohner.

Im Jahr 1287 ist eine Familie, man kann wohl auch von einem Stamm sprechen, namens Seddada in der Oase Takîous nachgewiesen, die in Kämpfen gegen den Emir von Tunis eine weitgehende Autonomie der dortigen Bevölkerung erreichte.

Im neunzehnten Jahrhundert war Takïous oder Tagious ein alternativer Name für die große Oase El-Oudian, in der sechs Dörfer zu einer übergeordneten Einheit zusammengefasst waren: Degache, Zaouiat-el-Arab, Oulad-Madjed, Zourgan, Kris und Seddada. El-Oudian entspricht also der heutigen Stadt Degache, in der sich die anderen fünf Ortsnamen heute noch als Ortsteile finden lassen.

El-Oudian hatte nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen vier- und sechstausend Einwohner, die von einer florierenden Landwirtschaft lebten. Es gab weit über 100.000 Dattelpalmen, davon rund 8.000 von der für den Export wichtigen Sorte Deglet Nour. Das von etlichen zehntausend Olivenbäumen gelieferte Öl war das renommierteste der Regentschaft Tunis; und ebenso berühmt waren die Orangen von hier. Daneben gab es noch viele weitere Obstsorten und Feldfrüchte.

Die dafür nötige Bewässerung wurde von mehreren Quellen ermöglicht. Die Quellen waren wie alle der Region relativ warm, nämlich 28° C; nur eine Quelle bei Kris war noch um einige Grad wärmer. Die gerechte Verteilung des Wassers war dabei ein wichtiges Thema. Sie wurde nach von alters her überlieferten Regeln mittels kleiner Gräben bewerkstelligt, die nach einem Zeitplan zu öffnende oder zu verschließende Durchlässe hatten. Obwohl keine größeren Streitigkeiten auftraten, führten kleine Rivalitäten doch zu einer Bildung von zwei Lagern innerhalb der Oase; die Einwohner von Seddada gehörten zusammen mit denen von Kris und Zourgan zu einer Fraktion.

Seddada selbst wird als eines der schlechter gebauten Dörfer beschrieben, das jedoch über eine sehr gute Quelle verfügte. Hier lag das nördliche Ende der „El Oudianiya“, auch „Trik' el Mhalla“ genannt, eine der Routen über den Chott el Djerid. Sie führte in südöstlicher Richtung nach Fatnassa auf der zur Oasenregion Nefzaoua[1] gehörenden Halbinsel. Auf genau diesem Weg wurde im 20. Jahrhundert zunächst ein Damm aufgeschüttet, um eine ganzjährig befahrbare Piste zu schaffen. Diese wurde später zur Straße P16 ausgebaut.

bei Karl May[Bearbeiten]

Seddada
im Werk Karl Mays
Weltkarte1911.jpg

Durch die Wüste
nur erwähnt in:
Der Krumir

Orientzyklus: Reiseroute über Seddada

Seddada ist das erste Dorf der in „Durch die Wüste“, dem ersten Band des „Orientzyklus“ beschriebenen Reiseroute. Hier legen Kara Ben Nemsi und Halef eine kurze Rast ein, bevor es zur Überquerung des Schott Dscherid nach Kris[2] weitergeht.

„Werden wir jetzt nach Seddada gehen?“
„Ja, um Datteln zu kaufen und einmal gutes Wasser zu trinken.[3] Dann aber setzen wir den Weg fort.“
„Nach Kris?“
„Nach Kris.“
Bereits eine Viertelstunde später hatten wir uns restauriert und folgten dem Reitwege, welcher von Seddada nach Kris führt. Zu unserer Linken glänzte die Fläche des Schott Dscherid zu uns herauf, ein Anblick, den ich vollständig auszukosten suchte.
[4]

Bei der Beschreibung des ersten Abschnitts der Orientzyklus-Reise, vom Dschebel Aures bis nach Kbilli, stützt May sich auf die Karte „Das Algerisch-Tunesische Schott-Becken“ aus der Zeitschrift „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik“.[5] Alle geografischen Namen stimmen einschließlich der Schreibweise mit dieser Karte überein.

In der Erzählung „Der Krumir“ erwähnt May Seddada zur geografischen Einordnung der eigentlichen Handlungsorte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Baraban, Léopold: A travers la Tunisie, études sur les oasis, les dunes, les forêts, la flore et la géologie J. Rothschild, Paris 1887
  • Berbrugger, Adrien: Itinéraires archéologiques en Tunisie. IIe et dernière partie. In: Revue Africaine, Journal des travaux de la Société Historique Algérienne 3e année n° 13 octobre 1858, Bastide, Alger 1858
  • Guérin, Victor: Voyage archéologique dans la régence de Tunis, tome premier Henri Plon, Paris 1862
  • Ibn-Khaldoun: Histoire des Berbères et des dynasties musulmanes de l'Afrique septentrionale. Tome deuxième. Ins Französische übersetzt durch William MacGuckin de Slane, Imprimerie du Gouvernement, Alger 1854
  • Pellissier de Reynaud, Edmond: Description de la Régence de Tunis In: Exploration scientifique de l'Algérie pendant les années 1840, 1841, 1842 XVI, Imprimerie Impériale, Paris 1853
  • Rolland, Georges. Hydrologie du Sahara Algérien Imprimerie Nationale, Paris 1894
  • Zaccone, Pierre: Notes sur la Régence de Tunis Ch. Tanera, Paris 1875

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Von Karl May als Nifzaua erwähnt
  2. Mit dieser Wegbeschreibung übernimmt May offenbar eine Ungenauigkeit der von ihm verwendeten Karte, in der es tatsächlich so aussieht, als beginne der Weg über den Schott in Kris. Alle Reisebeschreibungen stimmen aber darin überein, dass man, vom Schott her kommend, als erstes Seddada erreichte.
  3. Laut Zaccone hatte Seddada tatsächlich eine außergewöhnlich gute Quelle. Falls May hier nicht nur zufällig das Richtige getroffen hat, stellt sich die Frage, woher er die Information hatte.
  4. Karl May: Durch Wüste und Harem. Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld, Freiburg 1892, S. 32-33.
  5. Das Algerisch-Tunesische Schott-Becken nach Capt. Roudaire's Aufnahmen.
    Inventar-Nr. KK002a in Karl Mays Bibliothek.
    entnommen aus: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. II. Jahrgang, Heft 6 A. Hartleben, Wien/Pest/Leipzig 1880.