Winnetous Testament (Karl May)

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Kurz vor seinem Tod ("Winnetou III") teilt Winnetou seinem Blutsbruder Old Shatterhand mit, dass er ein Testament verfasst und am Fuß des Grabes seines Vaters am Nugget-tsil vergraben hat.

Das erste Testament

In diesem Testament verrät er das Versteck eines Teils des Goldes der Apachen und teilt seinem Blutsbruder als Testaments-Vollstrecker mit, wie genau das Gold zu verwenden ist. Dieses Testament gerät in die Hände Santers, bevor Old Shatterhand mehr als diese ersten Sätze lesen kann:

"Mein lieber, guter Bruder!
Du lebst, und Winnetou, der Dich liebte, ist tot. Doch seine Seele weilt bei Dir; Du hältst sie in Deiner Hand, denn sie steht geschrieben auf diesen Blättern; laß sie auf Deinem Herzen ruhen! Du sollst den letzten Wunsch Deines roten Bruders erfahren und viele Worte von ihm lesen, die Du nie vergessen wirst; zunächst aber wird er Dir sagen, was am nötigsten ist. Du hast hier nicht das einzige Testament von Winnetou, denn er legte auch eines in die Ohren seiner roten Krieger; dieses hier ist nur für Dich.
Du wirst sehr viel Gold sehen und mit demselben tun, was mein Geist Dir jetzt sagt. Es lag im Nugget-tsil verborgen, doch Santer, der Mörder, trachtete danach. Darum hat Winnetou es fortgeschafft nach dem Deklil-to, wo du einst mit ihm gewesen bist. Erfahre die Stelle, an welcher es sich befindet. Du reitest den Indeltsche-tschil empor bis zu dem Tseschosch am fallenden Wasser. Dort steigest Du vom Pferde und kletterst – – – –"

Das Testament wird zusammen mit dem goldgierigen Verbrecher bei der Explosion einer von Winnetou am Deklil-to zur Sicherung am Goldversteck angebrachten Sprengladung vernichtet.

Das zweite Testament

Jahre später kommt – in "Winnetou IV" – der gealterte Old Shatterhand mit seiner Frau, dem Herzle, und weiteren Reisegefährten (unter ihnen die beiden Söhne Santers) wieder an den Nugget-tsil und gräbt, angeregt durch eine Botschaft Tatellah-Satahs, nochmals tiefer an derselben Stelle nach, wo er das erste Testament fand. Er findet nun viele von Winnetou geschriebene Hefte, die er mit zum Mount Winnetou nimmt. Dort gelingt es ihm, mit Hilfe von Lesungen aus diesen Heften die Befürworter der monumentalen Winnetou-Statue von ihrem Plan abzubringen und letztlich die alten Feinde zu versöhnen.

Von diesem Teil des Vermächtnis des Apachen werden nur Auszüge und ein Begleitbrief 'zitiert', da Karl May zum Zeitpunkt, als er "Winnetou IV" verfasste, offenbar die Absicht hatte, nach "Winnetou IV" noch mindestens einen weiteren Band mit dem Titel "Winnetous Testament" zu veröffentlichen. Diese Absicht wurde allerdings nie in die Tat umgesetzt. Selbst Notizen oder Vorstufen sind keine bekannt.[1]

Texte

Karl Mays Planung

Nach Angaben Klara Mays sollte das Werk zwei Teile umfassen, "in denen Winnetou selber in der Ich-Form zu seinen Testamentsvollstreckern sprach".[2] Es wäre lt. Klara May nach der Zusammenfassung von Eicke, eine Sammlung von Betrachtungen über Rassengeschichte, Kulturgeschichte, politische und soziale Entwicklung der roten Rasse, über Religions- und Weltanschauungsfragen geworden.[3] In seinem Aufsatz "Des Baues Krönung" sammelte Eicke Hinweise, wie sich May den Band vorgestellt haben könnte.

Im Januar 1911 schrieb Karl May einen Brief an die Union Pacific Railroad Company, um Literatur über den Yellowstone Nationalpark zu erhalten. Er plante – nach Hans Wollschläger – eine weitere Amerikareise, die Stoff für das Romanprojekt Winnetous Testament liefern sollte.[4]

weitere Texte

Aus den "Bausteinen", die Otto Eicke ermittelte, skizzierte er in seinem Aufsatz Des Baues Kuppel im Karl-May-Jahrbuch 1932 eine mögliche (Abenteuer-)Handlung, in die das Testament eingebettet wird. Neben Figuren aus Winnetou IV sollten auch Sam Hawkens und Old Firehands Sohn Harry bedeutende Rollen spielen.[5] Ausformuliert wurde das aber nie.

"Winnetous Testament" ist auch der Name einer Reihe von Romanen, die nicht von May, sondern von Reinhard Marheinecke und Jutta Laroche stammen, und in denen das Autorenpaar eine Biografie Winnetous zu rekonstruieren versucht.

Anton Haider hatte sich ebenfalls an dem Werk versucht und ein 17-seitiges Fragment verfasst, dass in den Wiener Karl-May-Briefen veröffentlicht wurde.

Anmerkungen

  1. Dazu Dieter Sudhoff: "Mays Vorhaben, im Anschluß an "Winnetou IV" ein "Großes Werk" "Winnetous Testament" zu schreiben, erscheint so geradezu unwahrscheinlich, es wäre wohl das verwegenste Unternehmen der abendländischen Literaturgeschichte geworden, sicher auch von vornherein zum Scheitern verurteilt, hätte es sich doch um nichts Geringeres als das Neuschreiben des Neuen Testaments, der Lebensgeschichte Jesu Christi gehandelt.", in: Karl Mays 'Winnetou IV'. Studien zur Thematik und Struktur. Materialien zur Karl-May-Forschung Band 6, 1981, S. 101 (Onlinefassung).
  2. Klara May: Winnetous Testament, S. 89
  3. Otto Eicke: Des Baues Krönung, S. 90
  4. Dieter Sudhoff/Hans-Dieter Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 392.
  5. Otto Eicke: Des Baues Kuppel, S. 205–261

Literatur