Tatellah-Satah

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Tatellah-Satah
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Winnetou IV

Tatellah-Satah (indianisch Tausend Sonnen, Tausend Jahre), auch Bewahrer der Großen Medizin genannt, ist ein geheimnisvoller, uralter Medizinmann, der „größte Medizinmann aller roten Völker“.

[Er] wurde von einem herrlichen, schneeweißen Maultiere getragen, dessen Mähne in langgeflochtenen Zöpfen fast bis zur Erde niederhing. Die Schabracke bestand aus jenem unvergleichlichen altindianischen Federgeflecht, von dem jeder Quadratdezimeter ein ganzes Vermögen kostet. Die Bügel waren von purem Golde, inkaperuanisch ziseliert. Ein Mantel hüllte ihn ein, so daß man den Anzug, den er darunter trug, nicht sah. Dieser Mantel war von blauer Farbe, aber von einem Blau, wie ich noch niemals eines gesehen habe [...] Der Stoff war außerordentlich fein, wie allerfeinste, indische Seide, aber dennoch keine Seide, sondern von jenem längst verschwundenen sagenhaften Gewebe, von dem man erzählt, daß nur die Frauen der alten, südamerikanischen Herrscher es herzustellen verstanden [... Darunter trug er] einen ganz gewöhnlichen indianischen Anzug von weichgegerbtem, naturfarbenem Leder, ohne eine Spur von verschönender Stickerei oder sonstigem Schmuck. [...] Sein Kopf war unbedeckt, und dennoch aber wohlbedeckt, und zwar mit einem außerordentlich reichen, starken, silberglänzenden Haar, welches zu beiden Seiten in langen Zöpfen bis auf die Steigbügel niederfiel [...] Genauso trug auch [...] Marah Durimeh ihr Haar. Auch seine Gesichtszüge waren den ihren derart ähnlich, daß es mich beinahe erstaunte. Vor allem die Augen, diese großen, weit offenen, unerforschlichen, selbst aber alles erforschenden Augen, in denen der Ausdruck einer unerbittlichen Strenge und doch auch wieder einer heiligen Güte lag, die alles verstehen und alles verzeihen konnte [...] Seine Stimme war unbedingt die Marah Durimehs, so voll, so tief, so wirkungsstark, ein klein wenig männlicher gefärbt, aber doch genau dieselbe!

Sein Name gehört der Taos-Sprache an und verweist auf das hohe Alter:

Der Träger desselben hatte also ein so ungewöhnliches, ja außerordentliches Alter, daß man die Höhe des letzteren unmöglich bestimmen konnte. Ganz ebensowenig wußte man, wo er geboren war. Er gehörte keinem einzelnen Stamme an. Er wurde von allen roten Völkern und Nationen gleich hoch verehrt. Was Hunderte und Aberhunderte von einzelnen Medizinmännern im Laufe der Zeit an Geistesgaben und Kenntnissen besessen hatten, das sprach man ihm, dem Höchstgestiegenen, in voller Summe zu [...] Sein Denken und Fühlen war absolut gerecht und absolut human, sein Handeln ebenso.

Tatellah-Satah bewohnt eine als "Schloss" bezeichnete Felsenstadt am Mount Winnetou, in der er eine große Bibliothek zusammengetragen hat. Im Tempel seines Hauses hängen die Haut des Silberlöwen und die des großen Kriegsadlers.

Er wohnte seit Menschengedenken in größter Einsamkeit hoch oben im Gebirge. Nur Häuptlinge durften sich ihm nahen, und auch das so selten wie möglich. Es mußte sich um Angelegenheiten von höchster Wichtigkeit handeln, ehe jemand die Erlaubnis bekam, zu ihm emporzusteigen. Nur Winnetou, sein ganz besonderer Liebling, durfte kommen, so oft es ihm beliebte.

Ihm erfüllte Tatellah-Satah jeden Wunsch, doch durfte Winnetou Old Shatterhand nicht mitbringen, da Tatellah-Satah diesem eine Mitschuld am Tod Nscho-tschis gab. Der Tod der Schwester Winnetous traf Tatellah-Satah besonders tief, da er in ihr die Trägerin all unserer Wünsche und Hoffnungen sah.

Tatellah-Satah hat für die Indianer das Gesetz von Dschinnistan wieder zum Leben erweckt, indem er den Winnetou-Clan gründete, dessen erstes Mitglied sein Lieblingsschüler Junger Adler wurde.

Dem Plan Old Surehands und Apanatschkas, am Mount Winnetou ein riesiges Winnetou-Denkmal zu errichten, steht Tatellah-Satah ablehnend gegenüber, da ein solches Denkmal seiner Meinung nach dem Wesen Winnetous nicht gerecht würde. Ohne Old Shatterhand kann er den Bau jedoch nicht verhindern. Er bittet diesen deshalb in einem Brief nach Radebeul eindringlich, zum Mount Winnetou zu kommen; auf dem Weg dorthin soll er am Nugget-tsil jedoch noch einmal nach Winnetous Testament graben.

Aufgrund dieser Anweisung findet Old Shatterhand das wahre Testament des Apachen. Am Mount Winnetou kommt Tatellah-Satah Old Shatterhand entgegen und empfängt ihn herzlich. Das gute Verhältnis wird auch dadurch befördert, dass der Medizinmann das Herzle so sehr in sein Herz schließt, dass er sie mit Nscho-tschi vergleicht. Old Shatterhands Ehe gilt ihm so als Ersatz für dessen Verbindung mit Nscho-tschi.

Old Shatterhand erhält von ihm Vollmacht, in seinem Namen zu handeln. In die Auseinandersetzungen um das Denkmal braucht Tatellah-Satah so nicht einzugreifen. Er leitet lediglich den Kampf zwischen Old Shatterhand und den vier Häuptlingen. Den Jungen Adler bittet er, die alte Sage vom "Berg der Königsgräber" zu erfüllen.

Zum Schluss verkündet er die Aussöhnung der indianischen Stämme. Er bezeichnet sich als die Sehnsucht der roten Völker, welche, nach Osten ausschauend, auf Erlösung warten.

siehe auch

Literatur

Informationen zu Figuren in Karl Mays Werken finden Sie auch im Karl May Figurenlexikon.
Die zweite Auflage dieses Werkes finden Sie online auf den Seiten der KMG.