Grace Ford

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Anzeige in der Oakland Tribune, 1901

Catherine Grace Ford (* 1841; † 8. März 1929) war eine Malerin aus Toronto/Kanada und die Inhaberin einer Pension in Dresden, Südvorstadt, Werderstraße 9II.

Grace Ford, Rudolf Lebius, Brant-Sero, Lu Fritsch und Karl May

Grace Ford war mit Karl Mays Erzgegner Rudolf Lebius bekannt. In ihrer Pension lernte Lebius im März 1910[1] den ebenfalls aus kanada stammenden John Ojijatekha Brant-Sero kennen.[2] Am 30. April 1910 zog Brant-Sero vermutlich in die Pension von Grace Ford, bevor er mit Hilfe von Rudolf Lebius in Berlin eine Unterkunft erhielt.[3]

In ihrem Bericht Ein Vollblutindianer und seine Kriegspfade berichtete Lu Fritsch von ihren Begegnungen mit John Ojijatekha Brant-Sero. Das Gespräch kam am 16. Juli auf Karl Mays Reiseerzählung Winnetou IV:

[Brant Sero: "...] Ich habe mich nie um Karl May gekümmert, dann wurde mir ein Buch von ihm übersetzt –" Ich warf ein: "Übersetzt, mündlich übersetzt, das ist doch wahnsinnig, da kann Ihnen das Werk doch nicht verständlich geworden sein?" Er behauptete dann, daß Ms. Ford in Dresden ihm das Buch und dann den Artikel darüber ins Deutsche [recte: ins Englische] übertragen habe, wollte aber auf eine nähere Inhaltsangabe absolut nicht eingehen [...][4]

Ebenfalls im Juli 1910 berichtete Lu Fritsch Karl Mays Rechtsanwalt Siegfried Puppe von einem Besuch bei dem Berliner Zirkusagenten Bruno Völcker:

Dann sprang ich unvermittelt auf ein neues Thema über und sagte ihm, dass ich Miss Ford kennen gelernt habe, aber gar nicht fände, daß sie eine "Grace"[5] sei. Er erinnerte sich sofort: "Die Blumenmalerin meinen Sie? Die habe ich [in Dresden] jeden Tag auf der show gesehen. Die ist dem Brant-Sero fortwährend nachgelaufen. So alt[6] sie war!"[7]

Ende des Monats hatte sich Marie Hannes auf Veranlassung von Karl Mays Frau Klara in der Pension von Grace Ford einquartiert, um Brant-Sero und seine Beziehung zu Lebius auszukundschaften.[8] So fand sie heraus, dass Brant-Seros Artikel mit Miss Fords Schreibmaschine geschrieben wurden.[9]

Im Prozess May ./. Lebius sollte Grace Ford vor dem Dresdner Amtsgericht als Zeugin aussagen. Darufhin schrieb sie am 22. März 1911 einen Brief an das Gericht:

Da ich krank bin und das Zimmer hüten muß bedauere ich daß ich unmöglich bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht erscheinen kann. Ueber die Sache zwischen "Möbius [sic!] contra May" weiß ich eigentlich gar nichts, doch wenn Fragen an mich zu richten wären bin ich sofort bereit vor einem Gerichtsbeamten Antwort zu geben.

Erst am 8. April um 9.30 Uhr wurde Grace Ford vernommen.[10]

Weitere Kontakte Grace Fords zu Karl May sind nicht bekannt.

Anmerkungen

  1. Zeitangabe nach Lu Fritsch, Stettiner Gerichts-Zeitung, 2. September 1910.
  2. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 67.
  3. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 119 f.
  4. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 212 f.
  5. Englisch: Anmut, Grazie.
  6. Grace Ford war etwa 26 Jahre älter als Brant-Sero.
  7. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 222 f.
  8. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 231 f.
  9. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 233.
  10. Sudhoff/Steinmetz: Karl-May-Chronik V, S. 435, 437, 443.

Literatur

Informationen über Zeitgenossen Karl Mays finden Sie im Namensverzeichnis Karl May – Personen in seinem Leben von Volker Griese unter Mitwirkung von Wolfgang Sämmer.